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Der MSX Standard

Im Jahre 1983 boomte der Heimcomputermarkt, ein Gerät nach dem anderen erschien. Anders als heute, war es ein Markt technisch völlig unterschiedlicher Systeme, jedes mit eigenen Vor- und Nachteilen. Doch bald zeigte sich auch das der Markt doch beschränkt war, immer mehr geriet der C64 in die Rolle des Marktführers. Es war klar, das man als Newcomer wichtige Vorteile aufweisen musste.

MSX von SonyVor allem spielten die in der Unterhaltungselektronik sonst so wichtigen japanischen Firmen wie JVC, Sony und Yahama keine Rolle. Sie hatten den Trend völlig verschlafen. Auch Microsoft - groß im PC Geschäft - spielte keine Rolle. Der einzige Rechner mit einem BASIC von Microsoft, der englische Dragon 32 verkaufte sich nicht besonders gut.

So kam es zu einer Koalition der Verlierer, mit dem Ziel den Markt aufzuräumen. Die bestechende Idee war: Ein einzelner Hersteller wäre wohl nicht erfolgreich, doch zusammen wären sie es. Man schaffte einen gemeinsamen Standard der die Hardware festlegte:

Damit sollte jeder der 13 Gründerfirmen (vorwiegend japanische) einen Computer bauen können, bei dem Software jedes anderen MSX Computers laufen konnte. Es blieb trotzdem Spielraum in der Gestaltung der Tastatur, dem Speicher und verfügbarer Peripherie, so gab es 3.5", 5.25" und 2.8" Diskettenlaufwerke und für einzelne Geräte Anschlüsse für Synthesizer oder Grafiktabletts. Den Namen MSX bekamen sie von dem gemeinsamen Microsoft Extended Basic im ROM. BASIC als Programmiersprache begrüßte damals jeden Anwender so wie sie heute Windows hochbooten. Es war Betriebssystem und Programmiersprache in einem.

Eigentlich sollte es so zu einem Erfolg werden - Ein Rechner mit einem guten BASIC (damals wesentliches Ausstattungsmerkmal!) und Kompatibilität zu anderen Microsoft Basic Interpretern. Basierend auf Standardbauteilen die weit verbreitet waren. Dazu die Kompatibilität zu anderen Rechnern - eine breite Basis für Softwareentwickler. Doch es kam ganz anders. MSX floppten. Es floppte so sehr, das heute selbst Computerkennern diese drei Buchstaben nichts mehr sagen. Selbst auf den umfangreichen MS History Webseiten ist davon keine Rede mehr.

Was war der Grund?

Erstens: Zeitverzögerungen

Im Jahre 1983 begannen die Arbeiten am MSX Standard. Als die ersten MSX Geräte mit 32 KByte RAM im Sommer 1984 erschienen wurden sie nur in Japan angeboten. Erst Mitte 1985, mit nunmehr 20 Firmen darunter auch europäischen und koreanischen, kam der Sprung auf die europäischen und amerikanischen Markt mit der 64 KByte Version der Geräte. (80 KByte bei zusätzlichem separatem 16 KByte Videospeicher). Doch diese Zeit brachte auch andere neue Computer hervor. Der Commodore C64 wurde vom C128 abgelöst, es gab den Atari 600 XL mit 128 KByte Speicher und 256 Farben Darstellung und als Hauptkonkurrent zu den MSX Rechnern den Amstrad CPC 6128 - Für 1298 DM gab es einen Rechner mit 128 K RAM, Monitor, Diskettenlaufwerk. Ausgestattet mit einem ebenso komfortablen BASIC bot er auch eine 80 Zeichen Darstellung und man konnte mit ihm unter CP/M Arbeiten - und er war bei gleicher Ausstattung 800-1000 DM billiger als ein entsprechend ausgestatteter MSX Rechner. Die 2 Jahre Zeitverzögerung sind im Computergeschäft wie eine Ewigkeit und inzwischen stand am Horizont schon die Konkurrenz von 16 Bit Rechnern mit dem schnellen MC 68000 Prozessor: dem Amiga und Atari ST.

MSX war im Heimatland der meisten Firmen, Japan sehr erfolgreich, da der niederländische Hersteller Philipps auch MSX Geräte herstellte auch in den Niederlanden. Gute Verkaufszahlen gab es auch in Italien, doch der Erfolg in den USA, England, Frankreich, Deutschland, also den großen Märkten, blieb den Rechnern versagt.

Zweitens: Technische Mängel

MSX von SanyoAuch wenn die MSX Rechner meist eine gute Tastatur hatten und viele ein 3.5" Laufwerk als Anschluss boten, rächte sich ein System: Die Rechner wurden 1983 konzipiert, der Commodore C64 war gerade erschienen und die meisten Computer hatten 16 oder 32 KByte RAM. Also teilte man den 64 KByte Speicher der Z80 CPU in ein 32 KByte ROM und ein 32 KByte RAM Bereich auf. Als 1984 die Rechner erschienen, hatten viele Rechner nun schon 48 KByte oder 64 KByte RAM und die 32 KByte waren zu klein. Aber man konnte nichts mehr dran machen. Anders als beim Amstrad 6128oder anderen 8 Bit Rechnern wurde nicht der 64 KByte Speicherbereich durch Bankswitching vergrößert. Beim Amstrad 464 wurde z.B. das ROM in einen 16 KByte Betriebssystembereich und einen 16 KByte BASIC Interpreter (und in der selben Bank Platz für weitere ROMs wie das Diskettenbetriebssystem) unterteilt. So wurde für den Benutzer 42 KByte von 48 KByte benutzbaren RAM frei geschaufelt. Dagegen war bei MSX die Aufteilung fest. Ein Rechner mit 32 K RAM meldete beim Start 28815 freie Bytes, einer mit 80 KByte Speicher auch 28815 freie Bytes ! Diese Zahl ging auf 24 KByte zurück wenn man ein Diskettenlaufwerk anschloss - unzumutbar. Maschinenprogramme konnten zwar durch Bankswitching den ganzen Speicher nutzen, doch damals kaufte man Computer um in Basic zu programmieren oder zu spielen. Die Spiele mussten aber auf allen Rechnern laufen und so nutzten auch sie meist nur die 32 K RAM die in allen vorhanden waren.

Dazu waren die Rechner einfach zu teuer. 800-900 DM im Jahre 1985 für einen Rechner der weniger leistete als die 600 DM kostende Konkurrenz. Dazu kam das elend lahme Microsoft BASIC Es war 6 mal langsamer als das des Schneider CPC - mit demselben Prozessor und dem Zeit benötigenden Bankswitches. Nun ja es war schon immer etwas langsamer ein Microsoft Produkt zu haben...

Man versuchte durch Marketing Maßnahmen die Geräte zu verkaufen, doch ohne Erfolg. 1984 wurden weltweit insgesamt 30.000 MSX Rechnern aller Hersteller verkauft. Dagegen beliefen sich im gleichen Zeitraum alleine der Absatz der Amstrad Rechner in Deutschland bei 100.000 Geräten!

Ein neuer Standard MSX-2 mit mehr RAM und besserer Darstellung wurde verabschiedet. Die ersten Geräte kamen 1986 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt war Microsoft schon aus dem Projekt ausgestiegen. MSX-2 hatte mehr Speicher (mindestens. 64 KByte bis zu 4 MB) und bessere Grafikfähigkeiten mit bis zu 256 Farben. In den Niederlanden und Japan waren diese Geräte erfolgreich, doch dies war eine Ausnahme. In Deutschland kam kein MSX-2 Rechner offiziell auf den Markt. (Durch Importe aus Holland konnte man hierzulande allerdings auch kleinere Stückzahlen kaufen). Als die MSX-2 Rechner erschienen war die Zeit an 8 Bit vorbeigegangen: Der Atari ST und Amiga erschienen 1986 auf dem Markt: Rechner mit dem Motorola 68000 Prozessor und 128-512 KByte Speicher in der ersten Generation, einer grafischen Benutzeroberfläche und erweiterten Sound- und Grafikfähigkeiten. Auch andere 8 Bit Rechner hatten damit zu kämpfen. So konnte der Commodore C128 nicht mehr an die Erfolge des C64 anknüpfen und die Versuche von Amstrad mit dem Joyce ein Textverarbeitungssystem auf Basis eines 8 Bit Rechners zu einem attraktiven Preis in den Markt zu bringen scheiterten ebenfalls.

Nur in Japan gab es noch die Nachfolger MSX2+ und MSXturboR.



© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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