Home Site Map Lebensmittelchemie und Ernährung Was ist drin ? counter

Was ist drin... in Mineralwasser xy

Heute dreht sich alles mehr um die Dinge die man beim Mineralwasserkauf beachten sollte, und weniger um die Zusammensetzung einer Marke. Da Mineralwasser so gut wie nichts zugesetzt werden kann, wäre eine Zutatenliste hier auch sinnlos.

Unterschiede Mineralwasser, Heilwasser, Quellwasser, Tafelwasser

Mineralwasser

muss zwei Eigenschaften aufweisen: Zum einen muss es aus unterirdischen Quellen stammen und von ursprünglicher Reinheit sein, und zum anderen musste es mindestens 1 g gelöste Mineralstoffe im Liter Wasser enthalten. (Leider wurde diese Bestimmung durch die EU gekippt um ausländische Mineralwässer nicht zu benachteiligen die meist wenig Mineralstoffe enthalten). Hier muss dann aber die Wirkung belegt worden sein. Dabei ist die letzte Bedingung ist das eigentlich wichtige am Mineralwasser: Sein Mineralstoffgehalt. Für deutsche Mineralwässer gilt die 1000 mg/l Grenze noch, bei ausländischem Mineralwasser reicht es wenn dieses in dem entsprechenden EU Land anerkannt ist.

Heilwässer

Dies sind Wässer mit einer belegten medizinischen Wirkung. Bei höherem Mineralstoffgehalt ist dies relativ leicht nachzuweisen, da größere Mineralstoffmengen Einfluss auf die Verdauung haben. Daneben gibt es noch eine kleine Gruppe von Wässern mit besonderer Zusammensetzung wie z.B. hohem Jodgehalt. Es ist durchaus üblich das ein und dasselbe Wasser einmal als Heilwasser und einmal als Mineralwasser (dann zumeist mit Kohlensäure versetzt) verkauft wird.

Quellwasser

sind selten im Handel anzutreffen. Es ist vereinfacht gesagt Mineralwasser, das nicht auf den Mindestgehalt von 1 g/l Mineralstoffe kommt, z.B. weil es aus einem Gebirge mit Granitgestein stammt, dann enthält es so gut wie keine gelösten Mineralstoffe. Dies trifft z.B. für eine Reihe von ausländischen Mineralwässern zu, für die derzeit viel Werbung gemacht wird. Nach der Novelle der Mineralwasserverordnung dürfte es bei uns kaum noch Quellwasser gaben, da fast alles als Mineralwasser verkauft werden kann.

Tafelwässer

sind ebenso wie Fruchtnektare nicht etwas besseres als Mineralwasser und für die Tafel bestimmt, sondern nur abgefülltes Leitungswasser mit Kohlensäure. Bezüglich der Reinheit an Schadstoffen müssen Sie sogar niedrigeren Ansprüchen genügen. Hier dürfen auch Mineralien zugesetzt werden.

Die Mineralstoffe

Die Zusammensetzung eines jeden Mineralwassers ist einmalig und wird bestimmt durch den Untergrund den es durchwandern muss. Prinzipiell unterscheidet man zwei Gruppen von gelösten Stoffen:

Anionen

sind die elektrisch negativ geladenen Teile. Der Körper benötigt nur selten Stoffe aus dieser Gruppe, eine Ausnahme sind Jod und Fluorid. Diese Stoffe können aber den Geschmack des Wassers entscheidend prägen.

Hydrogencarbonat (HCO3-)

ist das meist vorkommende Anion in Mineralwassern aus Kalkgebirgen, es stammt vom Kalk und wird im Magen zu Kohlensäure umgewandelt. Hydrogencarbonat reiche Wässer mildern die Magensäure und können sinnvoll bei Personen mit zu hoher Säureproduktion sein, ansonsten helfen Sie aufzustoßen.

Sulfat (SO42-)

ist bei Hydrogencarbonat armen Wässern das Gegenion zu Calcium und Magnesium. (Gegenion: da Calcium und Magnesium positiv geladen sind, liegen sie in der Natur nur in Verbindungen vor bei denen der zweite Part, das Gegenion, mit seiner negativen Ladung die positive Landung ausgleicht). Sulfat selbst schmeckt etwas bitter und daher werden solche Mineralwässer oft mit Kohlensäure versetzt. Größere Mengen an Sulfat wirken laxierend (abführend) und fördern so die Verdauung.

Chlorid (Cl-)

wird bei uns nur selten im Wasser gefunden, und hat physiologisch in den vorliegenden Mengen keine Bedeutung. In weitaus größeren Mengen ist es zusammen mit Natrium in Kochsalz enthalten. Kochsalz besteht zu 60% aus Chlorid und 40% aus Natrium.

Nitrat (NO3-)

ist ein typischer Schadstoff, der vor allem aus der Landwirtschaft stammt. Es gibt einen Grenzwert von max. 25 mg/l, der aber deutlich unterschritten sein sollte. Nitratreiches Wasser ist Insbesondere für die Säuglings- und Kleinkinderernährung nicht geeignet. Ich persönlich würde kein Wasser mit mehr als 10 mg Nitrat/l kaufen.

Nitrit (NO2-)

ist als Schadstoff ein Abbauprodukt des Nitrats und noch gefährlicher. Zusammen mit Lebensmitteln bildet es gerne die krebserregenden Nitrosamine (mehr dazu auf meinem Aufsatz über Nitrat, Nitrit und Nitrosamine). Auch hier gilt - in noch verstärktem Maße -, das solches Wasser nach Möglichkeit nicht für die Säuglingsernährung verwendet werden sollte. Nitrit verrät das Wasser im Untergrund verändert wurde, denn es entsteht aus Nitrat, z.B. wenn Bakterien Sauerstoff benötigen und im Wasser keiner mehr vorhanden ist.

Fluorid (F-)

ist dagegen ein Element das der Körper zur Härtung von Zähnen und Knochen braucht. Leider ist die therapeutische Spannbreite von Fluorid sehr gering. 1-2 mg am Tag sind ideal, aber schon bei 5 mg am Tag fangen die schädlichen Wirkungen an. Daher muss an sehr fluoridreichen Wässern ein Warnhinweis ab 5 mg/l und ein Hinweis ab 1.5 mg/l angebracht werden. Die meisten Mineralwässer liegen aber darunter und ergänzen durch ihren Fluorgehalt die Nahrung sinnvoll.

Kationen

sind die positiv geladenen Teilchen im Wasser. Es sind dies Metallionen die im Wasser gelöst sind.

Calcium (Ca 2+)

ist in unseren Breiten das wichtigste Kation. Der Körper braucht zirka 800 mg Calcium am Tag und einen guten Teil davon kann man durch Mineralwässer decken. Allerdings unterscheiden sich hier auch die Mineralwässer sehr stark. So findet man in der Nähe von Kalkgebirgen wie im Süddeutschen Raum, Mineralwasser mit Gehalten von bis zu 600 mg/l, während auf den Basalt- und granitreichen Böden im Norden eher calciumarme Mineralwasser (<150 mg/l) zu finden sind. Schon wegen diesem Mineralstoff lohnt sich also ein Blick aufs Etikett. Calcium braucht der Körper zur Bildung der Knochen.

Magnesium (Mg 2+)

kommt meist zusammen mit dem Calcium vor. Calciumreiche Mineralwässer enthalten auch größere Mengen an Magnesium. Ausnahme sind Wässer aus Dolomitgestein, dort ist der Magnesiumanteil höher. Magnesium ist im Körper für zahlreiche Enzyme notwendig und zudem für die Erregungsleitung bei Nerven. Eine ausreichende Magnesiumversorgung ist Insbesondere bei Personen mit Herzschwäche wichtig. Der tägliche Bedarf beträgt 300 mg und kann durch magnesiumreiche Getränke (bis über 200 mg/l) gut gedeckt werden.

Natrium (Na +)

sollte in nicht zu großen Mengen vorkommen. Es gibt allerdings einige Quellen in denen tatsächlich größere Mengen an Natrium vorkommen. Natrium ist der Hauptbestandteil von Kochsalz und so schon genügend in der Nahrung. Ich habe allerdings festgestellt das manche Personen den leichten Salzgeschmack des Wassers lieben und auf ihr natriumreiches Wasser schwören (das sonst keine Mineralstoffe enthielt). Manche Wässer wurden auch mit Natriumchlorid zur Geschmacksverbesserung versetzt. Das ist bei Tafelwässern erlaubt, nicht jedoch bei Quell- und Mineralwässern.

Kalium (K +)

ist ebenfalls selten im Untergrund zu finden, im Gegensatz zu Natrium wird es aber eher zu wenig aufgenommen und daher in Wasser erwünscht. Es gibt aber fast keine Kaliumreichen Quellen, da dieses Ion im Boden fest gebunden wird. Es ist im Körper Gegenion zum Natrium und sorgt wie das Magnesium auch für Enzyme und die Nervenleitung.

Lithium (Li+)

ist weder für den Körper noch für das Wasser wichtig. Es ist aber in fast allen Wässern in kleiner Menge zu finden.

Eisen (Fe2+/3+)

ist an und für sich wichtig für den Körper, die meisten Menschen nehmen zu wenig davon auf. Eisen ist Bestandteil des Blutfarbstoffes. Das Dumme ist nur, das Eisen im Gegensatz zu allen bisherigen Stoffen nicht farblos ist. Eisen aus dem Untergrund ist zuerst hellgrün, bei Kontakt mit Sauerstoff oxidiert es aber zu dem was der Laie "Rost" nennt und bildet eine trübe, orangene Lösung. Daher wird das Eisen aus den meisten Mineralwässern entzogen. Zudem schmeckt es nicht besonders gut: Bitter, säuerlich-hart. Die meisten Mineralwässer enthalten daher nahezu kein Eisen, erkennbar an der Angabe "enteisent". Bestimmte Heilwässer sind dagegen eisenhaltig.

In kleinerer Menge finden sich in den Wässern noch viele andere gelöste Stoffe, wie Mangan, Zink, Borat, meistens zählen aber Wasser mit hohen Gehalten an diesen Stoffen, zu den Heilwässern.

Auf welche Mineralstoffe achten

Die wichtigsten Mineralstoffe die Sie ihrem Körper durch Mineralwasser zuführen können sind: achten Sie beim Kauf auf diese Mineralstoffe und schauen Sie, das möglichst wenig

drin ist. Über den Sinn von Natrium in Mineralwässern kann man streiten, manche mögen es, manche nicht. In den Mengen die in den meisten Mineralwässern drin sind ist es eine Geschmackskomponente, aber es spielt keine Rolle bei der Gesamtzufuhr.

Alles Sprudel oder was?

Das erfrischende an Mineralwasser ist die Kohlensäure. Sie wird unter Druck zugefüllt, und je mehr drin ist desto sauerer und prickelnder schmeckt das Wasser. Bis zu 12 g/l sind technisch möglich, wegen der Berstgefahr der Flaschen, wird die Menge aber meistens unter 8 g/l gehalten. Wie die Kohlensäure den Geschmack beeinflusst können Sie testen: Kochen Sie einmal aus einem Glas Sprudel die Kohlensäure aus, indem Sie es in ein heißes Wasserbad stellen. Wenn sie den abgekühlten Sprudel trinken so wird er ganz anders schmecken.

Da viele Personen mangels Kenntnis, oder weil es billiger ist, Tafelwasser trinken (Leitungswasser mit Kohlensäure) wird seit einigen Jahren propagiert Leitungswasser mit Kohlensäure zu versetzen. Das ist relativ preiswert und auch eine gute Alternative. Der Mineralstoffgehalt ihres Leitungswassers ist abhängig von der Gegend in der Sie wohnen. Im allgemeinen gilt: Je härter ihr Wasser ist desto mehr Mineralstoffe enthält es. Falsch ist jedoch die Aussage des Hobbythek Moderators Jean Pütz, der dies anpreist, "Das Leitungswasser enthält genauso viel Mineralstoffe wie das Mineralwasser". Das gilt nur für seinen Wohnort Köln, wo es nur mineralstoffarme Quellen gibt. In anderen Gegenden sieht es anders aus. In der Nähe von Stuttgart wo ich wohne ist z.B. das Leitungswasser sehr mineralstoffarm weil es vom Bodensee kommt. Das Wasser aus den unterirdischen Quellen aus Stuttgart dagegen Calcium, Magnesium und Fluoridreich, also alles drin was rein gehört. Zudem gibt es auch für die Bewohner von Städten mit mineralstoffarmen Wasser die Möglichkeit Mineralwasser von woanders zu trinken. Alleine aus technischen Gründen darf Leitungswasser nicht zu hart sein - der Kalk lagert sich auf den Leitungen ab.

Wenn Sie durch den Konsum von Obst und Milchprodukten und Fluoridsalz schon viel für die Aufnahme der wichtigsten Mineralstoffe tun, spricht nichts dagegen das Selbermachen von Sprudel, ansonsten empfehle ich eine halbe Flasche von einem mineralstoffreichen Wasser zusätzlich zu trinken. Auf jeden Fall ist Wasser jedoch immer die bessere Alternative zu zuckerhaltigen oder gar alkoholischen Getränken.

Einige ergänzende Angaben zu Mineralwässern, auch anderer Marken finden Sie hier. Eine Auseinandersetzung mit der Marke Vitel hat einen eigenen Aufsatz erhalten.

Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
Sitemap Kontakt Neues Das Buch zu Lebensmittelkennzeichnung Buchempfehlungen Top 99