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Wenn es einen Vater des PC gibt, dann ist es Ed Roberts. Er gründete eine Firma
nach seiner Air Force Ausbildung zum Elektroniker und verkaufte Elektronik an die Air Force. 1969
zahlte er seine Partner aus und nun gehörte seine Firma MITS Ihm alleine. Er verkaufte
Tischrechner. Dies war damals noch profitabel, denn ein solche Geräte kostete mehrere Tausend
Mark und die Gewinnspannen waren hoch. Doch nachdem Intel den Mikroprozessor 1971 vorgestellt
hatte, erinnerte man sich bei Texas Instruments das man doch 1968 auch schon mal so etwas
erfunden hatte. Texas Instruments brachte 1972 den TMS 1000 Mikrocontroller heraus mit dem sich
die Kosten für Taschenrechner drastisch reduzieren ließen und 1974 stand Ed Roberts Firma MITS
vor dem Bankrott.
Doch im gleichen Jahr stellte Intel den 8080 Prozessor vor - den ersten vollwertigen 8 Bit Prozessor. Ende 1974 bekommt der technische Herausgeber von Popular Electronics, Les Soloman, Pläne für Heimcomputer von Bastlern aus dem ganzen Land. Er bezweifelt aber, dass diese gut genug sind um veröffentlicht zu werden und wendet sich an seinen Freund Ed Roberts. Dieser sieht hier genau das neue Produkt, welches seine Firma retten könnte.
Er überredete seine Bank, bei der er schon mit 400.000 USD in der Kreide stand zu einem letzten Kredit von 65.000 USD, handelte mit Intel einen Sonderpreis für eine größere Anzahl von 8080 Prozessoren aus (75 USD anstatt 375 USD) und machte sich daran einen Bausatz für einen Computer zu entwerfen. Den Namen für den Altair 8800 gab Solomans Tochter, die auf die Frage "Wie soll er denn heißen" antwortete "Altair, da fliegt die Enterprise in der nächsten Folge hin". Der Bank gegenüber sagt er, dass man von dem Gerät sicher an die 800 Stück verkaufen könnte - eine optimistische Schätzung, an die er selbst nicht richtig glaubt. Intel konnte er zu einem Sonderpreis für den 8080 Prozessor überreden. Er zahlte nur 75 USD, anstatt die 360 USD, die Intel bei Einzelabnahme verlangte (Nun weiß man auch warum Intel so viel Geld hat....)
Der Altair 8800 war in seiner Grundausführung kein Gerät welches auf Anhieb begeistern konnte. Um Kosten zu sparen (der Bausatz sollte 397 Dollar kosten, ein Fertiggerät 695 USD) und um schnell ein Gerät auf den Markt zu bringen, beschränkte man sich auf das notwendigste:
Der
Altair 8800 bestand aus einem Klappgehäuse. An der Frontseite konnte man den Status des Rechners
anhand von LEDs ersehen. Über diese wurden auch Ergebnisse ausgegeben. Eingaben machte man durch
Kippschalter. Jeder Schalter stand für ein Bit und so musste man 8 Stück umlegen um ein einziges
Byte eingeben zu können. Doch das wichtigste des Rechners befand sich innen: Anstatt den Rechner
auf einer Platine zu integrieren, hatte Ed Roberts einen Bus gebaut indem man 16 Platinen
einsetzen konnte. Die erste Platine bestand aus dem Prozessor 8080 und die zweite in der
Grundausstattung aus 256 Byte (Nicht Megabyte!) statischem RAM. Dieser S100 Bus (er hatte genau
100 Pins für Steckkarten.) wurde zum ersten Standard der Branche. Viele Computer auf Basis des
8080, 8085 oder Z80 Prozessors übernahmen ihn.
Der Erfolg für das Gerät war das es das erste war - man kam mit der Produktion nicht nach. Innerhalb eines Monats hatte er 4000 Vorbestellungen und konnte innerhalb von 3 Monaten aus den 400.000 USD Schulden 250.000 USD Gewinn machen. Am Anfang kamen 250 Bestellungen pro Tag. Jeder der sich für Computer interessierte wollte einen solchen Rechner haben. Vor allem aber konnte man ihn erweitern. Bald gab es in Zeitschriften ganze Seiten mit Zubehör zum Altair 8800 - Karten mit dynamischem RAM (bis 32 K), Tastatur, Monitoranschlüsse, Lochkartenleser, Kassettenrekorder und Diskettenlaufwerke als Massespeicher. Der erweiterbare Bus war das Geheimnis. Ed Roberts sah das allerdings anders: Er beschimpfte die Anbieter von Peripherie als Schmarotzer die von seiner Idee lebten. Ähnlich wie Jobs und später IBM erkannte er nicht, das gerade das Anbieten einer offenen Architektur mit zahlreichen Erweiterungen von Dritten seinen PC so erfolgreich gemacht hatten. Wir wissen heute das der Altair nicht der erste PC war. Es gab mindestens 2 Maschinen vor ihm. Aber es war der erste kommerzielle erfolgreiche PC und der erste der schnell bekannt wurde.
Doch noch immer hatte der Altair 8800 ein Manko: Nutzen konnte ihn nur jemand der in Maschinensprache programmieren konnte. Die meisten Altair wurden aber trotz 300 USD Aufpreis nicht als Bausatz sondern als Fertiggerät verkauft. So lag es nahe anzunehmen, das die Käufer weniger Elektroniker als vielmehr Leute waren, die einen Computer benutzen wollten. Hier traf es sich gut, das zwei Freaks - Paul Allen und Bill Gates - daran arbeiteten BASIC auf den 8080 Prozessor zu portieren. Die Entwicklung begann Gates auf einer PDP-8 der Schule, die einen 8080 emulierte. Ed Roberts bot Ihnen an BASIC für den Altair 8800 anzubieten. Er würde es zusammen mit einer 4K / 8 K Memory Karte für 150 USD Aufpreis verkaufen. (Ohne Memory Karte ging bei dem kleinen Speicher des Altair 8800 gar nichts). Erstaunlicherweise lief BASIC bei der ersten Vorführung von Paul Allen ohne Probleme. Wäre diese gescheitert, so gäbe es heute sicher kein Microsoft.
Doch schon bald geriet MITS in Schwierigkeiten. Der S100 Bus des Altair wurde zum Standard und bald gab es Rechner mit dem 8080, welche leistungsfähiger als der Altair waren. Rechner die nicht als Bausatz sondern Fertiggeräte mit Monitoranschluss und Tastatur vertrieben wurden wie schon 1976 der Sol. MITS produzierte dagegen weiter Rechner mit Bausätzen, auch mit anderen Prozessoren. 1977 - als Rechner mit dem Komfort des Apple erschienen - verkaufte Ed Roberts seine Firma nach 40.000 verkauften Rechnern und zog sich ins Privatleben zurück. Er machte 1984 einen Abschluss als Mediziner und praktiziert heute als Arzt in Georgia.
Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger| Kontakt | Neues | Bücher vom Autor | Buchempfehlungen | Gästebuch |
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