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TaurusDie Taurus ist die folgerichtige Weiterentwicklung der Pegasus von OSC. Um auch im Nutzlastbereich von 1.000 kg mitzuspielen, wurde zuerst erwogen, die Pegasus mit einem Turbojet bis in Höhen von 30 km und Mach 4 zu beschleunigen. So hätte die Pegasus bei 31 t Startmasse etwa 1 t Nutzlast erreicht. Von dieser Weiterentwicklung ist nun aber nicht mehr die Rede, wahrscheinlich ist mit der Taurus eine preiswertere Lösung gefunden worden.
Die Taurus besteht aus einer Standard-Pegasus ohne die Flügel, die auf einen Castor 120-Booster gesetzt wurde. Daran erinnert auch die Stufennummerierung, der Castor 120 wird einfach als Stufe 0 bezeichnet und nicht als Stufe 1. Der Castor 120 basiert auf der ersten Stufe der MX Peacekeeper-ICBM. Im Vergleich zu dieser ist die Stufe etwas schwerer (53 anstatt 49 t) und verfügt über eine längere Brenndauer bei kleinerem Startschub. Der Castor 120 wird auch in zwei anderen Raketenprogrammen verwendet, bei der Athena und der Astria. Die MX ist die größte Interkontinentalrakete nach Ausmustern der Titan und durch die Abrüstungsverhandlungen (START-2) musste auch sie bis zum Jahre 2003 ausgemustert werden. Daher dürfte es eine ganze Menge Stufen von ihr geben, die man so zweckentfremdet als Erststufe nutzen kann. OSC bietet auch umgerüstete MX Peacekeeper-Raketen als Minotaur IV an. Diese stehen jedoch nur für US-Regierungsaufträge zur Verfügung.
Die erste Stufe verfügt über eine Schubvektorsteuerung durch Einspritzung von Kaltgas. Sie hat eine Länge von 12,8 m (mit Adapter zur zweiten Stufe) bei einem Durchmesser von 2,34 m. Der Treibstoff HTPB (hydroxiterminiertes Polybutadien) brennt innerhalb von 82,5 Sekunden ab und erzeugt einen Schub von 1.615 kN im Vakuum. Die erste Stufe wird von der zweiten heiß getrennt, d.h. diese zündet vor Ausbrennen der ersten Stufe. Lediglich die erste eingesetzte Taurus verwandte einen Peacekeeper MX-Erststufenmotor. Diese Taurus 2110 hat eine etwas höhere Nutzlast, die um etwa 250 kg höher als bei der Taurus 2210 mit dem Castor 120-Antrieb liegt.
Die zweite Stufe Orion 50S stammt von der Pegasus, sie verzichtet nur auf die Flügel und Finnen. Diese sind nicht nötig, weil die Rakete schon von der ersten Stufe auf Geschwindigkeit gebracht wird und dadurch außerhalb der Atmosphäre arbeitet. Ein Stufenadapter verbindet beide Stufen. Er bildet den Übergang von 2,34 auf 1,3 m Durchmesser und besteht aus einer leichtgewichtigen Aluminiumstruktur mit Längsversteifungen.
Die zweite Stufe hat eine Länge von 8,6 m bei 1,3 m Durchmesser. Ihr Orion 50G-Antrieb brennt 72,4 Sekunden und liefert 471 kN Schub. Unverändert übernommen werden die beiden folgenden Stufen Orion 50 S und Orion 38 von der Pegasus. Diese beiden Stufen sind lenkbar durch schwenkbare Düsen. Anstatt der Orion 38 ist es möglich, die aus dem Fleetsatcom bekannte Star 37FM-Stufe einzusetzen. Diese rotiert und stabilisiert so die Nutzlast zusätzlich.
Für Nutzlasten gibt es zwei Verkleidungen von 63 und 91 Zoll (160/230 cm) Durchmesser. Für die Nutzlast stehen 1,40 × 3,93 m (63 Zoll-Verkleidung) bzw. 2,05 × 5,71 m (91 Zoll-Verkleidung) an Raum zur Verfügung. Sie wird nach 173 Sekunden, 3 Sekunden nach Zündung der dritten Stufe, in 163 km Höhe abgeworfen.
Die Taurus wird wie eine normale Rakete vom Boden aus gestartet. Sie
benötigt aber nur kurze Startvorbereitungszeiten und keine besondere Startrampe, sie steht
einfach auf einer Plattform. Auch der Start wird von einem mobilen Container aus initiiert. Die
Rakete selbst hat ein eigenes Navigationssystem und braucht keine Bodenunterstützung.
Die erste und zweite Stufe arbeiten nach einem fest vorgegebenen Programm. Die Trennung von erster und zweiter Stufe erfolgt, wenn die Beschleunigung unter 0,2 g sinkt. Die dritte Stufe zündet erst nach einer Freiflugphase von 12 Sekunden. Sie bringt die dritte Stufe auf eine bestimmte Höhe, bei einem 300 Meilen hohen Orbit zum Beispiel auf 138 Meilen. Die ersten 3 Stufen befördern die dritte Stufe in eine Bahn, deren Apogäum bei der gewünschten Bahnhöhe liegt. Das Perigäum kann dabei bei 0 km liegen. Nach einer Freiflugphase zündet die dritte Stufe nahe des Apogäums und bringt die noch fehlende Geschwindigkeit auf. Alternativ kann auch eine konventionelle Methode genutzt werden, in der die dritte Stufe mit der Nutzlast in einen Parkorbit gebracht wird. Diese ist energetisch ungünstiger, bei bestimmten Orbits jedoch die einzig Möglichkeit.
Für die Benennung der Taurus gibt es ein Schema aus 4 Ziffern:
Die Taurus 2210 kann folgende Nutzlasten befördern:
Durch die vier Stufen nimmt die Nutzlast für höhere Orbits nicht so stark ab, wie bei der Pegasus oder Athena als dreistufige Raketen. Maximal sind 2.000 km hohe Orbits (Nutzlast <300 kg) erreichbar. Die Wahl der Bahnneigung hat dagegen relativ großen Einfluss auf die Nutzlast. Ab 2006 wird die Taurus einen weiteren Konkurrenten bekommen: Die Vega. Diese neue europäische Rakete befördert mehr als die doppelte Nutzlast zum gleichen Startpreis.
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TaurusErststart: 13.3.1994, letzter Start: 21.9.2001Starts: 6, Fehlstarts: 1 Startpreis: 24 Mill. USD Nutzlast: 1.150 kg in einen 200 km-Orbit, 28° 810 kg in eine SSO-Bahn 431 kg in eine GTO-Bahn (Taurus 2110) Stufe 0: Castor 120 |
Stufe 1: Orion 50G Startmasse: 13.242 kg, Leermasse: 1.088 kg Schub: 471 kN über 72,3 sec. spezifischer Impuls: 2.795 m/s (Vakuum) Länge 8,60 m, Durchmesser: 1,27 m Stufe 2: Ortion 50S Stufe 3: Orion 38 |
Eine Taurus XL - mit den schwereren Stufen der Pegasus XL als Oberstufen - wurde inzwischen in "Taurus 3210" umbenannt. Sie verwendet den Orion 50 XL-Erststufenmotor der Pegasus XL als zweite und den Orion 50S XL als dritte Stufe. Beide Stufen sind etwa 30 Prozent schwerer als die bei der Taurus eingesetzten Versionen. An der ersten und vierten Stufe gibt es keine Änderungen. Die Nutzlast der Taurus 3210 ist so durch relativ geringe Veränderungen leicht angestiegen. Sie wird mit 1.275 bis 1.363 kg angegeben. Die Taurus 3210 wird die Taurus 1+2 ablösen. Dies liegt daran, dass der Hersteller Orbital Sciences Corporation kein Interesse hat, zwei Linien zu betreiben und so die Pegasus XL-Stufen weiter einsetzen kann, nachdem seit 2001 keine Pegasus mehr geflogen ist.
Sie könnte bis zu 1.275 kg in eine Erdumlaufbahn befördern. Mit dem Rückgang des Marktes für kleine Satelliten konnte die Taurus seit 2001 nur einen Start verbuchen. Dieser fand am 20.4.2004 statt.
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Taurus XLErststart:?Starts 0 Nutzlast: 1.275 kg in einen 200 km-Orbit, 28° Stufe 0: Castor 120 |
Stufe 1: Orion 50 XL Stufe 2: Orion 50S XL Stufe 3: Orion 50 |
Die folgende Tabelle informiert über alle Starts der Taurus:
| Datum | Nutzlast | Trägerrakete | Startplatz | Erfolg |
|---|---|---|---|---|
| 13.03.1994 | DARPASAT + STEP M0 | ARPA Taurus | V 576E | √ |
| 10.02.1998 | Orbcomm G2 + Celestis-03 + GFO + Orbcomm G1 | Taurus 2210 | V 576E | √ |
| 03.10.1998 | ATEX + STEX | ARPA Taurus | V 576E | √ |
| 21.12.1999 | Celestis-04 + ACRIMSAT + Arirang-1 | Taurus 2110 | V 576E | √ |
| 12.03.2000 | MTI | Taurus 1110 | V 576E | √ |
| 21.09.2001 | SBD + Celestis-05 + OrbView-4 + QuikTOMS | Taurus 2110 | V 576E | ─ |
| 20.05.2004 | Formosat-2 | Taurus 3210 | V 576E | √ |
| 24.02.2009 | OCO | Taurus 3110 | V 576E | ─ |
| 04.03.2011 | Explorer 1 Prime + Hermes-1 + Glory + KySat | Taurus 3110 | V 576E | ─ |
| Gesamt | Starts | Erfolge |
|---|---|---|
| Gesamt | 9 | 6 |
Von mir gibt es mehrere Bücher zum Thema Trägerraketen. Mein bisher
umfassendstes Werk ist ein zweibändiges Lexikon über Trägerraketen mit jeweils
rund 400 Seiten Umfang. Eine sehr gute, kompakte Übersicht über die Trägerraketen Russlands,
Europas, Chinas, Japan Indiens und verschiedener Nationen (Brasilien, Israel,
Australien, Nordkorea, Südkorea, Iran) ist das Raketenlexikon: Band 2: Internationale Trägerraketen
Der dazu gehörende Band 1 (Raketenlexikon: Band 1: US Trägerraketen
) behandelt die amerikanischen Trägerraketen. Jeder Band
behandelt die Technik und Geschichte von rund 100 Submodellen in kompakter
Form. Die grundlegende Technik eines Modells wird in einem einführenden ersten Kapitel
ausführlicher besprochen. Die folgenden Kapitel beinhalten dann die
Veränderungen von Subversion zu Subversion. Jeder Typ wird mit einem
ausführlichen Datenblatt und einem Startfoto dokumentiert.
Speziell mit der Geschichte der Trägerraketenentwicklung in Europa beschäftigt sich das zweibändige Wert Europäische Trägerraketen 1+2. Band 1 behandelt die nationalen Trägerprogramme (Black Arrow und Diamant) , die glücklose Europa-Rakete und die Ariane 1-4. Band 2 die beiden aktuellen Projekte Ariane 5 und Vega. Beide Bücher sind voll mit technischen Daten, Details zur Entwicklungsgeschichte und zu den Trägern.
Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.
© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.| Sitemap | Kontakt | Neues | Bücher vom Autor | Buchempfehlungen |