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Seltsam nur, dass die Models für die Cremewerbung immer sehr junge Damen sind - meistens im Alter von 15 bis 25, also Personen die normalerweise noch keine Falten haben. Wie aber will man die Wirkung von Cremes beweisen, wenn man als Beispiele Personen anführt, die von sich aus keine Falten haben?
Das grundlegende Problem aller Cremes ist, das dorthin wo sie gelangen, die Haut schon tot ist. Tief unterhalb der Haut werden laufend neue Zellen gebildet die langsam nach oben wandern, oben verhornen und verschuppen und dann langsam abgetragen werden. Alle Dinge, welche die Alterung der Haut und die Faltenbildung betreffen laufen in diesen tieferen Schichten ab, dorthin können aber die Cremes nicht gelangen, wäre dies möglich, so wäre unser Körper hilflos allen Fremdstoffen und Bakterien/Viren ausgesetzt die von außen über die Haut eindringen können. Lediglich intensive UV Strahlung dringt dorthin - und sorgt für das Altern der Haut.
Anfang der neunziger Jahre setzte man große Hoffnungen in so genannte Liposomen. Gemeint waren damit kleine Kügelchen mit einer Doppelmembran die in der Kugel Wirkstoffe in diese tieferen Schichten transportieren sollten. Durch Ihre kleine Größe sollte dies sehr effektiv gelingen. Doch dies war ein Trugschluss, es zeigte sich, dass es damit nicht möglich war Substanzen in die tieferen Hautschichten zu bringen. Heute macht niemand mehr Werbung mit Liposomen, da ihre Herstellung sehr teuer ist, und ihre Wirkung dagegen im in krassem Gegensatz dazu steht.
Die so genannte Anti Falten Wirkung von Cremes beruht dadurch das sie Substanzen in kleinen Mengen enthalten, die quellend auf das Kollagen der Haut wirken. Kollagen ist das Eiweiß des Bindegewebes, und im Alter - oder durch Umwelteinflüsse - verliert dieses teilweise seine elastische Eigenschaften. Wenn es gelingt das Kollagen zum Quellen zu bringen wird die Haut glatter und theoretisch sollten dann Falten zumindest solange verschwinden wie man die Creme anwendet. Allerdings gelangen eben Cremes nicht in die tieferen Schichten der Haut, und so ist die Wirkung auf die oberen Hautschichten begrenzt, die dadurch leicht glatter werden. Falten können aber dadurch nicht verschwenden, denn diese entstehen wie es schon gesagt in den tieferen Schichten der Haut. Damit man aber mit einer Wirkung werben kann, benötigt man ja nicht unbedingt eine sichtbare Wirkung sondern es reicht, das ein wissenschaftlich nachweisbarer Effekt da ist. Bei den Cremes ist es auch bewiesen, dass sie kleine Falten glätten. Jeder Wissenschaftler kann dies an Hautproben unter dem Mikroskop erkennen. Dummerweise haben aber die Personen denen sie im Alltag begegnen normalerweise kein Mikroskop bei sich und werden dadurch keinerlei Wirkungen sehen....
Der neueste Trend ist die Werbung mit Vitaminen oder Vitamin ähnlichen Stoffen. So wird mit Panthenol oder Ubichinonen - besser bekannt als Coenzym Q10 - geworben. Beiden Substanzen ist eine ähnliche Wirkung wie den organischen Säuren auf das Kollagen zu bescheinigen. Es handelt sich um einfache chemische Substanzen, die preiswert unter den großen Mengen hergestellt werden können. Relevant ist allerdings der gute Name. Vitamine assoziiert der Verbraucher von vornherein mit Gesundheit, daher ist die Verwendung von Panthenol in Hautcremes natürlich etwas besonders Gutes für die Haut. Coenzym Q10 ist nichts anderes als eine einfache organische Verbindung. Einfach und billig in der Massenproduktion gewinnbar und wunderbar werbewirksam, um eine Creme anstatt für 5 DM für nun 50 DM zu verkaufen.
Aber auch die immer wieder angeführten Substanzen, welche die Haut nähren sollen oder vor Radikalen schützen, haben nur wenig Wirkung. Zum einen wird die Haut über den Blutkreislauf effektiv versorgt und nicht von außen, zum anderen dringen die Stoffe nicht so tief hinein um überhaupt die nicht abgestorbenen Hautschichten zu erreichen.
Bei Cremes die Falten verschwinden lassen, also nicht eine "vorbeugende" Wirkung haben sollen beruht die Wirkung auf Wasser: Es dringt in die Haut ein, das Kollagen der Haut quillt auf und die Falten verschwinden - zumindest für einige Stunden. Das kann jeder nach einem Bad selbst feststellen und ist auch das Wirkungsprinzip von Quark, Jogurt oder anderen Masken. Nur sind diese viel billiger als teure Hautcremes.
Nach verschiedenen Untersuchungen gibt es keinerlei qualitativen Unterschiede zwischen sehr preiswerten und sehr teuren Cremes. Für den Verbraucher wichtig wäre, dass eine Creme vor allem auf Konservierungsstoffe und andere als Allergen bekannte Substanzen verzichtet und als Fettkomponente die hautfreundlicheren natürlichen Fette einsetzt. Sowohl bei den teuren wie die auch preiswerten Cremes findet man aber solche die reich an Konservierungsmitteln und synthetischen Paraffinen sind, so dass man nicht von einem qualitativen Unterschied sprechen kann.
Es gibt zwar keine Creme, die zwar keine Falten beseitigen kann, jedoch die Bildung der Falten verringern kann. Von allen Ursachen ist bei den meisten Menschen die Sonne die wichtigste für die Faltenbildung. 85 % der Falten gehen auf ihr Konto. Und gegen die UV Strahlen der Sonne gibt es eine Hilfe: Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor. Viel einfacher ist es allerdings nicht zu viel in die Sonne zu gehen und auf das Sonnenbad zu verzichten.
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
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