| Home | Site Map | Lebensmittelchemie und Ernährung | Werbung und Wirklichkeit |
Dies habe ich selbst bei der Betriebsbesichtigung von Pfanni gesehen, die nicht nur ihre eigenen Produkte fertigen, sondern auch andere Marken. Darunter die einer bekannten Supermarktkette. Warum? Nun wenn es Pfanni nicht macht, dann andere Hersteller. So lastetet man wenigstens seine Produktion aus. Trotzdem ist Pfanni nicht arm dran, denn was dort für die Supermarktkette produziert wird, ist Mainstreamware, also das was am häufigsten geht. Spezialitäten dagegen gibt es als Noname Produkte selten. Pfanni ist ein Beispiel wie ein Noname Produkt identisch mit einem Markenprodukt sein kann.
Für Waschmittel gibt es in Deutschland nur wenige Hersteller. Diese fertigen alle Waschmittel die auf dem Markt sind. Egal ob sie ein Noname Produkt kaufen, eines der Billig-Marken ("Spee") oder eine bekannte Marke - alles kommt von einem Hersteller. Ja teilweise wirbt ein Hersteller für mehrere Produkte. Sind alle gleich? Nein! Auch wenn Waschmittel vielleicht in der Reinigungswirkung identisch sind, für viele Verbraucher zählen auch andere Aspekte - Die Form (Pulver, Perlen, Tabs, Flüssig), Konzentration vor allem aber Additive. Weichspüler machen Wäsche weich, Parfümstoffe sorgen für einen guten Geruch, optische Aufheller für ein noch strahlendes Weiß (Persil) - Es ist sind diese "Extras" die Marken und auch Noname Produkte unterscheiden. Das ist nicht zu unterschätzen. Mancher Verbraucher schwört eben auf eine gut riechende Wäsche, ein besonderes strahlendes Weiß oder einen weichen Griff. Auch wenn die Wäsche identisch sauber ist entscheiden solche Kleinigkeiten über die Bevorzugung von Marken - oder eben nicht. Dieses Beispiel gilt auch für andere Produkte die man leicht modifizieren kann wie z.B. Kosmetika.
Gerade bei letzteren gibt es neben Marken ja dann auch noch Luxusmarken. Ähnliches findet man auch in anderen Marktsegmenten. Hier bezahlen sie dann wirklich den Namen noch extra. Tests von Hautcreme, zeigten, das Luxusmarken wie L'Oreal, Vichy oder Jil -Sander sich qualitativ nicht von Billig- oder Markenware unterscheidet. Oftmals wurden diese sogar allergisch schlechter bewertet, durch Konservierungsstoffe und Parfümstoffe.
Zuletzt gibt es dann noch wirklich den qualitativen Unterschied. Entweder ist er wirklich an den Zutaten festzumachen, wie eine Nuss-Nugatcreme mit viel Pflanzenöl und weniger Kakao oder in der Herstellung. Bei Schokolade z.B. bestehen die Unterschiede zwischen den Marken im "Conchieren", das ist ein Vorgang bei dem die Schokoladenmasse einige Stunden bis mehrere Tage, in riesigen Mixern bei leicht warmen Temperaturen durchgemischt wird. Dadurch entsteht nicht nur der Schmelz durch Umhüllung der Kakaoteilchen durch Fett, sondern es finden enzymatische und chemische Reaktionen statt die das Aroma entscheidend prägen. Es gibt die Möglichkeit das schnell in einigen Stunden zu machen oder lange über einige Tage - klar das man so weniger Schokolade herstellen kann oder mehr Maschinen braucht. Auch dadurch sind Markenprodukte abgesetzt von den billigeren Produkten, auch wenn die Zutaten identisch sind. Das schmecken Sie aber auch. Das gilt für eine Reihe von Produkten bei denen Sie eben dann selbst feststellen müssen was Ihnen wie viel wert ist. z.B. schmecken für mich Noname Paprikachips nicht so gut wie Markenware, aber 4 mal mehr dafür will ich auch nicht zahlen.
Durch die neue Lebensmittelkennzeichnungsverordnung ist es für den Verbraucher einfacher geworden solche Unterschiede festzustellen. So müssen Wertgebende Anteile in ihrer Menge angegeben werden. Ein wertgebender Anteil ist meistens etwas das in der Bezeichnung oder dem Namen drin steht oder von dem man erwartet das es im Produkt ist: Kakao in Kakaogetränken, Butter in Butterkeksen, Sahne in Cremeeis, Champions in Championcremesuppe etc.
Sie sind gefragt: Was ist Ihnen wichtig und was ist es Ihnen wert? Tests von
Verbraucherzeitschriften oder ähnlichem können eine Hilfe sein. Schlussendlich ist aber ihr
eigener Sachverstand gefragt. Es gibt keinen pauschalen Merksatz wie "beworbene Produkte sind
überteuert" oder "Noname ist Schrott".
Zum Recherchieren: http://www.wdr.de/tv/service/geld/inhalt/20020606/b_1.phtml
Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger
Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
| Sitemap | Kontakt | Neues | Das Buch zu Lebensmittelkennzeichnung | Buchempfehlungen |
|