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Einführung
Die Kosten der Raumfahrt waren schon immer von einem Hauch der Ungewissheit umgeben. Dies gilt auch für Raketenstarts. Es gibt hier keine Festpreise. Es sind nicht einmal die Preise verschiedener Träger vergleichbar, da es Quersubventionen gibt. Doch gerade dies interessiert viele. Ich habe mich bemüht die verlässlichsten Informationen zusammenzutragen und hier zu veröffentlichen. Alle Angaben stammen von Ende 2002 - Mitte 2003.
Selten werden die Kosten eines Starts öffentlich gemacht, doch selbst dann muss man genau hinsehen. Die NASA gibt z.B. nur die Kosten an, die ihr für den Start zusätzlich entstehen. Darin berücksichtigt ist also nicht, dass sie einen ganzen Weltraumbahnhof am Laufen halten muss. (Als Extrembeispiel hat die NASA bei einer Kongressanfrage für die Kosten der ISS einmal angegeben, dass der Start eines Space Shuttle minimal 83 Mill. USD kostet (ohne Missionsbetreuung), jedoch die Fixkosten des Shuttles 350 Mill. USD pro Flug (bei 8 Flügen pro Jahr) ausmachen.
Kommerzielle Kunden müssen neben der Rakete selbst noch die Kosten für den Start selber (Integration der Nutzlast, Treibstoff für die Rakete, Startvorbereitung und Durchführung, Anteil an den Betriebskosten des Weltraumbahnhofes) zahlen. Beim CSG in Französisch Guyana, wo sehr effizient gearbeitet wird, machte die Anfang der neunziger Jahre 20 % des Preises einer Ariane 4 aus, wobei kein staatlicher Startkomplex ohne Zuschüsse auskommt.
Bei kommerziellen Starts kommt noch eine Versicherung dazu. Diese deckt nicht nur den Start sondern alles ab was einem Satelliten passieren kann - Von einem Kran der auf einen Insat fiel und ihn zertrümmerte bis hin zum Ausfall im Orbit durch Sonnenstürme.
In den achtziger Jahren war es die Regel, das der Start eines Satelliten verhandelt wurde, manchmal auf 2-3. Dabei verhandelte Der Satellitenbetreiber mit dem "Launch Service Provider". Heute hat sich dies gewandelt. Zum einen verhandeln nun auch die Satellitenhersteller direkt mit den Anbietern von Raketenstarts. So konnte die Entwicklung der Delta 3 durch einen Rahmenvertrag finanziert werden, der 16 Nutzlasten fest buchte. Der Satellitenhersteller bietet also praktisch einen "All in one" Service an. Natürlich hat dieser auch eine bessere Position, denn es gibt nur etwa ein halbes Dutzend Hersteller von Kommunikationssatelliten in der Welt.
Das zweite ist, dass nun Satellitenflotten gebucht werden, der Hersteller eines Satelliten bucht Starts für mehrere Kunden oder ein Kunde bucht für eine Generation. Auch dadurch ist heute ein Preis Verhandlungssache - 6 Starts auf einmal die man an die Konkurrenz verloren haben schmerzen schon, zumal die Fixkosten in diesem Business nicht zu unterschätzen sind. Sowohl die Starts wie auch die Produktion wird von qualifiziertem Personal durchgeführt, dass man nicht einfach so mal feuern kann, wenn das Geschäft schlechter läuft.
Subventionen
Es gibt zwar einige Firmen die seit etwa 10 Jahren versuchen eine Trägerrakete zu entwickeln, doch bislang sind alle gescheitert. Tatsache ist: Selbst die Weiterentwicklung einer Rakete ist heute nicht ohne eine Subvention zu erreichen. Dazu trägt auch die Konkurrenzsituation bei: Es gibt heute mit der Atlas, Delta, Proton, Zenit, Ariane und der Langen Marsch 6 Trägerraketen, die um 20-25 Satellitenstarts pro Jahr konkurrieren. Mit dem Rückgang der Starts seit 2001 (Durch Einbruch des Telekommunikationsmarktes) wird die Konkurrenzsituation noch schwerer.
So wurde für Ariane 5 schon gefordert, dass europäische Starts noch mehr von der Ariane 5 transportiert werden. Bei US Trägern macht dies 50 % aller Starts aus, bei Ariane 5 machen Aufträge der ESA oder von europäischen Regierungen 20 % aus. Sowohl NASA wie auch DoD zahlen keine marktgerechten Preise. Sie subventionieren indirekt über den Betrieb des Weltraumbahnhofes und geben alle Aufträge nur an die beiden US Trägerraketen Delta und Atlas - Ohne Konkurrenz keine niedrigen Preise... Von 2003-2004 bekommen die US Hersteller sogar 1 Mrd. USD vom Staat, nur um die Einnahmeverluste aus dem kommerziellen Geschäft auszugleichen. Als Folge davon hat sich Boeing mit der Delta 4 völlig aus dem kommerziellen Markt zurückgezogen. Wozu auch um Aufträge konkurrieren, wenn der Staat einem die Starts auch so bezahlt...
Wie viel eine Rakete kostet kann nur der Hersteller wissen, doch in der Vergangenheit hat es sich gezeigt, dass man die Kosten über verschiedene Mechanismen senken kann:
Feststoffbooster sind erheblich preiswerter als flüssige Raketenstufen derselben Größe, innerhalb deren gibt es auch Abstufungen innerhalb der verwendeten Treibstoffe (Wasserstoff ist immer noch ein Treibstoff der mehr Anforderungen an die Technik stellt als Kerosin) und auch dem Anspruch an die Technologie: In den achtziger Jahren kostete alleine ein Haupttriebwerk eines Space Shuttles mehr als ein ganzer Start einer Delta 2, da es sehr effizient die Treibstoffe nutzt und mit hohem Brennkammerdruck arbeitet. So verwendet die Delta 4 ein Triebwerk, welches vom Shuttle Triebwerk abgeleitet ist, aber erheblich einfacher aufgebaut.
Andererseits steigt natürlich auch die Leistung mit einer anspruchsvolleren Technologie. Da man die größte Leistung in der letzten Stufe benötigt ergibt sich bei fast allen neuen Raketen, das man als erste Stufe Feststoffbooster nimmt, dann eine niedrigenergetische Zentralstufe und eine hochenergetische Oberstufe.
Dass man ein Gut billiger herstellen kann, wenn man größere Stückzahlen davon nutzt ist nichts neues. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, dass die USA im Jahre 1966 nicht weniger als 76 Starts durchführten, davon 75 eigene und nur ein kommerzieller Start (INTELSAT II F1). Dabei machte das Apollo Programm damals 2/3 des das NASA Budgets aus. Damals waren die Trägeraketen billig, weil sie weitgehend unverändert aus der militärischen Produktion übernommen wurden: Die USA produzierten 224 Thor, 131 Titan 2 und 383 Atlas Raketen als Interkontinentalraketen Bei einer Produktion dieser Größe kostete eine Thor 6.25, eine Atlas 8.34 und eine Titan nur 16.25 Millionen USD. Dies dürfte auch der Grund sein, warum die Sowjets die Sojus Rakete über 40 Jahr lang nahezu unverändert produzierten. Auch von diesem Muster sind bislang über 1200 Raketen gebaut worden.
Es ist also wirtschaftlich möglichst hohe Produktionslose zu erreichen, wenn möglich ohne größere Änderungen an der Rakete. Arianespace hat als Ariane 4 eingeführt war gleich 50 Raketen auf einmal geordert, analog wurden 2002 ebenfalls ein größerer Auftrag für Ariane 5 erteilt - Mit einer Reduktion der Kosten von 170 auf 136 Millionen ¤ verbunden. Als Negativ Beispiel kann hier die Titan stehen: Seit dem Modell Titan 34D fliegt diese Rakete nur selten, dafür sind die Startkosten bei mittlerweile 2 Starts pro Jahr rapide angestiegen.
Verlässliche Quellen sind selten. Ich habe folgende Quellen benutzt:
Alle Daten stammen von 2002/2005. Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass Startpreise eine sehr großen Fluktuation unterliegen.
USD : US Dollar.
| Träger | Trägerpreis | Startpreis | Nutzlast LEO | Nutzlast GTO |
| Space Shuttle | 4.4 Milliarden USD pro Jahr | 1100-1400 Mill. USD je nach Startrate*** | 28000 kg | |
| Ariane 5 | 136 Mill. Euro** | 170 Mill. USD | 23000 kg | 7400 kg* |
| Ariane 5 ECA | 125-155 Mill. Euro | 160 Millionen Euro (2010, mit Subvention 145) | 10050 kg* | |
| Atlas 1 | 75 Mill. USD | 5900 kg | 2255 kg | |
| Atlas 2 | 85 Mill. USD | 6580 kg | 2680 kg | |
| Atlas 2A/2AS | 90-105 Mill. USD | 2810-3630 kg | 6920-8600 kg | |
| Atlas 5 401 | 90 Mill. USD | 12500 kg | 4950 kg | |
| Atlas 5 5xx | 110-170 Mill. USD | 213 Mill. USD (551,2006), 180 Mill (521) | <20500 kg | 5210-8670 kg |
| Delta 2 7320/7420 | 45 Mill. USD (1998) | 2867 kg | ||
| Delta 2 7925 | 55-65 Mill. USD | 5896 kg | 1881 kg | |
| Delta 7925H | 85 Mill. USD (2003) | 2027 kg | ||
| Delta 3 | 90 Mill. USD | 3867 kg | ||
| Delta 4 M | 90 Mill. USD | 8600 kg | 3900 kg | |
| Delta 4 M (5,2) | 100 Mill. USD | 10300 kg | 4640 kg | |
| Delta 4 M (5,4) | 110 Mill. USD | 13600 kg | 6565 kg | |
| Delta 5 Heavy | 148-160 Millionen USD | 254 Millionen USD (2003) | 23000 kg | 12700 kg |
| Titan 2 | 30-40 Mill. USD | 3175 kg | ||
| Titan 4B | 350-450 Millionen USD | 433-500 Mill. USD (2001) | 21640 kg | 5760 kg |
| Pegasus XL | 12-15 Mill. USD | 443 kg | ||
| Falcon 1 | 7.9 Mill. USD | 420 kg | ||
| Falcon 9 | 54-59 Mill. USD | 8700 kg | 3100 kg | |
| Falcon Heavy | 120 Mill. USD | 45000 kg | ||
| H-2A | 75-95 Mill. USD | 9940-11730 kg | 4400-5000 kg | |
| H-2B | 114 Mill. USD (2009) | 16500 kg | 8000 kg | |
| J-1 | 40-50 Mill. USD | 850 kg | ||
| PSLV | 15-17 Mill. USD | 1000 kg | 450 kg | |
| GSLV | 35-45 Mill. USD | 5000 kg | 2500 kg | |
| VLS | 5-7 Mill. USD | 380 kg | ||
| Shavit 1 | 10-15 Mill. USD | 160 kg | ||
| Langer Marsch 3 | 35-40 Mill. USD | 4800 kg | 1400kg | |
| Langer Marsch 3A | 45-55 Mill. USD | 7200 kg | 2600 kg | |
| Langer Marsch 3B | 50-70 Mill. USD | 5200 kg | ||
| Langer Marsch 4B | 25-45 Mill. USD | 2800 kg | 1100 kg | |
| Shtil | 0.1-0.3 Mill. USD | 270-430 kg | ||
| Zenit | 75-95 Mill. USD | 15700 kg | 6066 kg | |
| Rockot | 12-15 Mill. USD | 1900 kg | ||
| Kosmos | 12-14 Mill. USD | 1400 kg | ||
| Proton K | 85 Mill. USD | 90-98 Mill. USD | 19600 kg | 4350 kg |
| Proton M/Breeze | 95 Mill. USD | 100-112 Mill. USD | 5550 kg | |
| Sojus | 35-40 Mill. USD | 70 Mill. Euro (Kourou) | 5950 kg - 8240 kg | 1800 kg-3000 kg |
*: Einzige Rakete die zwei Nutzlasten befördern kann. Angabe für zwei Nutzlasten. 500 kg mehr Nutzlast, wenn nur eine Nutzlast mitgeführt wird.
**: Preis für das zweite Produktionlos Drittes 100 Millionen Euro.
***: eine genaue Übersicht über das Space Shuttle Programm und seine Kosten finden sie auf der Seite "Die Kosten des Space Shuttles". Die NASA gab die Gesamtkosten für 135 Flüge mit Entwicklungskosten und Betrieb des KSC mit 208 Milliarden Dollar an, also 1,5 Milliarden pro Start.
Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger| Sitemap | Kontakt | Neues | Bücher vom Autor | Buchempfehlungen |