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Was ist drin... in einem Eis "Erdbeer Crisp"

Einleitung

Immer wieder gab es Anfragen für neue Aufsätze in dieser Rubrik. Ich verzichte, weil mein Studium nun schon etwas länger zurückliegt auf eine rechtliche Beurteilung, denn die ändert sich. Bleibend ist dagegen die Chemie und Technologie, die wird auch in 100 Jahren noch gelten. Auf diese werde ich mich bei diesem Produkt weitgehend beschränken.

Bei dem Produkt handelt es sich um ein Stieleis mit Erdbeerfüllung, umhüllt von weiser Crisp Schokolade der Hausmarke eines bekannten deutschen Lebensmitteldiscounters.

Inhaltsverzeichnis

Fruchteiskrem Erdbeer mit Erdbeercocktail (5 %), weißer Schokolade (26 %) und Reiscrispies: Der Verbraucher soll erkennen können was er vor sich hat. Daher hier noch eine Produktbeschreibung. Die wert gebenden Substanzen Erdbeeren und weiße Schokolade (erkennbar an der Abbildung auf dem Deckel und dem Namen Erdbeer Crisp) werden genannt und ihr Prozentualer Anteil ausgewiesen, damit der Verbraucher beurteilen kann ob die Eiscreme viel oder wenig davon enthält.

Zutaten: Nun das eigentliche Zutatenverzeichnis.

entrahmte Milch: Entrahmte Milch ist preiswerter als normale Milch und senkt zudem leicht den Energiegehalt des Produkts.

Erdbeeren : Anders als bei normalen Joghurts, wo hier an zweiter Stelle der Zucker (mit etwa 10 % Anteil steht) kommt durch das Süßungsmittel die Erdbeeren an zweiter Stelle. 6.5 % sind es, das wissen wir aus der ersten Angabe.

Zucker: Zucker braucht man zum Süßen.

Erdbeermark (9%): Nun der Erdbeeranteil der Füllung - 5 % im gesamten Erzeugnis und 9 % in der Füllung (daraus errechenbar: Die Füllung macht 56 % des Gesamtgewichts aus).

Molkenerzeugnis: Das sagt nun gar nichts aus. Molke selbst fällt bei der Käseherstellung in größeren Mengen an und ist für viele Molkereien ein Problem. Sie wurde als Viehfutter oder zur Vergärung eingesetzt. Daneben wurde ein kleiner Teil auch für diätetische Lebensmittel genutzt weil sie viel Eiweiß enthält. Das Molkenerzeugnis sagt leider nichts aus welche Art von Molke es ist (die sich in der Zusammensetzung unterscheiden) und wie sie aufgearbeitet wurde. Seit eine bekannte Molkerei Drinks aus Molke kreiert hat wird Molkenpulver oder andere Molkenerzeugnisse gerne anderen Lebensmittel zugesetzt. An und für sich ist dagegen nichts zu sagen, den Molke ist eiweiß- und mineralienreich. In diesem Fall dürfte das Molkepulver Milchpulver im Überzug ersetzen.

Kakaobutter: Weiße Schokolade verwendet Kakaobutter als einzigen Kakaobestandteil, zugleich der wertvollste Bestandteil der Kakaobohne. Kakaobutter schmilzt bei 28°C und damit auf der Zunge. Dies gibt das besondere Mundgefühl der Schokolade.

Butterreinfett: Fett um wahrscheinlich die Füllung geschmeidiger zu machen (bislang enthält diese nämlich kein Fett). Butterreinfett und entrahmte Milch ist preiswerter als Sahne oder Milch plus Sahne.

Glucosesirup: Dickt etwas, und süßt etwas, aber nicht zu stark. Glucosesirup wird durch enzymatische Spaltung von Stärke gewonnen und ist erheblich billiger als Zucker, aber nicht ganz so süß.

Milchzucker: Tja was dieser in dem Produkt zu suchen hat ist mir selbst unerklärlich, wahrscheinlich ist er Trägerstoff für Aromen.

Pflanzenfett: Interessant, noch ein Fett, eigentlich reichen Kakaobutter und Butterreinfett als Fettarten aus.

Vollmilchpulver : Oh Wunder: Auch noch echte Milch ist in dem Eis enthalten!

Erdbeersaft aus Fruchtsaftkonzentrat : Langsam wird es mysteriös. Zweimal Erdbeeren? Reicht das Mark nicht? Offensichtlich soll die Masse nicht zu dick werden

Reismehl : In gepresster Form sind dies die Crisp Anteile

Emulgatoren (Mono und Diglyceride von Speisefettsäuren, Sojalecithin, Polyglycerin-Polyricinoleat) : Die Emulgatoren vermitteln zwischen den Fettanteilen (Kakaobutter, Butterreinfett, Pflanzenfett) und der Wasserphase (entrahmte Milch, Erdbeeren).

Weizenmehl : Mit Bestandteil der Crisps.

Stabilisatoren (Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Pektine): Sie vermitteln zwischen den verschiedenen Phasen, bewirken, dass sich beim Einfrieren keine großen Kristalle bilden, verdicken die Masse so dass sie nicht zu Tropfen anfängt etc. Traditionell enthält Speiseeis einen Cocktail von 2-4 Stabilisatoren.

Rotebeetesaftkonzentrat : Offensichtlich reichen die Erdbeeren nicht aus um für eine natürliche Farbe zu sorgen. So wird mit natürlichen Farbstoffen nachgefärbt.

Aroma : Auch das sollte eigentlich von den Erdbeeren kommen.

Säuerungsmittel (Citronensäure) : Etwas Säure hebt bei Früchten das Fruchtaroma hervor und ergibt einen frischen Geschmack.

Gerstenmalzextrakt : Also wenn es kein Trägerstoff für Aromen ist, dann weis ich nicht wozu man es in dieses Produkt getan hat. Vielleicht als Aroma für die Crisps?

Salz : Rundet den Geschmack ab

Traubenzucker : Noch ein Zucker, Erklärung dafür? Ich habe keine.

Kann Spuren von Nüssen und Erdnüssen enthalten : Dieser Warnhinweis ist für Allergiker wichtig. Das Eis wird natürlich nicht alleine hergestellt und es gibt auch Sorten mit Mandelüberzug etc. Kleinste Spuren können beim Wechseln der Kübel in die nächste Charge kommen und daher müssen diese Warnhinweise angebracht werden, auch wenn man wirklich nur von Spuren sprechen kann.

Kommen wir noch zur Nährwertkennzeichnung diese ist bei diesem Produkt vorgeschrieben weil es sich auch an Diabetiker wendet.

Nährwerte pro 100 g pro Stück
Brennwert 1252 kJ / 300 kcal 1177 kJ / 262 Kcal
Eiweiß 2.5 g 2.3 g
Kohlenhydrate 32.0 g 31 g
Fett 18 g 17 g

Zusammenfassung

Fangen wir mal mit der Sensorik an. Diese ist in Ordnung. Der Crisp Überzug schmeckt nach weißer Schokolade, er ist nur etwas dünn. Die Füllung schmeckt nach "Billig" Erdbeereis. also nicht so richtig nach natürlichen Erdbeeren. Das ist auch bei dem Produkt nicht zu erwarten, es ist kein High-end Erzeugnis. Mir hat das Eis geschmeckt, auch wenn ich die anderen Sorten mit Mandeln oder Schoko bevorzuge. Als ich dann angefangen habe das Zutatenverzeichnis zu lesen habe ich auch verstanden warum. Das Produkt hat nichts mit Sahne-Fruchteis zu tun, selbst der Eiweißgehalt ist extrem niedrig. Es enthält sehr viel Zucker und Fett und damit nicht viel weniger Energie als die Schokoladenvariante mit erheblich dickerer Kruste und Schokoladenstückchen.

Es ist ein Produkt bei dem man teure Zutaten durch preiswerte ersetzt hat. aber im wesentlichen zählt das Ergebnis - der Geschmack und der geht so in Ordnung. Es ist nicht mit einem guten Erdbeereis zu vergleichen, doch das wäre auch unfair. Ab und an zur Abwechslung ist auf jeden Fall nichts dagegen zu sagen.

Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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