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EinleitungAm 3.2.2009, ziemlich genau 30 Jahre nachdem der Schah den Iran verlassen hat, startete Iran den ersten eigenen Satelliten mit einer eigenen Rakete und gehört seitdem zu dem exklusiven Klub der Nationen die dies geschafft haben. Diesem gingen zwei Startversuche am 4.2.2008 und 26.8.2008 voraus. Die Trägerrakete "Safir" ist eine um eine zweite Stufe ergänzte Shahab-3, eine Mittelstreckenrakete mit rund 800 km Reichweite. Naturgemäß gibt es nur wenige öffentliche Informationen über diese.
Die Shahab-3 ist keine iranische Eigenentwicklung, sondern ein Import aus Nordkorea. Technisch gesehen entspricht sie der Nodong, mit der Nordkorea schon 1998 einen Satellitenstart versuchte. Die Nodong selbst ist wiederum eine technisch verbesserte Scud-C, eine russische Mittelstreckenrakete mit der Technik von 1965. Nordkorea bekam von Ägypten 1976 einige Scud-C und untersuchte diese mittels "Reverse Engineering" und vergrößerte die Reichweite, Das ist keine Kunst, ähnliches machten auch der Irak mit seinen Scud um sie im zweiten Golfkrieg gegen Israel und Saudi-Arabien einzusetzen, die sonst nicht erreichbar waren. Nordkorea exportierte Rakete in den Iran und Pakistan. Da letztes Land ein eigentlich gutes Verhältnis zu den USA hat, ist es eigentlich verwunderlich, dass man nur wenige Details von der Nodong, bzw. Shahab-3 weiß.
Je nach Quelle hat die Shahb-3 einen Durchmesser von 1.19-1.34 m und eine Länge von rund 15.9 m. Die Startmasse beträgt 14.5-15.1 t.
Die Shahab verwendet die lagerfähige aber veraltete Kombination Kerosin/Salpetersäure mit einem vergleichsweise niedrigen spezifischen Impuls
Iran spricht auch von einer Shahb-4 mit 1900 km Reichweite, doch es ist offen, ob es sich dabei um eine verbesserte Shahab-3 ist oder einfach nur der normalerweise rund 1000 kg schwere Sprengkopf auf 500 kg reduziert wurde. Die Shahab 5 dürfte dagegen identisch mit der Taepodong 2 oder Unha 2 Nordkoreas sein.
Die Shahab-3 alleine ist als einstufige Rakete nicht in der Lage einen
Orbit zu erreichen. Über die zweistufige Safir gibt es nur wenige offizielle Daten. Die Länge soll 22,0 m betragen, der Durchmesser 1,25
m. Schon vor einigen Jahren zeigte sich Irans
Ministerpräsident Achmanishad vor einem Modell einer zweiten Stufe. Aufgrund
des bekannten Durchmessers konnte die Länge dieser auf rund 3.5 m geschätzt
werden. Es scheint sich um eine iranische Neuentwicklung zu handeln.
Die Brennkammer der ersten Stufe ist zu erkennen, sie besteht aus einem
massiven Block mit ein gefrästen Kühlkanälen - V-2 Technologie, wie sie auch
in der Scud vorkommt. Vom Aussehen des Hecks her scheint nur ein Triebwerk
eingesetzt zu werden, dafür sprechen auch die Dimensionen des Triebwerks. Es
gibt Finnen zur Stabilisierung und wahrscheinlich Strahlruder - es sind
weder ein Schwenkmechanismus noch Verniertriebwerke im Heck zu erkennen.
Die zweite Stufe hat zwei oder vier Düsen. Das spricht hier gegen eine Scud-C als zweite Stufe, da bei der geschätzten Masse von etwa 4 t ein Triebwerk ausreichen würde. Von der Taepodong 1 unterscheidet sich die Safir auch durch die deutlich kürzere zweite Stufe mit demselben Durchmesser wie die erste.
Bedingt durch die nur zweistufige Bauweise ist die Nutzlast der Safir mit 27 kg sehr klein. Der erste Satellit Omid 1 (Hoffnung) dient wahrscheinlich nur der Erprobung der Rakete. Omid hatte keine Solarzellen. Er ist rein batteriebetrieben. Funksignale des Satelliten konnten bei einer Frequenz von 459 MHz von der englischen Kettering Grammar School empfangen werden. Ihm sollen in den nächsten zwei Jahren vier weitere Satelliten folgen. Zwei Objekte wurden per Radar geortet: Eines in einem 245 × 378 km 55,51 Grad Orbit und eines in einem 245 × 439 km, 55.6 Grad Grad Orbit. Zwei Jahre später fand am 17.6.2011 der Start des zweiten Satelliten "Rasad" vermeldet. Er soll der Erprobung von Technologien zur Erdbeobachtung dienen. Er wiegt lediglich 15,4 kg und wurde in einen 226 x 297 km hohen Orbit, erneut mit einer Inklination von 55,7 km entlassen. Damit ist Iran erheblich erfolgreicher bei der Start eines eigenen Satelliten als zahlreiche andere Versuche von "neuen" Raumfahrtmissionen wie Brasilien, Süd-Korea und Nordkorea, bei denen bislang kein Start gelang. Drei weitere Starts sind bis März 2012 geplant, darunter ein Start eines Affen in eine 120 km hohe Umlaufbahn. Nach Ansicht des Autors ist wohl eher eine suborbitale Bahn mit einem Scheitelpunkt von 120 km gemeint. Zum einen ist eine 120 km hohe Umlaufbahn nicht stabil (die Lebensdauer beträgt nicht einmal einen Umlauf), zum anderen dürfte die Safir nicht ausreichen eine Kapsel mit einem Affen in diese Höhe zu bringen. Schließlich beträgt die Nutzlast bisher nur rund 30 kg. Eventuell erfolgt aber der Start dann schon mit der Safir-2. Später wurden diese Pläne wieder dementiert.
Am 14.4.2009 gab Iran bekannt, dass man bis 2010 eine Safir-2 entwickeln will. Zwei Ghadr-101/Samen Booster mit festem Treibstoff sollen die Shahab 3C Erststufe unterstützen. Eine dritte Stufe, mit festen Treibstoffen soll die Nutzlast verdoppeln. Alternativ sind auch höhere Bahnen von 700 km Höhe möglich. Dem folgen soll eine Trägerrakete auf Basis der Ghadr-101/Samen, Ghadr-110, 110A/Sejjil/Ashura Raketen. Sie würde nur feste Treibstoffe einsetzen und eine Nutzlast von 330 kg besitzen. Bedingt durch die wahrscheinlich hohe Leermasse der zweiten Stufe und die schlechten spezifischen Impulse, kann eine dritte Stufe deutlich die Nutzlastkapazität erhöhen.
Der dritte erfolgreiche Start beförderte am 3.2.2012, genau zwei Jahre nach dem ersten Start den dritten Satelliten "Navid" in eine Umlaufbahn mit einem erdnächsten Punkt von 250 und einem erdfernsten von 370 km Höhe. Er habe die Aufgabe, Daten zu Wetter, Klimawandel und Naturkatastrophen zu sammeln. Auch wenn er nur wie die vorhergehenden in eine erdnahe Umlaufbahn gelangte ist er mit 50 kg nun schon doppelt so schwer wie der erste Omid 1. Er soll mit der verbesserten Version der Safir, die nun offiziell "Safir 1b" heißt, gestartet worden sein. Beim Startvideo, das leider nachts gedreht wurde und recht undeutlich ist, fällt auf, dass die Rakete zwar keine Booster bei der ersten Stufe trägt, aber der Stufenadapter zur zweiten Stufe deutlich dicker als der Rest der Rakete ist.
Datenblatt Safir |
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|
Einsatzzeitraum: |
2008-heute |
|
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|
Stufe 1 |
Stufe 2 |
|---|---|---|
|
Länge |
16,60 m |
3,40 m |
|
Durchmesser: |
1,25 m |
1,25 m |
|
Startgewicht: |
22.200 kg? |
3.800 kg? |
|
Trockengewicht: |
3.000 kg? |
800 kg? |
|
Schub Meereshöhe: |
279 kN? |
- |
|
Schub Vakuum: |
- |
48 kN? |
|
Triebwerke: |
1 × YF-2? |
1 × YF-3? |
|
Spezifischer Impuls |
2378 m/s? |
- |
|
Spezifischer Impuls |
- |
2810 m/s? |
|
Brenndauer: |
>100 s (130 s?) |
105 s? |
|
Treibstoff: |
Salpetersäure/Kerosin |
Salpetersäure/Kerosin |
© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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