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In dieser Rubrik geht es um die Zusammensetzung eines Produktes - nach lebensmittelrechtlichen und lebensmittelchemischen Kriterien beurteilt. Diesmal handelt es sich um eine Eiscreme die sich nach einem beliebten Nachtisch benennt aber davon doch stark abweicht.
Wie bei jedem Produkt geht es um drei Angaben - die Aufmachung, das Inhaltsverzeichnis und sofern vorhanden die Nährwertkennzeichnung. Schlussendlich wird das Produkt noch verkostet und eine Beurteilung gegeben. Wörtliche Angaben von der Verpackung sind wie immer in Blau gehalten.
Groß steht neben dem Produktnamen "Banansplit" die Verkehrsbezeichnung "Bananen Eiskrem und Schlagsahne Eiskrem dekoriert mit
Soße mit Schokoladengeschmack und Mandelstückchen". Das steht ein bisschen im Gegensatz zu der Abbildung die Bananenscheiben und eine
Kugel Eiscreme aber keine Mandelsplitter zeigt.
Es folgt zuerst eine genauere Angabe der Verkehrsbezeichnung:
Bananen-Eiskrem (39,5%) und Schlagsahne Eiskrem (39,5 %) dekoriert mit Soße mit Schokoladengeschmack (19 %) und Mandelstückchen (2 %).
Rechtlich vorgeschrieben ist das bei wertgebenden Zutaten - und das ist alles was auf der Verpackung namentlich oder bildlich ersichtlich ist - in Prozentangaben ausgewiesen werden muss. Wer hier also nachliest der weiß schon eines: die Eiskreme mit der Bezeichnung "Bananasplit" enthält Bananen nur in einer von zwei Eiscremes, aber nicht als feste Banane.
Zutaten
entrahmte Milch: Milch ist natürlich der Hauptbestandteil jeder Milcheiskrem. Es ist für Hersteller günstiger entrahmte Milch zu verwenden und Sahne zuzusetzen als normale Milch. Weiterhin werden hier auch zwei Eiscremes verwendet - eine mit "Sahne" und die zweite mit Bananen. Wahrscheinlich wird in dieser nur entrahmte Milch verwendet.
Zucker: Natürlich enthält Eiskrem auch Zucker für den Süßgeschmack
Sahne (9,9%): Ist wegen der Sahneeiskrem prozentual auszuweisen. Sie ist Bestandteil der Sahneeiskrem, (zusätzlich zur entrahmten Milch)
Glucose-Fructose Sirup aus Weizen: Preiswerter als Zucker ist Glucose-Fructose Sirup, der entsteht wenn die Stärke enzymatisch aufgespalten wird. Der Sirup enthält mehr Glucose als Fructose (typisch 60 zu 40 %), weiterhin kristallisiert er nicht so leicht aus. Nachteilig ist, dass er nicht ganz so süß wie Zucker ist, so also mehr Sirup als Zucker für eine gewisse Süße benötigt wird. Die Angabe aus welcher Stärkesorte der Sirup gewonnen wird ist allerdings nicht von praktischer Bedeutung.
Molkenerzeugnis: Unter diesem Namen verbirgt sich eine Resteverwertung. Bei der Käseherstellung, aber auch der Herstellung von Quark und anderen Sauerrahmprodukten fällt Molke an: Diese entsteht, wenn das Eiweiß ausgefällt wird. Die Molke enthält noch Teile des Milchzuckers, einige lösliche Proteine, vor allem aber die Mineralstoffe.
Glucosesirup aus Weizen: Ein weiterer Zuckersirup mit noch geringerer Süßkraft. (50 % der von Zucker)
Butter: Zum Ausgleich der entrahmten Milch und des fehlenden Fetts in dem Kakaopulver
Wasser: Zur Lösung des Molkenerzeugnisses und der Stärke in der Eismasse
Mandeln: "Das "Split" im Titel sind die Mandeln.
Banane 1,9% - so viel Bananen sind also wirklich enthalten
Magermilchpulver: Erhöht den Eiweißgehalt, erzeugt einen Milchgeschmack. Aufgrund der EU Subvention von Milchprodukten ist es billiger Magermilchpulver zu kaufen und Wasser hinzuzufügen als Milch frisch zu verarbeiten.
fettarmes Kakaopulver: Grundbestandteil der Schokoladensoße. Da die Kakaobutter das teuerste an der Kakaobohne ist wird nur fettarmes Kakaopulver eingesetzt und das nötige Fett in Form von Butter zugesetzt.
Maisstärke: Hier zugesetzt als Dickungsmittel, z.B. um die Soße zu verdicken
Emulgator (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren): Emulgatoren sind notwendig um die Fettfraktionen zu lösen, aber auch um die Luft/Wassereis Fraktion zu stabilisieren. Mono- und Diglyceride entstehen wenn man Fett teilweise aufspaltet: Fett enthält drei Fettsäuren, Monoglyceride eine und Digylceride zwei Fettsäuren.
natürliche Aromen: Ohne wird es bei diesem kleinen Anteil an Bananen nicht gehen
Stabilisatoren (Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl): Wie die Emulgatoren stabilisieren diese Polysaccharide Lösungen und verhindern das entmischen. Zudem dicken sie die Substanz weiter ein. Sie verhindern so, dass das Eis beim Erwärmen zu schnell flüssig wird und die Luft stabil in der aufgeschlagenen Emulsion bleibt.
Salz: Zur Geschmacksabrundung
Farbstoff (Carotine): Da die Banane kaum vorhanden ist, würde die Bananeneiskrem fast genauso hell wie die Schlagsahnekreme sein. Daher wird nachgefärbt Carotine sind Pflanzenfarbstoffe mit je nach Sorte gelber bis hellroter meist orangener Farbe.
Gelatine: Zur Erzeugung eines festen Gels, ebenfalls als Verdickungsmittel zu zählen.
Kann Spuren von Nüssen enthalten - dieser Satz ist garantiert richtig, denn es sind nicht nur Spuren sondern etwa 2% Mandeln enthalten die natürlich Nüsse sind. Sie sind auch in der Liste für Lebensmittel die allergieauslösend wirken, enthalten.
Man findet drei Nährwertkennzeichnungen auf der Packung: Eine umfangreiche und zwei nach den GDA-Richtlinien einmal mit den fünf GDA-Nährstoffen und einmal nur die Energieangabe. Die Energieangabe findet man vorne, Die beiden anderen Angaben auf der Rückseite neben dem Zutatenverhältnis.
| Durchschnittliche Nährwerte | |
|---|---|
| pro 100 ml (eine Portion) | |
| Brennwert | 571 kJ / 124 kcal |
| Eiweiß | 1,7 g |
| Kohlenhydrate | 15,8 g |
| davon Zucker | 15,7 g |
| Fett | 5,6 g |
| davon gesättigte Fettsäuren | 3,1 g |
| Ballaststoffe | 0,4 g |
| Natrium | 0,02 g |
1 Portion 100 ml enthält
| Brennwert | Zucker | Fett | gesättigte Fettsäuren | Natrium |
| 124 kcal | 15,7 g | 5,6 g | 3,1 g | 0,02 g |
| 6 % | 17 % | 8 % | 16 % | < 1 % |
% des Richtwerts für die Tageszufuhr (GDA)*
*Guideline Daily Account (GDA) Die deklarierten Werte basieren auf einer Ernährung von täglich 2.000 kcal (Quelle CIAA).
1 Portion 100 ml enthält
| Brennwert |
| 124 kcal |
| 6 % |
Über den Sinn der GDA Angaben können sie hier mehr nachlesen.
Was erwarten sie von einer Eisreme "Bananasplit"? Nun in Deutschland ist das Gericht nicht ganz so reichhaltig, wie in den USA, aus dem es stammt (dort ist es eine längsgeteilte Banane mit Kugeln aus Vanille, Erdbeer- und Schokoladeneis und einer von mehreren Soßen (Schokolade, Ananassirup, Erdbeersirup), zuletzt noch Sahne, Nusssplitter und Maraschino Kirschen.
Im deutschsprachigen Raum ist die einfachere Variante üblich aus Banane, Vanilleeis, Schokoladensoße und Schlagsahne. Der Autor kennt auf jeden Fall das Gericht so, wobei mindestens eine halbe Banane eine Portion ist, also so etwa 75 g Banane. Das wäre bei dieser Packung ein Anteil von etwa 1
In der Aufmachung sieht es schon anders aus - hier ist es keine halbierte Banane (die in dem Eisbecher längs durchaus Platz gehabt hätte) sondern Bananenscheiben. Die Schokoladensoße ist spärlich vorhanden und statt Vanilleeis findet man eine Kugel die aus einem gelben, weiß und dunklem Anteil besteht. Schlagsahne ist nicht zu sehen.
Eine dritte Deutung lässt die Beschreibung zu. Demnach soll das Dessert aus Bananeneiskrem, Schlagsahne Eiskreme, Schokosoße und Mandelstückchen bestehen - die Mandelstückchen vermisst man auch auf der Abbildung.
Kommen wir zum Geschmack: Der ist in Ordnung. Mandeln und Schokoladencreme sind optisch zu sehen und geschmacklich wahrnehmbar. Etwas schwieriger wird es mit den beiden Cremesorten da diese ineinander gestrudelt sind. Sie unterscheiden sich kaum im Aussehen. Die Bananen sind geschmacklich erkennbar, aber nicht als feste Bananen vorhanden. Es handelt sich um Bananenpüree. Der Bananengeschmack ist trotzdem sensorisch gut wahrzunehmen. Bei weniger als 3 % Bananen im Produkt dürfte ein Großteil aber aus Aromen stammen (z.B. dem nach Bananen duftenden Ethansäure-2-methyl-1-propylester). Das Aroma ist aber nicht künstlich und meiner Ansicht nach so in Ordnung. Immerhin wird die Packung mit 900 ml Eis für weniger als 2 Euro verkauft, da muss man gewisse Abstriche bei den Zutaten und ihrer Qualität machen.
Das Produkt ist meiner Ansicht nach schlampig gekennzeichnet. So hätte beim Einsatz von Mandeln auch ein Hinweis auf deren Allergiepotential gegeben werden nicht nur "Kann Spuren von Nüssen enthalten", was primär auf Walnüsse und Haselnüsse zielt, da diese sich natürlich wenn im Batchbetrieb produziert wird auch in Spuren enthalten sein können.
Das Mandeln im Produkt vorkommen merkt man erst beim Durchlesen des Zutatenverzeichnisses. Natürlich enthält normaler Bananensplit Mandeln, aber weder die Beschreibung auf der Vorderseite noch die Abbildung lässt vermuten das Mandeln enthalten sind - genauso wenig wie ganze Bananen.
Da ganze Bananen fehlen, Bananensplitt aber aus halbierten Bananen besteht ist der Name mutig gewählt, zudem man auf der Abbildung Bananenscheiben zu sehen sind, auch wenn das mit "Serviervorschlag" gekennzeichnet wird (heißt so viel wie: Wenn Du außer dem Eis noch Bananen und Schokosoße kaufst dann könnte das so aussehen - nur müsste man die obere Hälfte vom Eis die aus Sahnestrudel besteht dann wegwerfen).
Ehrlicher wäre "Bananeneiscreme" oder "Sahne-Bananeneis" gewesen, denn das ist es. Das kann man auch aus der Umschreibung und dem Zutatenverzeichnis erkennen, aber wie bei vielen anderen Produkten ist es eine "Semi"-Mogelpackung: Sie klingt besser als sie ist, auch wenn das Eis sehr lecker schmeckt.
Ernährungsphysiologisch ist zu sagen, dass das Eis recht energiearm ist, obwohl die Portion sehr niedrig angesetzt ist: Üblicherweise bekommt man aus der 900 ml Packung nicht 9 sondern nur 6-7 kleine Portionen raus. Immerhin ist die Angabe pro 100 ml - bei Eis ist seltsamerweise immer üblich die Menge in Millilitern anzugeben, aber alle Nährwertkennzeichnung in Gramm. Diese ist übrigens auch löblicherweise mit angegeben - es sind 470 g. Also viel Luft im Eis.
Der Zuckergehalt ist recht hoch, hier könnte der Hersteller reduzieren, wenn er nur Zucker anstatt Sirupe verwendet. Der Fettanteil ist ebenso sehr gering - er kann ja praktisch nur vom der Sahne und Butter stammen. Würde man der Bezeichnung die "Sahneeiskrem" beinhaltet folgen würd man mehr erwarten. Das leitet zu der nächsten Fehldeklaration über: Noch schlimmer als die Bezeichnung "Bananensplit" bei 2,9 % Bananenpuree in der Eiskreme ist das Ausloben "Schlagsahne Eiskreme" bei nur 9,9 % Sahne im Produkt. Vor allem wenn an die Bezeichnung "Sahneeiscreme" durch Leitsätze geschützt ist (60 % Sahnegehalt).
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
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