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Ich verzichte, weil mein Studium nun schon etwas länger zurückliegt auf eine rechtliche Beurteilung, denn die ändert sich. Bleibend ist dagegen die Chemie und Technologie, die wird auch in 100 Jahren noch gelten. Auf diese werde ich mich beschränken.
Bei dem Produkt handelt es sich um eines namhaften Herstellers von Milchprodukten aus dem süddeutschen Raum. Es ist keine Billigmarke. Um Problemen mit dem Hersteller zu begegnen nenne ich jedoch weder Produktname noch Markenname noch Hersteller. Es ist ein Pudding der nach dem Hersteller beworben wird mit
"Pudding Vanille*
* Vanillegeschmack
0,1 % Fett"
"Nur 54 kcal pro 100 g"
gut lesbar auf dem Deckel. Auf dem Becher findet man dann klein gedruckt noch: "Pudding mit Vanillegeschmack diätetisches Lebensmittel mit einer Zuckerart und einem Süßungsmittel zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus im Rahmen eines Diätplans".
Pudding mit Vanillegeschmack diätetisches Lebensmittel mit einer Zuckerart und einem Süßungsmittel zur besonderen Ernährung bei Diabetes mellitus im Rahmen eines Diätplans : Eine interessante Notiz. Der Deckel mit der Betonung der Kalorienangabe und dem Fett wendet sich ja erst einmal an alle Verbraucher die auf das aufgenommene Fett oder die Energie im Lebensmittel achten. Also die große Schar von Leuten die Abnehmen. Für Diabetiker ist Fett kein Problem und die Energie auch nicht, sie müssen aber auf die Kohlenhydrate achten. Davon steht nun wiederum nix auf dem Deckel. Also lieber Hersteller - Für welche Zielgruppe hast Du das Produkt gemacht?
Zutaten: Nun das eigentliche Zutatenverzeichnis. Eingeklammerte Unterzutaten von Lebensmitteln sind in roter Farbe.
entrahmte Milch: Klar um auf 0.1 % Fett zu kommen muss man die Milch entrahmen, sonst wird das nichts. Entrahmte Milch schmeckt dadurch leider nach fast nichts mehr und enthält auch keine fettlöslichen Vitamine mehr. Dafür ist sie viel billiger als normale Milch.
modifizierte Stärke : Normaler Pudding hat die Eigenschaft das die Stärke altert und Wasser abgibt. Modifizierte Stärke hat ein wesentlich besseres Langzeitwasserbindungsvermögen und wird dadurch bei allen Puddings eingesetzt die Tage oder Wochen haltbar sein müssen.
Inulin: Inulin ist ein Polysaccharid, das man aus der Süßkartoffel Topinambur gewinnt. Für das Produkt hier hat es einige sehr wünschenswerte Eigenschaften. Zum einen dickt es den Pudding ein, zum anderen ist es aber nicht zur Energiegewinnung nutzbar, dem Menschen fehlt dafür das Enzym um es zu spalten. (Es wird jedoch von Darmbakterien vergoren und kann so Blähungen verursachen). Also es dickt ein, liefert keine Energie, darüber hinaus ist das Gefühl einer Inulinlösung im Mund anders als bei Stärkelösung, es ist cremiger und ähnelt so mehr Produkten die Fett enthalten.
Fruktose: Oder Fruchtzucker. Das ist die "Zuckerart". Fruktose kommt natürlich in vielen Früchten vor. Es süßt besser als der rohr- und Rübenzucker, daher braucht man nicht so viel davon. Vor allem aber wird es insulinunabhängig abgebaut und beeinflusst so den Insulinspiegel weniger stark.
Stärke: Etwas normale Stärke zum Binden um etwas teures Inulin zu sparen
Aroma: Ja dieser Vanillepudding einer namhaften Firma für 49 ct pro 150 g Becher hat keine echten Vanillebestandteile!
Verdickungsmittel Carrageen): Carrageen ist ein aus Rotalgen gewonnenes Polysaccharid welches schon in der Kälte sehr stabile Gele bildet die hohe Scherkräfte aushalten (das tut Stärke nicht, wesentlich wenn das Produkt geschüttelt wird). Es ist wie Inulin nicht vom Körper verwertbar.
Farbstoff (Titandioxid, Annatto, Beta Carotin): Ehrlich gesagt ich sehe hier Titandioxid zum ersten mal in einem Milchprodukt. Dieses auch als "Titan-Weiß" bekannte Pigment kenne ich sonst nur von Kosmetik. Es ist unverdaulich und ... absolut überflüssig hier, denn der Pudding ist gelb. Wahrscheinlich liefert die Milch nun schon zu wenig Weiß, so dass man kein natürliches Gelb ohne das Pigment hinbekommen hätte. Annatto und Beta Carotin sind Farbstoffe der Carotingruppe, beide natürlichen Ursprungs von orange Farbton. Beta Carotin wird sehr häufig eingesetzt, Annatto eher selten vor allem bei französischem Käse. Man merkt, das der Hersteller inzwischen einem französischem Mutterkonzern angehört.
Speisesalz: Etwas Salz ergibt einen volleren Geschmack
Vanilleschoten: In hömopatischen Dosen, auf jedenfalls weniger als man Farbstoff zugesetzt hat.
Süßstoff: Sucralose : Sucralose ist ein neuer Süßstoff, der durch teilweise Chlorierung von Saccharose entsteht. Er ist 955 mal süßer als Rübenzucker und damit einer der süßesten Stoffe überhaupt und er hat keinen Nachgeschmack wie andere Süßstoffe. Somit wäre er ein idealer Süßstoff, tja wenn er nicht appetitanregend wäre!
| Brennwert | 226 kJ / 54 kcal |
| Eiweiß | 3.3 g |
| Kohlenhydrate davon Zucker |
10 g 6 g |
| Fett davon gesättigte Fettsäuren |
0.1 g <0.1 g |
| Ballaststoffe | 2 g |
| Natrium | 0.05 g |
| BE | 0.8 g |
Nun ja fangen wir an mit dem wichtigsten: Dem Geschmack. Das Produkt schmeckt süß, nicht richtig nach Vanille und ist zwar cremig, aber ein echtes Puddinggefühl kommt nicht auf. Man hat das Gefühl nichts gegessen zu haben und bald darauf habe ich wieder Hunger bekommen. Meiner Meinung nach hat man hier zu viel getrickst um das Produkt energiearm zu machen. 226 KJ - das ist weniger als fettarme Milch an Energie hat, weniger als die Hälfte eines normalen Puddings. Das erreicht man mit Dickungsmitteln die als Ballaststoffe fungieren, fettarmer Milch die man dann mit Titandioxid Weiß färben muss, damit die Farben wieder natürlich sind und Süßstoffen. Geld für echte Vanilleschoten, die man auch geschmacklich erkennen kann blieb da nicht mehr übrig. Ehrlicherweise sagt die Verpackung aber auch, dass der Geschmack von Aromen kommt.
Ich weis nicht wozu das ganze. Für Diabetiker ist es nicht nötig alles Fett aus dem Produkt herauszunehmen und für Menschen die Abnehmen hätte man auch andere Dickungsmittel nehmen können und dann auch richtige Vanille (der normale Verbraucher toleriert anders als der Diabetiker, der keine andere Wahl hat keinerlei geschmackliche Einbußen bei light Produkten.
Also wenn sie schon einen Pudding dieser Marke O****l kaufen, dann nehmen sie die Schoko Variante. diese hat zwar 5 KJ pro 100 g mehr, aber enthält dafür echtes Kakaopulver (und mit Aspartam, Natriumcyclamat und Acesulfam-K auch andere Süßstoffe). Das schmeckt wirklich nach Schoko, auch wenn durch das fehlende Fett seltsam anders und unabgerundet, aber um einiges besser als die Vanille Variante.
Ansonsten würde es meiner Meinung nach ausreichen, bei einem normalen Pudding einfach den zugesetzten Zucker durch Süßstoff zu ersetzen. Alleine dadurch entfallen mehr als ein Drittel der Energie und man hat trotzdem ein wohlschmeckendes Produkt. Dafür kann man es dann auch zum regulären Preis anbieten - 49 ct für eine 150 g Version ist nicht gerade preiswert.
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
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