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Vor einiger Zeit habe ich einen Müsli Riegel
besprochen, der explizit als "zuckerfrei" besprochen wurde und sich an Diabetiker richtet, die
bei der Aufnahme von Saccharose und Glucose aufpassen müssen. Der heutige Müsli Riegel
unterscheidet sich von diesem in der Geschmacksrichtung: Nuss und Mandel anstatt Apfel. Er stammt
auch aus einer eigenen Marke eines bekannten deutschen Discounter welche Light-Produkte der
unterschiedlichsten Art umfasst. Sowohl kalorienreduzierte Produkte, wie auch Produkte in deinen
ein spezifischer Stoff reduziert ist, wie z.B. Fett in Wurst. Alle Produkte sind an der blauen
Packung und einer stilisierten Frau, die Yoga Gymnastik betreibt, zu erkennen. (Um Probleme mit
der Rechtsabteilungen zu vermieden, nenne ich keine Marken, aber ich denke diese Umschreibung ist
ausreichend, zumal derartige Produkte unter anderen Markennamen, auch in anderen Läden auftauchen
werden. Aus diesem Grund habe ich auch alle Angaben zum Hersteller und Distributor von dem Scan
entfernt und nicht die Packungsvorderseite abgebildet.
Warum ich zu diesem Riegel griff ist die Altersdiabetes meiner Mutter, denn auf der Packung ist deutlich ausgelobt "ohne Zuckerzusatz". Damit wendet sich das Produkt nicht nur an Ernährungsbewusste, die weniger Energie aufnehmen wollen, sondern auch an Diabetiker. .
Zuerst kommt die Umschreibung des Produktes, wie von der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung vorgeschrieben. Alle Angaben auf der Packung erscheinen in Dunkelblau und Zutaten die eigene Lebensmittel sind in Rot.
Müsliriegel mit Süßungsmittel Maltit und 11 % Nuss-Mandel Mischung - ohne Zuckerzusatz (enthält von Natur aus Zucker): Es ist löblich, das der Hersteller hier für Diabetiker wichtige Angaben macht. Zum einen, dass Maltit eingesetzt wird. Maltit ist ein Zuckeralkohol. Er hat 90 % der Süßkraft von Saccharose (Haushaltszucker), steigert aber den Insulin und Blutzuckerspiegel nur gering und ist daher für Diabetiker eine Alternative gegenüber Zucker. Maltit ist aber kein synthetischer Süßstoff, das bedeutet, er hat genauso viel Energie wie Zucker und muss wie andere Kohlenhydrate auf die maximale Anzahl an Broteinheiten angerechnet werden. Weiterhin wirken höhere Mengen als 30-50 g/Tag stark abführend und schon bei niedrigeren Mengen kann es zu Blähungen kommen.
Nun das eigentliche Zutatenverzeichnis. Das Zutatenverzeichnis muss die Zutaten in abnehmender Menge enthalten. Die Hauptzutat ist also die erste. Weiterhin müssen Zutaten die auf der Packung in irgendeiner Form "ausgelobt" werden, mit ihrem prozentualen Wert angegeben werden, um dem Verbraucher einen Vergleich und eine Beurteilung der Qualität zu ermöglichen. Auf der Packung wurden Nüsse und Mandel ausgelobt und in der Verkehrsbezeichnung wurde noch die Bezeichnung "Müsli" erwähnt. Daher müssen diese drei Bestandteile mit ihren Prozentwerten angegeben werden.
Maltitsirup: Hauptbestandteil, damit das Produkt süß schmeckt, ist natürlich der Sirup. Bei einer Menge von 19 % im Produkt (siehe Nährwertkennzeichnung) wird der Wert von 30 g, ab dem dieser Zuckeralkohol abführend wirkt, schon nach 6 Riegeln pro Tag erreicht. Zu viel sollte man von dem Produkt also nicht essen.. Der Unterschied zwischen den dort angegeben 19 % und der Position 1 in der Zutatenliste, (vor den Getreideflocken mit 26.2 %) ist dadurch zu erklären, dass es ein Sirup ist der auch Wasser enthält.
geröstete Getreideflocken (26.2 %): Aufgrund der Bezeichnung "Müsli" müssen die Getreideflocken natürlich auch erwähnt werden. Im folgenden werden die Getreideflocken, die ja an und für sich schon ein eigenes Lebensmittel sind, und auch als Müsli verkauft werden können, nochmals aufgeschlüsselt:
(Hafer, Weizenflocken) : Das sind die Getreideflocken die geröstet wurden.
Extrudat: Extrudat kommt in der Lebensmitteltechnologie in unterschiedlicher Bedeutung vor. Es kann sowohl ein Formstück sein, das durch Pressen hergestellt werden, wie auch der Binder um diese Formstücke herzustellen. In der letzten Bedeutung wird es hier verwendet: Das ist der Kit, der den Riegel zusammenhält, damit er nicht auseinander fällt. Das Extrudat ist ein weiteres Lebensmittel, aus Mehl und daher wird seine Zusammensetzung nochmals aufgeschlüsselt:
Weizen- Reis- Mais- Gerstenmalzmehl, Salz : Also im wesentlichen eine Mehlmischung, die durch das Wasser im Sirup aufquillt, und bei den heißem Pressen dann verkleistert.
Haselnüsse (8.8 %): Jetzt kommen die Nüsse, die eigentlich nur aus Haselnüssen bestehen mit ihrer Mengenangabe.
Cornflakes: Auch das ist wieder ein eigenes Lebensmittel, dessen Zusammensetzung erneut aufgeschlüsselt wird:
Mais, Salz, Gerstenmalz : Nun ja eben Cornflakes, die aus gepresster Maisstärke bestehen.
Kokosfett: Zum ersten mal das in diesem Zutatenverzeichnis ein fetthaltiger Bestandteil auftaucht. Normalerweise enthalten Riegel größere Fettmengen, schon alleine durch den Schokoladenzusatz.
Stabilisator: Glycerin: Glycerin, ein dreiwertiger Alkohol, wird hier wahrscheinlich zugesetzt, um das Produkt feucht zu halten. Glycerin ist hygroskopisch, zieht also Wasser aus der Luftfeuchtigkeit an und verhindert so das austrocknen des Produkts.
Kokosflocken: Ein kleiner Zusatz um den Geschmack zu verbessern
geröstete, gehackte Mandeln (1.7 %) : Nun ja, bei 1.7 % Anteil hätte ich mich nicht getraut, diese im Namen zu erwähnen. Das ist ja dann schon ein Spurenbestandteil. Jeder Riegel enthält dann nur noch 0.4 g Mandeln. Die fallen dann auch geschmacklich nicht mehr auf.
geröstete Sesamsaat: Das ergibt schon eher Geschmack, Röststoffe fallen angesichts des Verzichts auf Schokolade hier auf, und Sesam ist ja recht geschmacksintensiv
Maltodextrin: Maltodextrin ist gespaltene Stärke, die dann einen Sirup aus kurzkettigen Kohlenhydraten bildet. Für den Diabetiker ist Maltodextrin wie Stärke einzustufen. Es zählt also zu den Broteinheiten, es ist aber nicht süß. Es bildet einen Kleber der hier die Zutaten verbindet.
Salz: Eine kleine Abrundung des Geschmacks
Emulgator E472c: Toll, selbst ich als Lebensmittelchemiker habe nicht alle E-Nummern im Kopf, das nenne ich ja vorbildliche Verbraucheraufklärung. Der Blick ins Buch oder Internet klärt uns auf, das es sich hier um Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Citronensäure handelt. Also Bestandteile des Fetts, die mit der, natürlich in Zitrusfrüchten vorkommenden Zitronensäure, verestert wurden. Derartige Verbindungen findet man in Fertigbackmischungen.
Aroma: Aha, ohne zugesetztes Aroma geht es wohl nicht.
Kann Spuren von Milch, Eiern, Soja, Sellerie, Erdnüssen, Senf, Sesam und Schwefeldioxid enthalten: Diese Warnmeldung ist nötig für Allergiker. Sie enthält praktisch alle Substanzen, die als Verunreinigungen bei der Herstellung eines der Lebensmittel, oder Inhaltsstoffe anfallen können. Nach meiner Meinung werden diese oft von Verbrauchern falsch verstanden, in der Form "Was hat Sellerie denn hier zu suchen?". Lebensmittel werden oft im Batchbetrieb hergestellt. Zuerst wird Extrudat für Suppen hergestellt, dann Extrudat für Müsliriegel. Trotz Reinigung kann dann eben noch Sellerie in der Mischung sein, doch es kommt auf die Mengen an. Im Normalfall ist das nur für hochempfindliche Personen wichtig. Diese Hinweise sind wie die Seiten zu lesen, die Sie bei jedem Elektrogerät finden, wo es heißt: "Fassen sie nicht in die Steckdose, Betreiben sie den Rasierer nicht in der Badewanne" - Eigentlich Selbstverständlichkeiten, die aber erwähnt werden müssen, damit der Hersteller sich gegen Missbrauch oder Schadensersatzklagen wehren kann.
Es finden sich noch einige andere Angaben auf der Verpackung. Zum einen wird der Hinweis über allergene Inhaltsstoffe noch einmal in größerer Schrift und in einem Kasten "Allergen Info" erwähnt. Dann findet man den Hinweis, das dieses Produkt "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken", der auch angesichts Maltit als Zusatzstoff erforderlich ist. Erneut wird erwähnt, das es von Natur aus Zucker enthält.
Besonders hervor gehoben wird in zwei Kästen:
ohne
mit
Ich halte das für eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Es gibt zwar künstliche Aromastoffe, doch in diesem Bereich von Nuss/Getreideprodukten werden diese nicht eingesetzt. Die Branche versucht schon seit mindestens 1 Jahrzehnt vorwiegend natürliche Aromen zu verwenden. Künstliche Aromastoffe findet man vielleicht noch in Kaugummis, aber sonst kaum noch in Lebensmitteln. Die Herauslobung des fehlenden Zuckerzusatzes ist angesichts dessen, das dies schon dreimal auf dem Produkt zu lesen ist, sehr dick herausgestellt. Und wie man später bei den Nährwertangaben findet, enthält das Produkt zwar Ballaststoffe, verglichen mit seinem Energiegehalt jedoch nicht sehr viele.
Da dieses Nahrungsmittel Bestandteile herauslobt und sich an Diabetiker
richtet, muss eine genaue Nährwertkennzeichnung erfolgen. Diese erfolgt hier in zwei Teilen. Auf
der Frontseite findet man eine Kurzzusammenfassung die man heute auf vielen Packungen findet:
Ein Müsliriegel ca. 25 g enthält
kcal 102 = 5 %
Zucker 0.3 g = < 1 %
Fett 4.2 g = 6 %
gesättigte Fettsäuren 2.1 g = 11 %
Salze 0.2 g = 3 %
der empfohlenen Tagesmenge eines Erwachsenen*
Diese Angabe halte ich für absolut überflüssig. Zum einen findet man genau die gleichen Angaben (und noch mehr) auf der Rückseite. Zum anderen finde ich hier noch Kalorien - ich rechne seit 30 Jahren in der Einheit Joule und dies ist auch die gesetzlich vorgeschriebene Einheit. Vor allem aber muss ich sowieso nach hinten schauen, was der Hersteller als tägliche Tagemenge ansieht - das schwankt nämlich durchaus. Vor allem kann ich aber von der Angabe nicht auf die Gesamtenergiemenge schließen. Hier ist die Angabe pro Riegel ja noch einigermaßen sinnvoll, doch ich fand das auch schon bei einer Kekspackung "pro Keks" - wer bitte, isst nur einen einzige Keks. Diese freiwilligen Angaben sind fast immer so gestrickt, das sie gut aussehen, notfalls werden die Portionen eben so klein wie möglich gemacht. Bei Chips z.B. 20 g, das ist nicht mal ein Schälchen voll.
Weiterhin wird auf der Vorderseite nochmals das Fehlen von künstlichen Aromastoffen und der fehlende Zuckerzusatz ausgelobt.
Die eigentliche Nährwertkennzeichnung findet sich auf der Rückseite:
| Nährwerte | Ø 100 g | Ø Riegel 25 g | % GDA |
|---|---|---|---|
| Brennwert | 1710 kJ/ 408 kcal | 428 kJ / 102 kcal | 5 % |
| Eiweiß | 7.8 g | 2.0 g | 4 % |
| Kohlenhydrate | 60 g | 15 g | 6 % |
| davon Zucker (1) | 1.2 g | 0.3 g | < 1 % |
| davon mehrwertige Alkohole (Maltit) | 19 g | 4.7 g | |
| Fett | 17 g | 4.2 g | 6 % |
| davon gesättigte Fettsäuren | 8.3 g | 2.1 g | 11 % |
| Ballaststoffe | 7.8 g | 2.0 g | 8 % |
| Natrium | 0.2 g | 0.1 g | 4 % |
| GDA = Richtwerte der empfohlenen Tagesmenge | |||
Erst mal ein drei formale Fehler. Die Anmerkung zu (1) steht nicht in der Tabelle sondern rechts daneben: Das schon bekannte "enthält von Natur aus Zucker". Dabei ist dies völlig unwesentlich für die Nährwertangeben. Zum zweiten man gleich die Abkürzung GDA ausführen können anstatt die Abkürzung zu verwenden. (GDA ist übrigens selbst Lebensmittelchemikern nicht geläufig. Viel verbreiteter ist die Abkürzung RDA, die aber das gleiche meint) und als drittes ist nicht ausgeführt auf was sich die % GDA Angabe bezieht - auf die Menge pro Riegel oder pro 100 g?
Weiter unten findet sich dann die empfohlene Tagesmenge, nach der die Prozentangaben berechnet wurden:
| Nährwerte | pro Tag |
|---|---|
| Brennwert | 2000 kcal |
| Zucker | 90 g |
| Fett | 70 g |
| davon gesättigte Fettsäuren | 20 g |
| Natrium | 2.4 g |
Nun zur Beurteilung: Mit 1710 kJ enthält der Riegel zwar weniger Energie als ein Riegel mit Schokolade, aber nicht weniger als ein Getreide-Nuss Riegel mit Zuckerzusatz. Er enthält fast kaum Fett, aber das besteht aus Kokosfett, d.h. überwiegend aus gesättigten Fettsäuren. Das ist okay, weil größere Mengen an ungesättigten Fettsäuren bei diesem Produkt die Gefahr mitbringen, das es leichter verdirbt, durch Ranzig werden des Fetts. Zudem ist der Fettgehalt ja auch gering.
Der Ballaststoffanteil ist okay für eine Süßigkeit, aber wenn es ein normales Nahrungsmittel wäre, würde man hier mehr erwarten. Der Ballaststoffanteil kommt vor allem durch die Haferflocken in das Produkt.
Für Diabetiker ist wichtiger, das 60 % des Riegels aus Kohlenhydraten besteht. Wenn man die Ballaststoffe abzieht sind es immer noch mehr als 50 % und das ist eben recht viel. Zwar steigert der Riegel durch den enthaltenen Maltitsirup nur mäßig den Blutzuckerspiegel. Er muss aber voll bei der Berechnung der Broteinheiten berücksichtigt werden - Eine solche Angabe fehlt übrigens. Ich will sie daher nachreichen. Ein Riegel entspricht, wenn die Ballaststoffe nicht bei den Kohlenhydraten eingeschlossen sind, 1.25 BE und wenn diese mit eingeschlossen sind etwa 1.1 BE. Damit ist so ein kleiner Riegel durchaus eine Größe, die man bei der Planung berücksichtigen muss.
Warum der Hersteller bei den GDA Werten nur vier angibt und zum Beispiel die beiden Hauptnährstoffe Kohlenhydrate und Eiweiß weglässt, ist unverständlich, außer man hatte gerade noch so viel Platz neben dem Hinweis, das diese Werte aufgrund "internationalen offiziellen Empfehlungen" für Erwachsene basieren und man doch die Internetseite des Discounters besuchen soll. Das Problem ist nur: Es gibt keine "internationalen offiziellen Empfehlungen" für die Zufuhr der Hauptnährstoffen. Für Vitamine und Spurenelemente gibt es diese nach der EU Richtlinie 90/496/EWG. Es gibt aber keine internationale über die Hauptnährstoffe. Die GDA (die Abkürzung steht für Guideline Daily Amount, gängiger ist aber die ältere Bezeichnung Recommended Daily Allowance (RDA), die seit 1997 offiziell Dietary Reference Intake (oder DRI) heißt). Es handelt sich nicht um eine internationale Empfehlung, sondern eine der Nationalen Akademie der USA für die USA. In Deutschland gibt es genauso eine nationale Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) die man auch hätte nehmen können. Diese hat allerdings den kleinen Nachteil, das die DGE nicht Männlein und Weiblein, Kinder und Erwachsene, Couchpotatoas und Bauarbeiter über einen Kamm schert und es bei den Hauptnährstoffen eben eine Tabelle und nicht einen Wert gibt. Das ist auch sinnvoller. Der Energiewert von 2000 kcal entspricht z.B. dem einer Frau mit überwiegend sitzender Tätigkeit jüngeren Alters. Männer haben einen höheren Bedarf und Personen, die körperlich arbeiten müssen ebenfalls. Ältere Personen haben dagegen einen geringeren Bedarf.
Ohne Angabe auf was man den Wert bezieht, ist jede Prozentangabe weitgehend sinn frei.
Neben der Zusammensetzung kommt es natürlich auch auf den Geschmack an. Das Produkt enthält keinerlei Schokolade und ist wie schon der Name sagt ein Müsli Riegel. Es schmeckt also wie gesüßtes Müsli, mit hohem Nussanteil, eben in Riegelform. Es ist nicht mein Geschmack, doch meine Mutter (für die der Riegel ja als Diabetikerin ist) mag ihn. Vergleichen mit anderen Produkten für Diabetiker, die ich schon probieren konnte, ist es noch relativ gut. Oftmals sind diese zu süß (weil man Zucker durch Fructose ersetzt, und dieser hat eine 20 % höhere Süßkraft) oder es fehlt an Geschmack (wenn man Zucker durch Süßstoffe ersetzt).
Der Riegel hat zwar wenig Zucker und erhöht den Blutzuckerspiegel damit nicht schlagartig, doch natürlich enthält er viele Kohlehydrate, auch wenn nur ein Teil davon (der Maltitsirup) recht schnell aufgenommen werden kann. Die Getreideflocken und Nüsse müssen erst verdaut und aufgeschlossen werden. Für den Blutglucosespiegel ist dies positiv, für die Gesamtkohlenhydratzufuhr der Anteil von 60 % Kohlenhydrate im Produkt, natürlich eine Belastung. Mehr als einen oder zwei Riegel würde ich pro Tag nicht essen und mit 25 g Größe sind die Riegel nicht gerade groß. Die hat man schnell weggeputzt.
Ich persönlich würde eher eine Zugabe von Bitterschokolade ohne Zuckerzusatz vorziehen. Deren Zuckergehalt liegt auch nur bei 15 % und es ist eine geschmackliche Verbesserung. Weiterhin sinkt dann auch der Kohlenhydratanteil etwas ab.
Eine saubere Nährwertkennzeichnung wäre besser. Anstatt diese zweimal vorne und hinten zu machen sollte man sich überlegen ob man, wenn man schon eine ausführliche Nährwertkennzeichnung macht, noch diese Minibox vorne braucht und ob es sinnvoll ist Prozentwerte anzugeben - Bei den Hauptnährstoffen kann es je nach Alter, Geschlecht und körperlicher Betätigung enorme Unterschiede geben. Die DGE nennt z.B. Empfehlungen für die Energiezufuhr abhängig von diesen Faktoren zwischen 1600 und 330 kcal - das sind 100 % Schwankungsbreite. Ich würde auf die Prozentangaben verzichten sofern es nicht welche von Spurenelementen oder Vitaminen sind, die von Ausnahmen abgesehen für einen Großteil der Bevölkerung keine große Schwankungen aufweisen. Anstatt die Box mit den "offiziellen internationalen Empfehlungen" mit 4 Werten aufzuführen könnte man Platz nutzen andere Substanzen zu erwähnen. Wenn Vollkornprodukte verarbeitet wurden so müsste der riegel z.B. viel Vitamin B1 enthalten.
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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