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Was ist drin... in "Hafercookies mit Vollmilchschokolade"

Einleitung

Diese Rubrik erklärt Nahrungsmittel - nicht die Nahrungsbestandteile wie in der Ernährungslehre, also ihr Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und energieliefernden Bestandteilen, sondern was zugesetzt wurde, warum, und welche Funktion der eine oder andere Zusatzstoff oder energieliefernde Bestandteil haben könnte. Alle Angaben auf der Verpackung finden sie in blauer Schrift.

Heute geht es um eigentlich normale Kekse, nur eben aus Hafer - eigentlich.

Verkehrsbezeichnung und Verpackungsangaben

HafercookiesDiese sind recht einfach zu umreisen: Die Verkehrsbezeichnung lautet "Vollkornhafergebäck mit Vollmilchschokoladenboden". Es sind dann noch Kekse vorne auf der Verpackung abgebildet, wobei für die Beurteilung wichtig ist, dass auch ein Keks angeschnitten ist. So kann man die Dicke erkennen und die Struktur, sie wirkt locker und es sind einzelne Haferflocken erkennbar. Daneben findet man eine Ähre, aber nicht die des Hafers, sondern eine Weizenähre.

Das "Bio" in der linken oberen Ecke weist daraufhin, dass es ein Bioprodukt ist. Auf der Rücksiegel findet man dann ein EU-Biosiegel. Weitere Siegel anderer Hersteller von ökologischen Produkten findet man nicht.

Inhaltsverzeichnis

Haferflocken (30%)**: Erst hier erfährt man, dass die Kekse nicht aus Hafermehl, sondern Haferflocken hergestellt werden. Dies ist ungewöhnlich. Die Prozentangabe ist gesetzlich vorgeschrieben, bei allen Bestandteilen die auf der Verpackung schriftlich oder durch eine Abbildung herausgestellt werden.

Vollmilchschokolade (25%)**: (Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Kakaomasse, Emulgator: Soja-Lecithine): Das ist die Schokolade, die nach den Bestimmungen als eigenes Lebensmittel wiederum aufgeschlüsselt werden muss. Die Zusammensetzung ist nicht von normaler Schokolade abweichend, die bei Vollmilchschokolade nur etwa 30-37% Kakaobestandteile enthält. Der Rest entfällt vor allem auf Zucker und dann noch auf Milchpulver. Der Emulgator ist nötig um das Fett mit dem Eiweiß und Zucker zu verbinden.

pflanzliches Fett**: Auch Fett ist natürlich im Teig vorhanden.

Weizenvollkornmehl (11%)**: Aus Haferflocken kann man natürlich keine Kekse backen, also wurde hier Weizenmehl, sogar Vollkornmehl zugesetzt. Die Prozentangabe ist nötig, wegen der Abbildung der Ähre vorne auf der VErpackung

Invertzuckersirup**: Invertzuckersirup, der durch enzymatische Spaltung von Stärke entsteht, ist in der Industrie beliebter als Zucker. Er hat eine geringere Süßkraft, kristallisiert aber nicht aus und ist deutlich preiswerter als Zucker.

Backtriebmittel: Natriumhydrogencarbonat, Ammoniumhydrogencarbonat: Diese beiden Backtriebmittel sind in der Umgangssprache Backpulver (Natriumhydrogencarbonat) und Hirschhornsalz (Ammoniumhydrogencarbonat). Sie sind natürlich notwendig, um den Teig aufgehen zu lassen.

Salz: In jeden Teig gehört Salz

Karamellzuckersirup**: In dieser geringen Menge (nach dem Backtriebmittel und dem Salz) wurde der Sirup nicht als Geschmacksträger eingesetzt, sondern um das Produkt zu färben.

natürliches Aroma**: Ohne Aroma geht es wohl auch bei einem Bioprodukt nicht.

Kann Spuren von Schalenfrüchten, Erdnüssen und Ei enthalten: Dies ist ein vorgeschriebener Allergikerhinweis. Die Verunreinigung entsteht dadurch dass auf denselben Backstraßen natürlich auch Kekse mit Nüssen oder Eiern hergestellt werden

** aus kontrolliert biologischem Anbau: Diese Angabe ist nach der EU-Ökoverordnung notwendig wenn das Siegel auf der Verpackung ist.

Nährwertangaben

Die Packung zieren neben den normalen Nährstoffangaben auch noch die GDA-Kennzeichnung. Sie ist eigentlich überflüssig, zumal sie direkt neben der Nährwertkennzeichnung steht (siehe Abbildung) und auch dieselben Angaben enthält. Daher führe ich nur diese auf:

  pro 100 g pro Stück (13 g)
Brennwert: 2020 kJ
483 kcal
263 kJ
63 kcal
Eiweiß 7,5 g 1,0 g
Kohlenhydrate
davon Zucker
58,2 g
32,6 g
7,6 g
4,2 g
Fett
davon gesättigte Fettsäuren
23 g
11,6 g
3,0 g
1,5 g
Ballaststoffe 6,7 g 0,9 g
Natrium 0,532 g 0,069 g

Beurteilung

Warum ich die Haferkekse bespreche, ist weil sie sich als völliger Fehlkauf entpuppten. Ich liebe Haferkekse, wobei ich allerdings bisher nur die schwedischen mit Honig oder als "Traumgebäck", kenne. Da diese im Discounter meines Vertrauens nur zeitweise verfügbar sind und mir diese Kekse auffielen, habe ich einfach zugegriffen. Schließlich kann ich auch als Lebensmittelchemiker nicht beim Einkauf jede Verpackung studieren und die Angaben durchlesen, sonst wäre ich in 2 Stunden noch nicht mit dem Einkauf fertig.

Was erwarte ich von Haferkeksen mit Schokolade? Das sie so schmecken, wie normale Kekse mit Schokolade, die es ja auch gibt, nur eben nach Hafer. Das sie "Bio" sind, war mir egal. Das ist hier nicht gegeben. Wenn man in die Kekse beißt, dann hat das nichts mit dem Mundgefühl eines normalen Kekses zu tun. Der Schokoladenbelag ist etwas geringer als bei normalen Keksen, was sich auch in einem etwas niedrigeren Energiegehalt niederschlägt. Doch das ist nicht der Unterschied. Die Kekse sind nicht locker sondern sehr fest bis hart. Sie bestehen wie das Foto zeigt, aus ganzen Haferflocken in einem harten Volllkornteig. Das Bißgefühl ist eine Mischung zwischen dem Biss auf Haferflocken und Knäckebrot, hat also nichts mit dem Genuss eines Kekses zu tun. Ebenso mag ich zwar Hafer, aber dann sollte man vielleicht angeröstetes Mehl oder angeröstete Haferflocken in Maßen nehmen. Hier ist das wie wenn man Müsli ist und das erwarte ich nicht von einem Keks.

Der Geschmack ist daher auch nicht der den ich von Haferkeksen kenne, trotz zugesetztem Aromas, das wiederum (wie das Färben, siehe unten) nicht zu einem Vollkorn- oder "gesundem" Produkt passt.

Als Lebensmittelchemiker sage ich "dumm, wer nicht das Zutatenverzeichnis liest". Da steht natürlich drin, das Haferflocken verwendet werden, und am hohen Ballaststoffgehalt erkennt man auch, dass es ein Vollkornprodukt ist. Durch die Zumischung von Weizenvollkornmehl ist der Ballaststoffgehalt sogar höher als bei reinen Haferflocken (5,4 g) und liegt trotz Schokoladenüberzug nur wenig unter dem von Vollkornbrot (7,5 g). Doch an der Verpackung ist das nur andeutungsweise an der Getreideähre zu erkennen, und die Kekse auf der Verpackung sind locker und luftig, mit fast keinen Haferflocken.

Meiner Meinung nach sind die Kekse falsch deklariert. Sie sollten als Hafer-Vollkornkekse bezeichnet werden, denn das sind sie. Ich bin überzeugt, dass es viele Verbraucher gibt, denen das wichtig ist. Andere die nur eben Haferkekse essen wollen, aber kein Vollkornprodukt (es muss ja nicht alles Gesund sein) machen dann auch keinen Fehlkauf.

Auch die Tatsache das "Bio" drauf steht, kann dies nicht ausgleichen. "Bio" nach der EU-Verordnung (weitergehende Siegel finden sich nicht) bedeutet nur, dass 95% der Zutaten aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen. Nicht mehr. Die Zeiten, in denen "Bio" gleichzusetzen ist mit "besonders gesund" oder "naturbelassen" oder "mit dem vollen Korn" sind vorbei. Schließlich gibt es auch Bioschokolade. Ich erwarte von "Bio" nur eine besondere Einstellung zur nachhaltigen Landwirtschaft, aber nicht unbedingt, dass alles Vollkorn enthalten muss. Vor allem möchte ich eben gerne sündigen und da erwarte ich in den Keksen nun wirklich nicht Haferflocken und Vollkornmehl. Schlussendlich gibt es ja auch Vollkornprodukte die nicht "Bio" sind wie stinknormales Vollkornbrot.

Zu bemerken wäre ja noch, dass der Hersteller trotzdem noch täuscht indem er mit Karamellzuckersirup die Farbe noch etwas mehr ins Braune verschiebt. Auf dem Foto sieht man das an der gleichmäßigen gelbbraunen Farbe (Vollkornmehl tendiert mehr ins braun-graue und eine Färbung durch den Backprozess wie auch durch Vollkornbestandteile ist nicht so gleichtmäßig), Das sollte eigentlich bei einem echten Vollkornprodukt nicht nötig sein. Interessanterweise ist dem Hersteller zwar der Vollkornanteil wichtig, bei anderen Dingen muss es aber nicht so gesund sein. So wurden offensichtlich gehärtete Fette verwendet, wie man am hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren sieht, Margarine besteht zu 70-80% aus ungesättigten Fettsäuren und das in dem Getreide enthaltene Keimöl enthält ebenfalls sehr hohe Anteile an ungesättigten Fettsäuren. So wurde offensichtlich Palmkern- oder Kokusfett verwendet.

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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