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Was ist drin... in "Schokoladenbrezeln"?

SchokobrezelnEinleitung

Immer wieder habe ich in dieser Rubrik abschreckende Beispiele von Produkten: Produkte die zwar geschmacklich in Ordnung sind, aber sich leicht schimpfen ohne es zu sein. Produkte die enorm viele Zusatzstoffe enthalten, deren Sinn bezweifelt werden kann und Produkte bei denen das Zutatenverzeichnis nicht korrekt ist. Heute gibt es ein Positivbeispiel. Ein Gebäck, das toll schmeckt und aus nur den absolut notwendigen Zutaten bestehen. Es ist ein Kleingebäck einer holländischen Firma. Von derselben Firma habe ich schon ihre Butter Öhrchen getestet

Verkehrsbezeichnung

Als Verkehrsbezeichnung wird angegeben: "Original Holländisches Butter Blätterteiggebäck". Das ist schon ein Hinweis auf die Zutaten, den Blätterteig besteht nur aus Mehl, Zucker, Salz und einem Fett. Wie immer finden Sie die Angaben auf der Verpackung in dunkelblauer, fetter Schrift. Durch die Auslobung der Schokolade muss auch die Schokolade angegeben werden.

Zutatenverzeichnis:

Milchschokolade (34 %) (Zucker, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Kakaomasse, Emulgator Sojalecithin, Aroma): Die Schokolade besteht aus erfreulich wenigen Bestandteilen. Eigentlich nur den absolut notwendigen. Andere Hersteller sind da erfinderischer und nehmen anstatt dem Vollmilchpulver die preiswertere Kombination von Magermilchpulver, Molkenpulver und Butterreinfett.

Weizenmehl: Natürlich der Hauptbestandteil des Teigs

Butter (17 %) : Die Prozentangabe ist durch die Nennung in dem Produktnamen Pflicht. Das ist der Fettanteil. Auch Margarine oder Öl wäre möglich bei einem Blätterteig. Der Butteranteil ist etwas geringer als bei den Butteröhrchen - sonst wäre bei dem Schokoladenüberzug das Gebäck sehr energiereich.

Zucker: Die Süße und er liefert die Bräune

Salz: Zur Geschmackabrundung

Kann Spuren von Schalenfrüchten und Sesam enthalten: Der Allergikerhinweis, der durch die Batchproduktion (Wechsel mit anderen Backwaren welche diese Stoffe verwenden) verpflichtend ist.

Nährwertkennzeichnung

Durchschnittliche Nährwerte pro 100 g 1 Stück (33 g)
Brennwert 2019 kJ/ 488 kcal 673 kJ / 161 kcal
Eiweiß 5.7 g 1.7 g
Kohlenhydrate 57.6 g 19 g
davon Zucker 34.61 g 11.4 g
Fett 26.3 g 8.7 g
davon gesättigte Fettsäuren 17.0 g 5.6 g
Ballaststoffe 1.3 g 0.4 g
Natrium 0.2 g 0.07 g

Es folgt dann noch die GDA Kennzeichnung:

3 Stück (25 g) enthalten:

Brennwert 161 kcal 8  %
Zucker 11.4 g 13 %
Fett 8.7 g 12 %
gesättigte Fettsäuren 5.6g 28 %
Natrium 0.07 g 3 %

% des Richtwertes für die Tageszufuhr GDA*

*Guideline Daily Amount (GDA): Die deklarierten Werte basieren auf einer Ernährung von täglich 2000 kcal (Quelle CIAA)

Beurteilung

Also was soll man sagen? Der Hersteller hat alles richtig gemacht: Es ist ein Blätterteiggebäck und es enthält wirklich nur die notwendigen Zutaten für einen Blätterteig. Keine Emulgatoren, kein zusätzliches Backtriebmittel. Das gleiche gilt für die Schokolade - auch hier nur die absolut notwendigen Zutaten. Wer es nicht glaubt schaue mal in dieser Rubrik die Zusammensetzung einer typischen Vollmilchschokolade an.

Die Nährwertkennzeichnung ist gut lesbar, informiert über alle wichtigen Bestandteile und worauf sich diese GDA Angaben beziehen wird hier auch explizit erwähnt. Alle Angaben sind gut lesbar in einer Schrift die sich deutlich von der Packungsfarbe abhebt.

Natürlich ist Blätterteiggebäck mit Schokoladenüberzug nicht kalorienarm oder "gesund". Doch das behauptet der Hersteller auch nicht. Er informiert über den Energiegehalt korrekt und durch die Größe der Brezeln ist auch die Portionsgröße realistisch: Eine ist eine gute Beilage zu einem Kaffee. Na also, es geht doch!

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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