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Von Skylab zu Tianhe

Die ISS ist nicht die erste Raumstation. Sie ist die zehnte, wobei von den anderen neun Raumstationen nur eine von den USA betrieben wurde. An dieser Stelle daher eine kleine Geschichte der Raumstationen.

Skylab war zwar nicht die erste Raumstation, aber da danach keine weitere US-Station kam, bietet es sich an sie zuerst zu erwähnen. Skylab entstand aus dem Apolloprogramm. Das NASA-Management ging davon aus, dass man bald nach Beendigung von Apollo ein neues bemanntes Programm beschließen würde. Entweder würde es zum Mars gehen oder man würde einen wiederverwendbaren Raumgleiter bauen. Bisher war es so, dass sich die Programme überlappten: Gemini wurde beschlossen, als die ersten Mercury Flüge anstanden. Ein Jahr später folgte Apollo. Das bedeutete, dass die vielen Techniker und Ingenieure von einem Projekt zum anderen wechseln konnten, wenn der Höhepunkt der Entwicklung erreicht war und man weniger Personen brauchte. Das war bei Apollo das Jahr 1967. Doch ein Nachfolgeprojekt war 1967 nicht in Sicht. So beschloss man bei der NASA auf das Apollo Application Programm AAP. Das Programm sollte untersuchen, wie man aus der Apollo-Hardware mehr machen konnte. Damit waren die Mitarbeiter weiter gebunden und man konnte die Pause bis zu einem neuen Programm überbrücken. Von den Vorschlägen konnte sich nur einer durchsetzen, das war der einer Raumstation.

Skylab wurde aus einer Saturn S-IB Stufe entwickelt. Der Wasserstofftank wurde zur Wohnung der Besatzung umgebaut. Der Sauerstofftank diente als Abfallbehälter. An die umgebaute Stufe, den Orbital Workshop schloss sich die Luftschleuse an, die von einem Ring mit Vorratsbehältern für Sauerstoff, Wasser und Stickstoff umgeben war. Über die Luftschleuse mussten die Astronauten aussteigen, um im Sonnenteleskop, das dort angebracht war, die Filme zu wechslen oder Wartungsarbeiten durchzuführen. Den Abschluss bildete ein Kopplungsadapter für zwei Raumschiffe - eine Besatzung und ein Rettungsraumschiff. Erstmals machte man sich bei Skylab Gedanken über die Rettung der Besatzung. Dies war wegen der Startvorbereitungen aber nur möglich, wenn es ein Problem an dem Apollo-Raumschiff gab oder die Station noch für einige Zeit bewohnbar war. Skylab war für drei Besatzungswechsel ausgelegt. Die erste sollte 28 Tage im All bleiben, die beiden nächsten jeweils 56 Tage. Die Vorräte erlaubten es, die dritte Besatzung sogar 84 Tage lang forschen zu lassen. Die Forschungsmöglichkeiten an Bord von Skylab waren für die damalige Zeit sehr gut. Das ermöglichte die hohe Nutzlast der Saturn V Trägerrakete. Es waren 54 Experimente fest installiert dazu kamen weitere Instrumente, die mit den Missionen an Bord gebracht wurden, sowie Untersuchungen an den Astronauten selbst, die keine besonderen Vorrichtungen erforderten. Zusammen waren es 82 Experimente, mit denen 270 Untersuchungen durchgeführt werden konnten. Skylab brachte eine große Ausbeute an Ergebnissen. Am meisten profitierte die Sonnenforschung, die auch der Forschungsschwerpunkt war. Eine relativ kleine Rolle spielten die Materialwissenschaften, doch ihre Ergebnisse waren so positiv, dass sie die Hoffnung auf eine spätere Fertigung im Weltraum nährten und dazu führten, dass Materialwissenschaft neben der Humanforschung heute die zweitwichtigste Disziplin an Bord der ISS ist. Andere Forschungen rechtfertigten nicht den Aufwand, so waren die Ergebnisse der astronomischen Forschung nicht überzeugend und die Aufnahmen der Erde waren nicht besser als die der Landsat-Satelliten, die jedoch die Erde kontinuierlich zu geringeren Kosten überwachen konnten.

An Bord von Skylab arbeiteten die drei Astronauten im Schnitt 130 Stunden pro Woche an Experimenten. Die Expeditionen 40+41 stellten an Bord der ISS einen Rekord mit 80 Stunden wissenschaftlicher Arbeit pro Woche - allerdings für sechs anstatt drei Astronauten. Nominell arbeiten sechs Astronauten nur 40 Stunden pro Woche wissenschaftlich. Das Skylab dreimal produktiver als die ISS wa,r liegt an einigen Faktoren: Die Station hatte eine limitierte Lebensdauer. Eine Versorgung war nicht vorgesehen, waren die Vorräte an Bord verbraucht so war die Mission beendet. Damit gab es kaum Reparaturen, Housekeepingarbeiten und keine Versorgungsraumschiffe, die be- und entladen werden mussten. Vor allem machten die Astronauten viel weniger Übungen, um dem Problem des Muskelabbaus und Knochenschwundes zu begegnen. Erst die Skylabmissionen lenkten die Aufmerksamkeit auf dieses Problem, das bei den vorherigen, maximal 14 Tage dauernden Missionen nicht auftrat.

Skylab ist heute aus zwei Gründen in Erinnerung geblieben, die nichts mit der Forschung zu tun haben. Zum einen, weil die Station beim Start beschädigt wurde. Aerodynamische Kräfte führten zur Entfaltung eines Solarzellenflügels und des Verlusts des Mikrometeoritenschutzschilds, der zugleich Thermalisolation war. Damit waren die Temperaturen an Bord der Station so hoch, dass sie nicht bewohnbar war. Die NASA erarbeitete innerhalb von 9 Tagen eine provisorische Lösung, bei der eine Abdeckung wie ein Regenschirm durch eine Experimentluftschleuse aufgespannt wurde. Damit sanken die Temperaturen auf erträgliche Werte. In einem Außeneinsatz musste die erste Besatzung auch noch ein zweites eingeklemmtes Solarpaneel entfalten. Auch dies gelang. Die zweite Besatzung montierte dann ein noch größeres Schutzsegel bei einem Außeneinsatz. Die NASA bewies, wie bei Apollo 13, eine enorme Flexibilität und Geschwindigkeit das Problem zu lösen: Da die Station nur begrenzte Treibstoffvorräte hatte (Lageänderungen sollte das angekoppelte Servicemodul von Apollo durchführen) musste man die erste Besatzung innerhalb von zwei Wochen zur Station schicken, sonst wäre der Vorrat an Kaltgas zur Lageänderung verbraucht gewesen.

Spacelab1979 geriet die Station erneut in die Schlagzeilen, als sie in die Erdatmosphäre eintauchte und über dem Indischen Ozean verglühte. Einige Trümmer gingen über Australien nieder. Da noch nie ein 90 t schweres Objekt in die Erdatmosphäre eintrat, rauschte es damals kräftig im Blätterwald, wo das Risiko von einem Skylab-Bruchstück getroffen zu werden stark übertrieben wurde. Ursprünglich sollte die Station von einem Space Shuttle in eine sichere Höhe angehoben werden, doch das Programm lag mehrere Jahre hinter den Planungen zurück und der Jungfernflug des Shuttles fand erst zwei Jahre nach dem Verglühen von Skylab statt.

Die USA konzentrierten sich in der Folge auf Kurzzeitmissionen mit dem Spacelab und später Spacehab. Das Spacelab wurde von der ESA entwickelt und den USA gegen einen "halben" Space-Shuttle-Flug geschenkt (eine gemeinsame Mission bei der einer von zwei Nutzlastspezialisten von der ESA kam). Das Spacelab verinnerlichte die Konzeption des STS (Space Transportion System) - es sollte viele Flüge geben, die relativ preiswert sein sollten. Dadurch sollte das Labor sehr oft zum Einsatz kommen und das Spacelab hatte zahlreiche Konfigurationen um unterschiedliche Fragestellungen zu untersuchen. Es bestand aus drei Elementen: einem kurzen Modul, einem langen Modul und Paletten. Es konnte eines der Module mit Paletten kombiniert werden oder nur Paletten eingesetzt werden. Die Paletten nahmen die Experimente auf, die direkt dem Raum ausgesetzt waren oder freie Sicht auf die Erde oder den freien Raum erforderten wie astronomische oder geophysikalische Instrumente. Das Spacelab führte ein Standardrackformat ein, auf dem die heutigen Racks der ISS basieren. Damit konnte man Experimente leicht austauschen und es gab eine standardisierte Bauform an der sich Entwickler orientieren können. Das erinnert ein an das Standard-Hifi-Rack: Ob sie in dieses einen CD-Player, Plattenspieler, Kassettendeck, Tuner, Receiver oder Equalizer einbauen, ist ihnen überlassen, aber alle Geräte passen dank Standardabmessungen und Anschlüsse in dasselbe Rack.

SpacehabJedoch flog das Shuttle nie so oft wie geplant und auch nicht zu den geplanten Kosten, die bei 14,5 Millionen Dollar im Wert von 1971 nach den Planungen lagen. Es wurde daher weitaus weniger oft eingesetzt als geplant. Die ESA leistete sich nur wenige Missionen und Deutschland war der einzige ESA Staat, der zwei nationale Missionen durchführte. Die NASA rüstete die Columbia um damit diese Langzeitmissionen durchführen konnte. Doch selbst wenn dann Missionen von bis zu 21 Tagen möglich waren, so war dies doch kurz gegenüber den schon erfolgten Skylabmissionen. 22 Spacelab Missionen wurden bis 1998 eingesetzt. Die Paletten wurden noch bei drei weiteren Missionen eingesetzt, die Letzte Mission war 2008 bei STS-123. Danach nutzte die NASA das leichtere Spacehab als Labor. Es wurde von 1993 bis 2007 eingesetzt, jedoch meistens als Transportbehälter für die Mir und ISS. 22 Flüge des Spacehabs gab es davon waren neun Versorgungsflüge zur ISS und acht zur Mir. Beide Labore waren nur für Kurzzeitmissionen ausgelegt, da das Space Shuttle nur Flüge von wenigen Tagen bis zu drei Wochen mit Zusatzausrüstung zuließ.

Russland begann noch vor den USA mit dem Start einer eigenen Weltraumstation, genannt Saljut. Unter diesem Namen wurden zwei Typen gestartet, eine zivile Variante genannt DOS (ДОС, Долговременная орбитальная станция, Dolgovremennaja orbitalnaja stancija für "Langzeit-Orbital-Station") und eine militärische Station, genannt Almaz. Almaz war die ältere Entwicklung. Die Astronauten sollten in Almaz hochauflösende Aufnahmen der Erde anfertigen. In dieser Disziplin war Russland den USA unterlegen. Ihre Zenit Aufklärungssatelliten waren aus den Wostokkpaseln entwickelt worden. Deren Fenster limitierten die Größe des Teleskops und es war nicht möglich wie beim US-System belichteten Film in Rückkehrkapseln zur Erde zu senden, sodass Russland sehr viele Missionen startete, um die USA und ihre Verbündeten zu überwachen. Die USA hatten ein ähnliches Projekt namens MOL, stellten diese Pläne für eine bemannte Raumstation wegen der ausufernden Kosten aber 1969 ein.

Saljut 1 war eine zivile Station (DOS). Sie bestand aus zwei Zylindern dem Wohnraum für die Besatzung, in der auch die Experimente waren und einem Servicemodul einer Sojus zur Steuerung am Heck und einem Kopplungsadapter am Bug. Diese beiden Sektionen enthielten auch die Solarzellen. Das Druckmodul stammte von der Almaz. Saljut 1 wurde sehr schnell aus der Almaz entwickelt und das schon fertige Druckmodul mit der existierenden Serviceeinheit der Sojus "verheiratet". Es ging darum zum einen Skylab zuvorzukommen, zum anderen aber auch vom gescheiterten eigenen Mondprogramm abzulenken, indem man behauptete, man hätte nie eines gehabt und stattdessen eine Raumstation entwickelt.

Saljut 1 startete am 19.4.1971 als erste Raumstation. Die erste Besatzung von Sojus 10 konnte am 22.4.1971 nicht ankoppeln, da man keine mechanische und elektrische Verbindung bekam. Daraufhin modifizierte man für Sojus 11 den Kopplungsadapter und diese Besatzung koppelte am 7.6.1971 an Saljut 1 an. Während der 23 Tage an Bord gab es einige Probleme so einen Brandgeruch an Bord, Vibrationen der Station und Verlust an elektrischer Leistung. Die Bitte der Besatzung früher heimkehren zu können, wurden abgelehnt. Als sie am 29.6.1971 abkoppelte, schloss sich ein Ventil nicht und die Luft aus der Kapsel entwich und die Besatzung erstickte - aus Platzgründen hatten die Besatzungsmitglieder nicht den vollständigen Raumanzug an, mit dem sie auch das Raumschiff verlassen konnten, sondern nur einen leichten Overall ohne Helm. Fortan führte Russland alle folgenden Flüge nur noch mit zwei Astronauten durch, da die nun zur Sicherheit bei Start und Landung angelegten Schutzanzüge so sperrig waren, dass der dritte Sitz nicht belegt werden konnte, erst die Sojus T lies wieder drei Astronauten zu. Ein weiterer Besuch der Saljut 1 erfolgte daher nicht. Sie verglühte am 11.10.1971.

Saljut 1+2Die beiden nächsten zivilen Stationen Saljut 2A und Kosmos 557 wurden nicht von Besatzungen besucht. Saljut 2A ging bei einem Fehlstart am 29.7.1972 verloren. Die dritte Station wurde am 22.5.1973 gestartet, war jedoch nach Erreichen des Orbits nicht kontrollierbar und verglühte nach 11 Tagen. Sie erhielt die Tarnbezeichnung "Kosmos 557".

Zwischenzeitlich wurde am 3.4.1973 die erste Almaz Station gestartet. Almaz unterschied sich vor allem in der Steuersektion und dem Kopplungsadapter von DOS. Almaz Adapter war für das zu entwickelnde Raumschiff TKS ausgelegt. Die Druckhülle war identisch zur zivilen DOS. Die erste Almaz bekam die Bezeichnung Saljut 2. Die dritte Stufe, der Proton die ebenfalls in die Umlaufbahn gelangte, explodierte nach drei Tagen und ein Bruchstück beschädigte eine Treibstoffleitung, die nach 13 Tagen zur Explosion und dem Druckverlust an Bord führten. Die Station wurde aufgegeben, ohne das Sie von einer Besatzung besucht worden wäre.

Saljut 3, die zweite Almaz startete am 25.4.1974. Die Besatzung von Sojus 14 hielt sich 15 Tage an Bord auf. Sojus 15 konnte nicht ankoppeln. Inzwischen hatte man die Almaz auf die Sojus umgerüstet, da das TKS-Raumschiff weiter hinter dem Zeitplan zurücklag. Die Besatzung konnte ihr Beobachtungsprogramm durchführen und auch die erstmals an Bord befindliche Kanone wurde erfolgreich erprobt. In Russland meinte man, sich vor feindlichen Raumschiffen schützen zu müssen. Später arbeitete die Station unbemannt weiter und eine Rückkehrkapsel mit Film wurde kurz vor dem Verglühen abgesetzt. Zentrales Instrument war ein Teleskop, das auf ein Ziel ausgerichtet werden konnte und diesem folgte, auch wenn sich die Station weiter bewegte - in diesem Falle wurde die ganze Station gedreht.

Saljut 4, die zweite nutzbare zivile Station wurde am 26.12.1975 gestartet. Drei größere Solarpaneele um den Druckkörper lieferten bei dieser Station mehr Strom. Zwei Besatzungen (Sojus 17 und 18 hielten sich 29 und 63 Tage an Bord auf - setzten also neue russische Rekorde. Danach wurde ein unbemanntes Sojus Raumschiff gestartet. Mit Sojus 20 erprobte man, wie lange man eine Raumstation nutzen konnte.

Saljut 5 war die letzte militärische Station, da man nun auch in der Sowjetunion das Kosten- zu Nutzenverhältnis für nicht gegeben ansah. Von den drei Besatzungen verbrachten zwei (Sojus 21 und 24) 48 bzw. 17 Tage an Bord. Sojus 23 hatte erneut Probleme, anzukoppeln.

Bisher waren alle Raumstationen, sowohl Saljut 1-5 wie auch Skylab mit einem Vorrat an Verbrauchsgütern gestartet worden. Das sind die Gase für die Atmosphäre, das Wasser und die Lebensmittel. Bei den in niedriger Bahnhöhe die Erde umkreisenden Saljuts war auch der Treibstoff eine begrenzte Ressource. Ohne dauernde Bahnanhebungen wären die Stationen innerhalb von wenigen Wochen verglüht. Skylab wurde immerhin 171 Tage lang genutzt, die sowjetischen Stationen 16 bis 92 Tage. Diese kurze Nutzungsdauer war ineffektiv. Russland entwickelte aus der Sojus den unbemannten Raumtransporter Progress, der Gase, Wasser, Nahrungsmittel und Treibstoff zur Station bringen konnte. Damit waren viel längere Missionen möglich und in den folgenden Jahren setzten Kosmonauten neue Langzeitrekorde, nachdem bisher die Besatzung von Skylab 4 diesen seit 1974 hielt.

Saljut 6 hatte zwei Kopplungsadapter - einen am Bug und einen am Heck. Damit war neben einer Sojus auch die Ankopplung eines Progress-Versorgers möglich. Diese Station war von 1977 bis 1981 in Betrieb also über vier Jahre. 16 Besatzungen, davon fünf Langzeitcrews hielten sich bis zu 107 Tage an Bord der Station auf. Dies ermöglichten 12 Progresstransporter. Nach der letzten Mission koppelte ein Prototyp des nun endlich einsatzfähigen TKS-Raumschiffs zum Test an. Propagandistisch nutzte Russland die Kurzzeitmissionen, um Kosmonauten aus sozialistischen Bruderländer zur Station zu bringen: Die NASA hatte angekündigt, Astronauten anderer Länder zu transportieren. Damit kam man diesem Vorhaben zuvor.

Saljut 7Saljut 7 war baugleich zu Saljut 6. Sie wurde als Back-up gebaut, und nachdem Saljut 6 in die Jahre gekommen war, gestartet, da Mir als Nachfolge noch nicht fertiggestellt war. Nach einem Jahr wurde die Station durch ein TKS-Raumschiff erweitert, der in der Rückkehrkapsel 350 kg Material zur Erde brachte. 1985 folgte ein zweites TKS-Raumschiff ohne Rückkehrkapsel, dafür mit Erdbeobachtungsinstrumenten. Saljut 7 wurde während ihrer drei Betriebsjahre von 10 Besatzungen, davon fünf Langzeitbesatzungen bewohnt. Russland setzte nun den neuen Sojustyp T ein, der durch eine umgebaute Kabine wieder drei Personen als Besatzung zuließ. Der Rekord für den Aufenthalt im All stieg nun auf 236 Tage an. An Bord von Saljut 7 löste die Besatzung auch erstmals zahlreiche technische Probleme. Obwohl es weniger Besatzungen gab, verbrachten diese noch mehr Zeit auf der Station als in den 5 Jahren die Saljut 6 aktiv war.

Das TKS-Raumschiff wurde zwar niemals bemannt eingesetzt, doch sein Druckmodul wurde Basis für den FGB, den Funktionellen Cargo Block, dem zentralen Element der Mir.

Mir (c) historc-spacecraft.comDer offensichtliche Unterschied der Mir von den Saljut ist, dass jedes Modul bis zu sechs (anstatt zwei) Kopplungsadapter hat. Damit konnte man zahlreiche weitere Module, die auf Basis des TKS-Raumschiffs entstanden, ankoppeln. Jedes Modul hat einen eigenen Antrieb und kann daher wie eine Sojus an die Mir angekoppelt werden. Mir wurde um sechs Module erweitert. Drei bis 1990, dann zwang der Zusammenbruch der Sowjetunion zu einem Baustopp. Zweitweise fehlte es sogar an Geld, eine Ersatzbesatzung zu starten. Die zweite Phase des Ausbaus von Mir begann 1995 mit dem Shuttle-Mir-Programm. Die NASA bezahlte nicht nur die folgenden drei Module der Mir mit, sondern flog auch die Mir an. Dabei fanden nicht nur Besatzungswechsel statt, sondern die Shuttles lieferten auch Versorgungsgüter für die Station. US-Astronauten brachen nun an Bord der Mir den bis dahin über 20 Jahre alten US-Langzeitrekord von Skylab 4. Es wurde allerdings auch klar, dass die Station überaltert war. Eigentlich hätte nach fünf Jahren Mir-2 gestartet werden sollen, doch für die Fertigstellung der Nachfolgestation fehlten Russland die Mittel. Die Kosmonauten waren vor allem damit beschäftigt, die Station im Schuss zu halten und Reparaturen durchzuführen. Besonderes Aufsehen erregte die Kollision des Progressfrachters M-34. Um Kosten zu sparen, wollte Russland das ukrainische KURS-System zur automatischen Ankopplung durch eine Fernsteuerung durch die Besatzung ersetzen. Ein erster Test mit Progress M-33 scheiterte und bei M-34 reagierte die Progress nicht oder verspätet auf Steuersignale und kollidierte mit der Mir. Ein Modul wurde beschädigt und musste aufgegeben werden.

Mit dem Bau der ISS sollte Russland die Mir eigentlich aufgeben, zumindest gab es nun keine Unterstützung seitens der NASA mehr. Vergeblich versuchte man die Raumstation für den Weltraumtourismus zu nutzen - es gab nicht genügend Interessenten für eine solche Mission. Schließlich deorbitierte man die Mir und auch Russland konzentrierte sich auf die ISS. Mir wurde 15 Jahre lang betrieben, davon 10 Jahre bemannt. Die Station war lange Zeit das Aushängeschild der russischen Raumfahrt. Valery Polyakov hält seit 1995 den Rekord des längsten Aufenthalts am Stück mit 437 Tagen. Es gibt keine Pläne, eine ISS-Besatzung länger als 360 Tage im All zu belassen. Damit dürfte dieser Rekord noch lange Bestand haben.

Tiangong 1Nach der Fertigstellung der ISS startete China am 20.9.2011 ihr Tiangong-1 Raumschiff. Dies ist ein verhältnismäßig kleines Druckmodul mit einem Innenvolumen von nur 32 m³. Die chinesischen Trägerraketen haben eine kleinere Nutzlast als die russische Proton, so wiegt Tiangong-1 weniger als die Hälfte eines Mir Moduls. Der grundsätzliche Aufbau ist aber derselbe. Es gibt ein Servicemodul von 3,3 m Länge und einem Durchmesser von 2,5 m mit allen lebenswichtigen Systemen. Verbunden über einen 1,1 m langen Konus ist das 5 m lange und 3,35 m durchmessende Mannschaftsmodul. Die Gesamtlänge beträgt 10,4 m, die Spannweite mit zwei Solarzellenflügeln 17 m.

Seitdem wurde es von zwei bemannten und einem unbemannten Shenzou Raumschiff besucht. Tiangong-1 ist ein Prototyp, doch China plant mit dem größeren Tiangong-2 und 3 eine permanente Station, die sukzessive ausgebaut wird. Man weis von dem Tiangong-Modul wenig. Es verwendet aber die ASAP-89 Adapter, die auch die russischen Module haben. Die Shenzhou ist eine Kopie der Sojus TM, daher die Verwendung der russischen Adapter. Damit könnte China sich auch an der ISS beteiligen. Eine Offerte Chinas, an der ISS Module anzubringen, wurde von der NASA abgelehnt, da ein Kongressbeschluss der NASA eine Zusammenarbeit mit China verbietet.

Tiangong wurde einmal von dem unbemannten Raumschiff Shenzhou-8 besucht, mit dem die Ankopplung unter der Hilfe von geostationären Kommunikationssatelliten erprobt wurde. Com 18. bis 24.6.2012 war die erste Besatzung mit Shenzhou 9 an Bord, ein zweiter Aufenthalt folgte mit Shenzhou 10 vom 11 bis 23.7.2012. Die kurze Aufenthaltsdauer lässt darauf schließen, das die Station selbst keinerlei Vorräte hat und diese mit dem Shenzhou-Raumschiff gebracht werden. Ebenso fehlt beim Erstling Tiangong 1 ein Versorgungstransporter wie die Progress bei Mir. Tiangong 1 konnte nicht aktiv den Orbit verändern und stürzte so unkontrolliert am 2.4.2018 ab.

Eine verbesserte Version wurde als Tiangong-2 gestartet. Dieses Modul war nun für eine unbemannte Versorgung durch den Tianzhou-Frachter ausgelegt. Dieser ist wiederum ein Tiangongmodul, bei dem die Systeme für die Lebenserhaltung fehlen, und der dafür bis zu 6,5 t Fracht und 2 t Treibstoff befördern kann. Der Treibstoff kann wie bei den Progress auch in die Raumstation umgepumpt werden. Shenzhou und Tianzhou-Frachter koppeln an entgegengesetzten Enden (Wohn bzw. Servicemodul) an. Die Konstellation ist damit in etwa mit der Raumstation Saljut 6/7 zu vergleichen.

Tiangong 2 wurde am 15.9.2016 wieder mit einer Langen Marsch 2F gestartet. Einen Monat später, am 25.10.2016 koppelte die Besatzung mit Shenzhou 11 an. Die Besatzung blieb diesmal 29 Tage an Bord, länger als die beiden vorherigen bemannten Missionen. Es blieb aber die einzige bemannte Mission. Vom 22.4. bis 21.6.2017 folgte der Test der Versorgung durch Tianzhou 1. Danach wurde der Versorger abgekoppelt, umkreiste die Station und koppelte am 12.9.2017 erneut an. Dies waren primär Tests für die operative Raumstation, die 2021 folgte, denn eine weitere Besatzung an Bord von Tiangong 2 folgte nicht. Immerhin konnte mit dem transferierten Treibstoff die Station am 19.7.2019 gezielt deorbitiert, während der Vorgänger noch unkontrolliert in die Atmosphäre eintrat.

TianheDie Analogie zum russischen System (viele Beobachter gehen von Nachbauten aus) setzt sich bei dem operativen System Tiangong Space Station TSS fort (die Nummern wurden nun weggelassen). Inzwischen hat China die leistungsstärkeren Trägerraketen Langer Marsch 5 und 7 im Einsatz. Die Langer Marsch 7 hat eine Nutzlast von maximal 13,5 t und wird für den Start der Raumschiffe, (eventuell bemannt in jedem Falle aber für die unbemannten) genutzt und die noch größere Langer Marsch 5 mit einer Nutzlast von 25 t für die Module. Das erste Modul Tianhe entspricht dem Mir Kernmodul. Es hat fünf Koppelpunkte an einem und einen an dem anderen Ende. Es wiegt 22,6 t ist 14,4 m lang bei einem maximalen Durchmesser von 4,2 m, also in etwa die Abmessungen eines Mir Moduls. Weitere Module sollen folgen, sodass die Station später aus vier bis fünf Modulen mit einer Masse von 80 bis 100 t bestehen soll. Dann können bis zu zwei Besatzungen (bis zu 6 Personen) auf ihr arbeiten. Am 20.5.2021 soll der unbemannte Frachter Tianzhou 2 mit 4,89 t Fracht und 2 t Treibstoff folgen, und im Juni 2021 dann die erste Besatzung mit Shenzhou 12.

Alle chinesischen Raumstationen haben eine Bahnneigung von 42 Grad, bei den ersten beiden bedingt durch den Startort Jiuquan, der maximal 56 Grad erlaubt. Die TSS und der Frachter Tianzhou werden aber von Wengchang aus gestartet das auch Bahnen mit höherer Inklination erlaubt. Trotzdem erreichte der Tianhe den gleichen Orbit wie ihre Vorgänger. Eventuell will China aus Sicherheitsgründen die Besatzungen noch mit den Langen Marsch 2F starten und für diese gibt es im neuen Weltraumbahnhof keine Startrampe, dieser ist nur für die neuen Trägerraketen vorgesehen. China hat damit mit Tiangong 1,2 und TSS im Prinzip die russischen Schritte mit Saljut 1-5, Saljut 6-7 und Mir kopiert. Schon aufgrund der unterschiedlichen Bahnneigung ist eine Zusammenarbeit mit der ISS wie ein Besatzungsaustausch geschweige denn ein Zusammenführen der Stationen ausgeschlossen. Mehr Schlagzeilen als das Tianhe Kernmodul machte die zweite Stufe der Langer Marsch 5, die mit 20 bis 22 t Masse fast genauso viel wie das Stationsmodul wiegt. Anders als bei neuen Raketen anderer Nationen wird die Stufe nicht aktiv deorbitiert und bei ihrer Masse gab es die Befürchtung das Trümmer Schäden verursachen könnten. Am 9.5.2021 trat die Stufe über der arabischen Halbinsel in die Atmosphäre ein und verglühte im indischen Ozean.

Raumstation

Gestartet

Verglüht

Masse [kg]

Innenvolumen

Besatzungen

Tage bemannt

Saljut 1

19.04.71

26.10.71

19.400 kg

99 m³

1

24

Saljut 2A

29.07.72

29.07.72





Saljut 2

03.04.73

28.05.73

18.500 kg

99 m³



Kosmos 557

11.05.73

22.05.73

19.400 kg




Skylab

14.05.73

11.07.79



3

171

Saljut 3

24.06.74

24.01.75

18.500 kg




Saljut 4

26.12.74

03.02.77

18.900 kg

90 m³

3

92

Saljut 5

22.06.76

08.08.77

19.000 kg

100 m³

2

67

Saljut 6

29.09.77

29.07.82

19.624 kg

90 m³

16

683

Saljut 7

19.04.82

07.02.91

19.824 kg

90 m³

10

816

Mir

20.02.86

23.03.01

129.700 kg

350 m³

32

4502

ISS (am 1.8.2015)

20.11.98


~ 420.000 kg


44

6329

Tiangong 1

20.09.11

02.03.18

8.400 kg

32 m³

2

20

Tiangong 2

15.09.16

19.07.19

8.600 kg

35 m³

1

29

Tiangong Space Station

29.04.21


22.600 kg

110 m³







© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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