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Was ist drin... in "Butter Toffees"

Bei dem heute besprochenen Produkt ist es das besondere:  Schon auf der Vorderseite steht "Fleur de Sel". Auf der Rückseite klärt uns in großer Schrift der Hersteller auf: "Feine, zarte Butterkaramell Toffees mit erlesenen Zutaten wie Fassbutter und Fleur de Sel, dem handgeschöpften feinen Salz aus den Salzgärten der Atlantikküste. Also was ganz edles. Aber schauen wir es mal genauer an. Wie immer stehen wörtliche Zitate der Verpackung in blauen Buchstaben.

Zutatenverzeichnis

Buttertoffees mit Atlantiksalz (Fleur de Sel) - die offizielle Verkehrsbezeichnung.

Zutaten:

Glukosesirup: Hauptbestandteil jedes Bonbons. Glukose kristallisiert anders als Saccharose nicht so leicht aus, daher wird es anstatt Zucker als Hauptzutat verwendet

Zucker: Ist trotzdem noch nötig, weil Glucosesirup nicht eine so hohe Süßkraft aufweist.

gezuckerte, kondensierte Magermilch: (18 %) Als Milchersatz. Wie üblich Magermilch und das Milchfett kommt dann in der nächsten Zutat extra....

Sauerrahmfassbutter, gesalzen (12 %): Muss natürlich in Butter Toffees enthalten sein

Vollmilchpulver (4 %): zur Geschmacksabrundung und da gesetzlich vorgeschrieben für wertgebende Bestandteile

Molkenerzeugnis: Ja was denn? Genauer geht es wohl nicht?

Atlantiksalz Fleur de Sel (0,4 %): Nun kommt das edle Salz....

Feuchthaltmittel Sorbit: Ist notwendig, sonst würden die Bonbons schnell hart werden. Sorbit ist hygroskop und zieht Feuchtigkeit aus der Luft.

Kann Spuren von Sesam, Haselnüssen und Mandeln enthalten: Das ist der gesetzlich vorgeschriebene Allergikerhinweis.

Nährwertkennzeichnung

Hier tituliert als "Ernährungsnavigation"

Nährwerte pro 100 g pro Bonbon (8g) %GDA
Brennwert 1623 kJ / 385 kcal 133 kJ / 33 kcal 2 %
Eiweiß 2,6 g 0,2 g < 1 %
Kohlenhydrate 67 g 5,6 g 2 %
davon Zucker 40 g 3,2 g 4 %
Fett 9,5 g 0,9 g 1 %
davon gesättigte Fettsäuren 6,5 g 0,5 g 3 %
Ballaststoffe 0 g 0 g 0 %
Natrium 0,14 g 0,01 g < 1 %
GDA: Richtwerte der empfohlenen Tageswerte

darunter finden wir noch folgenden Hinweis:

Allergen-Info: Kann Spuren von Sesam, Haselnüssen und Mandeln enthalten.

Richtwerte der empfohlenen Tagesmenge
Kalorien 2000 kcal
Zucker 90 g
Fett 70 g
davon gesättigte Fettsäuren 20 g
Natrium 2,4 g

Die Richtwerte der empfohlenen Tagesmenge basieren auf offiziellen internationalen Empfehlungen für Erwachsene

Die Kurzform der GDA Kennzeichnung (pro Bonbon) findet sich auch auf der Vorderseite

Beurteilung

Fangen wir mal mit dem positiven. Ich habe selten ein so gut lesbares Inhaltsverzeichnis gesehen. Große Schrift, auf hellem Untergrund. Die Angaben nehmen fast ein Drittel der Rückseite ein. Auch dass hier mal die Basis der GDA Empfehlung angegeben wird ist löblich. Allerdings sind es nicht internationale Empfehlungen sondern US-amerikanische. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung hat durchaus strengere Vorstellungen z.b. was den Anteil des Zuckers betrifft.

Ich würde mir wünschen dass der Hersteller angibt welches Molkenerzeugnis er verwendet, aber das ist eine Industriekrankheit. So langsam vermute ich der Hersteller weis es sowieso nicht. sonst könnte der Süßmolkenpulver, Sauermilchmolkepulver oder Magermilchmolke schreiben....

Vom Geschmack her sind die Toffees auch okay, der Butteranteil liegt weit über dem gesetzlichen Minimum von 5 % Butterfett. Ich mag zwar weichere Toffees lieber und etwas stärkerer Karamellgeschmack könnte vorhanden sein, aber das ist Geschmackssache.

Das besondere an dem Produkt ist aber das herausstreichen von besonderen Zutaten: "Fleur de Sel" anstatt Steinsalz. Beides ist Meersalz. Das erste ist frisch eingedampft und das letztere ein paar Millionen Jahre alt. Na ja, das erste ist nicht so ganz rein, das Steinsalz aus dem Bergwerk stammt von ausgetrockneten Meeren und recht rein, da vorher Gips und Kalisalz und Trübstoffe ausfielen, die sind im Fleur de Sel noch drinnen. Doch ich bezweifele, dass man das selbst beim puren Salz geschmacklich feststellen kann. Erst recht nicht wenn 0,4 % Salz zur Geschmacksabrundung drin sind. Da schmeckt man die 1-3 % unterschiedlichen Zutaten vom Salz (also insgesamt dann 0.004-0.008 % vom Produkt) garantiert nicht heraus.

Das gleiche gilt für die Fassbutter - sie mag besser schmecken als die aus dem Großtank (muss aber nicht, bei Butter hängt der Geschmack auch zu einem guten Teil von der Fütterung ab - siehe Geschmack von irischer Butter verglichen mit deutscher) aber ob dies in einem erwärmten und verarbeiteten Produkt noch bemerkbar ist?

Das Produkt ist symptomatisch für einen gewissen Trend - dem Trend zu exquisiten. Anstatt einer Kaffeemischung ist es nun "Pure 100 % Arabica" oder "Java Kaffee". Schokolade kommt von Ecuador oder Sao Thome. Die Frage ist ob man diese feinen Differenzen auch schmecken kann. Bei Herkunftsschokolade bemerke ich einen kleinen Unterschied zwischen Ecuador und Sao Thome - aber ob aus Sao Thome wirklich der beste Kakao der Welt kommt, wie behauptet? Ich würde nur sagen sie schmeckt anders, aber nicht besser.

Ich denke es ist ganz einfach: Beim Kauf sollte man sich vom Geschmack leiten lassen und wenn der Preis auch okay ist dann ist das Produkt okay. Aber es wird nicht besser nur weil eine Zutat exklusiver ist.

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.



© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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