Home Raumfahrt Raumsonden Europäische Raumsonden Site Map counter

Rosettas Mission

Die Raumsonde Rosetta selbst habe ich in einem eigenen Artikel beschäftigt. Dort finden sie auch eine Übersicht über die geplante Mission,. Das gleiche gilt auch für den Lander Philae. In diesem Artikel, der laufend ergänzt wird geht es nur um die Mission. Er wird laufend ergänzt.

Komet LinearDie Mission

Nach zwei Verzögerungen, einmal wegen zu starken Höhenwinden und einmal wegen eines abgefallenen Stücks Isolierung am Tank startete Rosetta am 2.3.2004 um 8.17 und 44 Sekunden. (MEZ) Um 10:14 wurde die Oberstufe gezündet und Ariane 5 hatte ihre erste Nutzlast auf einen Fluchtkurs gebracht. Es war der erste Einsatz der Ariane 5G+, einer Ariane 5 mit einer wiederzündbaren Oberstufe und etwas mehr Treibstoff in der Oberstufe.

Von der Wiederzündbarkeit wurde aber nicht Gebrauch gemacht. Um trotzdem die hohe Geschwindigkeit zu erreichen transportierte die EPC die Oberstufe in eine ballistische Bahn mit einem Apogäum von 4.000 km Höhe und einem Perigäum. Das Gespann erreichte so eine Geschwindigkeit von 8.580 m/s. Kurz bevor die Oberstufe mit Rosetta nach einem Umlauf wieder in die Erdatmosphäre eintauchte wurde diese in 652 km Entfernung von der Erdoberfläche gezündet und sie beschleunigte die Raumsonde dann auf Fluchtgeschwindigkeit.

Die Bahn ist schon erstaunlich genau:

Am 3.3.2004 korrigierte Rosetta mit einem 7 Minuten dauernden Brennen der Triebwerke die Geschwindigkeit und addierte die fehlende Geschwindigkeit von 1 m/s. Dank der (bekannten) Präzision der Ariane 5 Oberstufe ist so ein Asteroiden Rendezvous denkbar, da Rosetta wenig Treibstoff zur Korrektur brauchte.

Während der Kommissionierung der Instrumente nutzte man die Gelegenheit den Kometen C/2002 T7 (LINEAR) zu beobachten. Am 30.4.2004 machte OSIRIS Aufnahmen von LINEAR aus 95 Millionen km Entfernung. Später wurden ALICE, MIRO und VIRTIS zur Beobachtung hinzugezogen. Es wurde Wasser in der Koma entdeckt und ein 2 Millionen km langer Schweif mit OSIRIS aufgenommen. Am 10+15 Mai 2004 wurde Rosettas Kurs korrigiert, so dass sie sich wieder am 4.3.2005 der Erde nähert. Dazu wurde die Geschwindigkeit der Sonde um 153 m/s geändert.

Die Erde aufgenommen mit der NavigationskameraIm Juli 2004 wurde die Software an Bord durch eine neue ersetzt, die am 22.7.2004 gebootet wurde. Die neue Software ermöglicht es seltener mit Rosetta zu kommunizieren, so dass nur eine Verbindung pro Woche nötig ist.

Der erste Erdvorbeiflug

Am 4.3.2005 flog Rosetta an der Erde vorbei. Der erdnächste Punkt lag bei 1954,74 km Höhe über Mexiko. Die Sonde ist durch ihre großen hellen Solarzellenflächen sogar mit dem bloßen Auge erkennbar gewesen, wenn auch an der Sichtbarkeitsgrenze. 9 Minuten lang wurde mit der Erde ein Asteroidenvorbeiflug geübt indem die Sonde mit ihren Kameras die Erde erfasste und ihre Lage zu dem Zielpunkt automatisch korrigierte, so dass trotz Bewegungen immer das gleiche Feld abgebildet wurde.

Vor und nach dem Vorbeiflug am erdnächsten Punkt wurden mit den Navigationskameras außerdem eine Reihe von Bildern des Mondes und der Erde aufgenommen. Während des Manövers wurden andere Instrumente zu Eichungs- und allgemeinen Erprobungszwecken unter Nutzung der Erde und des Mondes als Ziele eingeschaltet, darunter ALICE, VIRTIS und MIRO.

Einige der Instrumente von Rosetta, unter anderem ALICE, dürften einen kritischen Beitrag zu der US-Mission Deep Impact leisten. Rosetta befindet sich in einer guten Position wenn diese Sonde am 4.7.2005 ein Projektil auf den Kometen Tempel 1 abfeuert. Rosetta wird den Kometen Tempel 1 dem ab 28. Juni 2005 beobachten. Ab 1. Juli schickt Rosetta dann die gesammelten Daten und Bilder einmal pro Tag über die 35-Meter-Parabolantenne der ESA-Station im australischen New Norcia zur Erde. Beim Einschlag ist Rosetta etwa 80 Millionen km von Tempel 1 entfernt. Das ist noch nicht zu weit als dass OSIRIS, VIRTIS, MIRO und ALICE nicht ergänzende Informationen liefern können. Insbesondere die Spektrometer sind wichtig, da ein solches Instrument an Bord von Deep Impact fehlt.

Vom 30.6.2005 bis zum 18.7.2005 erstreckte sich die Beobachtung von Tempel 1 durch die Fernerkundungsinstrumente. Während dieser Zeit wurden pro Tag etwa 60 MByte an Daten übertragen. Gegenüber großen Teleskopen auf der Erde sind die Instrumente von Rosetta natürlich im Nachteil, doch ohne die Atmosphäre sind dauerhafte und unverfälschte Messungen vor allem der Helligkeit gelungen. Nach dem 18.7.2005 wurde Rosetta wieder desaktiviert um bis der nächste Vorbeiflug ansteht. Im September 2005 wurde die neue Empfangsantenne der ESA in Spanien eingeweiht. Sie wird die wichtigste Empfangsanlage für Rosetta sein.

Der Marsvorbeiflug

Im Januar 20007 machte man einige Testbilder von Mars als er sich noch weit entfernt im Milchstraßensystem befand mit OSIRIS. Über Monate wurde der Vorbeiflug am Mars am 25.2.2007 geplant, wobei man besonders die Bedeckung der Sonne durch den Mars über 25 Minuten einkalkulieren musste. Dafür wurde ein Niedrigenergiemodus ausgearbeitet, der die Batterien schonen soll. Am 15.2.2006 fand die letzte Kursjustierung statt. Rosetta wird sich bis auf 250 km an den Mars nähern - Das ist die geringste Entfernung die eine Sonde an einem Himmelskörper mit einer Atmosphäre beim Vorbeiflug jemals erreichte. (Mariner 10 näherte sich Merkur noch näher, doch hat dieser keine Atmosphäre).

CIVA Bild von Rosetta und MarsAm Morgen des 27.2.2007 flog dann Rosetta an dem Mars vorbei. Natürlich nutzte man den Vorbeiflug auch zu Beobachtungen. Diese haben zwei Aufgaben. Zum einen hat Rosetta Instrumente an Bord die bislang nicht auf den Mars ausgerichtet wurden. OSIRIS - mit dem größten Chip an Bord einer Raumsonde von 2048 x 2048 Pixels (oder für Digicam User: Eine  4 Megapixel Kamera, nur ist der Chip etwa sechsmal größer als der in ihrer Digicam und entsprechend lichtempfindlicher) machte Aufnahmen z.B. im OH Band. Das abbildende Infrarot Spektrometer VIRTIS machte Infrarotaufnahmen. Zum zweiten kann man mit den Aufnahmen und Daten die Instrumente kalibrieren. Man kann sie zum Beispiel. mit bekannten Daten oder Daten ähnlicher Instrumente an Bord der europäischen Raumsonde Mars Express vergleichen, die seit drei Jahren den Mars umkreist

Die Instrumente von Rosetta selbst waren aktiv bevor die Sonde den Planeten passierte, das Bild von OSIRIS (Das Original ist 3 mal größer) wurde noch aus 240.000 km Entfernung gemacht. Dann musste man den Betrieb einstellen um die Batterien zu schonen. Doch Rosetta hat noch einen kleinen Lander an Bord: Philae. Dieser hat eigene Instrumente und die Jamera CIVA nahm aus 1000 km Entfernung den Mars auf kurz bevor die Raumsonde den nächsten Punkt der Bahn erreicht. Der schwarze Schatten auf dem Bild sind die Solarpanel von Rosetta. Weiterhin untersuchte ROMAP das Magnetfeld des Mars. Für den Lander war es die erste autonome Aktivität seit er gestartet wurde. Damit konnte das Team schon mal üben. Er soll in 7 Jahren auf dem Kometen 67P Churyumov-Gerasimenko landen.

Mars hat die Sonde um 2190 m/s abgebremst und so auf eine neue Bahn gebracht. Nächster Termin für Rosetta ist ein zweiter Erdvorbeiflug am 7. November dieses Jahres bei dem die Sonde genug Schwung holt um den Kometen zu erreichen. Rosetta leistet nun New Horizons Schützenhilfe: ALICE an Bord von Rosetta wird den Magnetschweif des Jupiters beobachten während ein baugleiches Instrument (ebenfalls ALICE genannt) den Jupiter in Sito untersucht. Einige Parameter kann New Horizons nicht bestimmen, dies geht nicht wenn das Instrument gegen die Sonne schaut.

Der zweite Erdvorbeiflug

Der zweite Erdvorbeiflug fand dann am 13.11.2007 in 5301 km Distanz statt, wobei die Sonde eine Bahn mit einer zweijährigen Umlaufszeit erreichte. Der nächste und letzte Vorbeiflug an der Erde findet nun am 13. November 2009 statt. 2 Wochen um die kürzeste Distanz gibt es Beobachtungen des Erde / Mondsystems, die meisten an den zwei bis drei Tagen rund um den Vorbeiflug:

Mit nur 6 km Abweichung vom Zielpunkt in 5.295 km Entfernung bekam Rosette nun den Schwung den sie brauchte um die Erde in zwei Jahren zum letzten Mal zu passieren. Die Feinjustagen der Flugbahn und die geplanten Asteroidenvorbeiflüge haben einige kleinere Änderungen in Rosettas Flugplan ergeben:

Ziel Geplante Passage geplante Distanz Passage Passagedistanz Geschwindigkeit
Erde 1 3.3.2005 3.190 km 4.3.2005 1.955 km 33.8 km/s
Mars 28.2.2007 200 km 27.2.2005 250 km  
Erde 2 15.11.2007 430 km 13.11.2005 5.295 km 35,1 km/s
Erde 3 11.11.2009 2.300 km 15.11.2009 2.480 km 38,7 km/s
Asteroid (2867) Steins 15.9.2008 1.700 km 5.9.2009 800 km  
Asteroid Luthetia 10.7.2010 3.000 km 10.7.2010    
Beginn Hibernation Mode 8.6.2011     660 Millionen km von der Sonne
549 Millionen km von der Erde
 
Ende Hibernation Mode 20.1.2014     673 Millionen km von der Sonne
806 Millionen km von der Erde
 
67P 7P/Churyumov-Gerasimenko 22.5.2014        
Landung Philae 11.11.2014        
Perhíheldurchgang 23.8.2015     192,8 Millionen km von der Sonne  
Ende Operationen Ende 2015        

Der erste Asterioidenvorbeiflug an (2867) Steins

SteinsNach einigen Monaten im Hibernations (Schlaf) Modus, begann am 5.8.2008, einen Monat vor der Passage die Observation des Kleinplaneten Steins. Ziel dieser Beobachtungen mit der Kamera OSIRIS ist es den Orbit genauer zu definieren. Stein wird gegen den Sternenhintergrund aufgenommen und seine Position anhand der Beobachtungen vorhergesagt. Ohne diese Beobachtungen wäre die Position nur auf 100 km genau - das ist angesichts 800 km Minimaldistanz ein großer Fehler, der 7.1 Grad Unsicherheit in der Position ausmacht - etwa dreimal mehr als das Gesichtsfeld der Telekamera beträgt. Die Beobachtungen von Rosetta sollen die Unsicherheit auf 2 km verringern.

Lange ist Stein nur ein Pixel groß. Bis zum 25.sten August reichen daher 2 Aufnahmen pro Woche. Ab dem 25.sten August bis zum 4. September gibt es tägliche Aufnahmen. Die letzte Möglichkeit zur Feinjustage der Trajektorie gibt es am 4.Septzember einen Tag vor dem Vorbeiflug. Dabei nimmt die Distanz rasch ab, als am 5.8.2008 mit den Beobachtungen begonnen wurde sind es noch 24 Millionen km. Die Eigentliche Beobachtungskampagne beginnt dann 950.000 km Entfernung, einen Tag vor dem Vorbeiflug. Doch selbst aus 800 km Minimalentfernung wird Steins dessen Größe zwischen 2-5 km (irrreguläre Struktur) mit einem mittleren Durchmesser von 4.6 km geschätzt wird klein bleiben. (Er dürfte maximal 300 Pixel groß sein auf den Bildern der Telekamera). Trotzdem haben auch die Aufnahmen aus größerer Entfernung wissenschaftlichen Wert: OSIRIS kann das Licht von Stein messen und damit Informationen über Abmessungen und Rückstrahlfähigkeit liefern und die Erkenntnisse über die Rotationsperiode / Achse verbessern.

ErdeVon ESAs originaler Planung des Fly Bys blieb nicht viel übrig: Diese war auf Sicherheit ausgerichtet, so sollte Rosetta nicht zu sehr aufgeheizt werden und nach dem Vorbeiflug sollten keine Beobachtungen mehr stattfinden. No way, sagten die Wissenschaftler! Da haben wir die bislang leistungsfähigste Sonde die an einem Asteroiden Vorbeiflügen soll und dann machen wir keine Kompromisse, also bitte so nah wie möglich an Steins vorbei, Beobachtungen vor, bei und nach dem Vorbeiflug, eine Bahn die volle Ausleuchtung (Sonnenwinkel 0 Grad) gewährleistet und natürlich so viele Instrumente wie möglich im Betrieb. Warum? Nun Steins ist ein E-Typ Asteroid, er besteht zu einem größeren Teil aus schweren Elementen wie Eisen und Nickel, vermischt mit Silikaten. Diese Asteroiden sind selten (weniger als 1% aller Asteroiden sind vom E-Typ). Rosetta ist die erste Sonde die einen E-Typ Asteroiden besucht, also Zeit diese Gelegenheit zu nutzen!

Da hatte das Team um die Flugingenieure einiges zu tun. Und sie haben diese Aufgabe bewältigt und Rosetta bis an die Grenzen getrieben. Um Die Bahn von Steins besser zu charakterisieren reichte die Vermessung der Raumsondenbahn alleine nicht aus. Rosetta begann Steins vor dem Hintergrund zu fotografieren und so die Position genauer zu bestimmen. Die  Bahn wurde mehrfach angepasst und 3 Stunden vor dem Vorbeiflug begann man mit den Navigationskameras Steins zu verfolgen und die anderen Instrumente auf ihn ausrichten. Diese optische Navigation ist eine Erstleistung für Europa.

Aktiv waren schließlich 15 Instrumente, 14 auf Rosetta und eines (das Magnetometer) auf Philae. Untersucht wurde nahezu alles : Bilder und Spektren vom UV bis hin zu Mikrowellen. Staubteilchen Detektoren,. Plasmadetektoren und Magnetometer. Leider schaltete die Telekamera 9 Minuten vor der nächsten Begegnung ab, so dass zuerst nur Bilder Weitwinkelkamera präsentiert wurden. Dies wurde von der Software, welchen den Zustand überwachte, veranlasst. Ursache war das der neue "Movie" modus - bei dem die NAC alle 2 Sekunden ein Bild aufnahm wohl die Kamera an die Grenzen trieb und die Software sie daher vorsorglich abschaltete. Einige Stunden später schaltete sie sich ein und arbeitet seitdem problemlos. Ein weiteres Problem war der Ausfall der NASA Goldstone Antenne, über die eigentlich die Daten gesendet werden sollten. So verzögert sich das Rücksenden der Daten die nach dem Vorbeiflügen gewonnen wurden. Mit der 70 m Antenne der NAS konnten die Daten aus 454 Millionen km Entfernung mit 91 kbit/s übertragen werden.

Ein 2 km großer Krater nahe des Nordpols hätte Steins fast zertrümmert. 23 Krater von mindestens 200 m Durchmesser (der größte von 2 km Durchmesser) konnten identifiziert werden. Die ersten Farbaufnahmen zeigten Steins in Grau, mit leichtem rötlichem Touch. Auch Stereobilder konnte OSIRIS herstellen

Die VIRTIS Daten sind immer noch in Auswertung, weil dieses Instrument enorme Mengen an Daten liefert. Aufbereitete Bilder sollen folgen. GIADA konnte keinen Staubeinschlag vermelden. Der Asteroid "staubt" also nicht. Schade, das hätte eine direkte Analyse der chemischen Zusammensetzung erlaubt. Allerdings konnte man in 800 km Entfernung auch kaum noch Staub erwarten.

GH. Winter nutzte die Pressekonferenz am 6.9.2008 um ein Programm vorzustellen um Near Earth Objects (NEO) zu suchen und überwachen, vor allem um Objekte rechtzeitig zu finden welche der Erde gefährlich nahe kommen oder sogar potentiell einschlagen könnten.

Es umfasst folgende Schritte:

Es soll im November beim Ministerrat in Den Haag vorgestellt werden. Angesichts der Überschreitung der Budgets von BepiColombo und Exomars (beide wurden deutlich schwerer und erfordern nun jeweils einen Ariane 5 anstatt einen Sojus Start, stehen die Chancen für neue Programme aber eher schlecht.

Zwischen dem 6. und 19.11.2009 wurden dann die Instrumente erneut aktiviert, denn nun stand der dritte und letzte Vorbeiflug an der Erde an. Neben Aufnahmen der Erde gab es auch welche des Mondes der in 220.000 km Entfernung passiert wurde. Alle drei Vorbeiflüge an der Erde haben die Geschwindigkeit der Sonde von 30,0 auf 38,7 km/s erhöht - genügend um nun Churymasov-Geramisenko zu erreichen der bei der Ankunft fast in Jupiterentfernung seine Kreise zieht.

Der Vorbeiflug in 2.487 km Entfernung verlief erfolgreich. Es gelangen Aufnahmen der Erde (Bild links) und des Mondes.

Vorbeiflug an Luetetia

LuettiaIn 280 Millionen km Entfernung von der Erde findet danach der letzte Vorbeiflug an einem Himmelskörper statt. Über Lutetia ist außer der Größe von wahrscheinlich 95 x 134 km kaum etwas bekannt. Es gibt vor dem Vorbeiflug sogar noch Spekulationen ob es ein C- order M-Typ Asteroid ist, da bisherige Beobachtungen weder zum einen noch zum anderen Typ richtig passen. Rosetta sollte dies klären können. Wäre es einer der seltenen M-Typen (M steht für Metall, vor allem Eisen und Nickel) so wäre das ein außerordentlicher Glücksfall, denn ein solcher Asteroid wurde noch nie von einer Raumsonde besucht und auch Dawn wird nur "herkömmliche" Steinplanetoiden besuchen.

Aus 3.200 km Entfernung entspricht dies einer Bildgröße von 131 x 131 km. Lutetia wird also mehr als bildfüllend sein. OSIRIS wird beginnend 2 Stunden vor dem Vorbeiflug hochauflösende aufnahmen anfertigen. 36 Stunden um den nächsten Punkt herum wird Rosetta ununterbrochen Bilder und andere Daten zur Erde funken. Um einen dauerhaften Funkkontakt zu gewährleisten springt die NASA ein, da die beiden ESA Bodenstationen in Spanien und Australien nicht die Zeit abdecken in der Rosetta von Amerika aus sichtbar ist (eine weitere Bodenstation ist allerdings in Argentinien bei Malargüe im Bau und wird Mitte 2012 vor der Ankunft von Rosetta zur Verfügung stehen).

Eine Auswertung der Aufnahmen von OSIRIS ergab, dass die Kraterränder erstaunlich glatt sind. Eine mögliche Erklärung wäre eine bis zu 600 m dicke Schuttschicht aus Regolith auf Lutetia. Ob diese existiert muss sich noch zeigen. Zum einen ist Lutetia sehr klein, sodass eigentlich Einschläge das Material soweit beschleunigen könnten, dass es die Fluchtgeschwindigkeit erreicht. Zum anderen wurde eine so dicke Schutzschicht auch vor den Mondlandungen postuliert - und sie existierte nicht.

Schlafzustand

2011 wird Rosetta für zweieinhalb Jahre in einen "Hibernation" Mode gehen, bei dem die Raumsonde weitgehend inaktiv ist um Strom zu sparen. Sie durchläuft auch den sonnenfernsten Punkt in 800 Millionen km Entfernung während dieser Zeit. Vorher wurde aber eine Anomalie eingehender untersucht die während des Erdvorbeiflugs 2006 auftrat: Der Druck im RCS Subsystem mit den kleinen Düsen zur Lageveränderung fiel auf Null. Eingehende Untersuchungen zeigten, dass die wahrscheinlichste Ursache in Leck ist. Es wurde eine Strategie entwickelt, die nun die erneute Druckbeaufschlagung des RCS Systems vor einer Kurskorrektur nach dem Aufwachen um eine Woche verschiebt und den Rest der Zeit dann das System mit niedrigem Druck betreibt. Das kostet etwas mehr Treibstoff als geplant, doch da Reserven die für solche Fälle vorgesehen waren bisher nicht benötigt wurden, stellt das kein Problem dar.

Im Juli 2011 wird Rosetta in den Hibernation Zustand gehen und dort bis Januar 2014 bleiben. Im Mai 2014 findet dann das letzte größere Kurskorrekturmanöver statt, dass die europäische Hightech Sonde zu ihrem Ziel führen wird.

Am 8.6.2011 wurde Rosetta  etwas früher als geplant in den Schlafzustand versetzt. Sie rotiert nun langsam um ihre eigene Achse um sie so zu stabilisieren und auch die Reaktionsschwungräder zu schonen - zwei der vier Räder zeigen Anzeichen der Abnützung. Nun soll in den nächsten zwei Jahren eine neue Software entwickelt werden, welche den Betrieb mit drei und notfalls mit zwei Reaktionsschwungrädern gewährleistet. Sie werden benötigt für die räumliche Ausrüstung der Raumsonde. Ohne sie würde zu viel Lageregelungstreibstoff verbraucht. Im Antriebssystem wurde das Leck beim Heliumdruckgas lokalisiert. Rosetta wird daher die Ruhezustandsphase ohne druckbeaufschlagte Tanks absolvieren. Nun rotiert Rosetta einmal in 90 s um seine eigene Achse. Die Solarzellen bleiben weiterhin auf die Sonne ausgerichtet, doch die Kommunikationsantenne hat nur für 4 s pro Umdrehung Kontaktmöglichkeit zur Erde. Es ist das erste Mal dass ein so großer Satellit (14 m Spannweite mit Solarpanels) von einer Dreiachsenstabilisierung in eine Spinnstabilisierung wechselt.

Während der Ruhephase waren nur die Bordcomputer und einige Heizelemente aktiv, die auch ein Ausfrieren des Treibstoffs verhindern sollten. Als das Kommando erging war Rosetta 660 Millionen km von der Sonne entfernt. Sie passierte dann das Apohel in 790 Millionen km Entfernung von der Sonne. 

Erst am 20.1.2014, nach mehr als 31 Monaten wachte die Sonde auf. Aktiviert wurde sie nicht von der Erde aus, sondern ein Zeitgeber sollte sie um 10:00 UTC wecken. Die Distanz zur Sonne betrug 673 Millionen km und zur Erde sogar Nach einigen Selbsttests die etwa 6 Stunden dauern, würde die Sonde dann die Erde kontaktieren, was mit großer Spannung erwartet wurde. Hier war die ESA auf die Schützenhilfe der NASA angewiesen, denn ohne ausgerichtete Hochgewinnantenne nur mit der Niedriggewinnantenne war das Signal zu schwach um mit den 35 m großen DSN-Antennen der inzwischen drei ESA Tiefenraumstationen empfangen zu werden. Sie konnten nur die Trägerwelle empfangen, nicht jedoch die Daten aus dem rauschen entschlüsseln, das konnten nur die 70 m Antennen der NASA. Bedingt durch die Konstellation der Planeten war Rosette weiter von der Erde entfernt als man sie in den Tiefschlaf versetzte. (549 zu 807 Millionen km Entfernung), was das empfangene Signal auf der Erde weiter abschwächte. Erwartet wurde das Signal zwischen 17:30 und 18:30 UTC. Genauer ging es nicht da dies von dem Zustand der Systeme abhing die vorher geprüft wurden. So war die Spannung groß als man um 17:30 kein Signal empfing und wurde immer größer bis um 18:18 UTC auf den Bildschirmen der Kontrolleure ein Peak im Signalspektrum sichtbar war und Jubel ausbrach - neben den Flugkontrolleuren waren auch die PI der Instrumente und einige ESA Direktoren sowie eine Menge Presse anwesend.

Rosetta hat damit einen Rekord aufgestellt noch nie war eine Raumsonde so lange inaktiv. New Horizons ist zwar während der Reise zu Pluto auch rund 7 Jahre in einem ähnlichen Hibernationsmodus, aber sie wird alle 6 Monate aktiviert, geprüft und Messdaten gewonnen (einige Instrumente sind aktiv und legen die Daten in ihren eigenen Datenspeichern ab). In den folgenden Wochen wird die Flugkontrolle alle Systeme der Sonde prüfen und danach die Experimente und den Lander Philae. Die ersten Aufnahmen von Churymasov/Geramisenko sind für den Mai vorgesehen, wenn die Sonde sich ihm bis auf 2 Millionen km Entfernung nähert. Am 20.1.2014 war sie noch 9,188 Millionen km entfernt und näherte sich mit 800 m/s.

Bild vom 20/21.3Am 17.3.2014 wurde begonnen die wissenschaftlichen Instrumente von Philae zu aktivieren, dessen Landung zu diesem Zeitpunkt für den 11. November vorgesehen ist. Am 20 und 21 März schoss OSIRIS erste Testbilder von Churymasov-Geramisenko um die Kamera nach dem langen Schlaf zu testen. Aus dieser Distanz zeigen sie den Kometen nur als verwaschenen Punkt neben dem Kugelsternhaufen M107.

Links

ESA Rosetta Seite

ESA Rosetta Wissenschaftsseiten

MPAe Projekte Raumfahrt

Rosetta Lander Net

DLR Rosetta Seiten

Artikel zuletzt geändert am 1.2.2014


Copyright der Bilder: ESA

Herzlichen Dank an dieser Stelle an:
Detlef Koschny, Rosetta Science Operations- Manager für Informationen zu Rosetta und der Mission
Anja Zoe Christen: Projektleiterin Entwicklung der DPU von OSIRIS für die Informationen über die DPU von OSIRIS


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
Sitemap Kontakt Neues Bücher vom Autor Buchempfehlungen Top 99