Was ist drin... in Maltesers?
Einleitung
Es gibt immer wieder neue Lebensmittel. So auch hier: Äußerlich handelt
es sich um kleine Schokoladenkügelchen und man vermutet wohl eine Nuss darin, doch in
Wirklichkeit versteckt sich darin eine aufgeschäumte Keksfüllung, die nach Malz schmeckt. Der
Hersteller hat sich Mühe gegeben den Verbraucher wirklich Nicht über die
Zutaten aufzuklären, denn das Zutatenverzeichnis steht in winziger Schrift, mehrsprachig in
GROSSBUCHSTABEN gedruckt in Weiß auf Rot. Vielleicht sollte der Hersteller mal einen Blick in §3
Abs. 3 LMKV werfen:
"Die Angaben müssen an gut sichtbarer Stelle, deutlich lesbar angebracht werden"
oder
noch besser einen Lebensmittelchemiker anstellen, der etwas davon versteht. Damit Sie auch
verstehen, was ich meine habe ich die Angaben auch mal in dieser Form übernommen
Zutatenliste
- MALZFÜLLUNG (24%) Die Gehaltsangabe in Prozent ist nach Neufassung
der LMKV vorgeschrieben, aber warten wir mal, ab wie man Malzfüllung auch auslegen kann.
- MITMILCHSCHOKOLADENÜBERZUG: Ja Leerzeichen brauchen Platz, denn
kann man doch sparen oder? Wenn der Verbraucher schon aus einem "D" (Vierte der sieben
Zutatenlisten auf einem Platz von 2,7 × 14 cm!) entnehmen kann dass nun die deutsche
Zutatenliste kommt dann kann er auch selbst die Leerzeichen einsetzen.
- ZUTATEN: Was denn jetzt erst die Zutaten? Warum dann die Vorrede
mit der Malzfüllung und dem Überzug, die gehören eigentlich in die Zutatenliste hinein!
- ZUCKER: Ach ja es heißt ja Süßwaren...
- MAGERMILCHPULVER: Bestandteil der "Schokolade", sofern man das nach
den folgenden Zutaten noch so nennen darf...
- KAKAOBUTTER: Ergibt mit obigen Zutaten so etwas ähnliches wie weiße
Schokolade, es stimmen nur nicht die Verhältnisse.
- GLUCOSESIRUP: Verhindert das Auskristallisieren von Zucker und das
Austrocknen (ist hygroskopisch)
- MALZEXTRAKT: Nun erst kommt der Malzextrakt und nun weiß man auch
warum hier nicht × % stehen sondern vorne bei der Angabe der Füllung vor dem
Zutatenverzeichnis: Da das Zutatenverzeichnis in absteigender Reihenfolge zu lesen ist muss der
Anteil am Gesamtprodukt unter 20 % bei der fünften Position sein. Bezieht man aber die Angabe
nicht auf den Malzextrakt sondern nur auf die Innenfüllung so sind es 24 %, die man dann vor
das Zutatenverzeichnis ziehen muss. Das konterkariert aber den Sinn der EU Reform der LMKV,
denn nun ist keinerlei Aussage mehr über den Malzanteil mehr möglich. Man weiß nur das die
Schokobällchen zu 76 % aus Überzug und 24 % aus Füllung bestehen!
- KAKAOMASSE: Nun kommt noch die Farbe in die Schokolade....
- GEHÄRTETES PFLANZENFETT: Ist preiswerter als Kakaobutter und daher
immer gerne mit drin, erhöht auch den Schmelzpunkt, so das die Kugeln in den Fingern nicht so
leicht schmelzen
- LAKTOSE: Rundet den Geschmack ab ohne die Süßkraft allzu sehr zu
erhöhen
- ENTSALZENES MOLKENPULVER: Fällt bei der Herstellung zahlreicher
Milchprodukte an, und wird gerne in vielen Produkten verarbeitet. Salz darf bei einem süßen
Produkt natürlich nicht mit drin sein.
- BUTERREINFETT: Entwässerte Butter - erheblich preiswerter und
haltbarer als frische, daher gerne verwendet wenn ein Buttergeschmack mit in das Produkt
soll.
- WEIZENMEHL: Interessant: Die Füllung die einen Eindruck von Keks
hinterlässt, kommt fast ohne Mehl aus
- EMULGATOREN (E442, LECITHIN). Wissen Sie was E442 ist? Nein? Ich
muss auch immer nachschlagen: E442 sind Ammoniumsalze von Phosphatidsäuren, also eigentlich ist
Lecithin doppelt deklariert, denn das ist eine Phosphatidsäure. Emulgatoren sind notwendig wenn
wie hier Fett- und Wasserlösliche Bestandteile vorliegen. Phosphatidsäuren sind natürliche
Stoffe wie Lecithin, Kephalin oder Sphingosin.
- GELIERMITTEL PEKTIN: Wozu muss man bitte eine Füllung gelieren die
strohtrocken ist? Noch dazu mit einem Dickungsmittel, welches sonst nur in Marmeladen und
Fruchtgummis Anwendung findet? Wahrscheinlich ist Pektin ein Stabilisator des Malzextraktes,
aber dann hätte die Angabe entfallen können. Ansonsten ein weiteres Beispiel für eine Zutat die
in einem Schokoerzeugnis nichts zu tun hat.
- BACKTRIEBMITTEL(NATRIUMHYDROGENCARBONAT) ... Oder
Backpulver für normale Menschen
- AROMA: Der Malzgeschmack alleine reicht wohl nicht?
- MILCHSCHOKOLADE ENTHÄLT PFLANZENFETT: Ja, aber kein zugesetztes wie
in diesem Kunstprodukt sondern natürliches aus der Kakaobutter oder durch Sahne/Milchzusatz:
Pflanzenfett finden wir sonst nur bei Überzugsschokolade wie Kuvertüre.
Fazit
Zählt der Geschmack? Ja und der ist auch in Ordnung. Doch das Zutatenverzeichnis
ist keine Pflichtübung, die man am besten so absolviert das man es kaum lesen kann und es
unübersichtlich ist. Es ist eine wichtige Informationsquelle für den Verbraucher, die der
Hersteller durch die Gestaltung (unleserlich) und die Vermischung von vorgeschriebenen Angaben
mit Hinweisen bewusst unbrauchbar gemacht hat. Die Produktkennzeichnung verletzt einwandfrei
mehrere Paragraphen der LMKV und die Beziehung des Anteils wertgebender Zutaten auf die gesamte
Füllung, und nicht den Malzanteil nähert sich bedrohlich den Vorschriften von §17 LMBG zum Schutz
des Verbrauchers vor Täuschung.
Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger
Bücher vom Autor
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein
Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur
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