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Was ist drin... in Calcium Brausetabletten

Einleitung

Das heutige Produkt ist etwas was manche Leute als "Chemie" bezeichnen. Eine dieser Mineralstofftabletten die es überall zur Ernährungsergänzung zu kaufen gibt - nun ja nicht ganz. Sie ist etwas anders, aber dazu später mehr.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Nach dem schlichten "Calcium" als Titel belehrt uns das Produkt noch weiter:

Calcium + 5 µg Vitamin D3 + natürliches Vitamin C aus Acerolapulver: Dies ist die Produktbeschreibung. Sie ist wesentlich für die genaue Formulierung des Zutatenverzeichnis und der Nährwertangaben. Weiterhin suggeriert sie ein hochwertigeres Produkt, da ja nun das Vitamin C aus der Acerolafrucht stammt....

Zutaten

Säuerungsmittel Citronensäure: Zitronensäure dient dazu das Calcium aus dem Salz freizusetzen und zugleich durch Spaltung des Carbonats den Sprudel zu erzeugen. Dazu könnte man viele organische Säuren genutzt werden, die fest sind. Die Zitronensäure ist eine relativ starke organische Säure, billig und hat einen leicht erfrischenden Geschmack. Sie findet sich daher in allen Mineralstofftabletten die ich bislang gesehen habe.

Calciumcarbonat:: Calciumcarbonat, volkstümlicher gesagt: "Gelöschter Kalk" enthält das Calcium. Säure spaltet das Salz aus und dann auch die Kohlensäure, die sich zu Wasser und Kohlendioxid zersetzt - Letzteres bildet dann den Sprudel im Glas. Calciumcarbonat für sich alleine ist sehr schwer wasserlöslich - Die Calciumkonzentration läge bei wenigen Milligramm pro Glas wenn man versucht es in Lösung zu bringen.

Natriumhydrogencarbonat: Eine weitere Carbonatverbindung. Natriumhydrogencarbonat ist leicht löslich und reagiert alkalisch. Das intensiviert den Sprudel und es bindet überflüssige Säureionen der Zitronensäure.

Acerolapulver (3.8 %): Die Acerola ist eine Frucht mit einem extrem hohen Vitamin C Gehalt, dem höchsten der gängigen Früchte im Handel. 100 g Acerola enthalten 1.7 g Vitamin C, also mehr als der 20 fache "normale" Tagesbedarf an Vitamin C. Angeblich sollte das gesamte Vitamin C aus dieser Frucht stammen....

(Acerolasaftkonzentrat, Maltodxtrin, Vitamin C): Das ist die Zusammensetzung des Acerolapulvers: Neben dem Saftkonzentrat (89.2 % der Frucht sind Wasser) dient Maltodextrin als Trennmittel und offensichtlich wird Vitamin C noch zugesetzt.

Aroma (enthält Sojalezithin): Nun angegeben ist in der Beschreibung ein Zitronengeschmack, denn ich allerdings noch nicht im Getränk feststellen konnte. Die Warnung für Sojalezithin muss für Allergiker vorhanden sein, Soja gehört zu den Nahrungsmitteln gegen die manche Personen allergisch sind. Das Lezithin ist ein natürlicher Emulgator und dient dazu die fettlöslichen Aromabestandteile im Wasser zu lösen.

Süßtoff Natriumcyclamat: Natriumcyclamat ist der preiswerteste und älteste Süßstoff mit einer 45 fach höheren Süßkraft als Zucker und auch Hauptbestandteil der handelsüblichen Süßtofftabletten. Er wird sehr oft eingesetzt wo es nicht auf Wärmebeständigkeit ankommt und der Geschmack nicht so wichtig ist (er hat einen leicht metallenen Beigeschmack). Natriumcyclamat ist wie Saccharin sehr säurestabil und eignet sich daher gut für solche sauren Tabletten.

Süßstoff: Saccharin-Natrium: Nach Citronensäure der zweite Schnitzer in den Angaben. Es heißt wohl korrekt Natriumsaccharat. Saccharin ist der zweitälteste und zweitwichtigste Süßtoff. Er ist der zweite Hauptbestandteil in den Süßstofftabletten. Seine Süßkraft ist 450 mal größer als bei Zucker.

Farbstoff Riboflavin-5-Phosphat : Riboflavin ist ein Vitamin der B-Gruppe aber auch ein Farbstoff. Als solches wird es hier eingesetzt um die Tabeltten einzufärben. Es hat eine gelbe Farbe und ist auch unter der Bezeichnung E-101 öfters im Zutatenverzeichnissen zu finden. Nach den Bestimmungen über die Lebensmittelkennzeichnung darf man ein Vitamin nicht als solches ausloben, wenn man es wegen einem bestimmten technologischen Zweck (wie hier der Färbung des Getränks) zusetzt.

Vitamin D3: Das zugegebene Vitamin D. Es gibt mehrere Formen des Vitamin D in der Natur. Diese, chemisch Cholecalciferol genannte Form kommt in tierischen Nahrungsmitteln, in besonders großer Menge in Fettfischen vor. Es ist die häufigste Form in der Vitamin D in der Natur vorkommt und auch Nahrungsmitteln zugesetzt wird. Wie der Name "Cholecalciferol" schon sagt, wird es im Körper auch natürlicherweise aus dem "bösen, bösen" Cholesterin gebildet.

Nährwertangaben

Nährwertangaben pro 100g pro Tablette(7.0 g) %RDA/Tablette
Brennwert kJ/kcal 740 / 171 52/12  
Eiweiß < 1.0 g < 1.0 g  
Kohlenhydrate 2.4 g 0.2 g  
Fett < 1.0 g < 1.0 g  
Vitamine und Mineralstoffe      
Vitamin C 857 mg 60 mg 100
Calcium 11.429 g 800 mg 100
Vitamin D3 71.4 µg 5.0 µg 100

So, nun einige Erklärungen: %RDA heißt % Recommended Daily Intake oder prozentualer Anteil an den Ernährungsempfehlungen. Wie man an den Abkürzungen RDA und einigen Schnitzern im Zutatenverzeichnis sieht, kommt das Produkt aus den USA und so wurden auch die US Empfehlungen genommen. Die deutschen Empfehlungen sind allerdings bis auf die beim Vitamin C identisch. Die DGE Empfehlungen gehen von 75 mg/Tag aus. Der Unterschied ist also nicht sehr groß.

Das nächste was auffällt sind die unsinnigen Bezeichnungen bei "< 1.0 g" bei den Tabletten. Pro Hundert Gramm heißt das schlicht und einfach: "Nur Spuren vorhanden, unter der Nachweisgrenze". Bei den noch viel kleineren Mengen pro Tablette macht eine Angabe keinen Sinn.

Bei den Energieangaben fällt auf, dass der Energiegehalt viel höher als der Nährwertgehalt ist. Dies liegt an der Zitronensäure die als organische Säure kein Kohlenhydrat ist. Die 2.4 g Kohlenhydraten entspricht dem Gehalt an Maltodextrinen. Fast die Hälfte des Produktes (und über 90 % der Energie) entfallen auf die Zitronensäure, wie man durch Nachrechnung bestimmen kann.

Nun noch zum Vitamin C. Bei dem angegebenen Gehalt von 3.8 % Azerolapulver (Wobei man genauer gesagt eigentlich noch das Maltodextrin und das zugesetzte Vitamin C) abziehen sollte und 10.8 % Trockenmasse bei der frischen Frucht, müsste der Vitamin C Gehalt 598 mg/100 g betragen (1700 mg pro 100 g Frischfrucht) und nicht 857 mg/100 g. Das bedeutet, dass das angegebene Vitamin C eben nicht nur aus dem Acerolapulver stammt. etwa 1/3 ist eben künstlich zugesetzt. Diese Menge ist hoch und kann nicht nur dazu dienen um natürliche Vitamin C Schwankungen und Verluste bei der Trocknung auszugleichen. Nicht, dass es für den Körper einen großen Unterschied macht ob das Vitamin C von Bakterien synthetisiert wurde, oder aus der Acerolafrucht stammt - zumindest wenn sie getrocknet wurde. (Die frische Frucht enthält natürlicherweise noch andere sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die jedoch bei der Trocknung teilweise zerstört werden, weil sie Temperatur- und oxidationsempfindlich sind.

Das Calciumwunder

Calcium gehört zu den Mineralstoffen, die großen Schwankungen in der Resorption unterworfen sind. Bestimmte Stoffe wie Fruchstsäuren und Zucker fördern die Aufnahme, andere wie Phosphate oder Getreidebestandteile senken sie durch Bildung schwerlöslicher Verbindungen. Zuallererst muss man aber das Calcium in Lösung bringen.In fester form nimmt es der körper nicht auf. Calciumcarbonat ist sehr schwer löslich (sonst wären einige unserer Gebirge wie die Schwäbische alp und Teile der Alpen inzwischen verschwunden). Doch hier findet eine Reaktion statt: Die stärkere Säure Zitronensäure verdrängt die schwächere Kohlensäure aus dem Salz. Da die Kohlensäure sehr leicht in Kohlendioxid und Wasser zerfällt, liegt bald das gesamte Calcium danach als Calciumcitrat vor. Dieses ist erheblich besser löslich als Calciumcarbonat. Etwa 850 mg Calcium kann man so pro Liter lösen.

Nach den Dosierungsangaben, sollte man aber eine Tablette in 200 ml Flüssigkeit lösen. Dann überschreitet man aber Löslichkeitsprodukt von Calciumcitrat und ein großer Teil fällt wieder aus. Das ist auch leicht zu erkennen, denn man sieht immer einen kristallinen Bodensatz. Bei der Empfehlung für eine Tablette pro 200 ml Wasser kann man maximal 170 mg oder weniger als ein Viertel der Tablette gelöst werden.

Das gilt übrigens für alle Tabletten auf dem Markt (die meisten enthalten etwa 400 mg Calciumcarbonat). Es gibt einen Bodensatz, denn man meistens nicht aufnimmt. Man kann ihn mit Wasser aufschlämmen und dann schnell trinken. Doch selbst im sauren Magen ist nicht garantiert, dass sich dann das Calcium gut löst und wenn es dies tut, ob es dann später nicht wieder im Dünndarm ausfällt, wenn der p.H. Wert wieder ansteigt und der Spreisebrei entwässert wird. Der Nutzen dieser "hochkonzentrierten"  Calciumtabletten ist also doch sehr fragwürdig.

Hier wurde extrem viel Calcium zugesetzt, was die Tabletten nur dicker und größer macht, ohne einen echten Mehrnutzen zu bringen. Der Zusatz von Acerolapulver mag einen Nimbus von "natürlichem Vitamin C" verbreiten. Doch der positive Effekt von Acerolapulver ist nicht der gleiche wie von frischen Früchten und zusätzlich wurde noch genügend künstliches Vitamin C zugesetzt. Das ganze entstammt wohl dem Wunsch die Tabletten etwas weniger künstlich erscheinen zu lassen.

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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