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Kiechle und die Avelino Pfirsiche

Die Werbung

"Nur die guten Avelino Pfirsiche kommen in den Joghurt Grand Frutta von xx" sagt Ignaz Kiechle, ehemaliger Landwirtschaftsminister. Welche edle Marke: Nur auserlesene Walderdbeeren, Pfirsiche, Äpfel etc. werden dort verwendet . Mit gut klingenden Namen, von denen aber der Verbraucher nie vorher was gehört hat. Also sicher etwas ganz auserlesenes...

Die Wirklichkeit

Klar ist das man für die Fruchtjoghurts und andere Milchprodukte Früchte braucht. Das grundlegende Problem ist das es von bestimmten Früchten einfach nicht genug gibt. Ein Hersteller wird wenig Probleme bei Äpfeln, Orangen und Pfirsichen haben - Früchten die es in großer Menge und über eine längere Ernteperiode gibt. Doch jeder Verbraucher weiß, was Erdbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren kosten und wie lange es sie zu kaufen gibt. Wenn es dann auch noch Walderdbeeren oder wilde Heidelbeeren sein sollen, dann wäre ein Joghurt eigentlich nicht bezahlbar.

Bei vielen teureren Früchten besteht die Früchtemischung aus einem kleinen Teil Frucht und dafür einem Aromacocktail. Bei manchen Früchten ist es noch nicht gelungen das Aroma gut zu imitieren, so bei Heidelbeeren, die regelmäßig einen leichten Geschmack nach Blausäure haben. Leider muss nicht deklariert werden woher das Aroma stammt, noch welcher Art es ist. (z.B. Aus Pfirsichen oder aus Schimmelpilzkulturen). Ein weiterer Grund für die Aromatisierung ist, das der Fruchtgeschmack, den der Verbraucher erwartet nicht von dem kleinen Fruchtanteil stammen kann. Wenn man noch die Aromaverluste beim Sterilisieren (der Früchte) berücksichtigt wird klar, das man den Fruchtgeschmack nicht alleine von echten Früchten bekommen kann.

Die gesamte Erdbeerernte der Welt würde nicht ausreichen um nur Milchprodukte mit Erdbeeren zu versorgen. Hier wirkt es besonders dreist wenn ein Hersteller suggeriert, das er nur bestimmte Früchte für seinen Joghurt verwendet, denn in Wirklichkeit dürfte der größte Teil des Fruchtzusatzes aus Dickungsmitteln, Aroma und Farbstoffen bestehen. Eine zweite sehr häufig eingesetzte Möglichkeit ist Fruchtabfälle zu nehmen, die bei der Herstellung anderer Lebensmittel anfallen. So fällt beim Auspressen von Früchten für Saft natürlich ein Presskuchen an, den man restrukturieren kann und dann z.B. als Basis für Eiscreme, Milchprodukte und andere Lebensmittel mit Früchten verwenden kann.

Fazit

Natürlich steht es xx frei Werbung mit Früchten eines bestimmten Anbaugebietes zu machen, es dürften diese auch im Joghurt vorkommen. Aber der Geschmack rührt von Aromen her. Unter dieser Sicht wirkt der Spruch von Kiechle "Eine gute Wahl" nicht sehr glaubwürdig. Mischen sie sich ihre Fruchtjoghurts aus Joghurt Natur und Marmelade selbst! Dann können Sie auch die Süße und Fruchtigkeit selbst abstimmen. Seit 2001 müssen die Fruchtmengen angegeben werden, damit hat der Verbraucher die Möglichkeit selbst nachzusehen wie viel Frucht der Hersteller in den Joghurt tut. Leider ist damit noch nicht gesagt ob es Rückstände von der Saftproduktion oder echt frische, natürliche Ware ist die dazu verwendet wurde.

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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