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Es handelt sich dabei um eine Blätterteigtasche oder wie es die Packung bewirbt: "Eine Snackteigspezialität mit pikanter Füllung aus gewürfeltem Schinken, Salami, Käse, Lyoner, passierten Tomaten und Gewürzen.". Leider ist das Zutatenverzeichnis da ganz anderer Meinung. Das Produkt wird tiefgefroren verkauft und muss 20 min im Backofen erhitzt werden.
Schweinefleisch, Nitritpökelsalz (Salz Konservierungsstoff Natriumnitrit): Hier fällt auf das die Pizza Tasche zwar nach Angaben der Verpackung Schinken , Salami , Käse, Lyoner enthalten sollte, aber hier nur Schweinefleisch mit Nitritpökelsalz als Umrötungshilfsstoff angegeben ist. Der Hersteller hat also - wie sich noch im folgenden zeigen wird - einen großen Teil der Füllung schlicht und einfach vergessen zu deklarieren. (Oder noch schlimmer, die falsche Deklaration gewählt)
Konservierungsstoffe: Natriumcitrat und Natriumacetat: Obgleich beide Stoffe hier als Konservierungsstoff angegeben wurden, ist die eigentliche Wirkung in der Füllung wohl erst darin zu sehen, da sie das im nächsten Absatz folgende Antioxidationsmittel unterstützen. Damit dieses durch Schwermetallspuren oder durch einen ansteigenden p.H. nicht zerstört wird, stabilisieren diese beiden Stoffen den p.H. und fangen Schwermetallspuren ab. Im Lebensmittelrecht sind die Stoffe sowohl als Konservierungsstoffe wie auch Hilfsstoffe (Synergisten) aufgeführt. Der Hersteller hat hier geschlampt und eine falsche Rubrik eingegeben.
Antioxidationsmittel: Natriumascorbat : Damit die Aromastoffe, Farbstoffe und andere Zutaten durch den Sauerstoff nicht geschädigt werden ist ein Antioxidationsmittel zugegeben worden, welches diesen abfängt. Dadurch werden Aromaverluste oder Texturveränderungen vermieden.
Modifizierte Stärke: Ein Bindemittel, modifiziert deswegen, weil da Lebensmittel tiefgefroren ist und später wieder im Backofen erhitzt werden soll. Normale Stärke würde unter diesen Bedingungen Wasser verlieren.
Tomatenpulver : Im Gegensatz zu der Angabe auf der Packung enthält das Produkt Tomatenpulver , also auch getrocknete Tomaten und nicht wie angegeben, passierte Tomaten. Dies ist zwar rechtlich zulässig, meiner Ansicht nach, aber trotzdem eine Täuschung des Verbrauchers.
Gewürze , Saccharose, gekörnte Brühe: Diese Substanzen geben dem eigentlichen Geschmack. Saccharose ist nichts anderes als normaler Zucker und in Kombination mit der Brühe erreicht man ein ausgewogenes Verhältnis zwischen salziger und süßer Note, einen runderen Geschmack.
Pflanzliches Fett gehärtet: Mit gehärtet ist gemeint, das man normalerweise flüssige Fette mit Wasserstoff unter hohen Temperaturen härtet: Der Wasserstoff wird aufgenommen und man erhält Fettmoleküle wie sie in tierischen Fett vorkommen mit weniger Doppelbindungen. Bei diesem Prozess können Trans - Fettsäuren entstehen, die von manchen Experten als potentiell gefährlich eingestuft werden. Dazu muss man aber relativ große Mengen an gehärtetem Fett zu sich nehmen. Gehärtetes Fett ist unempfindlicher gegenüber Veränderungen durch den Sauerstoff der Luft.
Salz: Bei einer ausreichenden Menge von gekörnter Brühe (die zum größten Teil aus Salz besteht) wäre dies eigentlich nicht nötig.
Sahnepulver: Auch hier spart der Hersteller in den er die billigere, getrocknete Sahne einsetzt.
Magermilchpulver: Noch preiswerter als Sahne ist Magermilchpulver , am billigsten natürlich als Pulver. Eventuell war die Kombination von Sahne + Magermilch preiswerter als Vollmilch, denn anders ist die Verwendung von fettarmer Magermilch mit fettreicher Sahne nicht zu erklären.
Aromen natürlich: Sagt überhaupt nichts darüber aus, woraus die natürlichen Aromen gewonnen wurden: aus Fleisch oder aus Schimmelpilz Kulturen? Leider ist das Lebensmittelrecht in dieser Beziehung noch überarbeitungswürdig.
Rote - Beete - Pulver: Ist als natürlicher roter Farbstoff zugesetzt worden, obgleich natürlich schon durch die Tomaten die Füllung rot ist, wollte der Hersteller anscheinend auf Nummer sicher gehen.
Lactose: Milchzucker sehr oft als Füllmittel und Zucker ohne große Süßkraft zugesetzt. Lactose entsteht in großen Mengen bei der Herstellung von Milchprodukten aus der Molke (früher in die Kanalisation entlassen, heute wegen Abwassergebühren getrocknet und in andere Lebensmittel verarbeitet).
Milcheiweiß: Milcheiweiß bindet Wasser beim Erhitzen und kann so Wasser aufnehmen welche die Stärke abgibt, so bleibt die Füllung fest und wird nicht wässrig.
Viel Pulver, wenig Frischware, das fällt als erstes auf. Das ist noch zu verzeihen, da man die Füllung 20 min erhitzt und auch frische Waren so starke Geschmackseinbußen haben würden. Eklatant ist allerdings die Deklaration: Sie stimmt nicht mit den Verpackungsangaben überein. Lebensmittel wie Salami, Käse, Lyoner müssen deklariert werden. Allenfalls Schinken würde noch als "Schweinefleisch" durchgehen. Schon bei Salami müsste der zugesetzte Speck deklariert werden, wenn man sie in Einzelteile deklariert angeben würde.
Dies ist mit Abstand schlampigste und nachlässigste Deklaration die ich je das Vergnügen hatte in dieser Rubrik würdigen zu dürfen. Zur Ehrenrettung muss aber gesagt werden, das die Pizzatasche sehr gut schmeckt, besonders der Blätterteig, die Füllung ist ein bisschen zu salzig, da könnte man das Salz weglassen. Also Liebe L**L Stiftung - Nachbessern ist angesagt !
Dieser Text stammt von Bernd LeitenbergerZum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:
Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen
wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).
Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.
Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.
Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.
Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.
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