| Home | Site Map | Lebensmittelchemie und Ernährung | Lebensmittelrecht, Studium Lebesnmittelchemie |
Inzwischen haben Lebensmittelchemiker ein besseres Renommee in der Öffentlichkeit. Lange Zeit hielt sich das Vorurteil, die Lebensmittelchemiker wären die Giftköche, die dem Verbraucher neue Lebensmittel aus Abfällen bescheren - nichts könnte falscher sein. Dieser Aufsatz soll einmal die Berufe kurz vorstellen die mit den Lebensmittelherstellung, ihrer Analyse und den Folgen beim Verbraucher zu tun haben. Der Schwerpunkt liegt auf den Berufen mit verantwortlicher Stellung. Es tauchen also keine Lebensmittelkontrolleure, Polizisten und Fabrikarbeiter auf.
Allerdings wird der Leser staunen, wie viele verschiedene Jobs es gibt, die mit Ernährung und den zahlreichen Lebensmitteln zu tun haben. Denn wenn man an Essen und Beruf denkt, fallen einem zunächst einmal der Koch oder die verschiedenen Lebensmittelverkäufer ein. Daneben existieren jedoch noch weitere interessante und abwechslungsreiche Arbeitsgebiete, die meistens vergessen werden (und ich habe dabei längst noch nicht alle aufgezählt).
Den Schluss bildet ein Ausblick wie die Lebensmittelüberwachung funktioniert, und was Sie machen sollten, wenn sie meinen ein Lebensmittel wäre nicht in Ordnung.
Der Lebensmittelchemiker ist wie der Name schon sagt ein Chemiker, der sich mit Lebensmitteln beschäftigt. Allerdings nicht nur, denn er sollte sich auch mit Wasser (Trink- und Abwasser), Kosmetika und Bedarfsgegenständen, das sind vor allem Dinge die mit Lebensmittel in Berührung kommen wie Verpackungen, aber auch Kleidung und Spielzeug, auskennen. Der Lebensmittelchemiker beschäftigt sich mit der Analytik, d.h. der Zusammensetzung der Lebensmittel und Methoden ihre Zusammensetzung zu bestimmen. Er baut nicht aus irgendwelchen Mixturen neue Lebensmittel. Aufgrund seiner analytischen Kenntnisse findet der Lebensmittel auch Anstellung in Analytiklabors, wenn er als Lebensmittelchemiker keine Arbeit findet.
Neben den Kenntnissen über die Analytik benötigt der Lebensmittelchemiker aber auch andere Kenntnisse, wie z.B. was in den Lebensmitteln drin sein sollte und vor allem Rechtskenntnisse, denn der Lebensmittelchemiker muss als vereidigter Sachverständiger dem Gericht bei der Beurteilung von Verstößen Hilfe leisten. Dazu gehören Kenntnisse in Ernährungslehre um die Fantasieaussagen der Hersteller zu widerlegen, Kenntnisse in Mikrobiologie, Lebensmitteltechnologie und Botanik. Von allen hier vorgestellten Berufen hat der Lebensmittelchemiker daher das breiteste Wissensgebiet.
Leider finden sich in den Firmen immer weniger Lebensmittelchemiker, weshalb wir es auch mit einer steigenden Anzahl von rechtswidrigem Werbungen und Verstößen gegen das LMBG zu tun haben. Da allerdings auch der Staat weniger Personal einstellt, werden Verstöße nicht immer geahndet.
Auch hier sagt der Name die Berufung:
Es ist ein Techniker der sich darum kümmert Lebensmittel herzustellen, entweder die Herstellung
zu verbessern, oder billiger zu machen oder als Krönung aus Abfällen neue Lebensmittel zu machen.
Dazu gehören vor allem technische Kenntnisse von den Maschinen die in der Nahrungsmittelindustrie
eingesetzt werden. Aber auch Kenntnisse der Lebensmittel, damit man weis wie man Zutaten einer
Suppe durch Einsatz von Zusatzstoffen einsparen kann. Lebensmitteltechnologen sind daher bei
Lebensmittelchemikern sehr beliebt, denn mangels Rechtskenntnissen komponieren
Lebensmitteltechnologen so manches Lebensmittel ohne Sinn und Verstand zusammen.
In der Industrie ist der Technologe aber gern gesehen, spart er doch Kosten oder bringt Geld durch neue kreative Produkte herein, während man gerne an der Kontrollinstanz Lebensmittelchemiker spart. Die Folge sind dann Lebensmittel mit unnötig vielen Zusatzstoffen. Einem Tatbestand der rechtlich in Ordnung ist jedoch nicht sein muss. Meine Was ist drin Seite liefert hier einige krasse Beispiele.
Eigentlich sollten Lebensmittel auch der Ernährung dienen und so zusammengesetzt sein, das sie diesem Ziel gerecht werden. Doch nur wenige Firmen leisten sich Ernährungswissenschaftler. Deren Kenntnisse über die menschliche Ernährung, die Biochemie und Medizin setzen sie vor allem bei der Zusammenstellung von Diäten in Krankenhäusern und Pflegeheimen oder bei der Beratung (Schule, öffentliche Beratungsstellen) unter Beweis. Ein Ökotrophologe (so die Fachbezeichnung) hat seine Wurzeln mehr in der Medizin. Er beschäftigt also mehr damit wie man Menschen sinnvoll ernährt, vor allem wenn sie ernährungsabhängige Krankheiten haben.
Abgegrenzt von der normalen Lebensmittelüberwachung sind zwei Spezialgebiete: Tierärzte sind für die Fleischbeschau zuständig und beurteilen zusammen mit den Lebensmittelchemikern auch Fleischprodukte. Mikrobiologen sind für alles zuständig was mit Mikroben zu tun hat z.B. der Nachweis von Krankheitserregern in Wasser und Lebensmitteln.
Tja was haben die mit Lebensmitteln zu tun? Nun die meisten Personen mit Problemen mit lebensmittelabhängigen Krankheiten kommen zum Arzt. Dem fehlt jedoch meist die spezifische Ausbildung. Ärzte von den Landesgesundheitsämtern werden auch hinzugezogen, wenn schwerere mikrobielle Vergiftungen durch Lebensmittel auftreten.
Besonders beliebt sind die Rechtsanwälte - Insbesondere die, welche von Chemie keine Ahnung haben, aber davon wie man Vorschriften des LMBG haarscharf umgeht. Solchen begegnet der Lebensmittelchemiker vor Gericht, dann ist er gefragt die Sachverhalte mal so zu erläutern das auch diese Personengruppe sie versteht.
Nun es gibt zwar länderspezifische Unterschiede (die Überwachung ist Aufgabe der Bundesländer), aber es gibt drei Säulen:
Auch wenn die meisten Vorfälle bei Nachprüfung negativ enden, da es ja auch zahlreiche Nahrungsmittelunverträglichkeiten, empfindliche Mägen etc. gibt, ist die Überwachung auch auf die Mitwirkung der Bevölkerung angewiesen!
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
| Sitemap | Kontakt | Neues | Das Buch zu Lebensmittelkennzeichnung | Buchempfehlungen |
|