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Was ist drin... in Spätzlepfanne?

Bei dem vorliegenden Produkt handelt es sich um eine Tiefgefrorene Mahlzeit, die entweder in Mikrowelle oder Pfanne warm gemacht werden kann.

Zutatenverzeichnis:

Eierspätzle gekocht (Weizenmehl, Eier, Milcheiweiß, Vollmilchpulver, Kochsalz, Gewürze): schon bei der Bezeichnung "Eierspätzle" stutzt der wachsame Schwabe. Spätzle werden Bekanntlicherweise immer mit Eiern gemacht, im Gegensatz zu den italienischen Nudeln die nur aus Hartweizen bestehen. Ja die Anzahl der Eier gilt sogar als Qualitätskriterium, mit denen früher z.B. "Hochzeitsspätzle" beworben wurden. Doch bei dem unwissenden Rest Deutschlands kann man damit Eindruck schinden. Noch interessanter ist allerdings die Zutatenliste. Lediglich bei den Allgäuern Spätzle - den sogenannten Knöpfles - wird Milch verwendet, niemals jedoch Milcheiweiß. Die Spätzle selbst sind relativ fest, von der Konsistenz eher wie Schupfnudeln, und viel zu dick und zu kurz. Vieles spricht dafür, dass das Milcheiweiß zugegeben wurde, um Wasser aufzunehmen, das beim Garen dann an das Mehl abgegeben wird. Dadurch kann man die Spätzle kurz erhitzen, ohne dass das Mehl stark verkleistert würde, was normalerweise passieren würde. Das Freiwerden des Wassers beim erneuten Erhitzen in der Pfanne sollte dann die Spätzle vollends weich werden lassen. Bei diesem Produkt ist es aber aufgrund der Dicke der Spätzle nicht möglich. Selbst eine aufgewärmte Portion ist innen immer noch hart. Zudem sind die Spätzle stark gesalzen.

Stockschwämmchen, Champignons, Broccoli-Röschen: Dies sind weitere Zutaten der Spätzlepfanne. Sie bedürfen keiner weiteren Erläuterung.

Kassler geräuchert (Speisesalz, Konservierungsstoff: E 250): unter E 250 verbirgt sich Kaliumnitrit, welches zum Umröten in Kassler immer zu finden ist. Eine weit verbreitete Unsitte ist jedoch, Schinken und andere Rohwaren, die auch durch Salz konserviert werden, extrem stark zu salzen. So auch bei diesem Kassler. Man kann dadurch natürlich auch eine mangelhafte Fleischqualität verbergen. Bei einer schwäbischen Spezialität ist Kassler sowieso falsch, da man hier eher geräuchertes Schweinebauchfleisch erwarten würde. (Der Name kommt von einem Berliner Metzger)

Zwiebeln, pflanzliches Öl: weitere Zutaten, wie man sie z.B. auch bei Käsespätzle einsetzt.

Jodiertes Salz, Gemüsebrühe: und spätestens hier wird man aufmerksam. Da die Zutaten nach ihrem Gewicht geordnet sind, ist mehr Salz als Gemüsebrühe vorhanden - wie ist dies zu erklären? Doch nur damit, dass extrem viel Salz in diesem Produkt zu finden ist! Und so schmeckt es auch: alle Bestandteile des Fertiggerichts sind so stark gesalzen, dass es kaum noch genießbar ist.

Fazit

Normalerweise ist es ein Vorrecht von Restaurants Speisen extrem stark zu salzen - dadurch steigt der Getränkekonsum, an dem sie stark verdienen - hier haben wir jedoch auch einen solchen Fall. Warum? Nun, zum einen kann man durch Salz sehr gut Geschmacksfehler überdecken zum anderen vereinfacht es zumindest beim Kassler die Konservierung, und kann damit über eine schlechte Lebensmitteltechnologie hinwegtäuschen. Hinzu kommen die viel zu großen Spätzle, die wegen ihrer Größe nicht richtig gar werden und hart bleiben. Dünnere Spätzle wären hier angesagt. Zudem finden sich mit Milcheiweiß und Vollmilchpulver Zutaten, die in Spätzle nichts verloren haben. Kurzum Finger weg von diesen L??L Stiftung Spätzle.
Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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