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Mercury Atlas 2 (MA-2, 21.2.1961)

MA-2Ziel des zweiten Atlas Flugs war es, die Kapsel suborbital zu testen. Es war der zweite und letzte Einsatz der ICBM-Atlas mit dünnen Tanks. Nach den Erfahrungen mit Mercury Atlas 1 wurde der obere LOX-Tank durch eine Metallhülle verstärkt, das "Belly Band". Es war eine Notlösung, denn die Atlas mit doppelt so starken Tankwänden - trotzdem nur 0,51 mm stark - wäre nicht vor Ende März einsatzfähig. Dazu kamen dann noch die Startvorbereitungen, die sich über Wochen hinzogen. Das Belly Band war nur rund 20 cm breit, es verschob aber die Zone mit dem maximalen Stress nach unten, wo dieser besser aufgenommen wurde. Zusätzlich wurde ein LOX-Ventil verlegt und der Adapter des Raumschiffs zur Atlas versteift.

Die Mission war eine Wiederholung von MA-1, also der suborbitale Test einer Mercurykapsel. Das System sollte auf seine Belastbarkeit geprüft werden, indem die Kapsel unter einem steilen Winkel eintrat. Damit wurde der Hitzeschutzschild der doppelten Energie einer Orbitmission ausgesetzt und die Abbremsung um 25 Prozent erhöht. Anders als MA-1 war die Kapsel ein normales Raumschiff aus der Produktion, die Kapsel #6 mit echtem Rettungsturm. Ebenso war es der erste Einsatz einer Atlas mit einem ASIS, das die Kapsel abtrennen konnte. Die Atlas sollte vorzeitig Brennschluss haben.

Diesmal klappte alles. Der Himmel war wolkenlos, der Flug konnte gut verfolgt werden. Die kritischen Punkte der beiden letzten Flüge - das Durchfliegen von Max-Q nach einer Minute und das Abwerfen der Boostertriebwerke nach etwas über zwei Minuten verliefen problemlos. Schließlich hatte die Atlas Brennschluss bei einer Geschwindigkeit von 5.886 m/s.

Knapp 18 Minuten nach dem Start ging die Kapsel in 2.305 km Entfernung im 43 × 64 km großen Landegebiet nieder. Anhand ihres Peilsignals wurde sie zehn Minuten nach der Landung gesichtet und befand sich bereits 24 Minuten nach der Landung auf dem Bergungsschiff.

Man fand sogar noch die Verkleidung der Antennenbox. Zur großen Überraschung war diese weitestgehend unbeschädigt. Aufgrund ihrer exponierten Position rechnete man bei ihr mit Temperatureffekten.

Auch die Kapsel war in gutem Zustand. Anders als bei Big Joe, wo die Kapsel beim Wiedereintritt fehlorientiert war, hatten sich keine Kacheln von der Oberfläche abgelöst oder waren versengt. Der Hitzeschutzschild war nur leicht abgetragen, weitaus weniger als vorhergesagt.

Genauso bedeutend war, dass erstmals das TAGIU-Netzwerk funktioniert hatte. Bei Big Joe existierte es noch nicht und die Redstoneflüge waren so küstennah, dass man es nicht benötigte. Man erhielt Daten während des Fluges von der Bermudastation und den kanarischen Inseln. Die Computer im Goddard-Zentrum konnten erfolgreich nach dem Brennschluss der Atlas den Aufschlagsort ermitteln und zum Bergungsschiff durchgeben.

Nachdem Mercury Atlas 2 ein voller Erfolg war, gab Robert Gilruth bekannt, dass der erste US-Bürger im All aus dem Trio John Glenn, Gus Grissom und Alan Shepard gewählt wird.

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Das erste bemannte Raumfahrtprogramm der USA, das Mercuryprogramm begann schon vor Gründung der NASA und jährt sich 2018 zum 60-sten Mal. Das war für mich der Anlass, ein umfangreiches (368 Seiten) langes Buch zu schreiben, das alle Aspekte dieses Programms abdeckt. Der Bogen ist daher breit gestreut. Es beginnt mit der Geschichte der bemannten Raumfahrt in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Es kommt dann eine ausführliche technische Beschreibung des Raumschiffs (vor 1962: Kapsel). Dem schließt sich ein analoges Kapitel über die Technik der eingesetzten Träger Redstone, Little Joe und Atlas an. Ein Blick auf Wostok und ein Vergleich Mercury bildet das dritte Kapitel. Der menschliche Faktor - die Astronautenauswahl, das Training aber auch das Schicksal nach den Mercurymissionen bildet das fünfte Kapitel. Das sechs befasst sich mit der Infrastruktur wie Mercurykontrollzentrum, Tracking-Netzwerk und Trainern. Das umfangreichste Kapitel, das fast ein Drittel des Buchs ausmacht sind natürlich die Missionsbeschreibungen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Nachbetrachtung und einen Vergleich mit dem laufenden CCDev Programm. Dazu kommt wie in jedem meiner Bücher ein Abkürzungsverzeichnis, Literaturverzeichnis und empfehlenswerte Literatur. Mit 368 Seiten, rund 50 Tabellen und 120 Abbildungen ist es das bisher umfangreichste Buch von mir über bemannte Raumfahrt.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV Jules Verne wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV.

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS. Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert. Die Bücher kann man auch direkt beim Verlag bestellen. Der Versand ist kostenlos und wenn sie dies tun erhält der Autor auch noch eine etwas höhere Marge. Sie erhalten dort auch die jeweils aktuelle Version, Bei Amazon und Co tummeln sich auch die Vorauflagen.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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