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Was ist drin... in einem Bio Müsli "Beeren"

Bio MüssliEinleitung

Immer wieder gab es Anfragen für neue Aufsätze in dieser Rubrik. Ich verzichte, weil mein Studium nun schon etwas länger zurückliegt, auf eine rechtliche Beurteilung, denn die ändert sich. Bleibend ist dagegen die Chemie und Technologie, die wird auch in 100 Jahren noch gelten. Auf diese werde ich mich bei diesem Produkt weitgehend beschränken.

Bei dem Produkt handelt es sich um ein Produkt nach der EU Öko Verordnung. Ich habe bewusst den Hersteller unkenntlich gemacht. Deutlich sichtbar auf der Verpackung ist das deutsche EU Öko Siegel. (Im Bild unten links über der Angabe "375 g"). Produkte die der EU Öko Verordnung unterlegen, sind vereinfacht gesagt "ein bisschen" Bio. Sie dürfen aber noch 5 % Produkte aus konventionellem Anbau enthalten und hinsichtlich Nachhaltigkeit beim Anbau oder Freiheit von Pestizidrückständen sind die Siegel von Demeter und Bioland erheblich strenger. Zeit also mal ein solches Produkt unter die Lupe zu nehmen.

Das zweite was auffällt, sind die vielen Früchte, die man auf der Verpackung sieht. Subjektiv würde ich nun annehmen, dass das Produkt als Früchte vor allem Erdbeeren und Brombeeren enthält. Diese sind am häufigsten abgebildet, dann sollten Himbeeren folgen und zuletzt die Heidelbeeren. Doch ich verrate schon mal jetzt: Lassen sie sich überraschen...

Weiterhin ist das Wort "Beeren" das Wort mit der größten Schriftgröße. Ich erwarte daher, dass dieses Müsli sehr viele Beeren enthält, das ist praktisch, wie die Zusicherung einer Eigenschaft. Sowohl in dem Scan der Verpackung, wie auch auf der Originalverpackung kaum zu erkennen ist, dass sich die Energieangabe einer Portion auf 50 g bezieht.

Inhaltsverzeichnis

Haferflocken*: Natürlich die Hauptzutat eines Müslis.

Sultaninen hell*: Das wäre noch als Frucht interpretierbar, doch der Hersteller hat diese nicht abgebildet (und sie sind auch in normalen Müslis zu finden, also keine Spezialität eines Beerenmüslis).

Cornflakes (Mais*, Rohrohrzucker*, Maismalz*, Meersalz): Das ist die Deklaration eines zusammengesetzten Lebensmittels. Es zeigt auch, das EU-Ökoprodukte nicht unbedingt regionale Produkte sind, denn Rohrzucker wächst nicht in Europa. Die Cornflakes wurden wahrscheinlich in den USA hergestellt und nach Europa verschifft. Ansonsten ist das natürlich die normale Zusammensetzung von Cornflakes: Nicht gerade gesund, da Mais verglichen mit Haferflocken wenig Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine enthält.

Weizenpopps* (Gepuffter Weizen, Rohrohrzucker*, Glucose*, Honig*): Das dieses Produkt so wohl aus den USA kommt, verdichtet sich an der nächsten Zutat. Bei uns ist gepuffter Weizen eher selten. Vor allem ist der Stern bei der Glucose recht sinnfrei. Glucose (Traubenzucker) als chemische Reinsubstanz, kann von überall her stammen. Selbst wenn sie nicht aus biologischem Anbau stammen würde, kann man das bei der nötigen Aufbereitung nicht mehr feststellen.

Gerstenflocken*: Eine weitere Kornzutat.

Datteln geschnitten*: Erneut Früchte, aber eben keine Beeren, wie auf dem Etikett versprochen.

getrocknete Aprikosen*: Und noch eine Frucht, aber wieder keine Beeren, sondern eine Steinfrucht.

Beeren 1.8 %*: Himbeeren*, Brombeeren*, Erdbeeren*, Heidelbeeren* (gefriergetrocknet), Preiselbeeren*: Nun kommen sie, die Beeren als letzter Bestandteil des Zutatenverzeichnissen in der wahnsinnigen Menge von glatten 1.8 % Die 375 g schwere Packung enthält also knapp 7 g Beeren. Da lohnt es sich doch, das Produkt als "Bio Beeren Müsli" zu bezeichnen.

*aus kontrolliert ökologischem Anbau: Die EU Öko-Verordnung lässt bis zu 5 % Zutaten zu, die nicht biologisch angebaut wurden. Daher sind die Zutaten nach der Öko Verordnung mit einem Stern gekennzeichnet werden. In diesem Produkt ist es nur das Meeressalz das nicht aus biologischem Anbau stammt. Wobei mich persönlich interessieren würde, wenn schon Meersalz nicht als biologisches Salz gilt, wie man "biologisch korrektes" Salz gewinnen kann. Immerhin kann Meeressalz noch einige Spuren von biologischer Materie enthalten.

Kann Spuren von Nüssen, Erdnüssen, Mandeln und Sesam enthalten: Dieser Hinweis muss erfolgen, um Allergiker zu warnen Auch wenn diese nicht als Zutaten in dem Müsli sind, so können sie doch bei der Herstellung in Spuren auftreten: Der Hersteller stellt ja nicht nur Biomüslis her sondern auch welche mit Nüssen und dasselbe gilt auch für die zugekauften Zutaten. Durch Reste in Behältern oder Leitungssystemen von diesen Müslis können hier kleine Mengen dieser Zutaten in das Müsli kommen.

Nährwertkennzeichnung

Durchschnittliche Nährwerte je 100 g*
Brennwert 1390 kJ / 332 kcal
Eiweiß 8.8 g
Kohlenhydrate 65.3 g
Fett 3.7 g

* die angegebenen Werte unterliegen den für Naturprodukte typischen, natürlichen Schwankungen. Richtwert für die empfohlene GDA**

**GDA: Guideline Daily Amount: Werte basieren auf einer Ernährungsempfehlung für Erwachsene (Quelle CIAA)

Das erklärt weniger, als das es Fragen hinterlässt. Das erste ist einmal, dass die GDA sich auf den kleinen Kasten auf der Vorderseite beziehen und nichts mit dem Kasten mit den Nährwertangaben hinten zu tun haben. Das zweite ist, dass es viel einfacher gewesen wäre, anzugeben, dass sich die Angaben auf eine Energiezuführ von 2000 kcal / 8400 kJ beziehen. Der Kasten auf der Vorderseite sollte eigentlich alle Angaben enthalten, die wichtig sind: Nicht nur die Energie, sondern auch Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz. Wichtig wäre es bei dem Müsli gewesen, vor allem den Ballaststoff und Zuckeranteil zu kennen, denn uns diese Verpackung verschweigt.

Lobenswert ist allerdings, dass sich die Portionsangabe auf der Vorderseite (8 % = 166 kcal) sich auf 50 g beziehen - eine realistische Menge. Oftmals werden bei der portionsbezogenen Aangabe sehr geringe Portionsmengen angenommen, die irrealistisch sind, wie z.B. nur einen Keks einer Kekspackung.

Zusammenfassung

Wir haben hier ein Produkt, das Beeren groß ankündigt, dass aber Beeren nur in homöopathischen Dosen enthält. 1.8 % entfallen auf alle 4 Beeren zusammen - die letzte Zutat im Verzeichnis. Das ist eine Unverschämtheit. Der Hersteller sollte sein Müsli vielleicht ergänzen, durch das Wort "homöopathisch", denn Beeren sind nur in homöopathischen Dosen enthalten. Es zeigt auch, das Lebensmittel nach der EU Ökoverordnung vielleicht biologisch erzeugt wurden, aber nicht anderen Anforderungen genügen, die der Verbraucher vielleicht auch damit verbindet, wie z.B. dass Lebensmittel, regional erzeugt wurden und nicht Zutaten vom ganzen Globus enthalten.

Die Angabe der Energiemenge pro Portion ist weitgehend überflüssig und nicht ausreichend. Es fehlen wichtige Angaben über Zucker und Ballaststoffe, die wesentlich interessanter gewesen wären als die Angaben über die Energie, die man ja schon pro 100 g gegeben hat.

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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