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Es gab schon Programmiersprachen für PCs: PL/M, COBOL, FORTRAN, FORTH, auch Pascal. Eingesetzt wurden vor allem aber BASIC und Assembler. Die meisten Rechner kamen mit einem BASIC Interpreter und wurden auch gekauft um Programmieren zu lernen. Programmiersprachen waren viel wichtiger als heute und Microsoft machte seinen Umsatz bis 1982 vornehmlich mit Programmiersprachen.
Der Grund das man BASIC überall fand, war das die Sprache so einfach war, wenn auch im Vergleich zu heutigen Dialekten wie Visual BASIC eine sehr rudimentäre Untermenge der Sprache eingesetzt wurde. Die Umsetzungen von größeren Sprachen auf die kleinen Maschinen krankte an vielen Unzulänglichkeiten, vor allem daran das der Speicher der Computer zu klein war.
BASIC selbst war als interpretierte Sprache dafür sehr langsam, weshalb fast jeder zeitkritische oder systemnahe Arbeiten in Assembler kodierte und diese Routinen in BASIC einband.
Am 20.11.1983 erschien Turbo Pascal 1.0
für die Betriebssysteme MS-DOS, CP/M 86 und CP/M. Der Compiler schlug sofort ein wie eine Bombe,
den er schlug Konkurrenzprodukte um Längen:
Vor allem aber erzeugte Turbo Pascal schnellen Code: Es war damit zum ersten Mal möglich mit einer Hochsprache Anwendungen zu programmieren. Untersuchungen ergaben, dass der Code annähernd so schnell wie Maschinencode und etwa genauso kompakt war. Zahlreiche Entwickler begannen mit Turbo Pascal ihre Karriere, das erste Star Office entstand für CP/M unter Turbo Pascal. Zur Popularität verhalf auch der günstige Preis von 50 USD, ein Bruchteil der Kosten die anderen Pascal Systeme kosteten oder das wesentlich weniger leistungsfähige Microsoft BASIC. Der Name Turbo Pascal wurde gewählt, weil der Compiler wirklich schnell war: Er erzeugte nicht nur schnellen Code sondern compilierte auch deutlich schneller als Konkurrenzprodukte wie JRT oder MIT Pascal.
Die Technik von Turbo Pascal wurde bis zur Version 3.0 beibehalten: einer fixen 7-8 K großen Laufzeitbibliothek bildete die Basis, ab der Code angelegt wurde. Turbo Pascal 1.0 erzeugte auch unter MS-DOS nur "COM" Files, d.h. es war auf 64 K Code/Datengröße beschränkt. Das war aber bei der damaligen Speichergröße kein Problem, denn um ein 64 K großes Programm laufen zu lassen brauchte man 1984 128 K RAM, und das war ziemlich teuer.
Heute ist Turbo Pascal 1.0 von Borland als Freeware freigegeben worden. Sie können es hier downloaden.
Version 2.0 und 3.01986 erschien dann die sehr populäre Version 3.02. Obgleich immer noch 64 K große ".com" Files erzeugt wurden, war es mit Overlays möglich erheblich größere Programme zu erzeugen - Der Autor erstellte auf einem 62 K CP/M Programme mit bis zu 152 K Größe. Diese Version enthielt zum ersten Mal Unterstützung für den 8087 Coprozessor (obgleich dieser kaum verbreitet war, er kostete damals 500 DM!) und für BCD Arithmetik. IBM Nutzer profitierten von der Sound und Grafikunterstützung und der Turtle Grafik - Eine Nachbildung der Sprache LOGO. Die 3.02 Version war die letzte die noch für CP/M erschien, da dieses Betriebssystem nun keine sehr große Rolle mehr auf dem Markt spielte.
Heute ist Turbo Pascal 3.02 von Borland als Freeware freigegeben worden. Sie können es hier downloaden.
Das wichtigste an Turbo Pascal und auch der Grund warum diese Sprache heute noch so populär ist, begann mit den Units: Man beließ es nicht dabei pro Version ein paar nützliche neue Funktionen einzuführen sondern sah was in anderen Sprachen gut war und übernahm es. Das Unit Konzept stammt aus Modula. Der Vorteil war das man nicht eine neue Sprache erlernen musste sondern nur was neu war.
Mit Version 4.0 bekam Turbo Pascal eine Konkurrenz. Microsoft wollte mit einem Turbo Pascal Klone namens "Quick Pascal" auch ein Stück vom Kuchen. Doch immer war dieses Produkt Turbo Pascal in Leistung und Sprachumfang unterlegen. Es war in Benchmarktest Vergleichen erheblich langsamer. Nach einigen Jahren des Verlustgeschäftes stellt MS die Entwicklung von Quick Pascal ein - einer der wenigen Fälle in denen sie einen Wettbewerb verloren.
Version 5.5 - das objektorientierte PascalDas objektorientierte Pascal war 1989 der erste objektorientierte Compiler der für die PC Plattform verfügbar war - lange bevor Anfang der 90 er Jahre die ersten C++ Compiler auftauchten. Auch hier blieb Borland dem Konzept treu soviel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu übernehmen, so wurden Objekte in Units unterbracht, es gab nur Objekte und keine Klassen, da Klassenvariablen und Klassenmethoden im Prinzip normale Variablen und Methoden von Units sind.
Die Syntax von Objektpascal orientierte sich stark an C++, auch hier gibt es einen Interface Teil und einen Implementierungsteil (aber vielleicht hat dies auch C++ nur von Turbo Pascal 4.0 übernommen?)
Heute ist Turbo Pascal 5.5 von Borland als Freeware freigegeben worden. Sie können es hier downloaden.
Mit Ausnahme von Turbo Vision hatte sich in den letzten 3 Jahren seit 5.5 auch Turbo Pascal sprachlich nicht viel weiterentwickelt, man hatte vielmehr C Elemente in Pascal umgegossen wie Nullterminierte Strings, offene Parameter oder Konstante Parameter. Vieles, wie die Nullterminierten Strings waren inkompatibel zum alten Pascal String. Man hatte nicht wie früher konsequent neu integriert.
Inzwischen war auch Windows sehr wichtig und Turbo Pascal hatte diesen Zug verpasst. Es gab eine Version Borland Pascal 7, welche auch Windows Programme erstellen konnte, doch wie DOS Programme durch Schreiben von Unmengen an Code. Nebenbei erlaubte Borland Pascal 7 auch für Programme den erweiterten Speicher bis zu 16 MB zu nutzen, wenngleich die Datenfelder auf max. 64 K beschränkt blieben.
Da erschien 1994 Delphi. Schon der Name deutete an: Delphi ist nicht Turbo Pascal. Borland hatte aus den Fehlern gelernt und bot nun wieder dem Benutzer dass, was er gewöhnt war: eine einfach zu bedienende und erlernbare Sprache. Nun musste sich der Benutzer nicht mehr um die Fensterprogrammierung kümmern, er konnte aus Vorlagen visuell die Grundelemente auswählen, Eigenschaften setzen und brauchte dann nur noch den Code zum Bearbeiten zu schrieben. Die bei Windows so ubiquitär vorkommenden Zeiger wurden vor dem Programmierer ganz im Sinne der objektorientierten Programmierung verborgen. Diesen Benutzerkomfort hat Visual Studio von Microsoft in der 6.0 Version noch immer nicht erreicht. Erst Visual Studio .NET erreicht 7 Jahre nach Delphi dessen Programmierkomfort.
Delphi 1.0 hatte nur 3 Mängel:
Seit der Version Delphi 2.0 hat sich Delphi evolutionär weiterentwickelt. Es werden schrittweise neue Möglichkeiten eingeführt und das Programm wird runder, doch die große Neuerung bleibt aus. Natürlich kann man nun auch immer mehr erstellen - Internetprogramme, Web Server, Systemsteuerungsappletts, ActiveX Elemente, COM Server doch die radikale Neuerung wie beim Übergang von Delphi 1 auf 2 ist ausgeblieben.
Wesentliche Änderungen betreffen von Version zu Version nur die mitgelieferten Komponenten, die es aber auch von Drittanbietern in reicher Auswahl gibt. Von der Dominanz die Pascal unter DOS hat ist nicht viel geblieben. Durch die C API und die Dominanz von Microsoft, die kein Pascal anbietet arbeiten die meisten Windowsprogrammierer mit C++, die meisten Einsteiger mit Visual BASIC.
Doch es gibt noch genügend Entwickler die ihrem Pascal die Treue halten. Schlussendlich verheiratet der CBuilder beide Welten - Er schluckt Pascal Dateien die man einfach zum Projekt hinzufügt. Leider geht es (noch) nicht in die umgekehrte Richtung. Java, die Sprache die seit 1996 einen enormen Hype verzeichnet konnte erst im Jahre 2003 mehr Programmierer vorweisen als Delphi. Leider sind aber die meisten von Ihnen Hobbyisten.
2001 erschien Kylix - Delphi für Linux. Und man scheint gelernt zu haben, denn es soll weitgehend kompatibel zu dem Windows Pendant sein, und es ist wohl das erste visuelle Produkt für Linux. Man erscheint also früh und nimmt die Entwickler von dort mit woher sie kommen. Das könnte dazu führen, das Kylix einmal für Linux so bedeutsam wird wie Turbo Pascal für DOS. Solange aber Linux sich nicht wirklich Mühe gibt benutzerfreundlich zu werden, reicht nur eine gute Programmiersprache auch nicht aus.
Inzwischen ist die Version 3.0 aktuell, leider ist der große Run auf Linux, denn man vermutete bislang ausgeblieben.
Was will man damit erreichen? Sicher, man gewinnt durch die kostenlose Personalversion neue Einsteiger. Doch wer als Privatmann kann es sich leisten 2599 DM zu löhnen? Ich bin mir nicht mal sicher ob viele Profis und Firmen das mitmachen, waren die alten Versionen schon nicht schlecht. Lieber wäre mir weiterhin eine Personalversion. Aber bitte dann mit allen Features in der IDE (neue werden gerne nur ab der Profi Version eingeführt) und einem Satz grundlegender Internetkomponenten (für alle Protokolle) und lokalen Datenbanken. Wer wirklich Geld verdienen muss braucht natürlich SQL und meist auch Sockets für Remote Datenbanken (übers Internet). Das kann man dann in die Profi Version reinpacken für die ihr gerne 800 Mark verlangen könnt. Aber ermöglicht es dem kleinen Hobbyisten noch euer Produkt zu bezahlen!
Von dem Leistungsvermögen her geht Delphi in die richtige Richtung: Delphi 7 wird einen Kommandozeilen Compiler für .NET Programme enthalten. Mit Delphi 8 wird es für .NET eine eigene IDE geben als dritte vollwertige Plattform neben Windows Maschinencode und Linux. Damit ist Delphi so universell wie keine andere Programmiersprache: Es kann Windows und Linux Maschinencode und .NET Code. Bei anderen Sprachen ist es zwar auch möglich Code zwischen Betriebssystemen auszutauschen, aber weitaus schwerer. Es gibt zwar bei Java und C# jeweils Projekte diese auf der Konkurrenzplattform (.NET bei Java und Linux bei C#) laufen zu lassen. Doch dass man wie in Delphi auch tausende von Komponenten für Datenbankzugriff, Internerprogrammierung etc. nutzen könnte, das ist bislang einmalig.
Die Konkurrenz ist aber auch nicht kleiner geworden: Java und C# haben von Pascal gelernt und sind einfacher zu erlernen als C++ und bieten mehr Komfort beim Programmieren. Bei C# merkt man auch das Anders Hejlberg inzwischen bei Microsoft arbeitet: Die Sprache hat zahlreiche Details von Pascal übernommen wie die Schlüsselworte finally, overwrite oder virtual.
Im Jahre 2006 beschloss Borland die Programmiersprachen aus dem Produktsortiment zu nehmen und zu verkaufen. Damit endet eine 23 jährige Geschichte. Borland hat sich sehr stark gewandelt in dieser Zeit. Zu den Programmiersprachen kamen in den 80 er Jahren Anwendungsprogramme: Man entwickelte die Tabellenkalkulation Quattro und das Datenbanksystem Paradox. Diese Anwendungen waren unter DOS sehr populär, doch man schaffte nicht den rechtzeitigen Umstieg auf Windows. Später kaufte man DBase hinzu. Auch hier portierte man zu spät und halbherzig auf Windows. Später wurden diese Programme an Word Perfect verkauft und man zog sich aus dem Anwendungsgeschäft zurück. In den letzten Jahren hat man sich auf den Life Cycle bei der Entwicklung konzentriert und mit Together ein Produkt eingekauft. Obwohl man dazu Programmiersprachen braucht - irgend etwas muss ja den Code compilieren scheinen diese nun nicht mehr ins Konzept zu passen.
Was bringt es an Änderungen ? Nun "Turbo" als Produktname kommt wieder. Die letzte Version von Delphi war die im Borland Developer Studio 2006 (BDS 4.0). Da bekam man neben Delphi für .NET und Windows 32 auch den C# und C++ Compiler mitgeliefert. Genauso wie Microsoft nun die Sprachen seines Visual Studios auch einzeln anbietet gibt es wieder Turbo Produkte die nur eine Sprache abdecken. Es wird Turbo Produkte für Delphi, Delphi .NET, C++ und C# geben.
Wie Microsoft gibt es eine kostenlose Version - und diesmal dauerhaft, nicht wie bisher sporadisch oder nur über eine Zeitschriften CD zu erhalten und eine etwa 500 US-$ teure Professional Version. Die Professional Version deckt im wesentlichen das ab was auch heute das BDS kann, nur eben beschränkt auf eine Sprache. Die kostenlose "Explorer" Version beinhaltet wieder einige Kompromisse. Bei den bisherigen Personal Versionen war für den Autor das größte Manko, dass viele neue Features der IDE vor allem beim Debugging wegfielen und die Komponenten für Datenbanken und Internet fehlten. Für letzteres gab es aber Abhilfe (MySQL, Firebird bei Datenbanken, auch wenn das für kleine Programme Overkill war und Indy beim Internet). Daher waren viele mit der kostenlosen Personalversion von Delphi 6 glücklich.
Die neuen Explorer Versionen bieten zwar nun die Unterstützung für Internet und Datenbanken. Borlands Datenbank Interbase wird mit dabei sein. Doch als neues Manko kann man keine Komponenten von Drittherstellern einbinden. Also einfach mal eine Komponente installieren und dann benutzen - ist nicht mehr . Ich finde diese Einschränkung ist recht heftig. Denn auch wenn es 200 mitgelieferte Komponenten gibt, so gibt es eben unzählige Spezialfälle für die es Komponenten gibt. Wer erfahren ist, kann dies umschiffen indem er die Komponente im Quelltext instanziiert und die Werte setzt und die Ereignisroutinen von Hand verknüpft, aber das ist aufwendig. Dafür gibt es die UML Unterstützung der großen Versionen, auf die reine Entwickler sicher eher verzichten könnten.
Weiterhin kann man nur eine Turbo Komponente pro Rechner installieren, also nicht gleichzeitig Turbo Delphi und Turbo Delphi .NET. Die Explorer Versionen sollen Kunden die Professionelle Version wässrig machen. Denn funktionell sind diese identisch. Man kann mit einem später erworbenen Schlüssel die Explorer Version zur Professional Version aufrüsten. Herunterladen kann man die kostenlosen Versionen bei http://www.turboexplorer.com/
Dieser Text stammt von Bernd Leitenberger
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