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Was ist drin... in "Erdnüsse im Teigmantel"

Bei dem heutigen Produkt handelt es sich um einen Snack, der altbekanntes - gesalzene Erdnüsse - im neuen Gewand. Die Erdnüsse sind in einer Art Brandteig umhüllt wie er auch von Backerbsen bekannt ist, nur dünner. Das Produkt ist "American Style", auch wenn der Hersteller aus Deutschland stammt, zieren weiße Sterne auf blauem Grund die Verpackung.

Zutatenverzeichnis

Erdnüsse im Teigmantel mit Paprikageschmack - die Verkehrsbezeichnung

Zutaten

Erdnüsse (50 %):- Natürlich die Hauptzutat. Gemäß Lebensmittelkennzeichnungsverordnung müssen Zutaten die auf der Verpackung oder textlich angegeben werden in ihrem prozentualen Gehalt präzisiert werden.

Stärke (Kartoffel/Weizen): die Hauptzutat des Teigs. Da der Teig in Öl frittiert wird ist es ratsamer Stärke zu verwenden als Mehl, da das dort enthaltene Eiweiß durch die Maillardreaktion eine starke Bräunung verursachen würde. Zudem erlaubt Stärke einen dünneren Teig herzustellen.

modifizierte Maisstärke: Eine weitere Stärke, es gibt verschiedene modifizierte Stärken zur Erreichung unterschiedlicher technologischen Wirkungen. Leider ist nicht ausgeführt welche Stärke eingesetzt wurde.

pflanzliches Öl: Darin wurden die Erdnüsse frittiert. Üblicherweise ist es ein Öl mit geringem Anteil an ungesättigten Fettsäuren, damit es länger erhitzbar ist. Verwendet der Hersteller ein Öl mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren wie Sonnenblumenöl, so lobt er dies normalerweise aus.

Salz: Erdnüsse und Teig müssen natürlich gesalzen sein

Zucker: Zur Geschmacksabrundung

Hefepulver: Wird hier als natürlicher Geschmacksverstärker eingesetzt. Hefe enthält viele freie Aminosäuren und Nucleotide. Diese bewirken einen herzhaften Geschmack oder eine Geschmacksverstärkung.

Weizenmehl: Etwas Mehl zum Einstellen der Bräune und Backeigenschaften (bindet stärker als die Stärke)

Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat: Ein typischer Geschmacksverstärker

Dextrose: Fachbezeichnung für Traubenzucker

natürliches Aroma: Wohl Auszüge aus Paprikapulver

kann Spuren anderer Nüssen enthalten: Der nach den lebensmittelrechtlichen Vorschriften vorgeschriebene Allergikerhinweis.

Nährwertkennzeichnung

Hier als Ernährungsnavigation tituliert:

Nährwerte pro 100 g pro Portion (25 g) % GDA
Brennwert 2087 kJ / 501 kcal 522 kJ / 125 kcal 6 %
Eiweiß 14 g 3,5 g 7 %
Kohlenhydrate 40 g 10 g 4 %
davon Zucker 2,0 g 0,5 g 1 %
Fett 32 g 8 g 11 %
davon gesättigte Fettsäuren 8,4 g 2,1 g 11 %
Ballaststoffe 3,7 g 0,9 g 4 %
Natrium 1,7 g 0,4 g 18 %

darunter finden wir noch folgenden Hinweis:

Allergen-Info: Kann Spuren von Sesam, Haselnüssen und Mandeln enthalten.

Richtwerte der empfohlenen Tagesmenge
Kalorien 2000 kcal
Zucker 90 g
Fett 70 g
davon gesättigte Fettsäuren 20 g
Natrium 2,4 g

Die Richtwerte der empfohlenen Tagesmenge basieren auf offiziellen internationalen Empfehlungen für Erwachsene

Die Kurzform der GDA Kennzeichnung (pro Portion) findet sich auch auf der Vorderseite

Beurteilung

Eigentlich wären die Nüsse nichts besonderes. Man findet das inzwischen schon übliche System bei den Portionsgrößen: Sie werden bewusst niedrig angesetzt. Hier soll ein 200 g Beutel für 8 Portionen gut sein. Man stelle sich eine gemütliche Runde vor, bei der ein Beutel Erdnüsse für acht Personen reichen soll.

Der eigentliche Grund warum ich dieses Produkt hier aufführe ist eine Unart: Obwohl es keinen zwingenden Grund gibt in Snacks Geschmacksverstärker einzusetzen wird dies hier gemacht. eigentlich sollte der Geschmack hier durch den Eigengeschmack von Erdnüssen, die entstehenden Röstaromen und die Gewürze geprägt sein. Stattdessen wird hier mit Hefepulver und Geschmacksverstärker nachgeholfen.

Das ist meiner Meinung nach nicht nur nicht nötig, es ist auch nicht besonders wirksam, da beide Geschmacksverstärker vor allem fleischartige Aromen oder den als "Unami" Geschmack verstärken, die in diesem pflanzlichen Nahrungsmittel wenig wirksam sind.

Schade, der Geschmack ist in Ordnung, doch wieder einmal ein Lebensmittel das "Tricksen" muss. Vielleicht deswegen auch das "American Style" - schlussendlich kennt man dort nicht unsere Vorschriften über den Einsatz von Zusatzstoffen.

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.



© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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