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Niveau Visage oder - es ist unfair

Die Werbung

"Es ist unfair - Männer können Falten haben, Frauen nicht!". Ja es ist unfair was Niveau da macht - Zum einen die Werbung mit fast noch minderjährigen Modells (Haben Sie mit 20 Falten oder mit 60?) Zum anderen das sie suggerieren, das die Emanzipation der Frauen und ihr Selbstbewusstsein von der richtigen Hautcreme abhängt.

Die Wirklichkeit

Nichts ist so erfinderisch wie die Kosmetikindustrie. Alle paar Jahre mischen sie einen neuen wirkungslosen Naturstoff unter die Hautcremes und verkaufen diese dann mit Reklame zu Höchstpreisen. Naturstoffe deswegen, damit sie aus dem Schneider sind, was Allergien oder die Kritik der Verbraucher angeht. Falls Sie ein kurzes Gedächtnis haben, hier mal die letzten Wunderstoffe der Kosmetikindustrie:

Allen ist eines gemeinsam: Es sind einfache organische Verbindungen, billig herzustellen und als Vitamine sogar noch werbeträchtig, weil uns ja die Werbeindustrie schon klar gemacht hat, das man die Haut "ernähren" muss. Also rann an die "Burger" und auf die Haut gepackt!

Nun ist Q10 dran - Nein, das ist keine Verbindung aus dem Labor von "Q", dem Erfinder von Bonds Spielzeugen. Es ist die Abkürzung, der im amerikanischen Sprachgebrauch Coenzym Q10 , benannten Verbindung. Im Deutschen als Ubichinon-10 bekannt. Eine einfache Verbindung, die beim Menschen in jeder Zelle vorkommt und früher als Vitamin angesehen wurde. In den USA wo die Leute sich alles reinschieben, was nur im Entferntesten gesund ist, wird es auch gerne geschluckt.

Ubichinon-10 kommt in zahlreichen Lebensmitteln natürlich vor (Ubi steht für ubiquitär, das heißt überall vorkommend). Es ist deswegen bei der menschlichen Ernährung schon lange nicht mehr als lebenswichtig angesehen. Es ist Bestandteil eines Coenzyms bei der Energiegewinnung. Es hat damit anders als die Vitamine Retinal und Pantothensäure - deren Vorstufen auch schon als Wundermittel propagiert wurden - nichts mit der Haut im speziellen zu tun.

Sie sehen schon worauf ich hinaus will - wir haben hier wieder eine Auswirkung der amerikanischen Einstellung "Nur ein schöner Mensch ist ein guter Mensch" und "Pillen sind gesund". Noch immer gilt: Die Oberhaut ist abgestorbenes Gewebe. Man kann sie kurzfristig zum Quellen bringen, so das kleine Fältchen verschwinden. Ihre Haut verliert übrigens auch keine Feuchtigkeit, sondern das Kollagens des Bindegewebes. Es besteht aus Kollagen wie Gelatine und verliert mit dem Alter die Quellfähigkeit. Das ist ein bedeutsamer Unterschied. Verliert die Haut Feuchtigkeit so, dass das Kollagen nicht richtig gequollen ist, so kann man das reversibel rückgängig machen. Zum Beispiel durch ein Bad - Wasser in Hautcremes kostet zirka 10.000-50.000 DM/m³, so das ein Bad erheblich preiswerter ist.... Verliert Kollagen seine Quellungsfähigkeit, so kann man das ohne gentechnische Eingriffe nicht wieder rückgängig machen.

Bei der Kosmetikindustrie bedeutet de oft benutzte Formulierung "wissenschaftlich nachweisbar", das man mit den Mitteln der Wissenschaft also z.B. einem Mikroskop Wirkungen sieht. Sofern ihre Augen nicht 50-200 fach vergrößern, sehen Sie wohl aber eher keine Wirkung.

Was ist nun an dem Ernähren der Haut dran oder der Tiefenwirkung? In Ordnung,, wozu dient die Haut? Dazu, das alles durchgeht geradezu ins lebende Gewebe und den Blutkreislauf? Oder um uns vor Umwelteinflüssen, Giften oder schädlichen Stoffen zu schützen? Warum soll man Wunden desinfizieren wenn man die Haut verletzt hat, wenn doch sowieso alles durch die Haut durchgeht? Die Haut blockiert schon in den obersten abgestorbenen Gewebsschichten alle größeren organischen Moleküle. Lediglich sehr kleine Verbindungen können sie passieren.

Schlussendlich hat die kosmetische Industrie schon vieles versucht um Substanzen in den lebenden Teil der Haut - wo sie vielleicht, aber auch nur vielleicht wirken könnte- hinzu bringen. Erinnern sie sich noch an Liposome? Genau das war damals der große Versuch Substanzen verpackt in kleine Fettbläschen in die Haut zu befördern.

Fazit

Die kosmetische Industrie hält ihre Kunden wohl für vollkommene Trottel: Alle paar Jahre verspricht ein neuer Wunderstoff die Heilung von Falten und ewig junge Haut. Was ist nur mit dem letzten Wunderstoff geworden, der genau dasselbe versprach? Warum sind die Modells für Hautcreme immer so jung, wenn es doch um die Hautalterung geht....?

Wer darüber mal nachdenkt, braucht keine Ahnung von Chemie oder Biologie zu haben um die Werbung als das zu entlarven was sie ist. Wenn Sie noch einen etwas allgemeiner gehaltenen Aufsatz zum selben Thema durchlesen so werden Sie hier fündig.


Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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