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Bereits heute gibt es Ideen für eine Ariane 6. Die ersten Pläne dafür tauchten im Juli 2009 in der Presse auf. Am
10.2.2010 einigten sich Angela Merkel und François Sarkozy auf eine erste Vorentwicklung mit einem Umfang von 500 Millionen Euro durch die
CNES. Der offizielle ESA Beschluss soll beim nächsten Ministerratstreffen 2012 parallel zur ESC-B Oberstufe verabschiedet werden. Die
Einsatzreife wird für 2020 – 2025 erwartet.
Die Ariane 6 bricht mit einer Tradition der Ariane 1-5. Sie ist nur für Einzelstarts ausgelegt. Die Nutzlastkapazität soll mindestens 5 t betragen, und die Produktionskosten sollen signifikant (33 – 40%) unter denen der Ariane 5 liegen (gemeint sind die pro Einzelstart). Derzeit werden verschiedene Konzepte evaluiert. Sie unterscheiden sich durch die Zentralstufe, die entweder ein kryogenes Hochdrucktriebwerk mit 2.500 kN Schub oder ein 4.000 kN LOX/Methan-Triebwerk, das bei Snecma unter der Design-Bezeichnung „Volga“ auf dem Reißbrett Gestalt annimmt, einsetzt. Es ist dasselbe, das schon für die EAL untersucht wurde. Die kryogene Zentralstufe würde etwa 170 t wiegen, die LOX/Methan-Stufe etwa 300 t.
Alternativ könnten zwei identische, feste Zentralstufen eine kryogene Stufe ersetzen. Sie würden jeweils 300 – 400 t wiegen, bei rund 700 t Startschub. Zusätzliche Booster erlauben es dann, die Nutzlast wie bei Ariane 4 zu variieren. Hier wird an den Einsatz der P80-Erststufen der Vega oder ihrer Nachfolger gedacht. Zur Kostenreduktion sollen die Booster feste, nicht schwenkbare Düsen besitzen, wie die Ariane 3+4 Booster.
Die Oberstufe nimmt 26 – 50 t Treibstoff auf und wird ein bis zwei Vinci-Triebwerke oder ein MC350 Triebwerk mit 350 kN Schub nach dem Expander Cycle beinhalten.
Die Ariane 6 wird je nach Konzept und Anzahl der Zusatzbooster aber nur 3.000 bis 8.000 kg in einen GTO-Orbit transportieren. Sie soll vor allem billiger zu produzieren sein. Eine weitere Kostenersparnis ergibt sich für die ESA, die für ihre Starts immer einen kompletten Träger ordern muss, da ihre Starts meistens nicht in den GTO-Orbit führen. Dies verteuerte die Missionen von Exomars und Bepi-Colombo, als diese zu schwer für eine Sojus wurden. In der Tat ist es für Ariane 5 schwieriger, Doppelstarts durchzuführen als für Ariane 4. Die Satelliten sind schwerer geworden, und es gibt auch weniger davon. Zudem fällt die Möglichkeit weg, die Anzahl der Booster zu variieren, wenn nicht die volle Nutzlast des Trägers genutzt wird. Auch dies war ein Erfolgskonzept von Ariane 4, welches die Ariane 6 wieder aufgreift.
ESA und CNES argumentieren auch, dass es nach 15 Jahren auch wieder an der Zeit sei, die Rakete technologisch weiter zu entwickeln. Die folgende Tabelle gibt einige der Konzepte wieder, die im Vorfeld im Rahmen des FLPP untersucht wurden. Dabei wird das des NGL-HHSC als das aussichtsreichste eingestuft. (NGL: Next Generation Launcher). Die ESA scheint auch Konzepte mit einem Zentraltriebwerk zu favorisieren, obwohl dieses dann erheblich schubstärker als das heutige Vulcain sein muss.
Es gibt nach Pressemitteilungen keinen Konsens innerhalb der ESA über die Ariane 5. Deutschland ist nach Aussagen der DLR immer noch für den Ausbau der Ariane 5 ME (d.h. die Entwicklung der ESC-B Oberstufe), die von Astrium Bremen gebaut werden würde. Frankreich dagegen für die Entwicklung einer neuen Trägerrakete, welche wie Ariane 5 primär ein französisches Projekt wäre und bei dem auch die Entwicklung vor allem in Frankreich erfolgen würde. Frankreich hat auch 250 Millionen Euro in einen Fond für die frühen Entwicklungsarbeiten investiert. Wenn es zur Entwicklung kommt ist das gut angelegtes Geld, denn natürlich werden schon begonnene Vorentwicklungen aufgegriffen wenn es zum endgültigen Beschluss kommt. In einem persönlichen Treffen sollen Sarkozy und Merkel auch vereinbart haben neben der Ariane 5 ME auch die Ariane 6 auf die Agenda 2012 zu setzen.
Konzeptname |
NGL-HHSC |
NGL-HHGG |
NGL-CH |
NGL-HC |
BBPH |
|---|---|---|---|---|---|
Booster: |
Fest, 20 t Treibstoff |
Fest, 20 t Treibstoff |
Fest, 40 t Treibstoff |
Keine |
Fest, 35 t Treibstoff |
Erste Stufe |
156 t LOX/LH2 2.500 kN Hochdrucktriebwerk |
170 t LOX/LH2 2.750 kN Gasgeneratorantrieb |
340 t LOX/CH4 2 × 2.650 kN |
285 t LOX/LH2 2 × 2.500 kN Hochdrucktriebwerk |
250t Feststoff Ariane 5 EAP mit FW Technologie |
Zweite Stufe: |
26 t LOX/LH2 Vinci Triebwerk |
30 t LOX/LH2 Vinci Triebwerk |
30 t LOX/LH2 Vinci Triebwerk |
36 t LOX/CH4 200 kN Triebwerk Expander Cycle |
80-110 t Feststoff verlängerter P80 Antrieb |
Dritte Stufe: |
28 t LOX/LH2 Vinci Triebwerk |
||||
Nutzlast in GTO: |
3 t ohne Booster 5 t mit zwei Boostern 8 t mit sechs Boostern |
2,5 t ohne Booster 5 t mit vier Boostern 8 t mit sechs Boostern |
5 t ohne Booster 8 t mit zwei Boostern |
> 3 t ohne Booster |
3 t ohne Booster 5 t mit zwei Boostern 8 t mit sechs Boostern |
Länge: |
51 m |
45 m |
62 m |
62 m |
|
Startgewicht: |
226 t ohne Booster |
450 t ohne Booster |
380 t ohne Booster |
430 t ohne Booster |
|
Entwicklungsdauer |
9 Jahre |
9 Jahre |
10 Jahre |
7 Jahre |
Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen. Auch das LFBB-Konzept wird von DLR Mitarbeitern (DLR: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) als ein gutes Konzept für die Ariane 6 angesehen. Es könnte z.B. anstatt der Booster an den Zentralstufen angebracht werden. Diese Kombination wäre dann allerdings bedeutend leistungsfähiger und würde eine höhere Nutzlast als die Ariane 5 ECB aufweisen.
Von mir gibt es mehrere Bücher zum Thema Trägerraketen. Speziell der Themenkreis "Europäische Trägerraketen" liegt mir, als bekennender Ariane 1-4 Fan, speziell am Herzen. Es gibt zwei größere Bände.
Der erste Band "Europäische
Trägerraketen Band 1: Von der Diamant zur Ariane-4 - Europas steiniger Weg in den Orbit" behandelt die europäische Trägerraketenentwicklung beginnend von der
Diamant bis zur Ariane 4. Dieses 324 Seiten starke Buch ist auch in drei Einzelbänden erhältlich, für diejenigen Leser, die sich nur
für einen bestimmten Typ interessiert:
Wer sich für die gesamte Entwicklung interessiert, der sollte sich das Gesamtwerk kaufen, da es aus produktionstechnischen Gründen 1,76 Euro billiger ist als die drei Einzelbände ist.
Die aktuellen Trägerraketen - Ariane 5 und Vega werden in einem zweiten Band in der gleichen Ausführlichkeit besprochen. Auch hier liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik der Träger. Auch gibt es einen Ausblick auf mögliche Erweiterungspläne für die Ariane 5 (Midlife Evolution) und Vega. Auch die Investitionen in den Weltraumbahnhof Kourou und die Konkurrenten auf dem kommerziellen Markt werden angesprochen.
Nachdem im Februar 2012 der Jungfernflug der Die Vega
erfolgte, habe ich das Kapitel über die Vega ausgekoppelt, um die Entwicklung in den
letzten zwei Jahren und eine ausführliche Beschreibung des Jungfernflugs ergänzt. Alle technischen Daten wurden gegen neue
Veröffentlichungen gegengeprüft, erweitert. Weitere Ergänzungen gab es bei den Plänen für die Weiterentwicklung. Insgesamt entstanden so
etwa 20 neue Seiten und bei 30 gab es gravierende Änderungen.
Ehemalige ERNO Mitarbeiter haben sich vor allem der deutschen Beteiligung an Trägerraketen angenommen: Wer sich speziell für die
zweite deutsche Stufe der Ariane 1 und die Flüssigbooster der Ariane 4, ihre Technik und Entwicklungsgeschichte interessiert, dem sei das
Buch "Europas
Trägerrakete ARIANE" von Hand Fischer ans Herz gelegt. Speziell die deutsche Entwicklung bei
ERNO/MBB wird hier noch ausführlicher als bei meinem Buch dargestellt. Das gleiche gilt für das Buch "Die
legendäre EUROPA Trägerrakete: Geschichte und Technik der in Deutschland gebauten 3. Stufe - 1961-1973
" von Herbert Wenz über die Europa Rakete. Speziell die deutsche
Entwicklung der dritten Stufe bei ERNO wird hier noch ausführlicher als bei meinem Buch dargestellt.
Mehr über diese Bücher und weitere des Autors finden sie auf meiner Website Raumfahrtbucher.de.
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