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Die "Gute Milch" in der Schokolade

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Die Werbung

Schon seit langem gibt es die Schokolade für Kinder - mit dem "Besten aus der Milch". Doch in den letzten Jahren nimmt die Anzahl dieser  speziellen Kinde" Produkte  zu. Geworben wird immer damit, das die Produkte durch die Milch gesünder sind. Es sollen nun auch Erwachsene anstatt Kinder angesprochen werden.

Die Wirklichkeit

Zuerst sollte man sich mal überlegen, was in der normalen Milch denn so wertvolles steckt. Milch ist in erster Linie ein Nahrungsmittel und kein Getränk. (Der Energiegehalt ist doppelt so hoch wie bei Obstsäften oder Bier und entspricht dem von Wein). Es ist zuerst das Milcheiweiß welches in größerer Menge vorkommt, dann von den Mineralstoffen das Calcium, für welches Milchprodukte die wichtigste Nahrungsquelle sind. Von den Vitaminen finden sich Vitamin B12 und B2 in nennenswerten Mengen in der Milch. Der Milchzucker ist dagegen kein so bekömmliches Kohlenhydrat - 10 % der Bevölkerung können ihn nicht verdauen und bekommen dann Blähungen. Auch die Zusammensetzung des Milchfettes ist nicht sehr günstig. Es enthält relativ wenige essentielle Fettsäuren.

Doch wie sieht es aus wenn Milch in die Schokolade kommt? Nun zu allererst sollte man wissen was eingesetzt wird: Es ist nicht Milch sondern Magermilchpulver oder Vollmilchpulver. Das hat keine Auswirkungen auf das Calcium oder Protein, aber Vitamine werden beim Trocknen teilweise zerstört.

In die Schokolade kommen aber neben diesem Milchpulver noch Zucker (sollte süß schmecken), und Fett wie Sahnepulver oder Kakaobutter (sollte schmelzen), so das der Anteil an Milchpulver gar nicht so hoch ist. Leider bleiben die Hersteller dieser Produkte Gesamtanalysen schuldig sondern veröffentlichen nur Teilauszüge. So schreibt ein Hersteller auf seine Packung:

"xx Schokolade enthält pro 100 g (Prozent des Tagesbedarfs)

Vitamin B1

0.55 mg (34 %)

Vitamin B2

1.3 mg (23 %)

Vitamin B12

0.88 µg (18 %)

Calcium

323 mg (40 %).

Nun was ist davon zu halten? Zum einen muss man auch schreiben, das 100 g Schokolade 2300 KJ Energie haben, das sind auch 25 % des Tagesbedarfs eines Erwachsenen, bei Kindern noch mehr. Auch ist ein Fehler drin: Was als Vitamin B2 (Riboflavin) angegeben ist muss von der Menge her Niacin (15-18 mg pro Tag) oder wahrscheinlicher Pantothensäure (8 mg/Tag) sein. Zum anderen sollte man es mit normaler Milchschokolade vergleichen, die auch schon Milch enthält:

Vitamin B1

0.11 mg

Niacin

0.47 mg

Pantothensäure

0.9 mg

Calcium

215 mg.

Man kann sehr leicht erkennen, dass das Produkt vitaminisiert sein muss. Warum? Nun das Calcium ist ein guter Indikator für den Milchanteil, denn Kakao enthält fast kein Calcium. Aber die anderen Werte steigen nicht proportional mit sondern überproportional. Da der Vitamingehalt von Milchpulver gering ist und besonders das Vitamin B1 weder in Milch noch in Kakao häufig vorkommt kann man das leicht ableiten. Oder wie sonst könnte der Calciumgehalt um 50 %, aber der B1 Gehalt um 500 % steigen. Der Gehalt an Vitamin B1 ist sogar höher als in reinem Magermilchpulver (0.27 mg). Zugesetzte Vitamine müssten aber deklariert werden: Wo ist die Deklaration?

Wenn man aber mit Gesundheit wegen der Milch wirbt, sollte die auch aus der Milch kommen, denn vitaminisierte Produkte gibt es jede Menge. Die meisten haben mehr Vitamine und weniger Energie als so genannte "Kinderprodukte". Es bleibt das Calcium. Doch im Vergleich zur Energiemenge ist es nicht viel. Ein Liter Mineralwasser enthält mehr Calcium. Auch zahlreiche Milchprodukte wie Joghurt, Käse haben mehr Calcium im Vergleich zur Energie. Selbst wenn man die gesüßten Fruchtjoghurt als Vergleich nimmt, schneidet die Schokolade schlecht ab.

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Milchschokolade oder Bitter ?

Worauf die Firma baut ist, dass man Jahrzehnte lang Müttern beigebracht hat, Kinder sollten viel Milch trinken. Das stammt noch aus Zeiten als Kinder oft Rachitis hatten durch Kalzium, Vitamin D und Lichtmangel. Mit Milchspeisungen an den Schulen konnte diese Mangelkrankheit verdrängt werden. Nun ist Milch natürlich auch so gesund, aber auch energiereich. Lässt man das das Wasser weg, so besteht Vollmilchpulver aus 25.2 % Eiweiß, aber auch 26.2 % Fett (vor allem biologisch nicht sehr wertvolle gesättigte Fettsäuren) und 35.1 % Kohlenhydrate, fast ausschließlich Milchzucker. So stellt sich die Frage ob es eigentlich so gesund ist viel Milch in die Schokolade zu packen. Leider gibt es keine Vollanalyse der Kinderprodukte und auch auf der Website findet man keine weitergehenden Informationen. Aber man kann Bitterschokolade und Vollmilchschokolade vergleichen:

Inhaltsstoff Bitterschokolade % Tagesbedarf Vollmilchschokolade % Tagesbedarf
Energie 2029 kJ 20.3 % 2239 kJ 22.4 %
Eiweiß 5.3 g 6.1 % 9.2 g 10.5 %
Fett 30 g 38.2 % 31.5 g 40.1 %
Kohlenhydrate 47 g 14.7 % 54.1 g 16.9 %
Ballaststoffe 15.6 g
Saccharose 47 g 44.6 g
Lactose 0 g 9.5 g
Kalium 395 mg 11.3 % 470 mg 13.4 %
Magnesium 100 mg 28.6 % 85 mg 24.3 %
Calcium 65 mg 8.1 % 215 mg 26.9 %
Eisen 3.2 mg 26.6 % 2.3 mg 19.2 %
Kupfer 2.0 mg 66.6 % 0.8 mg 26.6 %
Zink 2.0 mg 13.3 % 1.1 mg 7.3 %
Fluorid 0.05 mg 5 % 0.05 mg 5 %
Vit. B1 0.04 mg 2.35 % 0.11 mg 6.8 %
Vit. B2 0.13 g 8.1 % 0.37 mg 23.1 %
Niacin 0.86 mg 7.0 % 0.46 mg 3.7 %
Pantothensäure 0.35 mg 4.3 % 0.9 mg 11.2 %

Tagesbedarf: 10000 kJ (Mann, 70 kg, leichte Arbeit), 15 % der Energie in Form von Eiweiß, 30 % als Fett, 55 % als Kohlenhydrate. Ich habe Vitamine und Mineralstoffe die in keiner der beiden Schokoladen in nennenswerter Menge vorkommen weggelassen.

Wie ist es zu beurteilen ? Von den Hauptbestandteilen her schneidet Milchschokolade schlechter ab: Sie ist fettreicher, energiereicher und zuckerreicher. Der etwas größere Eiweißgehalt ist bei dem hohen Energiegehalt vernachlässigbar. Die Ballaststoffe in der Bitter Schokolade spielen nur eine Rolle bei der Energiebilanz, sie sind aber zu fein gemahlen um verdauungsfördernd zu wirken.

Bei den Mengenmineralstoffen gibt es keine großen Unterschiede. Milchschokolade weist etwas mehr Calcium auf, doch es gibt andere gute Calciumquellen ohne so viel Zucker. Dagegen punktet die Bitterschokolade bei den Spurenelementen, insbesondere durch den hohen Eisengehalt. Der Eisenbedarf ist bei Kindern kritisch und auch bei Erwachsenen oft nicht voll gedeckt.

Vitamin enthält die Milchschokolade etwas mehr, aber bis auf den Vitamin B2 Gehalt sind die Mengen trotzdem noch sehr gering. Vor allem aber ist ja Kinderschokolade nicht das einzige vitaminisierte Produkt auf dem Markt. Selbst wer nicht gerade wegen Vitaminen bestimmte Produkte kauft kann sich Vitaminen kaum entziehen. Es gibt keine Frühstücksflocken ohne Vitamine, und auch in Säften, Erfrischungsgetränken und Süßigkeiten werden sie zugesetzt. Bestimmt haben die Kinder keinen Vitaminmangel wenn sie so verköstigt werden. Dagegen reduziert das zugesetzte Milchpulver den Gehalt an wertvollen Spurenelementen. Selbst die Stoffe in der Schokolade die beruhigend wirken (Amine und niedere Aminosäuren wie Phenylalanin und Serotonin) sind nur in geringerer Menge vorhanden. So gesehen ist Bitterschokolade zwar nicht so süß, aber gesünder. Was noch wichtiger ist: Bitterschokolade sättigt. Kinder können ohne Problem eine Tafel Kinderschokolade essen, da der hohe Zuckeranteil den Insulinspiegel in die Höhe treibt und so Hunger entsteht. Bitterschokolade ist dagegen nicht so süß, sättigt durch die Ballaststoffe etwas mehr und wirkt beruhigend. Nach 2 Rippchen ist der Appetit gesättigt.

Es gibt also ernährungsphysiologisch keinen Grund warum Produkte für Kinder große Mengen an Milch enthalten sollen. Wenn ein Hersteller aber viel Schokolade absetzten will, so sollte er diese möglichst süß machen und den teuren, aber sättigenden Kakaoanteil senken. (Obgleich Kinderriegel teurer als normale Schokolade verkauft werden, ist deren Herstellung preiswerter, denn Kakao ist teuer, Milchpulver dank des EU Milchsees spottbillig).


Gesunde Süßigkeiten ?

In den letzten Jahren findet man immer mehr und immer aufdringlichere Werbung für spezielle "Kinder" Produkte die angeblich gesund sein sollen. Seien es nun Schokoriegel, Bonbons oder Fruchtjogurt oder andere Produkte. Im wesentlichen versucht man damit das Gewissen der Eltern zu beruhigen, die natürlich wissen, dass Süßigkeiten nur in kleinen Mengen konsumiert werden sollen.

Eine Süßigkeit sollte man nur in geringen Mengen zu sich nehmen, weil sie viele leere Kalorien, viel Zucker und wenig wichtige Nährstoffe wie Ballaststoffe und Mineralien enthält. Viele Produkte sind auch recht fetthaltig. Diese Nachteile kann man nicht beheben indem man das Produkt vitaminisiert oder eiweißhaltiges Molke oder Magermilchpulver zumischt. Oftmals sind "Kinder" Produkte sogar noch erheblich süßer als Produkte für Erwachsene (die Milchschokolade die hier erwähnt wird macht hier keine Ausnahme).

Auch diese Kinderprodukte kann man also nicht als gesund bezeichnen. Vielmehr sind sie wegen des hohen Zuckergehaltes sogar schädlicher als normale Produkte, da sie Kinder an einen sehr hohen Zuckergehalt gewöhnen. Es ist seit langem bekannt, dass in der Jugend das spätere Essverhalten geprägt wird. Nicht nur wie und wann man isst, sondern vor allem auch was man isst. Nun ist es aber bekannt, dass Obst und Gemüse, dass man bevorzugt essen sollte bei Kindern nicht sehr hoch im Kurs steht (vor allem das Gemüse). Hier kann es durchaus sinnvoll sein Süßigkeiten einzusetzen und zwar genauso wie bei Erwachsenen: Als Ergänzung der Ernährung. Dies kann in Form einer Belohnung geschehen: "Wenn Du deinen Spinat aufisst gibt es auch einen Riegel Schokolade". Ansonsten gilt auch für Kinder: Süßigkeiten sind die Spitze der Nahrungspyramide und in kleinen Mengen zu verzehren - egal ob "Kinder" oder normales Produkt.

Die Gewöhnung an hohe Zuckermengen ist ein anderes Problem, das leider auch durch viel zu süße andere Produkte wie Tees oder Limonaden gefördert wird. Man sollte hier selbst probieren und dann verdünnen. Getränke mit Wasser, Fruchtjogurts mit normalen Jogurts (oder selbst aus Marmelade und Jogurt mischen). Bei Schokolade kann man auf Zartbitter oder Halbbitter ausweichen. Wie bei anderen Fragen der Erziehung werden diese Maßnahmen nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen und machen Mehrarbeit.

Fazit

Mag sein, das die Schokoladen mit der "wertvollen" Milch das Gewissen der Eltern beruhigen (genauso wie die Vitamin in Bonbons). Gesünder als normale Schokolade sind sie nicht. Es ist in jedem Fall ein Produkt das sehr energiereich ist, viel Fett und Zucker enthält und eine Süßigkeit. Als solche sollte man davon wenig essen, so das selbst ein höherer Gehalt an Calcium oder Vitaminen (die bei anderen Produkten eben nicht zugesetzt werden), nur einen geringen Einfluss auf den Tagesbedarf hat.

Wenn Sie ihrem Kind etwas gutes tun wollen, dann geben Sie ihm Milch - aber bitte richtige Milch, kein Milchgetränk oder Kakaogetränk, weil dort sehr viel Zucker enthalten ist. Wenn Sie einen Kakao selbst machen - Das geht auch mit Süßstoff und entöltem Kakaopulver. Allerdings ist es sehr schwer den Kakao in der Milch zu dispergieren, das macht sonst der Zucker.

Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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