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Kann man von Zucker “zuckerkrank” werden?

Zuerst einmal sollte man wissen, wovon wir reden, wenn von der Zuckerkrankheit gesprochen wird. Die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus, entsteht dadurch, dass aus Insulin nicht in die Zellen gelangt. Insulin ist eines von mehreren Hormonen, welches den Blutglucosespiegel konstant hält. Wie andere Parameter auch, versucht der Körper den Glucosespiegel nicht zu tief sinken zu lassen und nicht zu stark steigen zu lassen. Dazu gibt es zwei Hormone. Glucagon und Insulin. Sie regulieren die kurzzeitlichen Schwankungen des Blutglucosespiegels.

Die eigentliche Ursache ist, dass Insulin, ein Hormon, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen schleust, kaum noch an den Rezeptoren auf der Zelloberfläche andockt. Insulin regelt zusammen mit anderen Hormonen den Blutglucosespiegel, also das im Blut immer genügend Glucose vorhanden ist, wenn dieses von den Zellen benötigt wird. Es dockt an einen Rezeptor an, und öffnet so Poren in der Zelle, durch die die Glucose in die Zelle aufgenommen wird. Damit senkt es den Blutglucosespiegel. Ein zweites Hormon, das Glucagon macht genau das Gegenteil, es steigert ihn.

Da der Körper laufend Glucose bildet (er baut in der Leber Fett und Glykogen ab und bildet so 500 g Glucose pro Tag) kommt es, wenn zu wenig Insulin die Rezeptoren erreicht, zu einem Ansteigen des Blutglucosespiegels unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Schließlich wird Glucose über die Niere ausgeschieden, weil sie nicht mehr aus dem Blut rückresorbiert werden kann. Die Folge ist sind zahlreiche Stoffwechselstörungen, da nun die Regelkreisläufe massiv gestört sind, dies kann bis zum Schock durch Unterzuckerung gehen. Über lange Zeit kommt es zu Schädigungen der Blutgefäße und Nerven, die als Spätfolgen schlecht heilende Wunden („Diabetiker-Fuß“), Durchblutungsstörungen bis hin zur Erblindung und dem Absterben von Gliedmaßen führen können.

Natürlicherweise steigt der Glucosespiegel nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit ab und sinkt dann wieder ab, wenn durch Insulin die Glucose in die Zellen gelangt. Dieses Ansteigen wird als „Glykämische Last“ bezeichnet. Manche postulieren nun, wenn man viel Zucker essen würde, dann müsste viel Insulin ausgeschüttet werden, um diesen Anstieg abzubauen und irgendwann würden die Zellen kein Insulin mehr bilden. Dann bildet sich eine Altersdiabetes aus.

Diabetes gibt es in zwei Formen, der angeborenen Diabetes Typ I und der erworbenen Diabetes Typ II. Beim Typ I tritt diese schon im Kindesalter auf. Die Zellen, die das Insulin produzieren, stellen die Produktion fast total ein und dieser Personenkreis muss auch Insulin spritzen, anders ist der Blutglucosespiegel nicht zu normalisieren. Diese Form ist genetisch bedingt und wird auch vererbt. Ohne die Injektion von Insulin ist hier der Blutglucosespiegel nicht regulierbar.

Die im Zusammenhang mit Übergewicht vorkommende Form ist die häufigere. Es ist Diabetes Typ II, die sogenannte „Altersdiabetes“. Sie heißt so, weil sie im Alter vermehrt auftritt. Bei ihr fehlt nicht das Insulin ganz, sondern die Zellen in der Bauspeicheldrüse produzieren im Alter immer weniger des Hormons. Dieser Personenkreis kommt daher oft mit einer Diät oder oral aufgenommenen Medikamenten aus.

Es gibt aber keine Beweise, dass die Altersdiabetes mit einem Anstieg der glykämischen Last direkt zusammenhängt. Was aber bekannt ist, ist das Übergewichtige zur Altersdiabetes neigen, bzw., sie bei Ihnen viel früher ausbricht. Bei ihnen gelangt Insulin in zu geringer Menge an die Rezeptoren. Es scheint aber so zu sein, dass immer noch genügend Insulin produziert wird. Ja es ist sogar beim Beginn der Krankheit der Insulinspiegel sehr hoch. Die reichhaltige Nahrung führt zu viel Glucose, die von der Leber aus Fett synthetisiert wird und viel Insulin um den Spiegel konstant zu halten. Als Folge wirkt das viele Insulin nicht mehr so stark, die Zellen gewöhnen sich an den hohen Pegel. Daher spricht man auch von einer Insulinresistenz. Mitverantwortlich für diese ist auch das Fettgewebe, das auch hormonell aktiv ist. Die freigesetzten Hormone bewirken, dass der Körper zunehmend unempfindlicher auf Insulin reagiert. Anders als bei der typischen Altersdiabetes verschwindet diese Insulinresistenz, wenn sich das Gewicht normalisiert. Als Spätfolge, wenn der Körper über lange Zeit sehr viel Insulin produziert, kann sich eine dauerhafte Altersdiabetes schon im mittleren Alter ausbilden, dies bedeutet die Produktion an Insulin nimmt ab. Empfindlich sind vor allem die Personen mit viel Fettgewebe im Bauchraum, also der typische „Apfeltyp“. 80% der Diabetiker sind heute übergewichtig. Die Zahl ist rapide angestiegen. Heute gibt es 6 Millionen Diabetiker in Deutschland, mit einer Dunkelziffer von weiteren 2-3 Millionen nicht erkannten Erkrankungen, also jeder zehnte Deutsche ist betroffen. Experten vermuten, dass die Zahl weiter ansteigt, denn Diabetes Typ II ist eine Krankheit die Jahre braucht, bis sie sich manifestiert.

Kurzum: Nicht Zucker führt zu Diabetes, sondern eine zu reichhaltige Ernährung, auch wenn dabei vor allem Fett gegessen wird, da der Körper das Fett wieder in Zucker umwandelt. 

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen. Ich habe sehr viele positive Rückmeldungen bekommen, vor allem weil der Stil nicht reißerisch ist und ein Dogma verbreiten will, sondern aufklärend ist.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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