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Nun, man weiß das intensives Kauen von Kaugummi die Plaque teilweise von den Zähnen entfernen kann. Wie gut, das hängt von dem Kauverhalten ab. Wer einen Kaugummi 10 Minuten lang kaut, soll ein ähnlich gutes Ergebnis wie beim Zähneputzen erreichen, doch das ist nur mit viel Kaumasse möglich und nicht diesen "Mini" Dragees. Zudem dürften viele einen Kaugummi nur solange kauen wie er süß schmeckt, also relativ kurz. Zudem ist dies unabhängig von der Art des Kaugummis. Nach diesem Kriterium dürfte sich also auch ein Kaugummi mit Zucker als "zahnpflegend" ausloben. Er hätte dann aber bestimmt bald Post vom Gericht.
Vielleicht hat man nun gemeint, man könnte die Säuren durch das basische Soda abfangen und noch ein Schmirgelpulver wie in Zahncremes rein tun. Doch das Kauen geschieht anders als das Bürsten, der Druck fehlt um mit dem Titandioxid Plague abzutragen.
Zuletzt noch ein Relikt der inzwischen als falsch bewiesenen Wrigley's Werbung: Diese behauptete folgendes: Wenn man gleichzeitig mit dem Kaugummi Calcium aufnimmt ersetzt dieses das durch die Säuren aus dem Schmelz entnommene. Untersuchungen zeigten jedoch das es keinen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang zwischen Kaugummi und Säurebildung gab. D.h. der Abbau dauert so lange, das der Kaugummi inzwischen im anderen Mundwinkel angekommen ist. Zudem ist die Vorstellung ziemlich laienhaft. Versuchen Sie mal auf einen Marmorblock eine Säure und Kalk zu geben und schauen Sie sich das Ergebnis an: Wenn eine Säure ein Calcium Ion aus dem Verband getrennt hat, so kann man diese nicht durch ein anderes ersetzen. Wenn Sie einen Baustein aus einem Haus herausbrechen, können Sie ja auch nicht einfach einen anderen reinlegen und hoffen er hält ohne Mörtel.
Zahnpflegend setzt voraus, das der Kaugummi zumindest kosmetische Wirkung hat - also eigentlich gehört er in die Reihe "Zahnpasta" nicht Süßwaren. Das ist irreführend nach § 17 LMBG. Allerhöchstens zahnschonend dürfte er sich nennen.
Zuletzt noch etwas zu der abführenden Wirkung von Zuckeralkoholen: Im Darm werden diese langsamer als Zucker aufgenommen, die längere Verweilzeit führt mit ihrer Hygroskopischen Eigenschaft, das sie Wasser aufnehmen. Der Darminhalt quillt auf. Bei größeren Mengen kann es so zu Durchfall kommen. Doch die Mengen sind wirklich groß. Die meisten Erwachsene vertragen etwa 100-150 g Zuckeralkohole pro Tag, das entspricht 4-6 dieser Kaugummipäckchen pro Tag, also jenseits von gut und böse. Empfindlicheren Naturen werden Höchstmengen von 20 g Sorbit und 30 g Xylit nahe gelegt. Das entspricht immer noch einem Päckchen Kaugummi pro Tag.
Dieser Text stammt von Bernd LeitenbergerZum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
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