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Tja was ist das denn nun für eine Wurst? Schmeckt sie nun wie Frankfurter oder wie Wiener oder Bockwürste? Meica bleibt uns leider die Antwort schuldig.
Nun Meica weis es, aber Sie als Verbraucher wohl nicht. Die Zahl der möglichen verschiedenen Würste in "Deutschländern" reduziert sich schnell von 3 auf 2.Haben sie sich mal gefragt, warum Sie überall Wiener bekommen, aber nur selten Frankfurter Würstchen kaufen können? Frankfurter kennt jeder, aber herstellen und kaufen kann man sie nicht überall. Nun das ist keine Hexerei oder künstliche Marktverknappung, es ist die Folge der EU Verordnung über den Schutz geographischer Bezeichnungen. Danach genießen bestimmte Produkte mit einer regionalen, besonderen Herstellung einen Namensschutz. Frankfurter Würstchen dürfen nur im Wirtschaftsraum um Frankfurt hergestellt werden. Andere Würste derselben Art aus dem Rest der Bundesrepublik heißen dann Wiener oder Saiten, auch wenn sie die gleichen Zutaten enthalten und genauso hergestellt werden.
Rein technisch dürfen Saiten oder Wiener auch Rindfleisch enthalten, während Frankfurter Würstchen nur aus Schweinefleisch bestehen. In der Praxis werden Saiten aber meistens nur aus Schweineflesich hergestellt, sodass dieser Unterschied in der Praxis nicht relevant ist Andere geschützte Bezeichnungen sind z.B. Schwarzwälder Schinken oder Parmaschinken. Leider ist es bei den Bezeichnungen oft nicht ganz so eindeutig. In Österreich wurden die "Wiener" von ihrem Erfinder "Frankfurter" genannt. Daher findet man dort diesen Namen. Wirklich sicher kann man nur sein, wenn man "Original Frankfurt" kauft (oder einen Hinweis auf den Herstellungsort findet) oder eben "Würstchen nach Frankfurter Art". Die Bezeichnung "Frankfurter" alleine dürfte die Beurteilung dem jeweiligen Gutachter oder Staatsanwalt überlassen, d.h. sie ist nicht eindeutig. Von den anderen Würsten (Wiener und Bockwurst) unterscheidet sich die Frankfurter Wurst dadurch dass sie kein Rindfleisch enthält. Der Anteil an hochwertigem Eiweiß ist jedoch genauso hoch wie bei der Wiener Wurst.
Wiener Würstchen heißen in Deutschland die Würste, weil diese der Frankfurter Johann-Georg Lahner in Wien feilbot. Er schuf 1805 einen Produktionsbetrieb in Wien. Dort gab es andere Vorschriften für die Metzger und man dürfte mehrere Fleischsorten verarbeiten, so kombinierte er Rind- und Schweinefleisch und nannte dieses Produkt 1805 "Wiener Frankfurter". Der Name wurde später auf "Wiener" verkürzt, weil es auch besser verständlich war (Ist es nun eine Wiener oder eine Frankfurter Wurst?) Der Unterschied liegt also in den verwendeten Fleischsorten. Ob dies aber einen Einfluss auf die Knackigkeit und die Würze hat sei dahin gestellt. Das hängt eher vom Darm und den zugesetzten Gewürzen oder einer erfolgten Räucherung ab.
Bleiben noch die Bockwürste. Was ist denn der Unterschied zwischen Bockwürsten und Wiener Würstchen? Sie raten es schon. Die Unterschiede sind eher fein. Eine Bockwurst ist eine Wiener Wurst, die in Schweine- und Rinderdärme anstatt Schafsdärme gefüllt wird - dadurch ist sie dicker. (In einen Rinderdarm geht mehr Füllung herein). Bockwürste werden in Gläsern in Salzlake erhitzt und zumeist in Gläsern angeboten. Die Leitsätze für Fleischerzeugnisse (halbamtliche Anforderungen an Lebensmittel) unterscheiden so auch nicht zwischen Wiener Würsten und Bockwürstchen und führen beide in der selben Gruppe auf. In der Praxis kann man aber Bockwürste fast nie lose kaufen. Aus diesem Grund ist auch relativ schnell klar, was Deutschländer wirklich sind: Bockwürste, denn nur diese werden in Gläsern angeboten, im Gegensatz zu Frankfurtern und Wienern die als lose Ware in den Handel kommen.
Ein neuer Name macht noch keine neue Wurst. Inzwischen ist man ja auch sonst bei der Namensgebung sehr erfinderisch um Würsten neue Namen ("Bruzzler") zu geben, aber die Werbung für die Deutschländer ist schon etwas arg dick aufgetragen. Anscheinend ist der Konzern sich zu fein um biedere Bockwürste herzustellen. Vielleicht will man auf der patriotischen Schiene neue Kunden gewinnen oder an das Deutschländer Regiment erinnern. Macht nichts - es gibt bei jedem Metzger frische Ware, die den Vergleich mit den "Deutschländern" nicht zu scheuen braucht.
Man kann den Phantasienamen aber auch anders interpretieren: Will Meica Würste herstellen für die es keine Regeln in den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse gibt? Damit kann man eine Menge Geld sparen indem man z.B. teures Fleisch durch billigen Speck ersetzt. Wir kennen diese kreative Namensgebung ja schon von anderen Gattungen wie "Nektar" für ein Getränk das nur zwischen 20 und 50 % Fruchtsaft enthält aber edler klingt als "Fruchtsaft"....
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
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