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Die Thor - Delta (Teil 2)

Einleitung

Dies ist der zweite Teil der technischen und historischen Entwicklung der Thor Rakete. Da es von der Thor / Delta sehr viele zivile und militärische Versionen gab habe ich diesen Artikel in mehrere, in sich abgeschlossene Unterartikel aufgeteilt: Als vierte (und letzte) Oberstufe und damit auch benannt nach dem 4. Buchstaben im griechischen Alphabet, wurde die Delta Oberstufe im Jahre 1960 eingeführt. Die Oberstufe verwendete die schon von der Thor Able bekannte Kombination des Aerojet AJ-118 Triebwerkes und einer X-248 Feststoff Oberstufe. Beide Triebwerke waren jedoch verbessert worden um die Nutzlast zu steigern. Die Thor Unterstufe entsprach dem normalen Serien Modell. Gegenüber der sich schon im Dienst befindlichen Agena Oberstufe war diese Kombination also nicht leistungsfähiger, der einzige Vorteil war das es eine dreistufige Kombination war, die auch Satelliten in eine geostationäre Übergangsbahn transportieren konnte. Trotzdem blieb die NASA bei der Delta Oberstufe und benannte später sogar die ganze Rakete nach dieser Oberstufe. Dies hatte zur Folge, dass die Delta immer mit einer verhältnismäßig kleinen Oberstufe eingesetzt wurde und daher laufend in ihrer Leistung gesteigert werden musste.

Die erste Version der Delta transportierte 1960-1962 viele Nutzlasten in einen erdnahen Orbit, z.B. den ersten Wettersatelliten Tiros 1.und den Ballonsatelliten Echo 1. In der Folge gab es zahllose Varianten der Delta. Es sind so viele, weil man jeder kleinen Änderung als eigene Version deklarierte. Wenn also bei einer Delta die Oberstufe wegließ, weil diese für einen niedrigen Orbit nicht benötigt wurde, so war dies schon eine neue Version. Die erste Version lehnte sich jedoch noch an die Nomenklatur anderer Familienmitglieder an und hieß "Thor-Delta". Nach der Thor Able die ihren Erststart am 23.4.1958 hatte, der erfolgreichen Thor Agena (21.1.1959) der Thor Ablestar die am 13.4.1960 zum ersten mal startete war dies die letzte Oberstufe die man an der Delta für fast 40 Jahre erprobte. Damals hätte wohl keiner gedacht, dass diese Rakete so erfolgreich sein würde, denn sie besaß von allen vier Varianten die zweitkleinste Nutzlast.

Delta (Mittelstreckenrakete)

Thor-Delta

Erststart: 13.5.1960
Letzter Start 18.9.962
12 Starts, 1 Fehlstart
Zuverlässigkeit 91.7 %
Nutzlast 45 kg in einen geostationären Orbit
130 kg in einen niedrigen Erdorbit.

Stufe 1: Thor DM-19
1 Triebwerk MB-3-1
Schub: 667 kN Schub
Vollmasse: 48354 kg
Leermasse: 3125 kg
Durchmesser 2.44 m
Höhe 18.4 m
Spezifischer Impuls 2766 m/s (Vakuum) 2452 m/s (Meereshöhe)
Brennzeit 165 sec.
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta
1 Triebwerk AJ-118
Vollmasse: 2147 kg
Leermasse: 695 kg
Schub 33.8 kN über 115 sec.
Spez. Impuls 2658 m/s (Vakuum)
Spez. Impuls 2355 m/s (Meereshöhe)
Länge 5.4 m
Durchmesser 0.8 m
Treibstoff Salpetersäure / UDMH

Stufe 3: Altair 1
Vollmasse: 238 kg,
Leermasse: 30 kg
1 Triebwerk X-248
Schub: 14 kN
Länge: 1.53 m
Durchmesser: 0.46 m
Treibstoff: fest

Die Delta A

Schon nach den ersten zwölf georderten Raketen fand die erste einer langen Reihe von Verbesserungen an der Rakete statt. Um die einzelnen Raketen zu unterscheiden führte man wie bei der Titan oder Atlas ein Buchstaben System ein. Folgerichtig sollte die nächste Version Thor-Delta A heißen. Um jedoch den zivilen Charakter der Rakete hervorzuheben strich man das " Thor " aus dem Namen. Bei der Delta A war die wesentliche Verbesserung das gesteigerte MB 3 Triebwerk mit einem höheren Schub von 765 anstatt 667 kN. Auch das Triebwerk der Delta wurde in seiner Leistung leicht gesteigert. Dieses Modell wurden nur zweimal eingesetzt und bald von der Delta B ersetzt.

Das neue Triebwerk erforderte Änderungen an der ersten Stufe. Anstatt dem Thor DM-19 Block wurde der Thor DM-21 Block verwendet. Dieser hatte eine etwas geringere Leermasse und das Triebwerk MB-3-2 verfügte auch einen besseren spezifischen Impuls, so dass die Nutzlast für einen GTO Orbit anstieg. Neu war auch die Fähigkeit der zweiten Stufe zur Wiederzündung im Orbit oder für eine Freiflugphase. Somit konnte die Flugbahn optimiert werden.

Der Triebwerksblock der Thor erhielt im zivilen Programm sehr bald den Namen "DM" als Abkürzung für "Douglas Missle". Manchmal wurde auch die ganze Rakete als DSV ("Douglas Space Vehicle") bezeichnet.

Delta A

Delta A

Erststart: 2.10.1962, letzter Start 27.10.1962
Starts: 2 Fehlstarts: 0, Zuverlässigkeit 100 %
Nutzlast 54 kg in eine geostationäre Übergangsbahn
181 kg in eine niedrige Erdumlaufbahn

Stufe 1: Thor DM-21
1 Triebwerk MB-3-2 mit 765 kN Schub
Brennzeit: 150 sec.
Vollmasse 48354 kg, Leermasse 2948 kg
Länge 18.4 m, Durchmesser 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2795 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2452 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta A
1 Triebwerk AJ-118
Schub: 33.8 kN über 115 sec.
Vollmasse 2164 kg, Leermasse 694 kg
Spezifischer Impuls 2658 m/s (Vakuum)
Länge 5.4 m Durchmesser 0.8 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: Altair 1
1 Triebwerk X-248
mit 12.3 kN Schub über 38 sec.
Vollmasse 238 kg, Leermasse 30 kg
Spezifischer Impuls 2511 m/s (Vakuum)
Durchmesser 0.5 m, Länge 1.8 m
Treibstoff: fest

Die Delta B

Die Delta B verwendete eine verlängerte Delta Oberstufe, dafür wurde die Steuerungs- und Navigationsvorrichtung gekürzt und modernisiert. Die Leermasse der Delta Oberstufe sank dabei um 150 kg, was voll der Nutzlast zugute kam.

Die Delta A Oberstufe war gedacht für die Vanguard Rakete mit einer Startmasse von 7.15 t. Die Thor wog allerdings 49.4 t und die Stufe war viel zu klein. So war der logische Schritt diese zu verlängern. Dabei wurde die Stufe auch leichter. Die Delta B verwendet das gleiche Triebwerk wie die Delta A, nur besitzt Sie um ein Drittel verlängerte Tanks. Die "D" Version des Triebwerks besaß bei sonst gleichen Leistungsdaten einen etwas höheren spezifischen Impuls.

Delta C

Delta B

Erststart: 13.12.1962
Letzter Start 19.3.1964
Starts: 9 Fehlstarts: 1, Zuverlässigkeit 91.1 %
Nutzlast 68 kg in eine geostationäre Übergangsbahn
370 kg in einen niedrigen Erdorbit

Stufe 1: Thor DM-21
1 Triebwerk MB-3-2
mit 765 kN Schub über 150 sec.
Vollmasse: 48354 kg
Leermasse: 2948 kg
Länge: 18.4 m
Durchmesser: 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2795 m/s (Vakuum), 2452 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta B
1 Triebwerk AJ-118D
Schub: 33.7 kN
Brennzeit: 170 sec.
Vollmasse 2693 kg, Leermasse 545 kg
Spezifischer Impuls 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 0.8 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: Altair 1
1 Triebwerk X-248
Schub: 12.3 kN
Brennzeit: 38 sec.
Vollmasse: 238 kg, Leermasse: 30 kg
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.5 m
Länge: 1.8 m
Treibstoff: fest

Die Delta C

Bei der Delta C wurde lediglich die Altair 1 Oberstufe durch das leistungsfähigere Altair 2 Modell ersetzt. Das Triebwerk MB-3 wurde zwar nicht in der Leistung gesteigert, aber in seinem Aufbau vereinfacht. Dieses Modell wurde als erstes in der Delta Entwicklung längere Zeit bis 1969 eingesetzt. Daneben wurde auch eine C1 Version unterschieden, die als Oberstufe das Triebwerk FW-4D einsetzt. Da die Familiengeschichte der Delta ohnehin schon schwierig genug ist habe ich verzichtet diese separat aufzuführen. Die technischen Daten der FW-4D Stufe sind bei der Delta E aufgeführt. Zwei der Starts der Delta C waren in der C1 Konfiguration.
Delta C

Delta C

Erststart: 27.11.1963
Letzter Start 22.1.1969
Starts: 16 Fehlstarts: 2, Zuverlässigkeit 87.5 %
Nutzlast 82 kg in eine geostationäre Übergangsbahn
410 kg in einen niederen Erdorbit

Stufe 1: Thor DM-21
1 Triebwerk MB-3-3
Brennzeit: 150 Sekunden
Schub:765 kN
Vollmasse: 48354 kg
Leermasse: 2948 kg
Länge: 18.4 m
Durchmesser: 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2795 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2452 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta B
1 Triebwerk AJ-10-118
Brennzeit:170 Sekunden
Schub: 33.7 kN
Vollmasse: 2693 kg, Leermasse: 545 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 0.8 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: Altair 2
1 Triebwerk X-258
Schub: 22.2 kN
Brennzeit: 28 sec.
Vollmasse: 275 kg
Leermasse: 37 kg
Spezifischer Impuls: 2610 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.6 m
Länge: 2.5 m
Treibstoff: fest

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Die Delta D

Die Delta D ist das zivile NASA Gegenstück zu der militärischen TAT Agena, d.h. man begann die Erststufe um drei Castor 1 Booster zu verstärken. Die Booster werden mit der Erststufe gezündet und bringen die Rakete schnell durch die dichteren Luftschichten. Der Triebwerksblock wurde dafür für die Aufnahme der Castor I Booster angepasst und erhielt die Bezeichnung Delta Thor TA (für Thrust Augumated).

Die Thor erhielt ein verbessertes Triebwerk, welches einen höheren spezifischen Impuls aufwies. Dieses Triebwerk war die letzte Version des MB-3 Triebwerks. Es wurde bis zur 2000 er Serie ohne Veränderungen beibehalten und über 10 Jahre lang eingesetzt. Dieses Modell wurde jedoch wie die A Version nur zweimal eingesetzt.

Delta E

Delta D

Erststart: 19.8.1964, letzter Start 6.4.1965
Starts: 2 Fehlstarts: 0, Zuverlässigkeit 100 %
Nutzlast 104 kg in eine geostationäre Übergangsbahn
450 kg in eine niedrige Erdumlaufbahn

Stufe 0: 3 × Castor 1
Vollmasse 3 × 3852 kg, Leermasse 3 × 535 kg
Schub 3 × 240 kN über 27 sec.
Spezifischer Impuls: 2286 (Meereshöhe) m/s
Durchmesser 0.8 m, Länge 5.9 m

Stufe 1: Thor Delta TA
1 Triebwerk MB-3-3
Schub: 765 kN
Brennzeit: 150 sec.
Vollmasse: 49442 kg
Leermasse: 3175 kg
Länge 18.4 m, Durchmesser 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2845 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta B
1 Triebwerk AJ-10-118
Schub: 33.7 kN
Brennzeit: 170 sec.
Vollmasse: 2693 kg
Leermasse: 545 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge 5.6 m Durchmesser 0.8 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: Altair 2
1 Triebwerk X-258
Schub: 22.2 kN über 28 sec.
Vollmasse 275 kg, Leermasse 37 kg
Spezifischer Impuls: 2610 m/s (Vakuum)
Durchmesser 0.6 m, Länge 2.5 m
Treibstoff: fest

Die Delta E

Bei der Delta E wurde die Delta Oberstufe ersetzt und die Rakete lief daher auch unter der Bezeichnung TAID (Thrust Augmented Improved Delta). Die neue Delta Oberstufe war nun 6 t schwer, also mehr als doppelt so groß die die alte Stufe. Das neue Triebwerk AJ-10-118 in der E Version lieferte mit 35.2 kN etwas mehr Schub als in der D Version, die in der Delta B,C und D eingesetzt wurde. Vor allem aber stieg die Brenndauer von 170 auf 400 Sekunden an.

Erreicht wurde die größere Treibstoffzuladung durch die Erweiterung des Durchmessers. Dieser war bisher von der Vanguard übernommen worden. Die Vanguard hatte einen Durchmesser von 1.14 m und die 0.81 m breite Able Oberstufe sah auf dieser adäquat aus. Auf der Delta mit der 2.44 m breiten Thor sah dies jedoch sehr gewöhnungsbedürftig aus. Man behielt die Länge der Stufe weitgehend bei (6.28 anstatt 6.00 m), verbreiterte sie jedoch auf 1.40 m. Dadurch konnte man die Startanlagen ohne Veränderungen beibehalten. Die Öffnungen für die Betankungsvorrichtungen befinden sich auf derselben Höhe wie beim Vorgängermodell-

Durch den größeren Durchmesser der zweiten Stufe veränderte sich auch das Aussehen der Delta und die Nutzlasten konnten mehr Volumen einnehmen. Die Delta E hatte nun einen durchgehenden Durchmesser von 1.52 m nach der Thorstufe. Wie bei der C Version gab es auch eine E1 Version mit einer etwas anderen Oberstufe mit dem Triebwerk FW-4D. Die normale E Version verwendete die Altair 2 Oberstufe (siehe Delta D), die aufgeführte Version hier ist die E1, von der 16 der Starts der Delta E erfolgten. Die Delta E war auch die erste Delta die von Vandenberg aus startete, bisher starteten dort nur die militärischen Versionen der Thor

Nachdem die Delta D die Castor I Booster eingeführt hatte, setzte die Delta E nun die Castor II Version ein. Sie sind um 700 kg schwerer. Der Schub ist gleich, jedoch die Treibstoffmischung optimiert, so dass die Castor II Booster 10 Sekunden länger brennen.

delta-e.jpeg

Delta E1

Erststart: 6.11.1965
Letzter Start 1.4.1971
Starts: 23 Fehlstarts: 1
Zuverlässigkeit 95.6 %
Nutzlast 204 kg in eine geostationäre Übergangsbahn

Stufe 0: 3 × Castor 2
Vollmasse: 3 × 4424 kg
Leermasse: 3 × 695 kg
Schub: 3 × 229 kN
Brennzeit: 37 sec.
Spezifischer Impuls: 2286 m/s (Meereshöhe)
Spezifischer Impuls: 2570 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.79 m
Länge: 6.04 m

Stufe 1: Thor Delta TA
1 Triebwerk MB-3-3
Schub: 765 kN
Brennzeit: 150 sec.
Vollmasse: 49442 kg
Leermasse: 3175 kg
Länge 18.4 m
Durchmesser 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2845 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta E
1 Triebwerk AJ-10-118E
Schub: 35.2 kN
Brennzeit: 400 sec.
Vollmasse: 6009 kg
Leermasse: 785 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 1.42 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: FW-4D
1 Triebwerk FW-4D
Schub: 25 kN
Brennzeit: 31 sec.
Vollmasse: 300 kg
Leermasse: 25 kg
Spezifischer Impuls: 2815 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.5 m
Länge: 1.5 m
Treibstoff: fest

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Die Delta G

Moment mal, wo ist die Delta F? Nun die gab es nicht, man hat diesen Buchstaben bei der Nummerierung einfach ausgelassen! Die Bezeichnung Delta F war reserviert für eine Delta E ohne die drei Zusatzbooster. Diese Rakete wurde jedoch nie gebaut.

Auch die Delta G ist eigentlich auch nur eine Delta E ohne die dritte Stufe. Mit dieser Rakete wurden zwei BIOS Satelliten in niedere Umlaufbahnen eingeschossen, und hier wäre die dritte Stufe zum einen unnötig gewesen, zum anderen hätte die starke Beschleunigung von 5 G bei Brennschluss auch die Tiere stark beansprucht.

delta-g.jpeg

Delta G

Erststart: 14.12.1966
Letzter Start 7.9.1967
Starts: 2, Fehlstarts: 0, Zuverlässigkeit: 100 %
Nutzlast 735 kg in eine niedere Umlaufbahn´

Stufe 0: 3 × Castor 2
Vollmasse: 3 × 4424 kg
Leermasse: 3 × 695 kg
Schub: 3 × 229 kN
Brennzeit: 37 sec.
Spezifischer Impuls: 2286 m/s (Meereshöhe)
Spezifischer Impuls: 2570 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.79 m
Länge: 6.04 m

Stufe 1: Thor Delta TA
1 Triebwerk MB-3-3
Schub: 765 kN
Brennzeit: 150 sec.
Vollmasse: 49442 kg
Leermasse: 3175 kg
Länge 18.4 m
Durchmesser 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2845 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta E
1 Triebwerk AJ-10-118E
Schub: 35.2 kN
Brennzeit: 400 sec.
Vollmasse: 6009 kg
Leermasse: 785 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 1.42 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Die Delta J

Ja und die Delta H und I - auch die gab es nicht! Die Delta H war als Bezeichnung für eine Delta G ohne Zusatzbooster vorgesehen (Nur Thor und Delta Oberstufe). Die Bezeichnung Delta I scheint wegen der Verwechslungsgefahr zum Römischen 1 übersprungen worden sein. (Bei anderen Raketen wie der Titan verwandte die NASA auch römische Buchstaben zur Kennzeichnung). Die Delta J unterschied sich von der Delta E durch eine stärkere dritte Stufe. Hier wurde die doppelt so große Burner Oberstufe, die man auch in der Atlas Familie verwendet hat, eingesetzt. Daher werden von verschiedenen Autoren die Delta E,G,J auch zu einer Familie zusammengefasst. Die Delta J hatte nur einen Start: Den des 190 kg schweren Radioastronomie Explorer 38 in eine 5800 km hohe Kreisbahn.
delta-j.jpeg

Delta J

Erststart: 4.7.1968
Starts: 1 Fehlstarts: 0, Zuverlässigkeit 100 %
Nutzlast: 253 kg in eine geostationäre Übergangsbahn

Stufe 0: 3 × Castor 2
Vollmasse: 3 × 4424 kg
Leermasse: 3 × 695 kg
Schub: 3 × 229 kN
Brennzeit: 37 sec.
Spezifischer Impuls: 2286 m/s (Meereshöhe)
Spezifischer Impuls: 2570 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.79 m
Länge: 6.04 m

Stufe 1: Thor Delta TA
1 Triebwerk MB-3-3
Schub: 765 kN
Brennzeit: 150 sec.
Vollmasse: 49442 kg
Leermasse: 3175 kg
Länge 18.4 m
Durchmesser 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2845 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta E
1 Triebwerk AJ-10-118E
Schub: 35.2 kN
Brennzeit: 400 sec.
Vollmasse: 6009 kg
Leermasse: 785 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 1.42 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: Burner 2
1 Triebwerk Star 37D
Vollmasse: 774 kg
Leermasse: 116 kg.
Spezifischer Impuls: 2795 (Vakuum)
Schub 40 kN
Brennzeit: 42 sec
Durchmesser; 0.7 m
Länge; 0.8 m


Die Delta L

Auch die Delta K gibt es nicht, dafür nun aber einen Entwicklungssprung: Die Delta L verwandte die Long Tank Thor (LTT). Die Thor Oberstufe wurde gestreckt, so dass sie über 20 t mehr wog. (Die Bezeichnung Delta K war reserviert für eine Thor mit einer kryogenen Zweistufe, doch sie kam nie über die Designphase heraus. Erst 30 Jahre später sollte die Delta 3 eine kryogene Oberstufe einführen).

Die Verlängerung war möglich weil die Castor 2 Booster über 37 Sekunden lang einen sehr hohen Startschub lieferten. Während dieser Zeit konnte das Haupttriebwerk die zusätzlichen 20 t Treibstoff verbrennen. Ohne Booster hätte die LTT nicht abheben können. Dies steigerte die Nutzlast enorm, da das Voll/Leermasseverhältnis der ersten Stufe erheblich besser wurde.

Bei den Oberstufen blieb alles wie bei der Delta E1. Die Verwendung erfolgte erst 2 Jahre nach dem ersten militärischen Start mit der LTTAT Agena D, womit man sieht, wer lange Zeit die Thor Entwicklung vorantrieb (entsprechendes gilt auch für die Verwendung von Castor 1 und 2 Boostern). Die Rakete transportierte zwei Satelliten in hochexzentrische Umlaufbahnen, wovon ein Start misslang.

Die Delta L durchbricht die Nummerierung der Delta, da sie nach der Delta M startete und eine Delta M mit dem alten FW-4D Triebwerk war, das bis zur Delta E eingesetzt wurde. Den Rückgriff auf Oberstufen, die eigentlich schon nicht mehr eingesetzt werden, machte man auch später. Dies ist dann sinnvoll, wenn die Nutzlast klein ist. Dann bringt eine größere Oberstufe keinen Vorteil, sie ist in Regel nur teurer als die kleinere. Die beiden Nutzlasten der Delta L wogen nur 20 kg (TETR-C) und 116 kg (HEOS 2), so dass man nicht die Burner II Oberstufe brauchte. HEOS 1, der Schwestersatellit von HEOS 1 wurde noch von einer Delta E1 gestartet.

delta-l.jpeg

Delta L

Erststart: 27.8.1969, letzter Start 31.1.1972
Starts: 2 Fehlstarts: 1, Zuverlässigkeit 50 %
Nutzlast: 300 kg in eine geostationäre Übergangsbahn

Stufe 0: 3 × Castor 2
Vollmasse: 3 × 4424 kg
Leermasse: 3 × 695 kg
Schub: 3 × 229 kN
Brennzeit: 37 sec.
Spezifischer Impuls: 2286 m/s (Meereshöhe)
Spezifischer Impuls: 2570 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.79 m
Länge: 6.04 m

Stufe 1: Thor DSV-2L
1 Triebwerk MB-3-3
Schub: 765 kN
Brennzeit: 216 sec.
Vollmasse: 70354 kg
Leermasse: 3715 kg
Länge: 21.4 m
Durchmesser: 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2845 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta E
1 Triebwerk AJ-10-118E
Schub: 35.2 kN
Brennzeit: 400 sec.
Vollmasse: 6009 kg
Leermasse: 785 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 1.42 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: FW-4D
1 Triebwerk FW-4D
Schub: 25 kN
Brennzeit: 31 sec.
Vollmasse: 300 kg
Leermasse: 25 kg
Spezifischer Impuls: 2815 m/s (Vakuum)
Durchmesser: 0.5 m
Länge: 1.5 m
Treibstoff: fest

Die Delta M / M6

Die Delta M unterschied sich von der L durch die Verwendung der leistungsfähigeren Burner 2 Oberstufe (analog wie Delta E und J). Die M6 Version leitete ein neues Kapitel in der Evolution der Delta ein: Es wurden nun 6 anstatt 3 Booster eingesetzt, wodurch die Nutzlast weiter gesteigert werden konnte. 3 Booster brennen von Anfang an, 3 werden nach deren Ausbrennen gezündet. Damit war es möglich die schwerere INTELSAT 3 Serie zu starten. Mit Ausnahme der letzten 3 Starts waren dies die einzigen Nutzlasten der Rakete

Die Delta M verwandte 3 Booster und entsprach mit Ausnahme der dritten Stufe der Delta L. Die Delta M6 verwandte 6 Booster.

delta-m.jpeg

Delta M / M6

Erststart: 19.9.1968
Letzter Start 13.3.1971
Starts: 13, Fehlstarts: 2, Zuverlässigkeit 94.6 %
M: Nutzlast 356 kg in eine geostationäre Übergangsbahn
M6: Nutzlast 450 kg in eine geostationäre Übergangsbahn

Stufe 0: 6 × Castor 2 (M6 Version)
Vollmasse: 6 × 4424 kg
Leermasse: 6 × 695 kg
Schub: 6 × 229 kN
Brennzeit: 37 sec.
Spezifischer Impuls: 2286 m/s (Meereshöhe)
Durchmesser: 0.8 m
Länge: 6.4 m

Stufe 1: Thor DSV-2L
1 Triebwerk MB-3-3
Schub: 765 kN
Brennzeit: 216 sec.
Vollmasse: 70354 kg
Leermasse: 3715 kg
Länge: 21.4 m
Durchmesser: 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2845 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta E
1 Triebwerk AJ-10-118E
Schub: 35.2 kN
Brennzeit: 400 sec.
Vollmasse: 6009 kg
Leermasse: 785 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 1.42 m
Treibstoff: Salpetersäure /UDMH

Stufe 3: Burner 2
1 Triebwerk Star 37D
Vollmasse: 774 kg
Leermasse: 116 kg.
Spez. Impuls: 2795 m/s (Vakuum)
Schub: 40 kN
Brennzeit: 42 sec.
Durchmesser: 0.7 m
Länge: 0.8 m

Die Delta N

Die Delta N ist nur eine Delta M ohne dritte Stufe für Starts in niedere Erdorbits, anstatt geostationäre Übergangsbahnen. Erstaunlicherweise machte die erste "N" ihren Erststart vor der M. Auch die Delta N gab es in der 3 oder 6 Booster Version - das Bild zeigt eine N6. Mit dieser Rakete wurden vorwiegend Wettersatelliten und OSO Satelliten zur Sonnenbeobachtung gestartet.
Delta N6

Delta N

Erststart: 16.8.1968, letzter Start 12.3.1972
Starts: 9 Fehlstarts: 1, Zuverlässigkeit 88.9 %
Nutzlast: 998 kg in einen niederen Orbit

Stufe 0: 6 × Castor 2 (N6 Version)
Vollmasse: 6 × 4424 kg
Leermasse: 6 × 695 kg
Schub: 6 × 229 kN
Brennzeit: 37 sec.
Spezifischer Impuls: 2286 m/s (Meereshöhe)
Durchmesser: 0.8 m
Länge: 6.4 m

Stufe 1: Thor DSV-2L
1 Triebwerk MB-3-3
Schub: 765 kN
Brennzeit: 216 sec.
Vollmasse: 70354 kg
Leermasse: 3715 kg
Länge: 21.4 m
Durchmesser: 2.44 m
Spezifischer Impuls: 2845 m/s (Vakuum)
Spezifischer Impuls: 2511 m/s (Meereshöhe)
Treibstoff: Kerosin / Sauerstoff

Stufe 2: Delta E
1 Triebwerk AJ-10-118E
Schub: 35.2 kN
Brennzeit: 400 sec.
Vollmasse: 6009 kg
Leermasse: 785 kg
Spezifischer Impuls: 2727 m/s (Vakuum)
Länge: 5.6 m
Durchmesser: 1.42 m
Treibstoff: Salpetersäure/UDMH

Portrait einer Familie

Auch wenn es sehr viele Delta Versionen zwischen 1960 und 1968 gab, kann man größere Entwicklungsschritte und kleinere unterscheiden. Wesentliche Meilensteine sind nach dem Hersteller der Delta die folgenden Versionen:

Die Delta Versionen in der Übersicht

Die folgende Tabelle informiert über die Details in den Versionen der Delta. Die vielen Versionen kommen wie erkennbar nur durch die unterschiedliche Kombination von Boostern und Oberstufen zustande.

Name Booster Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
Thor Delta - DM-19 Delta A Altair 1
Delta A - DM-21 Delta A Altair 1
Delta B - DM-21 Delta B Altair 1
Delta C - Thor TA Delta B Altair 2
Delta D Castor 1 Thor TA Delta B Altair 2
Delta E Castor 2 Thor TA Delta E FW-4D
Delta F - Thor TA Delta E FW-4D
Delta G Castor 2 Thor TA Delta E -
Delta H - Thor TA Delta E -
Delta I - - - -
Delta J Castor 2 Thor TA Delta E Burner 2
Delta K Castor 2 Thor TA Kryogen
Delta L Castor 2 Thor DSV-2L Delta E FW-4D
Delta M Castor 2 Thor DSV-2L Delta E Burner 2
Delta N Castor 2 Thor DSV-2L Delta E -

Die Thor und Delta Starts

Aufschlüsselung nach Modell

Deutlich wird, dass die militärischen Versionen (Thor) häufiger eingesetzt wurden und nicht so viele Varianten aufweisen. Dies sieht man auch an der Aufschlüsselung nach Startjahr. Die meisten Starts in den 60 er Jahren entfielen auf den Starts von Aufklärungssatelliten mit einer Thor.

Aufschlüsselung nach Startjahr:

Büchertipps

Von mir gibt es mehrere Bücher zum Thema Trägerraketen. Mein bisher umfassendstes Werk ist ein zweibändiges Lexikon über Trägerraketen mit jeweils rund 400 Seiten Umfang. Eine sehr gute, kompakte Übersicht über die Trägerraketen Russlands, Europas, Chinas, Japan Indiens und verschiedener Nationen (Brasilien, Israel, Australien, Nordkorea, Südkorea, Iran) ist das Raketenlexikon: Band 2: Internationale Trägerraketen Der dazu gehörende Band 1 (Raketenlexikon: Band 1: US Trägerraketen ) behandelt die amerikanischen Trägerraketen. Jeder Band behandelt die Technik und Geschichte von rund 100 Submodellen in kompakter Form. Die grundlegende Technik eines Modells wird in einem einführenden ersten Kapitel ausführlicher besprochen. Die folgenden Kapitel beinhalten dann die Veränderungen von Subversion zu Subversion. Jeder Typ wird mit einem ausführlichen Datenblatt und einem Startfoto dokumentiert.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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