Einführung in Teleskope Teil 3

Heute zum letzten Teil der kleinen Beratung. Diesmal geht es um die einzelnen Teleskopklassen. Es gibt drei Klassen, wobei man noch eine vierte als Sonderform einer der dreien ansehen kann.

Das erste sind Linsenteleskope, im Fachjargon Refraktoren genannt. Eine Linse vorne im Strahlengang bricht das Licht und projiziert ein Bild in den Brennpunkt des Tubus, wo es von einem Okular vergrößert wird. Wer selbst eine Brille hat, der weiß, dass er bei höheren Dioptrienzahlen teurere Gläser kaufen muss (bei meinen -9 Dioptrien bekam ich zumindest noch nie eines zum Nulltarif oder vergünstigt).Es liegt auf der Hand, das Gläser um so teurer werden, je größer sie sind und je höher der Brechungsindex ist – letzterer legt die Brennweite fest.

Doch selbst gute Gläser können nicht alle Wellenlängen gleich brechen. Daher wird bei einer einfachen Linse es immer einen Farbsaum geben – rot wird anders gebrochen als blau. Um das zu kompensieren, werden zwei Linsen (Achromat) oder drei Linsen (Apochromat) kombiniert, die jeweils das Licht unterschiedlich brechen. Das reduziert das Phänomen (Achromat) etwas oder stark (Apochromat). Eine zweite Lösung ist es eine lange Brennweite zu wählen, da dabei die Brechung geringer ist. Gute Linsenteleskope mit kurzer Brennweite sind teuer und setzten dann auch kein Glas, sondern Calciumfluorid als Linsenmaterial ein. Ich sah in der letzten SuW eine Neuvorstellung eines kurzenbrennweitigen Apochromaten von 480 mm Brennweite und 80 mm Öffnung – für 648 Euro. Zum Vergleich: Ein preiswerter Achromat mit derselben Öffnung aber 900 mm Brennweite ist schon für 79 Euro zu haben.

Achtet man darauf und kauft als Einsteigerfernrohr ein Linsenfernrohr, das möglichst langbrennweitig ist, dann sind Linsenfernrohre gute Einsteigergeräte. Sie sind recht gutmütig was den Umgang angeht, man kann sie kaum dejustieren, was bei den anderen Typen leicht möglich ist. Die Einschränkungen, die es gibt sind, dass ein Linsenfernrohr bei gleichem Preis immer eine kleinere Öffnung aufweisen wird als ein Spiegelteleskop und die langen Brennweiten (typisch Öffnungsverhältnisse von 8 bis 15) bewirken, dass man mit diesen Teleskopen sehr gut kleine, leuchtschwache Objekte beobachten kann. Sie sind nur bedingt geeignet für leuchtschwache Objekte. Wer in der Stadt lebt, der wird die dank Lichtverschmutzung sowieso kaum sehen, und für den sind Linsenfernrohre sicher die erste Wahl. Ein Gerät von 80 bis 100 mm Öffnung ist finanzierbar und auch ausreichend groß, darunter wird die Gefahr groß Ramsch zu bekommen.

Das zweite sind die Spiegelteleskope, von denen es zwei Typen gibt. Das Teleskop nach Newton setzt einen gewölbten Hauptspiegel ein und einen planen Fangspiegel, der das Bild um 45 Grad in den sich vorne befindlichen Okularauszug umlenkt. Da der Okularauszug vorne ist, hat man von allen Teleskopen die beste Einblickposition, kann aber leicht den Tubus berühren. Newton-Teleskope können kurzbrennweitiger als Linsenteleskope konstruiert werden. Bei niedrigen Öffnungsverhältnissen, etwa ab 6, stark auffällig ab 5 treten allerdings auch optische Fehler auf, so wird der Rand des Bildes dann unscharf und stark aufgehellt. Das liegt an der straken Krümmung des Spiegels und darin, dass der Fangspiegel dann immer größer wird und als Hindernis im optischen Strahlengang sich bemerkbar macht.

Bauart bedingt sind die Newton Teleskope oft die preiswertesten bei kleinen bis mittelgroßen Teleskopen. Sie sind auf bei Öffnungsverhältnissen von 6 bis 8 universell einsetzbar und die optischen Fehler sind dann noch klein.

Es folgen dann als letzte Klasse die Schmidt-Cassegrains. Ein Cassegrain-Teleskop ist eine Bauweise für Großteleskope. Es hat zwei Foki. Ein Hauptspiegel wirft das Bild auf einen Primärfokus wo bei Großteleskopen sich oft die Instrumente befinden. Dort kann sich ein zweiter Spiegel befinden, der das Bild erneut vergrößert und in den Sekundärfokus hinter den Hauptspiegel wirft. Da das Bild zweimal vergrößert wird, kann die Tubuslänge viel kleiner als die Brennweite sein. Das Hubble Weltraumteleleskop arbeitet nach diesem Prinzip und der ganze Satellit (der nicht nur aus Tubus besteht ist 13,1 m lang bei einer Brennweite von 57,6 m. Das Problem eines Cassegrain Teleskops ist, dass durch die zweimalige Vergrößerung die Brennweite sehr lang wird – typisch sind hier Öffnungsverhältnisse von 20 bis 30. Das ist für Amateure indiskutabel, für Großteleskope kein Problem, weil die Instrumente oft im Primärfokus sitzen, der bei einem 4 m Teleskop schon mal 70 cm Breite für Instrumente lässt – und dort beträgt die Vergrößerung dann nur 5 bis 6 mal. Die Lösung ist es, dies mit einer zweiten Teleskoptechnik zu kombinieren: Schmidteleskope sind kurzbrennweitige Spiegelteleskope, bei denen die Verzerrungen des Spiegels durch eine Korrekturplatte bei der Öffnung korrigiert werden. Dieselbe Aufgabe hat die Korrekturplatte bei Schmidt-Cassgrainteleskopen, die so mit Öffnungsverhältnissen von 10 erhältlich sind, bei denen aber trotzdem der Tubus kiurz ist und dreimal den Durchmesser aufweist. Dadurch wird der Tubus leicht, und es ist eine Gabelmontierung möglich die recht solide ist. Ab 200 mm Durchmesser dominieren daher diese Schmidt-Cassegrain Teleskope, doch das ist eine Größe die für Einsteiger schon zu teuer ist.

Das letzte sind Dobsons. Das sind im Prinzip Newton Teleskope ohne Montierung in einer Sperrholzkiste, oftmals auch mit billigem Tubus und ohne Sucher. Wenn man nur auf die Öffnung achtet so bekommt man hier am meisten Optik fürs Geld. Aber man muss auch mit den Nachteilen leben. Das Einblickverhalten ist durch die niedrige Höhe schlecht, man muss en ganzen Tubus von Hand ohne Feinrädelschrauben (mit Übersetzung) bewegen und das bei vielleicht 100 facher Vergrößerung – also für mich sind sie nichts.

Was sind die Einschränkungen bei Billigfernrohren? Wenn man nicht gleich die Ramschklasse kauft, die es auch gibt, dann ist die Optik meist okay, manchmal mit Problemen an den Rändern die bei kleinen Vergrößerungen auffallen. Es hakt meistens an der Verarbeitung. So sollte der Tubus absolut schwarz sein, was man durch einfaches lackieren nicht erreicht. Die Schrauben haben oft begrenzte Lebensdauer und Verbindungen viel Spiel. Es sind Dinge die man teilweise als handwerklich begabter Mensch korrigieren kann, z.B. den Tubus mit schwarzer folie aus dem Baumarkt auskleiden.

Gibt es einen Rat? Ja. Kaufen sie das Teleskop nicht bei amazon und ebay sondern einem Händler der nur Astrooptiken verkauft. die haben auch die Billigmarken, dort bekommt man aber auch Beratung und Infos was man für den Preis erwarten kann und was nicht.

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