| Home | Site Map | Lebensmittelchemie und Ernährung | Was ist drin ? |
Immer wieder gab es Anfragen für neue Aufsätze in dieser Rubrik. Ich verzichte, weil mein Studium nun schon etwas länger zurückliegt auf eine rechtliche Beurteilung, denn die ändert sich. Bleibend ist dagegen die Chemie und Technologie, die wird auch in 100 Jahren noch gelten. Auf diese werde ich mich bei diesem Produkt weitgehend beschränken.
Bei dem Produkt handelt es sich um einen Müsli Riegel in einer 8-er Packung, Geschmacksrichtung "Apple". Das besondere ist der fette Schriftzug "FREE" auf dem Schächtelchen, der es als für Diabetiker geeignetes Erzeugnis outet. Jeder Riegel wiegt etwa 25 g.
Müsliriegel mit Süßungsmittel Maltit und getrockneten Äpfel: Der Verbraucher soll erkennen können was er vor sich hat. Daher hier noch eine Produktbeschreibung. Die wert gebende Substanz Äpfel wird genannt und mit der Angabe des Süßungsmittels ist auch das "Free" erklärt. Das ist vorbildlich, wenn, ja wenn der Hersteller nicht auf einer Packung von 14 x 14 cm Größe das Inhaltsverzeichnis in 10 Sprachen und die Nährwertkennzeichnung (in etwa einem Viertel der Fläche) untergebracht hätte. Alle Angaben die sie hier lesen befinden sich auf einem Fleckerl von 3.5 x 3.5 cm Fläche, gedruckt in dunkelblauer Farbe auf hellblauem Grund. Wie heißt es doch so schön im Gesetz (§3 LMKV. Abs. 3 "Die Angaben ... sind auf der Fertigpackung oder einem mit ihr verbundenen Etikett an gut sichtbarer Stelle in deutscher Sprache, leicht verständlich, deutlich lesbar und unverwischbar anzubringen. ". Von deutlich lesbar kann hier keine Rede sein. Zum lesen muss ich meine Brille abnehmen. Andere die eine Gleitsichtbrille haben, mögen darumkommen.
Zutaten: Nun das eigentliche Zutatenverzeichnis. Eingeklammerte Unterzutaten von Lebensmitteln sind in roter Farbe.
Maltitsirup: Maltit ist ein Disaccharid, welches langsamer als Zucker abgebaut wird und daher den Glucosespiegel langsamer ansteigen lässt. Er wird jedoch in Glucose aufgespalten und muss daher in die Brennwertberechnung einbezogen werden. Die Süßkraft von Maltit ist geringer als die von Saccharose (etwa 80 % dieser). Dadurch muss man davon mehr einsetzen als bei Zucker und es ist der Hauptbestandteil dieses Produkts.
geröstete Getreideflocken (25 %) : Dadurch dass es ein Müsliriegel ist muss natürlich auch die Menge an Getreideflocken angegeben werden.
Hafer, Weizenflocken: Nun werden die Flocken genannt. Überraschungen gibt es hier natürlich nicht, denn wenn man Müsli schreibt denkt man automatisch an Haferflocken.
Extrudat : Dies ist der Binder, der die anderen Substanzen verbindet
Reismehl, Gerstenmehl, Maismehl : Verschiedene Mehlsorten, die mit Wasser einen, unter Druck verformbaren, Kleber bilden
Salz: Zur Geschmacksabrundung
getrocknete Äpfel (10 %) : Jetzt kommt die zweite wertgebende Substanz. Die Äpfel. Wie man sieht ist davon sehr wenig enthalten. Andererseits schmecken getrocknete Äpfel auch so richtig nach nichts. Ein größerer Anteil würde das Produkt auch nicht viel besser machen, zumal Schokolade fehlt.
Cornflakes : Damit es noch mehr knuspert nun auch noch ein paar Cornflakes
Mais: Daraus werden die Flakes gemacht
Salz : Wie immer zur Geschmacksabrundung
Gerstenmalz: Ergibt einen leichten malzigen Geschmack, jedoch hier in sehr kleiner Menge vorhanden (an letzter Stelle im Zutatenverzeichnis)
Kokosflocken : Ein weiterer Geschmacksträger, der zudem etwas Feuchtigkeit enthält, so dass das ganze nicht so trocken wirkt
Kokosfett : Dient hier als zusätzlicher Binder zum Sirup und Extrudat
Stabilisator Glycerin : Glycerin ist ein dreiwertiger Alkohol, der hygroskopisch wirkt, also Feuchtigkeit aus der Luft anzieht. Als Folge trocknet die oberste Schicht des Riegels nicht so schnell aus, wenn dieser aus der Packung genommen und nicht sofort gegessen wird.
konzentrierter Apfelsaft: Getrocknete Äpfel schmecken einfach nur säuerlich-süß. Das meiste Apfelaroma haben sie beim Trocknen verloren. Daher wird nun Apfelsaft zugesetzt um dies aufzupeppen.
Säuerungsmittel Citronensäure: Damit die Mischung nicht zu süß schmeckt, hebt zudem das Apfelaroma etwas hervor.
Salz : Okay, zum dritten Mal Salz, diesmal nicht in den Cornflakes und nicht im Extrudat sondern im Rest (da dies jeweils eigene Lebensmittel sind musste ihre Zusammensetzung in Klammern angegeben werden).
Aroma : Hier wird wohl das Apfelaroma stecken, denn nach echten Äpfeln schmeckt der Riegel nicht.
Emulgator E472c : Nanu, warum bisher immer volle Namen und nun die E-Nummer? Nun weil die korrekte Bezeichnung "Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Citronensäure" lautet und das wäre wohl zu länglich gewesen. Das sind Ester aus natürlichen Substanzen. Auch wenn sie so nicht in der Natur vorkommen, zerlegt sie der Körper jedoch in Fettsäuren, Glycerin und Zitronensäure. Sie sollen das Fett und die zuckerhaltige Getreidemischung miteinander verbinden.
Karamellzuckersirup : Der Karamellzuckersirup wird zur Farbgebung eingesetzt, damit die Riegel nicht zu hell wirken.
Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken: Ein Warnhinweis der notwendig ist weil Kinder nicht mehr als 20 g und Erwachsene nicht mehr als 30 g Maltit pro Tag aufnehmen sollten. Diese Menge ist leicht erreicht (siehe unten).
Kann Spuren von Erdnüssen, Nüssen und Sesam enthalten: Ein Warnhinweis für Allergiker. Die Firma produziert ja nicht nur diesen Riegel sondern auch andere die Nüsse enthalten. Man wird zwischen den einzelnen Produkten nie die ganze Produktionsstraße reinigen können, das wäre unökonomisch. So gibt es diesen Warnhinweis, weil die ersten Riegel eventuell noch ein bisschen von der Masse der letzten Nussriegel mit enthalten. Da Allergiker schon auf kleinste Mengen reagieren, ist der Warnhinweis vorgeschrieben.
Kühl und trocken lagern. Mindestens haltbar bis: siehe Boden. Das übliche, die Angabe des MHD. Dieses ist anders als das Zutatenverzeichnis gut lesbar untergebracht worden.
Kommen wir noch zur Nährwertkennzeichnung diese ist bei diesem Produkt vorgeschrieben weil es sich auch an Diabetiker wendet. Die Nährwertkennzeichnung ist noch schwerer zu lesen: in mehrsprachiger, dunkelblauer fetter Schrift auf gelbem Grund und umfasst folgende Einträge:
| Nährwerte | pro 100 g | pro 25g |
|---|---|---|
| Brennwert | 1586 kJ/378 kcal | 378 kJ/95 kcal |
| Eiweiß | 6.0 g | 1.5 g |
| Kohlenhydrate | 68.9 g | 17.5 g |
| davon Zucker | 8.4 g | 2.1 g |
| davon Maltit | 23 g | 5.8 g |
| davon Fett | 12.4 g | 3.1 g |
| davon gesättigte Fettsäuren | 10.4 g | 2.6 g |
| Ballaststoffe | 5.7 g | 1.4 g |
| Natrium | 0.2 g | 0.1 g |
| BE | 5.8 | 1.5 g |
| Natrium | 0.2 g | 0.1 g |
Über den Geschmack kann man sich streiten. Ich finde den Riegel zu süß und zu penetrant nach künstlichem Apfelaroma schmeckend. Etwas Schokolade hätte ihm sicher gut getan. Zu beachten ist folgendes:
Die Beurteilung ist schwierig. Ernährungsphysiologisch ist der Riegel sicher besser zu beurteilen, als ein reiner Schokoriegel. Er sättigt durch die Getreideflocken etwas besser und enthält weniger Fett. Dazu enthält er Ballaststoffe. Aber: Es ist immer noch eine Energiebombe mit viel Zucker. Man kann damit zwar sein Gewissen beruhigen, aber zuviel sollte man nicht davon essen. Für Diabetiker wichtig ist vor allem, dass zwar der Glucosespiegel durch den Maltitsirup langsamer ansteigt als wenn Saccharose im Produkt wäre. Aber die Gesamtmenge an Kohlenhydraten die man bei der Berechnung der Broteinheiten berücksichtigen muss ist beträchtlich. Auch für Diabetiker ist also auch der Riegel mit Vorsicht (und in kleinen Mengen) zu genießen.
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
| Sitemap | Kontakt | Neues | Das Buch zu Lebensmittelkennzeichnung | Buchempfehlungen |
|