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Der Apple II und VisiCalc

Weniger als 4 Jahre trennten den Apple II vom Altair 8800. Doch trennten Welten diesen Rechner von dem Altair. Anstatt eines Gehäuses mit Kippschaltern und Leuchtdioden als Ein/Ausgabe, war der Apple II schon ein echter Computer. Er verfügte über eine echte Tastatur, einen Anschluss für Kassettenrekorder als Massenspeicher und einen Fernsehmodulator um diesen als Monitor benutzen zu können. Er war grafikfähig und begrüßte seinen Benutzer mit einem BASIC Interpreter - er konnte sofort loslegen und musste nicht erst Maschinensprache lernen und seinen Rechner zusammenbauen.

Apple wurde von Steve Wozniak und Steven Jobs gegründet. Den ersten Computer, den Apple I konnten beide noch durch Verkauf ihres VW und programmierbaren Taschenrechners finanzieren. Der Apple I entstand aus einem Computer den Steve Wozniak für sich baute und bei den Treffen des Homebrew Computerclubs vorstellte. Er war ein einfacher Computer aus einer Platine mit einem Gehäuse. Einige Hundert Stück wurden über die Byte Computerkette verkauft. Wozniak und Jobs kaufen für etwa 250 Dollar pro Rechner die Bauteile und verkauften die in der Garage zusammengelöteten Rechner für 500 USD weiter. Eine Reihe von Apple I wurden von einem Schreiner mit einem Gehäuse aus Holz versehen. Ohne dieses Gehäuse wurde der Rechner für 666 USD verkauft. Dank eines Kredites und großzügigen Lieferzeiten bei den Lieferanten der Bauteile konnten Steven und Steve die Rechner erst in kleinen Stückzahlen fertigen und dann verkaufen. Dadurch kam Geld für weitere herein, so finanzierte sich schließlich das Unternehmen. Der Eigentümer der "Byte" Computershopkette war allerdings nicht mit der Lieferung zufrieden, ging er doch von einem kompletten Rechner aus.

Steven Jobs sah jedoch auch die Probleme: Wer einen Apple I kaufte musste Hardwarebastler sein. Er musste sich mindestens ein Netzteil und eine Tastatur besorgen. Der Apple I war noch weniger als der Altair 8800 ein echter Computer. Für einen Computer, denn man einfach einschalten und benutzen konnte brauchte man aber viel mehr Geld als die beiden hatten. Alleine die Produktion eines Gehäuses kostete einige 100.000 Dollar. Jobs ging auf die Suche nach Venture Kapital und hatte Glück. So konnte man an das Design des Apple II gehen.

Die Architektur des Apple II war bemerkenswert. Obwohl er kein hohes Gehäuse hatte gab es Platz für Erweiterungskarten. Wozniak brachte es fertig die vielen Chips die man vorher für einen Rechner brauchte zu reduzieren. Der Floppy Disk Controller bestand nur aus 5 Chips - Vorher waren es 35. Bildschirmspeicher und Programmspeicher wurden zusammengelegt. Sehr bald bot er auch eine Floppy Disc an - möglich wurde dies nur, weil er nicht nur die Zahl der Chips auf ein Minimum reduzierte, sondern der 6502 Prozessor auch die gesamte Datenaufbereitung machte (anstatt einem speziellen Chip, einem Floppydisc Controller), so hatte zwar der Apple 2 ein ungewöhnliches Format (mit 143 KByte pro Disc), aber die Floppys waren relativ preiswert. Bei Commodore kosteten sie genauso viel wie der Rechner, bei Apple weniger als die Hälfte. DerApple 2 war auch der erste Rechner mit farbiger Grafik und Befehlen um Grafik am Bildschirm zu erzeugen. Ein Nachteil war dass er noch 40 Zeichen pro Zeile anzeigte - Der Rechner sollte auch an einen Fernseher angeschlossen werden können, und dessen niedrige Auflösung ließ nicht mehr zu. Dies konnte durch eine optionale 80 Zeichen Karte gelöst werden. Damit konnte man an den Apple II auch Monitore anschließen.

Apple 2 Der Apple II war nicht der einzige Rechner mit diesem Komfort der 1978 erschien. Die bekanntesten Konkurrenten waren der TRS-80 von Tandy (mit einem Z80 Prozessor) und der Commodore PET. Alle verfolgten dasselbe Ziel: Der Benutzer sollte den Rechner einschalten und dann in BASIC loslegen können - und BASIC war einfach zu erlernen.

Warum aber war der Apple erfolgreich, während, die anderen Konkurrenten zwar auch sich gut verkauften, aber nie die Verbreitung des Apple II erreichten? Man kann verschiedene Ursachen anführen - Das schicke Gehäuse und die Erweiterbarkeit, die frühe Verfügbarkeit einer Floppy als bequemer Massenspeicher. Doch wahrscheinlich war ein Programm daran schuld: VisiCalc.

VisiCalc ist das was man damals eine Killerapplikation nannte: Eine Anwendung die alleine den Kauf eines Computers rechtfertigte, weil sie durch erhöhte Produktivität Kosten sparte. VisiCalc war die allererste Tabellenkalkulation. Sie revolutionierte die Buchhaltung und die Kostenrechnung. Buchhaltung ist im Prinzip nichts anderes als das aufsummieren von Beträgen auf Konten - etwas was auch damals ein Computer einfach erledigen konnte. Noch hilfreicher war VisiCalc bei Was-Wenn Fragen, wie sie oft auftauchen: Wie steigt der Gewinn wenn ich Maschine X anschaffe, im Vergleich zu den erhöhten Kosten durch Abschreibung von X? Was ist günstiger Leasing oder Kauf? Man konnte einfach die relevanten Zahlen eintragen, Beziehungen durch eine mathematische Formel angeben und die Auswirkungen in Sekunden überprüfen.

Bei fortschreitenden Rechnungen, die aufeinander basieren, konnte dagegen ein falscher Wert bei der manuellen Rechnung Stunden der Arbeit überflüssig machen. Wenn ein Buchhalter nur 10 % seiner Arbeitszeit durch einen PC ersparte, so hatte sich das Gerät in einem Jahr amortisiert.

VisiCalc wurde 1979 an der Harvard Business School von Daniel Bricklin und Bob Frankston erfunden. Bricklin war Programmierer und Frankston studierte Wirtschaftswissenschaften und lernte dabei wie öde es wahr Bilanzen anhand von Fällen "durchzuspielen". Mit VisiCalc konnte man Stundenlange Berechnungen radikal beschleunigen. Es waren einmal die Formeln eingegeben, danach brauchte man für eine neue Analyse nur die Anfangswerte zu ändern. Leider versäumten es Bricklin und Frankston die Idee hinter VisiCalc zu patentieren. So wurden sie nicht so reich wie andere Softwareerfinder wie z.B. Bill Gates. Zahlreiche andere Firmen übernahmen die Idee und damit wurde Lotus erfolgreich und konnte Microsoft mit Excel bei den Windows Anwendungsprogrammen eine starke Position einnehmen.

Natürlich gab es auch Killerapplikationen für andere Systeme. CP/M als Betriebssystem würde groß mit der Datenbank DBase II und der Textverarbeitung WordStar. Mit beiden zusammen konnte man einen Betrieb führen: Lagerverwaltung, Aufträge - das sind Datenbankanwendungen. Mit Übernahme der Daten in eine Textverarbeitung konnte man Rechnungen schreiben und Angebote abgeben.

Visicalc ScreenshootSo verwundert es nicht, das die beliebteste Zusatzkarte für einen Apple II eine mit einem Z80 Prozessor und CP/M war, um auch auf diesem Rechner diese Programme laufen zu lassen. 1980 machte Microsoft mit dem Verkauf dieser Karte erheblich mehr Umsatz als mit seinen Programmiersprachen. Dank der Killerapplikationen WordStar und DBase hatte CP/M 86 auch anfangs noch einen guten Stand gegen MS-DOS. Das änderte sich erst als 1982 Bill Gates Lotus überreden konnte ihr Tabellenkalkulationsprogramm Lotus 1-2-3 für MS-DOS und nicht CP/M-86 zu entwickeln - wieder eine Killerapplikation, die aus der kleinen Firma Lotus einen Konzern machte.

Zurück zum Apple II. Apple versäumte es den Rechner gezielt weiterzuentwickeln. Es gab 1982 eine verbesserte Version den Apple IIe mit 64 anstatt 48 K Speicher und Unterstützung nationaler Buchstaben. Man setzte aber die Hoffnungen in den Apple III einer 128 K Maschine. Diese war jedoch zu teuer und zu fehlerhaft und wurde dadurch zu einem ein Flop. Als IBM mit dem IBM PC 1982 auf dem Markt erschien war Steve Jobs von Apple klar, das ein neuer Apple diesem leistungsmäßig überlegen sein musste und es wurde der Macintosh entwickelt.

Der Apple II war jedoch noch lange erfolgreich. Es erschien 1984 eine Kompaktversion, der Apple II C und Ende der achtziger der Apple GS mit zwei Modi: einem Apple II kompatiblen und einem neuen mit höherer Taktfrequenz, 16 MB Speicheradressierung, Hochauflösender Grafik und Unterstützung für 3.5" Floppies. Der Apple II GS wurde noch bis 1993 produziert. Die gesamte Apple II Produktlinie wurde damit über 15 Jahre produziert - Ein Langzeitrekord der wohl nie überboten werden wird.

Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger
© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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