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Die Geschichte der ersten Großrakete der Welt, der A-4 ist sehr lang und beginnt mit ihren Vorläufern A-1,A-2,A-3 und A-5 und endet nicht nach dem Krieg, da die Rakete Basis für die Entwicklungen weiterer Raketen in West und Ost wurde. Daher habe ich zwei Artikel zur Geschichte der A-4 geschrieben. Der erste Teil umfasst die Entwicklung von der A-1 zur A-4 bis zur Bombardierung von Peenemünde am 17/18. August 1943. Der Teil 2 umfasst die Produktion und den Einsatz der A-4 sowie die Ideen für weitere Raketen und den Einsatz der A-4 nach dem Kriegsende.
Anfang April 1943 besucht Himmler erstmals Peenemünde und macht Dornberger den Vorschlag, die Waffenentwicklung auf die SS zu übertragen, da sie doch über viel mehr Ressourcen als das Heereswaffenamt verfügen könne. Dornberger lehnt ab. Schon eine Woche Später wird Oberst Zanssen, der Leiter des Peenemünder Heereswaffenamtes verhaftet. Angeblich soll er in Briefen sich subversiv geäußert haben, doch diese Briefe kann man Dornberger nicht vorlegen. Gleichzeitig lädt Himmler von Braun vor und bietet ihm an zur SS zu wechseln. Von Braun lehnt ab und Dornberger kann Zanssen wegen seiner Bedeutung für das Programm freibekommen. Es wurde jedoch weiter gegen ihn intrigiert und im August 1944 wurde er zur Front abkommandiert. Himmler schafft es aber einen Fuß in die Türe zu bekommen: Er will die Fertigung übernehmen. Dr. Kammler, der ab 1943 zuerst die Fertigung der A-4 durchführen wird ist von der SS. Nach dem Attentat auf Hitler gewinnt die SS noch mehr Einfluss und Kammler wird Chef der gesamten Vergeltungswaffenentwicklung, Produktion und des Einsatzes.
Trotzdem arbeitet die SS weiter gegen die Führung von Peenemünde. In der Nacht zum 13. März 1944 wurden Wernher von Braun, sein Bruder Magnus, Klaus Riedel und Helmut Gröttrup von der GeSTAPO verhaftet und in ein Gefängnis in Stettin gebracht. General Dornberger wurde von Feldmarschall Keitel vorgeladen. Als er von Braun die anderen Peenemünder loseisen wollte wurde ihm eröffnet, dass man auch über ihn und seine Aktivitäten das A-4 Programm zu verzögern schon eine dicke Akte habe, aber er zur Zeit noch für das Programm gebraucht wurde. Der Grund für die Verhaftung: In einer privaten Runde hatte von Braun im Offizierscasino gesagt, er betriebe die gesamte A-4 Forschung nur um seine Raumfahrtaktivitäten voranzutreiben und würde daher nicht 100 % für das Heer arbeiten. Die SS hatte nach dem ersten Versuch Himmlers die Kontrolle zu erlangen Spitzel unter der Zivilbevölkerung platziert. Nach 3 Tagen Haft war Braun wieder frei.
Der Beschluss fiel im August 1943 nach dem Angriff der Royal Air Force auf
Peenemünde. Übertragen wurde die Aufgabe dem SS General Dr. Hans Kammler. Er suchte am 28.9.1943
das Wehrmachtstestgelände Heidelager auf und informierte sich über seine neue Aufgabe. Am
30.9.1943 befahl Hitler technisch erfahrene Leute aus den Gefängnissen in einem "A-4
Konzentrationslager" zu sammeln.
Die SS plante den Bau der Rakete in zwei Stollen im Kohnsteinberg nahe Nordhausen, die jeweils eine Länge von 1.8 km Hatten und 1000 m voneinander entfernt durch den Berg getrieben wurden. Dort wurde seit 1880 Anhydrid abgebaut. Seit 1934 wurden dort Lager der IG Farben für Treibstoffe und Chemikalien angelegt. 1943 gibt es schon 42 Hallen im Berg. Die Stollen wurden durch 47 Quergänge verbunden. Die verfügbare Fläche wurde von 98000 m² bis zum Februar 1944 auf 111.000 m² vergrößert. Es wurden Betondecken an die Wände gezogen und Gleise verlegt. Am 28.8.1943 beginnt die Erschließung des Berges. Ab dem Oktober 1943 begann dort die Serienproduktion. Die ersten Raketen waren im Januar 1944 einsatzbereit. Dieses "Produktionsgelände" namens Mittelbau Dora wurde vom nahen KZ Buchwald und 20 weiteren Lagern in der Umgebung mit Arbeitern versorgt. Diese vegetierten dort unter unmenschlichen Bedingungen. Die meisten starben durch Unterernährung und Infektionen. Es sind bei dem Bau der Rakete mehr Menschen ums Leben gekommen als bei ihrem Einsatz. Schätzungen gehen von bis zu 20000 Opfern unter den 60000 KZ Häftlingen aus. Sabotagetrupps unter den Häftlingen schaffen es, dass eine große Zahl von Starts der A-4 misslangen.
Dort war die Raketenproduktion weitgehend sicher vor Bombardements. Erst im April 1945 erreichte die US Army das Gelände und befreite die noch verbliebenen Häftlinge. Eine Produktion von 500 Raketen pro Monat war geplant. Dieses Soll wurde nach Beginn des Einsatzes aber auf 900 erhöht. Die höchste Produktionsrate wurde im Januar 1945 mit 690 Stück erreicht. Dabei reduzierten die "preiswerten" Arbeiter die Produktionskosten von 119600 Reichsmark auf 40000 Reichsmark. Das Oberkommando des Heeres zahlte an die Mittelbau Dora GmbH insgesamt 4.8 Mrd. Reichsmark für die Fertigung von 12000 Raketen. Geplant war das ab Exemplar 8000 (zu dem es nie kam) eine Rakete nur noch 35000 Reichsmark kostete. Ein Jagdflugzeug oder ein Panzer waren etwa 10 mal teurer. Die recht langsame Absenkung der Produktionskosten hatte ihre Ursachen in den zahlreichen Änderungen die man bei der Rakete noch vornahm, selbst als die Serienproduktion schon lief. Trotzdem gab es wie im ersten technischen Teil erläutert noch viele Verbesserungsideen für die Rakete, vor allem bei der Steuerung, aber auch bei der Brennkammer die während der laufenden Produktion eingeführt wurden. Hätte man darauf verzichtet so hätte man die Produktionskosten sicher noch weiter absenken können. Bei einem Lernfaktor von 0.85 etwa auf 26000 Reichsmark pro Stück.
Mittelbau Dora lieferte nach Anlauf der Produktion im Januar 1944 sowohl Geräte für die Front wie auch für Versuchsabschüsse. Die Fertigungstrasse war für 1200 Raketen pro Monat ausgelegt, doch als die Produktion soweit eingespielt war, dass man die Stückzahl rasch steigern konnte, setzte Treibstoffmangel sowohl beim Sauerstoff wie auch beim Spiritus der Produktion Grenzen. Es gab nicht mehr Treibstoff als für etwa 900-1000 Raketen im Monat.
Im September 1943 erhält Dornberger den Befehl mit
einer neu aufgestellten Truppe des Heeres "Versuchsbatterie 444" Versuchsabschüsse von dem
Truppenübungsplatz Heidelager nahe Blizna in Polen vorzubereiten. Am 5.11.1043 beginnen die
ersten Abschüsse. Am 8.4.1944 können polnische Partisanen eine nur gering beschädigte A-4 bergen
und nach London schmuggeln. Eine zweite A-4 gelangt später auch nach Moskau, doch diese war stark
beschädigt. Danach waren die USA und die UdSSR auf der Suche nach den Erbauern dieser Waffe.
Bei der Erprobung der A-4 zeigte sich ein Problem: 70 % der gestarteten Raketen desintegrierten vor dem Aufschlag. (So genannte "Luftzerleger"). Nur 10-20 % schlugen unbeschädigt auf. Das war bei den Tests in Peenemünde, wo die Rakete im Meer aufschlug, nie beobachtet worden, weil die Rakete versank. Man führte damals nur einen Farbstoffbehälter mit, der die Aufschlagsstelle mit grüngelber Farbe anzeigte. Ob die Rakete beim Aufschlag explodiert war, oder der Farbstoff schon vorher freigesetzt wurde konnte man so nicht feststellen. Es galt die Rakete also zu verbessern und die Struktur nochmals zu verstärken. Glücklicherweise gab es auch Verbesserungen im Triebwerk (höherer Schub und größerer spezifischer Impuls), so das man die höhere Konstruktionsmasse abfedern konnte. Der Fronteinsatz verzögerte sich dadurch aber weiter.
Zwei weitere Probleme traten nun auf: Es kam bei einigen Raketen zum Brennschluss nach wenigen Sekunden in etwa 20 m Höhe durch ein zurückfallendes Relais und Explosionen im Heck in 1000-3000 m Höhe kamen bei einigen Starts vor. Letzteres konnte man zuerst aufklären: Montagespannungen in den Rohren führten zur Rissen in den Leitungen bei der Erschütterung des Starts. Da die A-4 bisher nicht über längere Strecken auf ruckeligen Geleisen transportiert wurde, war das Problem vorher nie aufgetaucht. Man verbesserte den Herstellungsprozess und die Brände im Heck blieben aus. Später konnte man auch den Fehler am Relais beheben.
Bei den Luftzerlegern tappte man jedoch im Dunkeln. Man ersetzte die letzten Aluminiumteile der Außenhaut durch Eisen um die Festigkeit zu erhöhen - ohne Erfolg. Man spekulierte ob der Spritustank trotz Überdruckregelung beim Widereintritt zerquetscht wurde und Spiritus explodiert war (Idee von Brauns) oder der Sauerstofftank durch Verdampfen des -180 Grad Celsius kalten Sauerstoffs durch die Widereintrittshitze explodiert war (Idee Dornbergers) und testete dies mit einer Serie von Raketen die ihren Treibstoff vollständig verbrannten (Normalerweise blieb ein Rest von etwa 500 kg übrig). Das war jedoch nicht die Ursache, es gab nach wie vor Luftzerleger. Schließlich isolierte man die Tanks zusätzlich mit Glaswolle, und dies half. Ob es an der Isolation lag oder der dadurch versteiften Mittelzelle wusste man nicht, doch das Ergebnis zählte. Es gab nun nur noch 30 Prozent Luftzerleger, kurz vor dem Fronteinsatz wurde die Zuverlässigkeit durch eine Blechmanschette im Geräteteil auf nahezu 100 % gesteigert. Allerdings war nun die Rakete schwerer geworden. Ursprünglich sollten in der Spitze 1000 kg Sprengstoff transportiert werden, nun dürfte die Spitze insgesamt nur 1000 kg wiegen, wodurch der Sprengstoff maximal 780 kg wiegen dürfte.
Die Erprobung der A-4 ging auch nach dem Einsatz weiter. Ziel war nun die
Steigerung der Leistung. Durch Reduktion der Leermasse und des Resttreibstoffs konnte man die
Reichweite von 250 auf 320 km steigern. Einige Exemplare die mit etwas verlängerten Tanks
hergestellt wurden erreichten eine Reichweite von 480 km. Man arbeitete auch an verbesserten
Zündern, die auch bei "Luftzerlegern" noch zündeten und einem Bodenabstandszünder, der die Rakete
in 20 m Höhe zur Explosion bringen sollte. (Dies erzeugt eine wesentlich stärkere Druckwelle).
Beide Projekte kamen vor dem Kriegsende nicht zum Abschluss.
Ab Juli 1944 muss das Testgebiet Blizna wegen der vorrückenden sowjetischen Armee geräumt werden und die Starts finden von nun aus vom Truppenübungsplatz "Heidekraut" in der Tucheler Heide statt. Ab September 1944 fanden die ersten Erpobungsstarts von dort aus statt.
Erst am 8.9.1944 wurde die erste A-4 Richtung London abgeschossen. Wenige Tage später wurde die Rakete als "V-2" von Göbbels in der Propaganda bezeichnet. V-2 steht für "Vergeltungswaffe 2". Die Vergeltungswaffe 1 (V-1) war die Fi-103, eine mit Staustrahltriebwerken angetriebene Bombe. Sie war nur so schnell wie ein Flugzeug und flog in niedriger Höhe. Dadurch konnte sie leicht durch Flak oder Jagdflieger abgeschossen werden. Zuerst gab es auch beim Fronteinsatz Probleme, die vor allem an dem Transport der Rakete lagen, als man die Rakete nicht mehr in Munitionsdepots vorrätig hielt, sondern sofort an die Front brachte, gingen die Ausfälle zurück. Dies kann an den Lagerbedingungen oder einer geringen Lebensdauer von Teilen liegen.
Es wurden mindestens 3225 V-2 auf London und Antwerpen sowie andere Städte (da man bald
die Stellungen wegen der vorrückenden Alliierten räumen musste und man so London nicht mehr
erreichen konnte) abgefeuert. Die meisten V-2 schlugen in Antwerpen ein. Die Versagerquote soll
bei den 1359 auf London abgefeuerten Raketen bei 169 nach dem Start und 61 Luftzerlegern gelegen
haben. Dies lag vor allem an der Sabotage der Produktion im Mittelwerk, bei den Starts die für
Probeschüsse gedacht waren und extra gekennzeichnet waren, lag die Ausfallquote bei nur 4
Prozent.
Es gab für die Rakete feste Abschussbasen an der Atlantikküste, doch diese musste man bald räumen. Teilweise wurden diese auch durch Angriffe mit Bunkerbrechenden Bomben zerstört. In der Folge wurde die Rakete von mobilen Einheiten abgefeuert. Jede Batterie feuerte etwa 10-12 Raketen pro Tag ab und bestand aus einem Funkleitwagen mit der Startplattform, einem Tanker für das Wasserstoffperoxid, Stickstoff und das Kaliumpermanganat und einem Tanker für den flüssigen Sauerstoff und Alkohol, die nach jedem Starts von einem größeren Tank auf einem Güterwagon nachgefüllt wurden. Die Raketen wurden auf ziehbare Gestelle montiert und von Meilerwagen zum Abschußort gezogen.
Für den Abschuss wurde die Rakete in einer Lichtung aufgerichtet und die Bäume über ihr
zusammengebunden. Sie konnte so von Tieffliegern nicht entdeckt werden. Die Rakete wurde dann
hydraulisch aufgerichtet und mit einem elektrischen Kabel mit dem Funkwagen verbunden. Die
Triebwerksverkleidung wurde entfernt und die Strahlruder installiert. Unter der Rakete wurde der
Boden sofern er nicht hart war mit Bohlen befestigt. Danach wurde sie betankt. Zuerst mit dem
Alkohol (Dauer zirka 10 Minuten), dann mit dem flüssigen Sauerstoff (maximal 1 Stunde vor dem
Start). Gleichzeitig wurde die Kaliumpermanganatfüllung installiert und erhitzt und das
Wasserstoffperoxid abgefüllt. Danach fuhr der Feuerleitwagen etwa 100-150 m von der Rakete weg.
Nun erst, unmittelbar vor dem Start wurde das Seil durchtrennt, dass die Bäume zusammenhielt und
die Rakete wurde gestartet. Dieses Tarnsystem funktionierte so gut, dass keine einzige A-4 vor
dem Start beschossen wurde. Es gibt zwar einen dokumentierten Angriff eines Jagdfliegers (einer
Typhoon) auf eine startende A-4, doch da die Rakete schon nach 8 Sekunden genauso schnell wie ein
Jagdflugzeug war und viel schneller an Höhe gewinnen konnte, war dieser nicht erfolgreich. Die
ganze Prozedur konnte von eingespielten Teams in 12 Minuten absolviert werden.
Insgesamt wurden je nach Quelle 4300-5780 A-4 gebaut. Es gibt mindestens
3225 verbürgte Einsätze als Waffe V-2, dazu Starts zur Vertrautmachung der Truppen mit dem
Startablauf und 265 Entwicklungsflüge. Während des Fronteinsatzes gab es pro Tag 25-30 Starts und
5-7 Versuchsabschüsse zur Verbesserung der Rakete. Nach anderen Quellen soll die Rakete 4400 mal
als V-2 eingesetzt worden sein. Die Kosten pro Einheit sollen bei der Fertigung in Peenemünde bei
119600 Reichsmark gelegen haben, etwa ein Drittel der Kosten eines Jagdflugzeuges. Die Mittelbau
Dora GmbH bekam nur 40000 Reichsmark pro Stück für die Fertigung mit KZ Häftlingen. Dornberger
spricht von 38000 Reichsmark Fertigungskosten "Tausende von Reichsmark billiger als ein Torpedo
und ein dreißigstel der Kosten eines zweimotorigen Bombers".
Als Waffe war die V-2 weitgehend wirkungslos. Zwar gab es keine Abwehrmöglichkeit (Die Rakete näherte sich mit 3-4 facher Schallgeschwindigkeit und es gab den Einschlag vor dem Überschallknall) und der 975 kg schwere Sprengkopf mit 738 kg TNT riss ein riesiges Loch in die Erde und zerstörte auch umliegende Gebäude. Die Wirkung war in etwa vergleichbar der Bombenlast einer B-17, wenn sie auf einen Punkt konzentriert gewesen wäre. Aber es waren eben punktuelle Einsätze gegen zivile Ziele. Jeder Angriff des alliierten Bomberflotte, von denen es alleine 363 auf Berlin gab, war genau effektiv wie einige Hundert V-2. Man schätzt, dass durch V-2 etwa 6000-13000 Personen getötet hat. Für die 1054 Stück, die auf London einschlugen wurden nach englischen Quellen 2754 Tote, 6523 schwer und 9277 leicht Verletzte genannt. Die letzte V-2 wurde am 27.3.1945 gestartet, die Produktion am 15.4.1945 eingestellt. Die V-2 hält heute noch einen unrühmlichen Rekord: Bei ihrer Herstellung starben mehr KZ Häftlinge als bei ihrem Einsatz.
Die A-4 war nicht das einzige Projekt welches die Ingenieure um von Braun verwirklichten. Es war Krieg und von Braun wollte nicht riskieren, dass seine Leute ohne Arbeit waren, und dann eingezogen wurden. Schließlich arbeiteten am Ende 40.000 Leute in 5000-6000 Instituten direkt oder indirekt am Raketenprogramm. Schon 1939 verbesserte er das Treibstoffförderungssystem der Heinkel 112, eines Raketenflugzeuges. Er ersetzte die Druckförderung durch eine Pumpenförderung und schuf so den Antrieb der Heinkel 176, eines Raketenjägers mit abwerfbarer Führerkabine. Er legte auch im Juli 1939 eine Denkschrift vor, in der er einen Raketenjäger propagierte - ein Projekt das erst in der Endphase des Krieges in Form der Messerschnitt Messerschmidt 163 und Bachem-Natter Ba 349 angegangen wurde.
Die Entwicklung von Raketenjägern wurde jedoch später von der Luftwaffe und
nicht von dem Heer verfolgt. Die Gruppe um von Braun und Dornberger wurde nur zu Detailfragen
hinzugezogen.
Dafür war man beteiligt bei der Entwicklung eines schweren Raketenwerfers, der auf das Fahrgestell eines Panzers des Typs III montiert wurde. Der 28 cm Raketenwerfer, bald in Anspielung auf Walter Dornberger nur "Do Werfer" genant schoss Feststoffangetriebene Raketen mit jeweils 50 kg Sprengstoff ab.
1943 fragte die Luftwaffe nach einer Rakete, die man nutzten könnte um alliierte Bomber abzuschießen. Man entschied sich für eine 7.92 m lange und 3.5 t schwere Rakete als Kompromiss zwischen Größe und Reichweite. Die Rakete "Wasserfall" arbeitete mit den Treibstoffen Kerosin / Salpetersäure, die besser lagerfähig als der flüssige Sauerstoff der V-2 waren. (Schließlich wusste man nicht im voraus wann ein Bombenangriff stattfinden sollte). Die Rakete hatte zwei kreuzförmig angeordnete Flügel zur besseren Stabilisierung und konnte vom Boden aus mit einem Steuerknüppel gesteuert werden.
Zu Kriegsende konnte die Rakete von einem Analogrechner gesteuert werden und ein Annäherungszünder, der die 300 kg schwere Sprengladung zündete, war fast fertig gestellt. Die Rakete hatte eine Reichweite von 26 km und eine Gipfelhöhe von 16 km, kam aber zu spät um im Krieg noch eingesetzt zu werden. Das Design war jedoch so fortschrittlich, dass die Siegermächte es kopierten: Die Luftabwehrraketen "Hermes" in den USA und die "R101" in Russland waren nichts anderes als nachgebaute Wasserfallraketen.
Andere Pläne gab es die A-4 von U-Booten aus zu starten. Ein U-Boot hätte dazu einen 5.5 m breiten und 37 m langen Transportbehälter bis 200-300 km an die Küste gezogen, diesen dann aufgerichtet und die Rakete gestartet. Schon 1939 gab es erfolgreiche Tests von Feststoffraketen die 10-20 m unter der Wasseroberfläche gestartet wurden. Sie sollten 3 km vor der Küste aus gestartet werden und dann mit Brandsätzen Depots in Hafen wie Benzinlager in Brand stecken. Doch erst 1943 griff man die Idee wieder auf. Bis zum Dezember 1944 arbeitete man daran. Dieses Projekt "Schwimmweste" kam nicht in die Realisierungsphase. Angesichts der Verluste im U-Boot Krieg in den letzten beiden Kriegsjahren wäre diese Waffe auch eher ein Selbstmordkommando gewesen.
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WasserfallErststart 29.4.1944 Vollmasse 3500 kg Länge 7.70 m Triebwerk: Bahn: Besonderheiten: |
Man versuchte auch die Reichweite der A-4 zu erhöhen, indem man die Geschwindigkeit des Wiedereintritts für einen Gleitflug nutzte. Die A-4B unterschied sich von der A-4 durch zwei Flügel die dies ermöglichen sollen und so die Reichweite auf 644 km - 750 km fast verdoppeln sollten. Vorgeschlagen schon 1940 musste die Entwicklung mangels Mitteln zuerst für einige Jahre eingestellt werden. Die A-4B absolvierte im Januar 1945 einige Testflüge, kam jedoch nicht mehr zum Truppeneinsatz, da man ihre Entwicklung solange stoppte, bis die Wehrmacht ihre Stellungen an der Normandie verlor und so nicht mehr London mit der V-2 erreichen konnte. Erst am 25.10.1944 wurde der Bau von 5 Prototypen genehmigt, deren erster am 27.12.1944 flog. Die A-4B hatte die gleichen Leistungsdaten wie die A-4, nur war ihre Leermasse durch die Flügel um 1350 kg höher. Beim einzigen erfolgreichen Flug erreichte die Rakete eine Reichweite von 750 km bei einer Höhe von 80 km. Ursprünglich dachte man an vergrößerte Pfeilflügel wie die Heckflossen der A-4, doch im Windkanal zeigte sich, dass bei diesen der Schwerpunkt zu tief lag. Die A-4B bekam daher dünne Flügel, die sehr an heutige Flugzeugflügel von Überschallmaschinen erinnern und weiter oben an der Rakete befestigt wurden. In der Tat war die A-4B die erste Überschallmaschine und erinnert in ihrer Form mehr an die X-1 in der 4 Jahre die USA zum ersten Mal bemannt die Schallmauer durchbrachen. Die A-4B wurde wie die A-4 gestartet. Sie ging aber in einer Höhe von 20 km in einen langen Gleitflug über. Die Geschwindigkeit nahm dabei von 1250 m/s auf 160 m/s in 5 km Höhe ab. Man nutzte also die enorme kinetische Energie der Rakete für eine Reichweitenvergrößerung. In 5 km Höhe hätte man die Rakete dann gezielt zum Absturz gebracht, weil sie nun mit einer Geschwindigkeit von 576 km/h schon so langsam wie ein Jagdflugzeug war.
Die Tests einer mit vergrößerten Pfeilflügeln versehenen A-4 liefen auch unter der Bezeichnung A-9 kam jedoch nie über das Projektstadium heraus. Die Pfeilflügel verursachten im Überschallbereich große Probleme und wurden zugunsten der A-4B aufgegeben. Die A-9 sollte jedoch als zweite Stufe des Gespanns A-9 / A-10 eingesetzt werden.
Von Braun plante auch eine bemannte Version der A-4b, welche einen Piloten in 17 Minuten über eine Distanz von 644 km transportieren könnte. Diese wurde als A-6 propagiert. Sie hatte keinen militärischen Nutzen, sollte aber Grundlage für eine zivile Nutzung nach dem Krieg sein. Die A-6 wäre nach 644 km Flug mit 160 km/h auf Kufen gelandet. Eine verkleinerte Version der A-4B zum Test des Konzepts war die A-7 die schon 1941 getestet wurde und etwa 15 kN Schub bei 1000 kg Startmasse aufwies.
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A-7Erprobung: 1941 Stufe 1: Länge 5.91 m Triebwerk: Bahn: A-4B "Bastard" / A-6Erststart 27.12.1944 Stufe 1: Länge 14.0 m Triebwerk: Bahn: |
Die A-9 wäre eine wesentlich größere Rakete gewesen mit etwa 85 t Startmasse und
200 t Startschub. Von Braun sah sie als einen weiteren Schritt für die Verwirklichung seines
Traumes - der Erforschung des Weltraums, verkaufte sie aber dem Militär als "Transatlantik
Rakete". Mit einer geflügelten A-4, der A-9 als Oberstufe hätte man eine Tonne Nutzlast über 4100
km transportieren können. Es gab auch Pläne für eine bemannte Version. Die A-9 sollte zuerst 6
Triebwerke einer A-4 in der ersten Stufe verwenden, dann plante man ein größeres Triebwerk mit
1760-2000 kN Startschub. Sie wurde schon 1940 von Braun vorgeschlagen. Man untersagte ihm 1943
die Arbeit und erst im November 1944 dürfte er sie wieder aufnehmen. Es gibt über die Abmessungen
und Form der A-9 sehr viele unterschiedliche Werte.
Die A-10 als Unterstufe hätte eine Masse von 87 t, davon 62 t Treibstoff gehabt und 200 t Startschub (1962 kN) gehabt. Sie hätte in 50-60 Sekunden eine Geschwindigkeit von 1200 m/s erreicht und dann eine A-9 freigesetzt. Diese hätte um weitere 1600 m/s beschleunigt. Die Kombination von hoher Geschwindigkeit und den Flügeln der A-9, welche einen Gleitflug ermöglichten, hätte eine Reichweite von 5500 km mit Flügeln und 4100 km ohne Flügeln ermöglicht. Man kam von einem frühen Konzept in dem die A-9 von der A-10 umhüllt wurde ab und setzte später auf das klassische Stufenkonzept.
Noch weiter ging die A-11 die etwa 500 t wog und zusammen mit der A9/A10 als ersten beide Stufen einen Orbit erreicht hätte. Beide Projekte kamen über das Planungsstadium nicht heraus. Die A-9 und A-10 wurden im Windkanal getestet und auch durchgerechnet, es wurde jedoch keine Hardware gebaut.
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A-9 / A-10Stufe 1: A-10 Vollmasse 87000 kg Länge 20.00 m Triebwerk: Stufe 2: A-9 Vollmasse 13000 kg Länge 14.18 m Triebwerk: Bahn: |
Es gab auch Pläne die Tests der A-4 für Höhenforschungen zu nutzen: Schließlich erreichte die Rakete den Weltraum und konnte 1 t Nutzlast transportieren. Es ergab sich jedoch ein Problem. Zum einen war die A-4 ein Projekt der höchsten Geheimhaltungsstufe und so wussten Wissenschaftler nichts von ihrer Existenz. Andererseits hing die Bahn der A-4 von den Bedingungen in der oberen Atmosphäre ab. Kannte man diese so wäre diese optimierbar gewesen und man konnte so Leistung oder Reichweite steigern. Man musste also eine A-4 mit Instrumenten starten. Wernher von Braun braucht lange bis er die Erlaubnis dafür bekommt und auch danach ist das Militär davon nicht begeistert.
Am 8.7.1942 gab es ein Gespräch zwischen Erich Regener, Alfred Ehmert vom Institut für Höhenforschungen bei Friedrichshafen am Bodensee und Wernher von Braun über die Nutzung der A-4 als Höhenforschungsrakete. Regener bekommt die Aufgabe einen Messkopf zu entwickeln. Dieser sollte Luftdruck, Temperaturen, Dichte während des Aufstiegs messen. Mit einem UV Spektrograph die UV Strahlung in der Höhe messen und Luftproben in großer Höhe nehmen. Der Auftrag war mit 25000 Reichsmark dotiert und Regener konnte weitere Geräte die er starten wollte hinzufügen. Der Kopf in Form einer Tonne (Regener Tonne) war abtrennbar und sollte mit einem Fallschirm sanft landen. Später war auch noch das Flugfunkinstitut bei München beteiligt, das die statische Auflandung der Rakete messen wollte, um Daten für die Steuerung der Wasserfall Flugabwehrrakete zu gewinnen. Durch die Verschärfung der Situation (Mangel an Mitteln und Personen) im Krieg kam es jedoch zu keinem Start. Lediglich ab März 1944 wurde die Temperatur der Raketenspitze gemessen und mit der Telemetrie zum Boden übertragen. Die Sowjets bauten die Regener Tonne nach und startete sie mit ihrer R-1 (dem Nachbau der A-4) nach dem Krieg.
Die Rolle Wernher von Braun ist umstritten. Lange Zeit galt er als Vorzeigedeutscher: Er startete die erste Großrakete er Welt, den ersten amerikanischen Satelliten, die erste amerikanische Raumsonde, wurde Chef der Saturn Entwicklung welche die Apollo Astronauten zum Mond beförderte. Ohne ihn wäre sicherlich im amerikanischen Weltraumprogramm einiges weniger gut gelaufen. Seine Fähigkeiten als Organisator und Konstrukteur sind legendär und bis heute unumstritten.
Je weiter man sich vom zweiten Weltkrieg entfernt, desto kritischer wird die Rolle Wernher von Brauns im Dritten Reich gesehen. Er wusste von den Produktionsbedingungen im Mittelbau, war mehrmals dort zu Besuch. Hätte er sich nicht dagegen wehren müssen? Man weiß auch, dass Wernher von Braun Mitglied der NSDAP und SS war. Passt das zu dem Bild des Weltraumenthusiasten, das er gerne von sich verbreitete?
Nun lassen wir Tatsachen sprechen: Wernher von Braun war seit 1937 Mitglied der NSDAP und seit 1.5.1940 Mitglied der SS. Der Rang eines Sturmbandführers war ihm früh in der A-4 Trägerraketenentwicklung angeboten worden. Hätte er ihn ablehnen können? Anders herum gefragt : Wer im dritten Reich war in einer Führungsposition, ohne ein Rang in der Wehrmacht oder der SS inne zu haben? Wenn Ihnen niemand einfällt, dann kennen Sie wohl die Antwort. Verbürgt ist, das Wernher von Braun die SS Uniform nur zur Anprobe und bei Besuch von SS Prominenz an hatte. Sonst trug er immer Zivil und selbst bei unteren Bild, das Himmlers Besuch in Peenemünde zeigt hat er keine SS Uniform an.
Die SS beäugte Braun und das Programm und wollte es selbst kontrollieren.
Wernher von Braun wurde im Frühjahr 1943 von Himmler vorgeladen mit der Aufforderung sich von
Dornberger zu trennen und nur für die SS zu arbeiten. Er lehnte ab. In der Nacht zum 13. März
1944 wurden Wernher von Braun, sein Bruder Magnus, Klaus Riedel und Helmut Gröttrup von der SS
verhaftet und in ein Gefängnis in Stettin gebracht. General Dornberger wurde von Feldmarschall
Keitel vorgeladen. Er schaffte es dass Braun und zwei weitere Peenemünder freigelassen wurden,
weil er sonst das Projekt A-4 in Gefahr sähe. Der Grund für die Verhaftung: In einer privaten
Runde hatte von Braun im Offizierscasino gesagt, er betriebe die gesamte A-4 Forschung nur um
seine "Raumfahrtaktivitäten" voranzutreiben und würde daher nicht 100 % für das Heer arbeiten.
Nach 3 Tagen Haft war Braun wieder frei.
Natürlich wusste von Braun von den Zuständen im Mittelbau. Er war mehrere Male dort. Aber hätte er etwas tun können? Er war technischer Leiter von Peenemünde. Mittelbau und das KZ Buchwald unterstanden der SS unter General Kammler. Die Verhaftung wegen der angeblichen fehlenden Bereitschaft sich voll für die A-4 einzusetzen zeigte schon, dass er selbst gefährdet war. Er konnte nicht einmal den Raketenpioneer Rudolph Nebel für Peenemünde gewinnen, weil dieser wegen seiner jüdischen Frau als Sicherheitsrisiko galt. Er hätte nichts erreichen können.
Ich denke man hat es mehr mit einem Zeitgeistphänomen zu tun. Je mehr wir uns von der Zeit des dritten Reichs entfernen, desto idealistischer werden die Vorstellungen. Anders ausgedrückt: Man erwartet ein immer höheres Maß an moralischer Integrität von jedem der damals lebte je mehr Zeit seitdem vergangen ist.
Klagte man früher nur Kriegsverbrecher an, so ist man heute schon kritisch wenn jemand im dritten Reich nur erfolgreich war, wie die letzten Biographien zu Schauspielern zeigen, die damals populär waren wie Heinz Rühmann und Zarah Leanders. In ein paar Jahren wird wahrscheinlich jeder schuldig sein, der kein Widerstandskämpfer war. Natürlich wissen wir heute mehr über von Braun als vor 1989. Er hat Konzessionen gemacht und sich in den NS Apparat integriert um seine Ideen voranzutreiben. Er hat auch gewusst, dass die Rakete von Häftlingen gebaut wurde. Aber ihn verantwortlich für die Zustände im Mittelbau zu machen, wie dies einige Biographen tun, hat nichts mit den gesicherten Tatsachen zu tun.
Es scheint ein deutsches Phänomen zu sein, denn in englischsprachigen Seiten, unter anderem auch bei von Brauns Wirkungsstätte, dem Marshall Space Center, habe ich derartige Kritik nicht vernommen. Ohne das Heer wäre keine Raketenentwicklung möglich gewesen. Was hätte also von Braun anders machen sollen? Warten bis das Dritte Reich vorüber ist? Er ist ja nicht der einzige Wissenschaftler der Raketen entwickelt hat. Dies tat auch Koroljow unter Stalin, der ebenfalls Millionen umbringen ließ. Niemand hat dies Koroljow je vorgeworfen, auch nicht die vielen Toten, als man in Kapustin Yar ein Testgelände mit Häftlingen aus dem Boden stampfte. Ich kann mich auch nicht erinnern, das man Enrico Fermi so kritisch beurteilt, der schließlich die Atombombe mit entwickelt hat und sich nicht gegen den Einsatz aussprach, als man damit Hiroshima und Nagasaki bombardierte. In England wurde Arthur "Bomber" Harris ein Denkmal gesetzt, der verantwortlich für den Tod von 500.000 deutschen Zivilisten war, und als die "Bild" im November 2004 eine Entschuldigung von der englischen Königin für die vielen Toten forderte, die der britisch-amerikanische Bombenkrieg forderte, regte sich allgemeine Entrüstung. Man muss daher jede politische Beurteilung von Braun auch im gesellschaftlichen Kontext sehen.
Man kann die Rolle Wernher von Brauns aber auch anders sehen. Das ganze V-2 Programm soll etwa 2 Milliarden Reichsmark gekostet haben. Mindestens 550 Millionen Reichsmark kostete die Entwicklung bis 1942. Dazu kamen die Fertigung in Peenemünde und später bei Nordhausen. Damals kostete die Fertigung eines "Tiger" Panzers 750.000 Reichsmark, eines Jägers des Typs "Messerschmidt 109G" 250.000 Reichsmark und die des Schlachtschiffs "Bismarck" 196 Millionen Reichsmark. Man hätte für dieses Geld also 10 Schlachtschiffe der Bismarck Klasse, 2700 Tiger Panzer oder 8000 Messerschmidt 109 fertigen können. Wie hätte dies den Krieg beeinflusst? Was wäre aus den Lieferungen der USA an England geworden, wenn Deutschland so viele Schlachtschiffe gehabt hätte? (Gebaut wurden von dieser Klasse nur 2: Die Bismarck und Tirpitz). Wie wäre der Bombenkrieg gelaufen wenn Deutschland 8000 Messerschmidt 109 mehr gehabt hätte, wie der Kampf an der Ostfront mit 2700 weiteren Tiger Panzern? (Gesamtproduktion im Krieg: etwa 1900). Eventuell wäre die A-4 eine wirksame Waffe gewesen, hätte sie von Anfang an die nötige Dringlichkeitsstufe erhalten. Walter Dornberger vertritt die Meinung, dass die Rakete 2-2½ Jahre früher fertig gestellt werden konnte, hätte man die Entwicklung gefordert und nicht dauernd neue utopische Pläne für eine Serienproduktion aufgestellt bevor die Rakete vollständig ausgereift war. Mit verbesserten Lenkungssystemen die ebenfalls keine Priorität hatten, wäre die 50 % Breitenstreuung auf unter 1000 m senkbar gewesen. Damit wäre die A-4 aber eine Waffe gewesen, die man auch gegen ausgedehnte militärische Ziele wie Flughäfen, Depots oder Hafen hätte einsetzen können.
So kostete die Waffe aber sehr viel Geld und band viele Arbeitskräfte Es sollen 70.000 Personen an der Rakete voll gearbeitet haben und etwa 500.0000 Personen die zumindest zeitweise an Teilen der Rakete arbeiteten. Die Produktion der V-2 hat also den Krieg verkürzt und damit viel mehr Menschenleben gerettet als sie kostete, weil sie eine recht ineffektive Waffe war. Das gilt auch für das gesamte V-Waffen Programm. Dessen Gesamtkosten (inklusive Produktion) soll 12 Milliarden Reichsmark betragen haben, also das sechsfache der oberen Summe.
Wer meint, dass dieses Argument weit hergeholt ist: Mit derselben Argumentation hat US Präsident Reagan in den 80 er Jahren einen Rüstungswettlauf gestartet, der die Sowjetunion ruiniert und damit zum Ende des kalten Krieges geführt hat.
Am 31.1.1945 erging der Befehl Peenemünde zu räumen, als
sich die Sowjetarmee Usedom näherte. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten noch 4325 Personen in
Peenemünde-Ost, davon 1940 an der A-4, 270 an der A-4B. Die letzte von 265 A-4 wurde am 14.2.1945
verschossen. Am 17.2.1945 fuhr der erste von 2 Güterzügen mit 700 Personen, dem folgten weitere.
Es gelang 5000 Personen und 12000 t Material zu evakuieren. Die Prüfstände sollten in Cuxhaven
neu aufgebaut worden. Fertigungen gingen nach Nordhausen und Bleichrode. Als die Sowjets am
5.5.1945 Peenemünde erreichten fanden Sie "zu 75 Prozent Schutt" vor: Der Volkssturm hatte die
Anlagen gesprengt.
Am 3.4.1945 bekam Dornberger den Befehl von Braun und 500 weitere führende Ingenieure nach Oberammergau zu beordern um zu verhindern dass sie dem Feind in die Hände fielen. Begleitet von 100 SS "Beschützern" trafen sie am 5.4.1945 dort ein und wurden in einer mit Stacheldraht umzäunten Kaserne untergebracht. Braun kann zu Dornberger zu seinem Stab nach Oberjoch durchdringen, der mit 100 Soldaten auftaucht und erreicht, dass die SS Soldaten, die den Befehl hatten, die Peenemünder zu erschießen, abziehen. Braun und die anderen Peenemünder nisten sich in einem Berghotel in Oberjoch ein. Erst am 12.5.1945, nach Kriegsende, ergeben Sie sich den Amerikanern.
Am 11.4.1945 erreichten amerikanische Truppen Nordhausen. Sie hatten eine Aufgabe: Die dort gebauten A-4 sichern und die Ingenieure zu finden, die sie bauten. Dies war die Aktion Paperclip - Büroklammer. Das erste war einfacher, denn es befand sich genug Material für etwa 100 Raketen im Mittelbau Dora. Das Material wurde gesichtet und am 22.5.1945 verließ der erste von 9 Güterzügen mit 400 t Material Mittelbau Dora. Am 31.5.1945 fuhr der letzte. Am 1.7.1945 wurde das Gebiet der Sowjetischen Armee übergeben, denn es lag auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone. Doch bis dahin war es leergeräumt worden. Die Briten starteten von Cuxhaven aus zwischen dem 2 und 14.10.1945 die ersten V-2 unter alliierter Regie. Beim dritten und letzten Flug beobachtete auch Sergej Koroljow den Start.
Warum waren die Amerikaner so hinter der V-2 her ? Wie schon erläutert waren die V-2 als konventionelle Waffe ineffektiv. Die Kosten für den Bau waren hoch und sie transportierte weniger als 1 t Sprengstoff über eine kürzere Reichweite als ein Bomber bei einer schlechten Zielgenauigkeit (auch wenn diese zum Kriegsende gesteigert werden konnte). Eventuell wäre sie mit chemischen Waffen eine "Bereicherung" des Waffenarsenals gewesen. Doch auch diese wurden von Deutschland entwickelt und anders von der A-4 wusste man von deren Existenz nichts bis man auf die Produktionsanlagen zum Kriegsende stieß. Sinnvoll war die A-4 als Träger einer Atombombe, welche die USA entwickelten. Über Hiroshima und Nagasaki wurde sie von Bombern abgeworfen. Das ging weil die USA die absolute Luftüberlegenheit hatten und Japan praktisch am Boden war. Ein Einsatz gegen einen gut gerüsteten Gegner wäre erheblich riskanter. Zudem erlaubte die langsame Geschwindigkeit eines Bombers eine rechtzeitige Vorbereitung gegen einen Atomschlag. Zumindest das Militär hatte gute Chancen sich zu schützen indem man sich in Bunker begab. Gegen eine Rakete gab es keine Vorwarnung. Sie legte große Distanzen schnell zurück. Die mangelnde Zielgenauigkeit spielte bei der großen Sprengkraft einer Atombombe keine so wichtige Rolle. Wahrscheinlich waren aus demselben Grunde auch die Russen hinter der Rakete her, denn sie wussten durch Spionage von der Arbeit der Amerikaner.
Im WestenWernher von Braun ging mit 115 (oder 129, hier differieren die Quellen) Ingenieuren - dem Kern der Peenemünder nach Amerika. Zuerst wurden sie in Europa inhaftiert, erst am 25.9.1945 gelangten Sie nach Amerika. Dort drehten sie zuerst Däumchen und wurden im Fort Blizz interniert. Erst 1946 begannen die USA die etwa 100 erbeuteten A-4 zu starten. Der erste Start fand am 14.4.1946 statt. Laut Holger N. Toftoy, Leiter der Aktion "Paperclip" sparte dies den USA enorme Anstrengungen: "Wir waren blutige Anfänger, als meine Leute diese Raketen aus Deutschland herüberbrachten. Die deutsche V-2 Rakete hat der amerikanischen Waffenentwicklung 50 Millionen USD und 5 Jahre Forschungsarbeit erspart". Nicht viel anders urteilte der führende sowjetische Triebwerkskonstrukteur Valentin Gluschko: "Die Entwicklung der V-2 in den 40 er Jahren in Deutschland war eine große technische Leistung auf dem Gebiet des Raketenbaus".
Nach der Gefangenschaft schieden sich die Wege von Dornberger und den Ingenieuren. Walter Dornberger war als Leiter für Peenemünde (zumindest bis er im August 1944 Kammler unterstellt wurde) verantwortlich für den Einsatz von Zwangsarbeitern, nachdem die Rakete ab Juli 1943 die höchste Dringlichkeitsstufe erhielt. Dafür wurde er nach dem Krieg von den Engländern interniert. Auf Drängen der Amerikaner wurde er 1947 freigelassen, ohne dass ein Prozess gegen ihn eröffnet wurde. Er wurde danach Guided Missle Berater bei der US Air Force und wechselte 1949 in das Unternehmen Bell.
Wernher von Braun arbeitete weiter an der A-4.
Zuerst ging es darum die amerikanischen
Techniker mit der A-4 vertraut zu machen. Hier fiel die A-4 wieder auf eine geringe
Zuverlässigkeit zurück, weil die Amis keinerlei Erfahrungen mit der Handhabung der Großrakete
hatten. In Bezug auf den Raketenbau waren die USA damals Entwicklungsland. Der Pioneer Robert
Goddard war im eigenen Land nie beachtet worden. Anders als die Sowjetunion entwickelte man im
Krieg auch keine größeren Feststoffraketen. So galt es erst einmal Entwicklungshilfe für die
Siegermacht leisten. Später startete man wissenschaftliche Nutzlasten mit der A-4 und zuletzt
erreichte die A-4 als erste Stufe der Kombination mit den amerikanischen Raketen WAC Corporal und
Aerobee eine Höhe von bis zu 400 km. Das Bild oben links zeigt deutlich den Größenunterschied
zwischen der deutschen A-4 und der amerikanischen WAC Corporal Oberstufe, welche die modernste
amerikanische Rakete war. Der erste Start einer" Bumper" fand am 18.5.1948 statt. Von 1947 bis
1950 arbeiteten die Peenemünder im Raketenstartgelände White Sands in Texas. Nach einem Aufschlag
an der Grenze zu Mexiko wechselte man nach Huntsville, Alabama. Die Tests mit der A-4 gingen auch
nach seinem Wechsel nach Alabama weiter. Die letzte A-4 wurde erst am 19.9.1952 gestartet - Mehr
als 7 Jahre nach Kriegsende. Insgesamt startete die US Army 73 A-4 von White Sands aus.
Am 24.7.1950 wurde mit einem Start einer "Bumper" das Startgelände Cape Canaveral eingeweiht. Für Starts die nicht senkrecht nach oben gingen, war White Sands ungeeignet, weil Trümmer der Rakete auf bewohntes Gebiet fallen konnten. Starts von Cape Canaveral führten dagegen auf den Atlantik hinaus. Dieser erste Flug einer Bumper vom Cape aus verlief nicht erfolgreich. Die 5 Jahre alte 13 t schwere A-4 flog erfolgreich. Doch die 0.39 t schwere WAC Corporal Rakete einfachster Bauart (WAC : Without Altitude Control = Ohne Fluglagensteuerung) zündete nicht. Der zweite und letzte Start einer A-4 vom Cape aus am 29.7.1950 glückte und die WAC erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 3000 m/s und eine Reichweite von 240 km,
Wernher von Braun wurde ab Februar 1950 abkommandiert ins Marshall Army Missle Center in Huntsville, Alabama. Später wurde er Direktor des dort gelegenen Marshall Space Centers und entwickelte dort die Redstone Rakete. Die Redstone basierte weitgehend auf der A-4 Technologie. Der Antrieb war leicht im Schub gesteigert worden und man hatte nun eine nicht tragende Struktur. Wie die A-4 verwandte sie nun Strahlruder aus Graphit. Aber sie war nun leichter und hatte keine Flügel mehr. Die Redstone entsprach somit in etwa der R-5 auf sowjetischer Seite. Auch der Nachfolger der Redstone, die Jupiter basierte auf der A-4. Man verwandte nun die energiereichere Treibstoffkombination Sauerstoff / Hydne (60 % UDMH + 40 % Diethyltriamin). Die Triebwerksbezeichnungen wurden sogar fortgeschrieben: A-6 für das Triebwerk der Redstone und A-7 für das der Jupiter. Die Redstone flog erstmals am 20.8.1953 und die Jupiter erstmals am 22.9.1955. Eine Redstone transportierte den ersten Amerikaner Al Shepard ins All und eine Jupiter den ersten Satelliten Explorer 1 und die erste erfolgreiche Mondsonde Pioneer 3. Später entwickelte von Braun die Saturn Trägerraketen, mit denen die USA den Wettlauf zum Mond gewannen.
Die deutschen Raketenentwickler waren bis Anfang der 70 er Jahren in führenden Stellen im US Raumfahrtprogramm präsent: Wernher Von Braun war Chef der ABMA in Huntsville und ab 1970 stellvertretender Planungschef der NASA. Er skizzierte für Kennedy das Apolloprogramm und versprach, dass man dieses innerhalb eines Jahrzehnts für 25 Milliarden Dollar durchführen könnte. Er entwickelte dann die Saturn Trägerraketen und hatte zur Spitzenzeit 7500 Angestellte und einen Jahresetat von 1.8 Milliarden Dollar. Neben ihm arbeiteten etwa 100 "Germans" in führenden Positionen in Huntsville. Von Braun hielt Wort: Apollo wurde in 8 Jahren verwirklicht und kostete 24 Milliarden Dollar.
Sein Nachfolger in Huntsville wurde Dannenberg. Kurt Debus war von 1962-1974 Direktor des Kennedy Space Centers. Dannenberg wurde stellvertretender Leiter der Saturn 5 Entwicklung. Krafft Ehricke entwickelte die Centaur und gilt als Pioneer der Benutzung von Wasserstoff als Treibstoff. Ernst Stuhlinger beschäftigte sich intensiv mit Ionentriebwerken und erarbeitete die Grundlagen für die Berechnung von Bahnen mit kleinen Schüben.,
Anfang der 70 er Jahren wurden sie alle aus ihren Posten gedrängt oder in Pension geschickt und die NASA "amerikanisiert". Was die NASA seitdem geleistet hat ist ja allgemein bekannt. Das Nachfolgeprojekt Space Shuttle kostete dreimal so viel wie vorgesehen, brauchte 3 Jahre länger und ergab ein Transportsystem, das zum 40 fachen geplanten Startpreis 10 mal weniger häufig startete als geplant.
Im
OstenIn der sowjetischen Besatzungszone lagen sowohl die Fertigungsstätten in Nordhausen, wie auch die Entwicklung in Peenemünde. Doch Peenemünde war vom Volkssturm gesprengt worden und der Mittelbau Dora weitgehend von der US Army leergeräumt worden. Die meisten führenden Entwickler hatten sich zudem bei der US Army gemeldet. Was noch blieb waren viele Einzelteile und der gesamte Mittelbau der Konstruktion. Mehr als 3500 Techniker aber auch ein Spezialist, Helmut Gröttrup, Spezialist für Steuerung und Lenkung. Weitere Führungskräfte waren Werner Abring, Johannes Hoch, Kurt Magnus, Franz Matthes, Joachim Umpfenbach, Waldemar Wolff.
Daher wurden zuerst alle noch in Nordhausen vorhandenen Bauteile der A-4 eingesammelt und in die Sowjetunion verschifft. Man begann sogar den Zusammenbau von Raketen in Nordhausen, mit den noch vorhandenem Personal, da alle Fertigungsanlagen noch vorhanden waren. Die Arbeiter und Techniker kamen gerne, gab es doch eine sehr großzügige Zuteilung an Lebensmittelrationen und ein gutes Gehalt. Der Geheimdienst NKWD forschte in den westlichen Besatzungszonen sogar nach Wernher von Braun, doch der war zu diesem Zeitpunkt schon außer Landes.
Danach wurde in einer Nacht und Nebel Aktion alle noch vorhandenen Ingenieure und technisches Personal mit Kind und Kegel in die SU "verbracht". Dies geschah in der Nacht vom 21 auf den 22.10.1946. Insgesamt gingen mit Gröttrup 175 Ingenieure mit ihren Familien, insgesamt 495 Personen in die SU. Dazu kamen andere Personen die freiwillig in die SU kamen. Insgesamt 695 Personen, also 5 mal mehr als in den USA arbeiteten für die Russen. Offiziell wurde folgendes verlautbart: Dort arbeiteten sie an Raketen weiter, doch nicht wie Wernher von Braun in leitender Position, sondern mit spezifischen Teilaufgaben und Detailproblemen, die ihnen von den Sowjets übertragen wurden, ohne zu wissen wie die Raketen aussehen an denen sie arbeiteten. Zwar wurden die Deutschen von den Russen bei Nacht und Neben entführt, doch sie waren keine Gefangenen. Im Gegenteil. Mit folgenden Zügen wurde der gesamte Hausrat in die Sowjetunion verbracht. 92 Züge waren dazu nötig.
Die sowjetische Raketenforschung wollte alle Meriten selbst ernten. Doch warum kehrten die Experten dann so spät zurück ? Es kehrten 1950/51 21 Prozent, 1952/53 32 Prozent und 1954/55 weitere 38 Prozent zurück. Die letzten erst 1959. Nach Öffnung der Sowjetunion wurde die Wahrheit bekannt. Die Deutschen waren tonangebend bei dem Bau der R-1 und R-2, im Prinzip eine nachgebaute A-4 und der Vorschlag die A-4 leichter zu bauen, denn man schon bei der A-4 Entwicklung hatte. Danach nahm der Einfluss der Deutschen ab, auch wenn wichtige Details in die ersten Mittelstreckenraketen der UdSSR einflossen.
Die Sowjetunion baute zuerst einige A-4 zusammen und startete diese. Es waren 11 Stück, 6 waren nachgebaut worden, 5 noch in Nordhausen aus vorhandenen Geräten zusammengebaut worden. Der erste Start fand am 18.10.1947 statt, also mehr als ein Jahr nach den Amerikanern. Danach wurde die A-4 in Russland nachgebaut. Es entstand die erste Fernrakete der UdSSR, die R-1 (Raketa 1). Am 17.9.1948 fand der erste Start einer R-1 statt - Anders als es die Bezeichnung vermuten lässt, ist dies eine 1:1 Kopie der A-4. Sie wurde als Kurzstreckenrakete im Jahre 1950 in die Streitkräfte eingeführt und bis 1964 als Höhenforschungsrakete eingesetzt.
In der Folge
verbesserte die Sowjetunion die Leistungsdaten der Rakete. Es entstand die R-2 mit 375 kN
Startschub und 19.6 t Startgewicht und einer doppelt so hohen Reichweite. (Bild links) Die
wesentlichen Änderungen der R-2 waren der abtrennbare Sprengkopf und die dadurch ermöglichte
leichtere Konstruktion der Rakete mit vergrößerten Tanks bei gleicher Leermasse. Weitere
Änderungen war die Anpassung an sowjetische Materialen. In der UdSSR waren sogar die Legierungen
unbekannt, welche für den Stahl der A-4 verwendet wurden. Die R-2 basierte allerdings noch auf
den Plänen für die A-60 und nutzte deren Vorarbeiten. Doch neue Technik bedeutet auch neues
Risiko. Keine einzige der am 21.10.1950 gestarteten R-2 der ersten Versuchsserie war voll
erfolgreich. Von den 12 Raketen erreichte nur eine Reichweite von 180 km. Später bekam man die
Probleme in den Griff und die R-2 wurde 1952 in die Streitkräfte eingeführt. Die R-3 kam nicht
über einen Entwurf heraus.
Parallel erarbeiteten die Deutschen in der UdSSR ein wesentlich fortschrittliches Gerät. Es gab 5 Entwürfe, die G-1 bis G-5. Die G-4, der letzte ausgeführte Entwurf, war Mittelstreckenrakete für 3000 kg Nutzlast mit einer Reichweite von 3000 km. Bei einer Startmasse von 66.6 t betrug die Leermasse nur 2.76 t und es war nur eine Stufe nötig. In den Leistungsdaten schlug sie jedes russische Konzept. Doch Koroljow wollte seine eigene Rakete konstruieren, auch wenn es nur eine verbesserte A-4 war. Die Deutschen wurden stufenweise nach Ostdeutschland abgeschoben. Die erste Gruppe im Dezember 1951 und die zweite im Juni 1952. Göttrop kam mit den letzten der Führungsriege am 28.11.1953 zurück nach Deutschland. Die dann verbliebenen hatten mit der Konstruktion neuer Raketen nichts mehr zu tun.
Die sowjetische R-5 verkleinerte die Flügel und machte auch den Sauerstofftank tragend und entspricht in ihrer technischen Auslegung der amerikanischen Redstone. Sie flog erstmals am 15.3.1953. Bestimmte Details der A-4 wie die Strahlruder, Wasserstoffperoxid Antrieb des Gasgenerators und der Durchmesser von 1.65 m finden sich sogar noch in den Kosmos Trägerraketen. Hinsichtlich der Triebwerksentwicklung war sogar noch R-7, die Sputnik Trägerrakete auf A-4 Niveau: Jede ihrer 20 Brennkammern hatte den Schub einer A-4. Die Steuerung der A-4 wurde sogar weitgehend weiterverwendet und Elemente wie die Spezialbatterie für die Geschwindigkeitsintegration hatte bis 2002 sogar noch die Proton.
Ohne die A-4 wären beide Mächte nicht so schnell zu eigenen Trägeraketen gekommen. Denn die Entwicklungen in den USA und UdSSR vor Kriegsende brachten maximal kleine Feststoffraketen als Starthilfe oder taktische Gefechtsraketen (Katjuscha) hervor. Keine der beiden Nationen verfügte über eine funktionierende Rakete, angetrieben mit flüssigen Treibstoffen, geschweige denn eine Großrakete.
Wiedergeburt im neuen Jahrtausend?Im Jahre 2004 kämpfen viele Teams um den X-Prize. Dieser mit 10 Millionen Dollar dotierte Preis winkt dem der innerhalb von 2 Wochen zweimal Passagiere in eine Höhe von 100 km (festgelegte Grenze zwischen Atmosphäre und Weltraum) bringt. Ein kanadisches Team dabei will die Rakete "Canadian Arrow" starten. Doch dahinter verbirgt sich kein neuartiger Passagierjet, sondern ein Nachbau der A-4, ausgerüstet mit einer kleinen Feststoffoberstufe, die auch als Rettungssysteme bei einem Versagen des A-4 Antriebs dient und eine Kabine welche die Passagiere aufnimmt. Das Gefährt soll eine Höhe von 70 Meilen (112 km) erreichen und 30-40 km vom Startort niedergehen. A-4 Grundstufe und Mannschaftskabine werden jeweils mit Fallschirmen abgebremst und aus dem Wasser geborgen. Die A-4 Grundstufe wird von 4 Fallschirmen mit je 19.5 m Durchmesser abgebremst und wassert mit 9 m/s. Hier bewährt sich die stabile und massive Bauweise. Die 1.65 m breite und 6 m hohe Passagierkabine mit der zweiten Stufe wird von 3 Fallschirmen abgebremst. Passagiere müssen wie Mercury Astronauten Belastungen von bis zu 4.5 G während des Fluges aushalten.
Die Wahl fiel auf die A-4, weil es von Ihr Pläne gab und ihr solider Aufbau es leicht machte sie nachzubauen ohne Speziallegierungen und Technologien einzusetzen. So besteht der Rumpf aus normalen Stahl. Bislang steht ein Flug der Canadian Arrow noch aus, doch erste Triebwerktests gab es bereits. Originale V-2 Triebwerke wurden 25 mal getestet, so dass man sie wieder verwenden kann.
Damit ist die A-4 der wohl älteste Träger der heute noch zum Einsatz kommt und hat nebenbei den Sprung von einer Lenkwaffe zu einer Trägerrakete für bemannte Raumfahrt geschafft!
Von mir gibt es mehrere Bücher zum Thema Trägerraketen. Mein bisher
umfassendstes Werk ist ein zweibändiges Lexikon über Trägerraketen mit jeweils
rund 400 Seiten Umfang. Eine sehr gute, kompakte Übersicht über die Trägerraketen Russlands,
Europas, Chinas, Japan Indiens und verschiedener Nationen (Brasilien, Israel,
Australien, Nordkorea, Südkorea, Iran) ist das Raketenlexikon: Band 2: Internationale Trägerraketen
Der dazu gehörende Band 1 (Raketenlexikon: Band 1: US Trägerraketen
) behandelt die amerikanischen Trägerraketen. Jeder Band
behandelt die Technik und Geschichte von rund 100 Submodellen in kompakter
Form. Die grundlegende Technik eines Modells wird in einem einführenden ersten Kapitel
ausführlicher besprochen. Die folgenden Kapitel beinhalten dann die
Veränderungen von Subversion zu Subversion. Jeder Typ wird mit einem
ausführlichen Datenblatt und einem Startfoto dokumentiert.
Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.
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