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Web Log Teil 233: 19.5.2011 - 27.6.2011

Sonntag den 19.6.2011: Nachruf "Wetten Dass...?"

Ich weiß, ihr erwartet jeden Tag einen neuen tiefschlürfenden Blog über gesellschaftliche Probleme, aktuelle Entwicklungen in der Raumfahrt oder was belehrendes. Aber es ab und an will ich mich auch in seichte Regionen begeben, zu Dingen wo (fast) jeder mitreden kann.

Nun ging sie also gestern die letzte Wetten Das Show mit Thomas Gottschalk zu Ende. Gleichzeitig zeigt sie auch die wahren Probleme der Show, und für mich sind sie sicher auch ein Grund warum Thomas aufhört, auch wenn er sicher nicht das öffentlich sagen soll. Wetten dass ist für mich was einzigartiges. Ich habe sonst nicht die Geduld ellenlange Sachen anzusehen und bevor es mit dem OTR die Möglichkeit gab Sendemitschnitte runterzuladen und auf dem Zweitmonitor, während man arbeitet, anzusehen (derzeit läuft: "Die heute Show "Best of") Fernsehen eigentlich nur als Nebenher-Berieselung wahrgenommen, weil ich nicht die Geduld habe stundenlang vor der Glotze zu hocken. Die einzige Ausnahme war Wetten-Dass. Ich bin der Show sogar treu geblieben als Lippert so fürchterlich peinlich war. (auf offener Bühne hat er z.B. Paul McCartney um ein Autogramm angehauen). Aber es ist unübersehbar, dass Wetten-Dass abgebaut hat und das liegt nicht primär an Gottschalk, der so geblieben ist wie er immer war.

Es ist vor allem das Anbiedern an ein neues Publikum, nachdem die Quoten runter gehen. An die wo DSDS ansehen. Dazu gehören Gäste die unangenehm auffallen, wie Mario Barth, Stefan Raab oder wie heute in der Sendung Dieter Bohlen und Cindy von Marzahn, von denen mehr zu sehen war, als von internationalen Gästen und auch von den Moderatoren. Oder eben Teenie Stars wie Justin Biever oder Miley Cyrus, die eigentlich nichts zu sagen haben. Geholfen hat es nichts. Man hat eher die Stammseherschaft vergrault.

Dann diese permanente Erwähnung von "Sponsoren" - sprich Schleichwerbung: Für Audi, Solarworld etc... Muss das sein? Könnt ihr nicht mal alle zwei Monate eine Show ohne Werbung zu machen?

Es gab positives zu vermelden: Frank Elsner zeigte beim spontanen? Übernehmen der letzten Wette, dass man auch das ganze gut vorbereitet und kompetent moderieren kann. Das Problem von Gottschalk ist ja, das er schon zu seicht ist, zu flache Gespräche führt zu sehr Prominenten hofferiert, anstatt Informationen rauszuziehen. Okay bei Promis noch zu verschmerzen, zumal die internationalen Stars ja primär zur Präsentation von Filmen oder Schallplatten kommen. Die werden kaum über was anderes reden wollen. (Besonders negativ diesmal: Jennifer Lopez: Kennt nicht Formel 1, kennt nicht Status Quo, aber Dieter Bohlen - würg!!!) Doch bei den Wetten fehlte mir oft die Kompetenz. Die sollte ja Hunzinger ausbügeln, doch hat das nicht geklappt. Sie mischt nun auch in den Gesprächen mit anstatt die Wetten kompetent zu moderieren und Gottschalk mischt sich wieder in die Wetten ein.

Wer wird die Nachfolge antreten? Ich hoffe nicht Dieter Bohlen, obwohl die mit Sangria abgefüllten Zuschauer dauernd seinen Namen gegrölt haben. Wahrscheinlich wird das ZDF einen ihrer Moderatoren verpflichten. Also Markus Lanz oder Pilawa. Mehr gibt es ja nicht. Markus Lanz fiel mir vor allem durch Profillosigkeit auf und Jörg Pilawa ist eine Talkshow-Nutte die sich von Sender zu Sender in der Talkshow-Hierarchie hochschläft. Mir fiel er schon durch seine rechtlich bedenkliche Werbung für einen Verwurster auf. Für beide sind die Schuhe zu groß. Ich fände ja Hape Kerkeling als geeigneten Nachfolger, zumindest von denen die in der Diskussion sind. Wenn man dann die beiden Mängel abstellt, die ich erwähnte und die internationalen Gäste die unbedingt alle sofort abreisen sollen wenigsten an den Showanfang bringt, dann könnte es noch eine Weile weiter laufen.

Aber eher sehe ich das baldige Ende von Wetten Dass. Das Problem ist das die Show in der Form natürlich ziemlich teuer ist. es lohnt sich solange die Quote stimmt, die lockt dann auch international Stars her, die so viele Leute erreichen. Es ist ja eigentlich noch die einzige Shows wo man Topstars noch in Deutschland sehen kann. Sonst tauchen die nicht auf, weil es sich für sie nicht lohnt. Geht die Quote runter so fehlen die Stars, die Quote sinkt weiter und es wird zu teuer und man fängt an zu sparen was noch mehr Leute vergrault und man stellt es dann ein. Wetten dass ist nun 30 Jahre alt - das ist im Showgeschäft schon einmalig ich kenn nichts was sonst so lange gelaufen ist. Aber für alles kommt mal das Ende. Ich sehe mir noch die ersten ein bis zwei Sendungen mit dem neuen an und dann entscheide ich ob es sich noch lohnt.

Freitag 24.6.2011: Bringschuld

Ich habe gerade nach einem aktuellen Buch über Planetologie gesucht. Die welche ich habe sind vom Ende der Achtziger Jahre, als zum einen die Pioneer-Venus, Viking und Voyagersonden viel neue Erkenntnisse brachten, zum anderen keine neuen Sonden in Sicht waren. Seitdem ist es mau geworden. Dabei gab es seitdem enorm viele Missionen - nicht nur zum Mars. heute umkreisen Raumsonden auch noch Venus, Merkur und Saturn. Weitere zu Pluto und Jupiter sind unterwegs. Dazu kommen Mondsatelliten und Missionen zu Kometen und Planetoiden. Ich vermute das Problem liegt gerade in diesen vielen Sonden. Niemand will ein Buch schreiben, dass in wenigen Jahren durch neue Ergebnisse veraltet ist. Auf der anderen Seite wird sich daran auch nichts ändern, solange es neue Missionen gibt.

Doch es geht ja nicht nur um die Ergebnisse. Viele große Wissenschaftler haben früher auch Bücher für die Allgemeinheit geschrieben: Einstein, Heisenberg, Bohr, Feynman sind solche Beispiele. Nun hat dies sicher auch mit der potentiellen Nachfrage zu tun - heute sind so bekannte Wissenschaftler selten, vielleicht gibt es noch Stephen Hawking las Ausnahme. Wer aber die Bücher liest, der bemerkt auch einen anderen Aspekt: Sie sind von dem begeistert was sie tun und wollen dies einer größeren Öffentlichkeit vermitteln. Dagegen haben viele Wissenschaftler heute nur noch die Reputation in der Fachwelt im Sinn.

Dann habe ich mich an die Recherche zu meinen beiden vorletzten Büchern über das ATV und die ISS erinnert. Beides sind ja Prestigeprojekte für die beiden Raumfahrtnationen. Doch wer meint, nun auf einen Fundus an Informationen zurückgreifen zu können irrt. Es gilt sich durch zahlreiche Webseiten zu lesen, zig Broschüren mit 90% identischem Inhalt aber 10% neuen Informationen und bei der ISS besonders schlimm: die Informationen über Module findet man nicht auf den Seiten über die ISS sondern muss sich etwa 30 Shuttle-Launchmanifests durchlesen.

Ja die Öffentlichkeitsarbeit von Raumfahrtagenturen aber auch Firmen ist miserabel. Ich ziehe gerade die aktuelle Berichterstattung zur Mission von Johannes Kepler nach. Deutschland ist mit rund 40% größter Beitragszahler am ATV und die Projektleitung liegt in Bremen. Was meint ihr findet man auf den Seiten des DLR? Neuester Eintrag: 24.2, Start des ATV. Bei EADS sieht es genauso aus. Die Frage die sich mir stellt - muss das so sein? Der Steuerzahler bezahlt für Raumfahrtprojekte dreistellige Millionenbeträge, sogar Milliarden. Und die Gegenleistungen an Öffentlichkeitsarbeit besteht aus Hochglanzbroschüren in denen selbst komplexe Projekte auf einigen Seiten abgehandelt werden ohne ins Detail zu gehen.

Man sollte meinen, die Raumfahrtbehörden und Firmen wären dann wenigstens hilfreich Fremdautoren zu unterstützen, die genau das leisten was sie nicht tun wollen oder können. Doch ich kann aus eigener Erfahrung sagen: dem ist nicht so. Zumindest nicht in Europa. In den USA ist es bei aktuellen Raumfahrtprojekten zwar genauso mau, aber zu den vergangenen gibt es zum einen die History Division die Bücher über Geschichte in Auftrag gibt und es gibt den Technical Reports Server in dem man in den veröffentlichten Fachaufsätzen recherchieren kann. Dagegen gibt es in Europa die Raumfahrt-Amnesie bei allen Projekten die mal waren. Man versuche nur mal auf den ESA -Seiten die Gesamtinformationen über Ariane 1-4 zusammenzutragen und diese zusammenzufassen und man weiß was ich meine.

Die Frage die ich mir stelle: warum eigentlich? Die Frage ist aus Sicht der Raumfahrtunternehmen recht einfach zu beantworten: Man wird bezahlt für die Fertigung von Hardware oder deren Entwicklung, dazu noch für technische Dokumentation, aber nicht für Bücher die sich an Laien oder Raumfahrtinteressierte mit Vorbildung richten. Und bei den Raumfahrtbehörden ist die Kompetenz recht klein, weil sie selbst das Projekt nur überwachen, aber die Durchführung an die Industrie abgegeben haben. Zumindest ist das mein Resümee bei den bisherigen Kontakten die ich hatte.

Zeit mal eine Gegenrechnung aufzumachen: Ich rechne für ein neues Buchprojekt mit etwa drei Monaten Vollzeitarbeit. Da in Firmen nur 8 Stunden am Tag gearbeitet wird, dazu nicht am Wochenende, dort man sich mehr Mühe gibt und anders als bei mir auch noch die Arbeit der Lektoren bezahlt werden muss rechnen wir mal 1 Mannjahr für ein Buch. Bei einem Stundensatz von 100 Euro, 150 Stunden/Monat und 12 Monaten sind das rund 180.000 Euro. Das klingt nach viel, macht bei einem nur kleinen Satelliten aber gerade mal ein Promille der Projektsumme aus. Bei so etwas wie dem ATV geht es sogar in Richtung 0,1 Promille. Dabei haben diese Projekte sehr oft die Tendenz ihren Kostenrahmen in weitaus größerem Maße. Die Frage die ich mir stelle ist daher, warum man die Firmen nicht verdonnert ein wirkliches, ausführliches Buch über das Projekt zu schreiben, das deutlich tiefer geht als das was sie sonst so produzieren. Bei wissenschaftlichen Satelliten sollte zudem noch eines über die Ergebnisse nach Ende der Primärmission folgen. Diese könnte man dann kostenlos zum Download anbieten. Sicher ist das Publikum kleiner, als bei den Hochglanzbroschüren. Doch eines dürfte unstrittig sein: diese Leser, die "Raumfahrtfans" sind Multiplikatoren. Sie engagieren sich für ihr Hobby in der Öffentlichkeit, betreiben Webseiten, nehmen an Diskussionsgruppen teil oder sie sprechen nur in ihrem Freundeskreis über ihr Hobby. Sie mit Information zu füttern ist also insgesamt für die politische Unterstützung der Raumfahrt enorm wichtig. Aber solange das Geld auch ohne politische Unterstützung fliest braucht man ja keine Unterstützung ... 

Samstag 25.6.2011: Mit der Dragon zum Mond

Hallo, ich berichte heute weiter über die Details die von Leon Kums, einem ehemaligen SpaceX Mitarbeiter bekam und schließe an den ersten Aufsatz in dieser Serie an.

Wir mir Leon Kums schrieb, gibt es für SpaceX nicht nur einen Grund für die Entwicklung der Falcon Heavy. Er schrieb:

"Natürlich war der Hauptgrund, das wir nach der Bewerbung um EELV Aufträge die Antwort vom DoD bekamen, dass wir zum einen auch von Vandenberg aus starten müssten und zum anderen eine Trägerrakete mit einer LEO-Nutzlast von 21 t vorweisen mussten. Vorher erfüllte SpaceX nicht die Ausschreibungsbedingungen. Das war die Haupttriebfeder für die Entwicklung der Falcon Heavy. Aber Elon plante ja schon immer Flüge zum Mars und arbeitet da nun ja auch mit Zurbrin von der Mars Society zusammen. Dann kam die Idee auf, die Dragon um den Mond herumzuschicken. Das wäre mit der Falcon 9 Heavy möglich gewesen.

Als die Falcon 9 zu wenig Nutzlast aufwies und gestreckt werden musste, um unsere CRS Aufträge zu erfüllen, war die Version mit drei Erststufen (die Falcon Heavy) natürlich auch um ein Drittel leistungsfähiger. Das reicht aus, um eine Dragon nicht nur um den Mond herumzuschicken, sondern in eine Mondumlaufbahn zu bringen. Daher laufen derzeit Verhandlungen mit Space Adventures. Sie haben ja schon Kunden, die bereit sind, 100 Millionen Dollar für eine Mondumrundung zu bezahlen, aber keine Sojusraumschiffe für die nächsten Jahre.

Dabei wird die zweite Stufe der Falcon nicht nur die Dragon zum Mond bringen, sondern auch die Einbremsung in die Mondumlaufbahn und den Rückstart zur Erde. Die Isolierung, die wir bei der ersten Stufe einsetzen wird dabei auch die zweite Stufe erhalten. Ich bin recht skeptisch ob wir so den flüssigen Sauerstoff über 10-20 Tage am verdampfen halten können. Aber Elon meint: "was gut genug für den Wiedereintritt ist, übersteht auch die Sonnenstrahlung". Nur kamen bisher beim Wiedereintritt am Boden ja nur Trümmer an. Die Dragon würde dann einen Profiastronauten und bis zu sechs Passagiere zu einem 10-20 Tage Trip, davon 4-13 Tage im Mondorbit transportieren. Elon wird auch hier wenn es nötig ist die Russen unterbieten, die ja maximal zwei Touristen befördern können."

Leon Kums klärte mich auch auf warum es in Videos Dragons mit Landungen auf dem Mars gibt:

"Na ja Mars musste rein, das ist ja das Endziel von Elon. Derzeit erarbeitet er ja mit Zurbrin einen Marslandungsplan auf Basis der Falcon/Dragon. Aber viel wahrscheinlicher als die Marsmission ist ein Touristentransport mit Landung auf dem Mond. Dazu würden zwei Falcon Heavy starten. Eine mit einer umgebauten Dragon, bei der die Passagierzahl auf drei reduziert ist um Platz für die Treibstofftanks zu haben und eine zweite die nur eine Stufe in den Erdorbit bringt. Dort würde die Dragon an die Stufe ankoppeln und diese würde die Dragon zum Mond schießen. Sie landet dann direkt ohne in eine Umlaufbahn einzutreten.

Ich halte das Konzept für unnötig schwer. Aber das Landesystem soll ja sowohl als Rettungsturm, wie auch zur weichen Landung an Land auf der Erde wie auch für eine Landung auf dem Mond oder Mars ausgelegt sein. Da muss es in die Kapsel rein. Für eine eigene Stufe konnte sich Elon nicht begeistern, auch weil wir dann von LOX/RP-1 als Treibstoff abkommen müssten. Ob es so sinnvoll ist auf dem Mond zu landen ist mal dahingestellt. Es fehlen ja dann noch die entsprechenden Systeme um auch die Kapsel verlassen zu können. Das ist wie bei den langfristigen Plänen zum Mars. Elon und damit SpaceX konzentriert sich auf ein Element und hofft das der Rest von irgendwo her kommt. Aber intern rechnet eh keiner in der Firma damit, dass das auch umgesetzt wird. Mit zwei Starts einer Falcon Heavy und nur zwei Passagieren wäre ein Ticket kaum bezahlbar und würde in der Gegend von 500 Millionen pro Tourist liegen.

Space Adventures war auch bereit mindestens einen Mondumflug zu buchen. Es scheiterte aber daran, dass niemand in SpaceX bereit war die Kapsel zu steuern. Elon dachte Ken (Bowersox), der ja mal Astronaut war würde das tun. Da lag er ziemlich falsch. Es gab richtigen Krach zwischen den beiden und es flogen die Fetzen. Ken sagte, er würde eher die Firma sofort verlassen als sich in einer Dragon zum Mond schießen lassen. Ich kann ihn verstehen. Da kommt er wenn was schief geht nicht wie im Erdorbit schnell zurück. Die Ingenieure haben beim COTS 1 Flug der Kapsel so wenig zugetraut, dass sie nicht mal Tiere in den Orbit gebracht haben, sondern nur einen Käse.

Dann hat man für den Job Garrett Reisman angeheuert, der auch NASA-Astronaut war. Als er davon hörte das er Werbung für SpaceX im MSC machen sollte, sondern zum Mond liegen sollte, hat er sofort abgelehnt. Verlassen konnte er nun SpaceX nicht mehr, das wäre eine echte Blamage gewesen. Nun hat man extra einen Posten "Senior engineer working on astronaut safety and mission assurance" geschaffen - keiner hat gemerkt, dass SpaceX keine Astronauten befördert also auch keinen Ingenieur für die Sicherheit braucht. Aber die folgen wenn er SpaceX so schnell wieder verlassen hätte wären irreparabel gewesen. Die Reputation von SpaceX bei dem Manned Space Center ist sowieso nicht sehr hoch."

Weitere Details über die Dragon und SpaceX Pläne folgen noch.

Sonntag 26.6.2011: Testbericht: ALDI Hochdruckreiniger King Craft

Jedes Jahr hat ALDI einen Hochdruckreiniger im Angebot. Nachdem mein alter Kärcher leckte, habe ich mir einen neuen von ALDI zugelegt. Was man sofort bemerkt ist das Gewicht: Das Gerät ist schwer. Der Trolli an dem man ihn ziehen kann ist notwendig. Mein Bruder schwört auf Kärcher, auch mit der Begründung "man kann immer Ersatzteile nachkaufen". Doch als es mal bei einem Hochdruckschlauch nötig war, stellte sich raus, dass dieser fast genauso viel kostet wie ein neuer Reiniger. Da nun schon zwei Kärcher den Geist aufgegeben haben, beidemal nicht die Reiniger, sondern die Schläuche oder Pistole undicht wurden und in beiden Fällen der Ersatz fast so teuer wie ein neuer Reiniger der Einstiegsklasse ist, habe ich mich für den ALDI Reiniger entschieden. Die Entscheidung fiel leicht, weil ich schon vorher einen Flächenreiniger von ALDI mit dem Kärcher im Einsatz hatte.

Der erste Eindruck ist gut: Die Verarbeitung ist ordentlich, die Verbindungen schließen sauber und sind trotzdem leichter zu lösen als beim Kärcher. Leider ist es natürlich ein neuer Standard - es wäre wohl in der Branche zu viel zu erwarten, dass man eine Pistole von Kärcher weiterverwenden könnte oder der Schlauch an den Kärcher angeschlossen werden. Das kenne ich schon von einem Reiniger von Einhell, der auch eigene Anschlüsse hat. Der Hochdruckschlauch ist lang, das bietet viel Bewegungsfreiheit.

Inzwischen habe ich mit dem Reiniger einiges gesäubert. Bei mir sind es vor allem Platten ums Haus bzw. die Einfahrt. Der positive Eindruck verfestigt sich. Mit dem Trolli kann man den Reiniger gut bewegen, mit dem langen Schlauch kommt man in einem Umkreis von 7-8 m überall hin und muss ihn nicht so oft bewegen. Der Dreckfräser ist kraftvoll, bringt auch noch alte Verkrustungen los, die mit dem Kärcher problematisch waren. Der Flächenreiniger macht mehr Sinn als beim Kärcher, weil der Druck mit 120 Bar höher ist als beim Kärcher mit 90. Der Flächenreiniger ist eine Glocke mit zwei im Kreis rotierenden Düsen, man zieht ihn wie einen Besen über die Fläche. Der Vorteil: Es spritzt nicht so, und man kann Flächen wie eben eine Einfahrt viel effizienter reinigen. Der Nachteil: Die Fläche muss ziemlich eben sein. Wer alte Platten hat, die irgendwie etwas eingesunken sind, muss dauernd absetzen und neu ansetzen. Beim Kärcher war die Reinigungswirkung beschränkt. Sie kommt dadurch zustande, dass man die Glocke langsam zieht, zwar langsam, aber doch viel schneller als man mit der Düse über dieselbe Fläche gehen würde. Da man die Bewegung vom Fegen aber kennt, kann man nicht beliebig langsam sein. So wurde es auf einmal nicht richtig sauber und ich musste ein zweites mal rübergehen. Der King Craft hat mehr Druck, höheren Wasserumsatz, so werden Flächen sauber, die nicht zu stark verschmutzt sind, also regelmäßig gereinigt werden (alle paar Monate). Bei einer Hauswand ist der Flächenreiniger unübertroffen. Hier gibt es eigentlich kaum eine Alternative zu ihm.

Das zweite was ich mir neu gekauft habe, war der Besen. Also das ist tatsächlich ein Schrubber mit Hochdruckdüsen drin. Seitdem macht Hochdruckeinigen noch mehr Spaß. Jeder kennt das : es gibt außer der Fläche noch zig Ecken und Winkel die man auch gerne bearbeiten würde, nur spritzt es dann von Wänden ab und man wird komplett eingesaut. Mit dem Schrubber ist dem nicht so. Seitdem wird der Reiniger auch zum Saubermachen von Balkon und Außentreppen genutzt.

Dann gibt es noch eine Düse mit Bürste, die ich aber nicht probiert habe. Es gibt nur ein Manko, das ist die normale Düse. Dreht man sie in die Breite, dann hat man bis ungefähr 15 cm Breite einen Hochdruckstrahl und darüber hinaus einen normalen Wasserstrahl ohne jeden Druck. Es gibt praktisch keinen Übergang zwischen beiden Stadien. Das kenne ich vom Kärcher, aber auch meinem Einhell-Reiniger im Ferienhaus deutlich besser. Gut, ich brauche die Düse nur um den Dreck zusammenzuspritzen wenn ich die Fläche sauber gemacht habe, damit er nicht liegen bleibt, aber es ist lästig, weil mit einer größeren Breite es deutlich effektiver ginge.

Betrachtet man das gesamte Preis/Leistungsverhältnis so ist das Gerät jedoch sehr gut. Der Reiniger selbst kostet 99 Euro, Flächenreiniger und Schrubber je 30 Euro. Zusammen also 159 Euro, einen Preis bei dem man zwar andere Reiniger mit Trolly bekommt, aber nicht mit diesem Zubehör und diesem Druck.

Montag 27.6.2011: ISS Chaos

Geplant war nach einem Abkommen zwischen NASA, Roskosmos, JAXA und ESA aus dem Jahre 2006 der Betrieb der ISS bis 2015. Nachdem Barack Obama im letzten Februar das Constellation Programm offiziell beerdigte, gilt nun 2020 als letztes Datum. Eventuell sogar noch länger. Das klingt eigentlich ganz positiv. Doch wie ich als Nebenprodukt bei dem Update des ATV Buch Manuskripts erfuhr, hat dies wohl die Raumfahrtagenturen kalt erwischt. Die einzigen die wohl zufrieden sind, sind die Russen: Sie produzieren einfach wie seit 40 Jahren ihre Sojus und Progress weiter. Probleme die man im Westen kennt, wie nach einigen Jahren nicht mehr lieferbare Bauteile, kennen die Russen nicht. Erst letztes Jahr haben sie ihren Argon-16 Computer durch einen neuen ausgetauscht - der Argon 16 Computer stammt aus dem Jahr 1974. Vorher gab es keine Probleme neue zu bekommen und wahrscheinlich würde es die noch in ein paar Jahren geben. Das wäre wie wenn die NASA heute noch einen originalen Intel 8080 Prozessor kaufen wöllte.

Die ESA hat es dagegen kalt erwischt. Zum einen hat sie nur fünf ATV bestellt - das waren bis 2015 mehr als genug. Vier braucht man für die Beteiligung an der Fracht, ein fünfter erlaubt einen weiteren Astronauten für ein halbes Jahr ins All zu schicken. Nun gibt es an zwei Fronten Probleme: Zum einen gibt es bestimmte besonders qualifizierte elektronische Bauteile nicht mehr. Die noch verfügbaren reichen für en Bau von zwei weitere ATV aus. Doch selbst diese Lösung (zusammen mit dem ATV-5 wären es ja immerhin drei für einen Fünfjahreszeitraum, was einem Start alle 20 Monate entspricht, etwa genauso viel wie für die Periode von 2008 bis 2015 mit der NASA vereinbart) hat einen Haken: Die NASA will nun nach Ausfall der Shuttles eine andere Frachtzusammensetzung. Die Fähigkeit Treibstoff und Flüssigkeiten zu befördern, wird nicht mehr so gebraucht werden, bzw. soll von den Russen abdeckt werden. Da der alte Vertrag nur bis 2015 gültig ist, wird nun also neu verhandelt. Das bedeutet Umbauten am ATV, was auf eine Neuqualifikation rausläuft.

Die JAXA hat nichts verlautbart, ob sie weitere HTV bauen will oder nicht. Wenn sie Pech hat, dann bekommt sie dieselben Probleme mit der Lieferbar elektronischer Bauteile unter denen eigentlich jedes Raumfahrtprojekt im Westen leidet, wenn es sich wie bei ATV/HTV über 15-20 Jahre erstreckt.

Die NASA steht vor einem völligen Neuanfang. Immerhin werden in 1-2 Jahren zwei Systeme für die Versorgung zur Verfügung stehen. Was fehlt ist ein Crewtransporter - nun ja eigentlich fehlt keiner, denn anders als die Versorgung der ISS ist der Crewtransport alleine von Russland durchführbar. Nur kratzt das natürlich am nationalen Selbstbewusstsein. Nur: wer sich auskennt weis, ein bemanntes System zu entwickeln ist weitaus aufwendiger als ein unbemanntes vor allem auch zeitaufwendiger. Nun sind 16 Monate seit dem Beschluss, dass es die privaten Services richten sollen, vergangen und es ist noch nicht mal ein Auftrag erteilt worden. Nehmen wir mal an, das findet noch diesen Jahr statt, rechnen wir noch 5 Jahre (optimistisch) für die Entwicklung dazu und wir sind beim Jahr 2017 - lohnt sich echt für 3-4 Jahre. Realistischerweise würde ich aber bei einem bemannten Projekt 7 Jahre ansetzen. Constellation ging als es 2004 gestartet wurde von einem Jungfernflug mit einer Besatzung 2013 aus und das war nicht zu halten.

Das heißt sowohl für ESA wie auch NASA würden sich neue Systeme nur lohnen, wenn die ISS wesentlich länger betrieben wird. Doch ist das möglich? Bislang gibt es keine Erfahrungswerte über einen Betrieb einer bemannten Raumstation über 16 Jahre hinaus. Das war Mir und da war am Schluss alles verpilzt und es musste dauernd repariert werden. Wobei (wir erinnern uns) man bei den Russen ja wenigstens noch Ersatzteile nach Jahrzehnten fertigt. Bei der ISS sind ja schon die Leuchtstoffröhren vor der Fertigstellung knapp geworden, weil der Hersteller sie nicht mehr produziert. Lustig wird das wenn dann mal elektronische Bauteile ausfallen. De Fakto wird man davon ausgehen müssen, komplette Module ersetzen zu müssen. Ohne das Space Shuttle werden die einen eigenen Antrieb brauchen und auch der Austausch wird aufwendiger werden. Aber sicher nicht unmöglich. Ob es dazu kommen wird, hängt natürlich auch von der Politik ab. Bisher war mal die Rede von ISS-Reduktion auf den Kern, dann ISS Fertigstellung ohne zwei Module und Betrieb bis 2015 und nun Betrieb bis 2020. Ob sich aber auch jemand findet der dann sagt "Neue Module mit neuen Kosten für einen Weiterbetrieb?" Man wird sehen. wer ich mit der Geschichte der ISS beschäftigt, weiß, dass diese Raumstation mehrmals vor dem Aus stand. Es muss sich die politische Landschaft verändern, damit vor allem der US-Steuerzahler nun neue Ausgaben für einen Weiterbetrieb aufbringt, wenn alte Bauteile ersetzt werden müssen.

Ich stehe mit der Meinung ja nicht alleine. Ähnliche Aussagen stammen auch von Dordain. Nur ist es jetzt zu spät. Natürlich wäre schon als man die ISS plante ein gemeinsames westliches konzept wichtig gewesen, vor allem für die kleineren Juniorpartner ESA und JAXA die nur einen Transporter alle 1-2 Jahre starten. Ein gemeinsames Antriebsmodul das den Transporter zur ISS bringt mit jeweils eigenen Frachtkontainern, angepasst an die Möglichkeiten der Trägerraketen, das wäre optimal gewesen. Aber erinnern wir uns: Damals (1998) gab es noch das Shuttle. Immerhin ESA und JAXA hätten sich zusammentun können. Jetzt läuft es darauf hinaus, das die USA zwei Versorgungssysteme für Fracht haben (Cygnus und Dragon). Die ESA für 1,4 Milliarden Euro ein ATV 2.0 entwickelt und die NASA noch ein weiteres bemanntes System. Zusammen mit den russischen und japanischen Systemen gibt es also bald 5 verschiedene Transporter und zwei Mannschaftstransporter.

Meine persönliche Meinung: Angesichts Kosten von 3,8 Milliarden Euro nur für den ESA Anteil für die nächsten 10 Jahre, dazu noch 1,4 Milliarden für ein "ATV 2.0" und wahrscheinlich weitere kosten für die Transporter selbst sollte sich Europa überlegen ob ein Astronaut alle zwei Jahre auf der ISS das wert ist. So viel kommt dabei ja nicht rüberm wobei ich nicht von Forschung rede sondern Publicity, darum geht es ja. An anderer Stelle fehlt ja das Geld so für die Weiterentwicklung der Ariane 5 oder Exomars.

Dienstag 21.6.2011: Explodierte die Falcon 8 Erststufe beim Jungfernflug?

Beim Surfen bin ich über folgendes gestoßen:

Demnach soll sich ein Fachmann bei SpaceX beworben haben, um die Firma besser bei der NASA vertreten zu können und gleichzeitig Stimmung gegen sie gemacht haben, indem er Gerüchte oder falsche Behauptungen über den zweiten Flug der Falcon 9 gemacht hat. Im speziellen über die Explosion der ersten Stufe nach der Stufentrennung.

Dann ist er ist ja schon dumm. Aber dann hat er das ja noch von seinem Arbeitsplatz aus gemacht und SpaceX ist drauf gekommen. Der Mann ist also besonders dumm?

Wirklich? Dann frage ich mich warum SpaceX überhaupt erwog, jemanden anzustellen, der 1 Million für die einzige Aufgabe haben wollte, gute Stimmung bei der NASA zu machen. So viel zahlt man doch keinem "Idiot". Die Frage ist natürlich wie ein "Idiot" Mitglied des ASAP werden konnte, das über Orion entschied und letztes Jahr SpaceX bescheinigte, nicht den Anforderungen zu genügen, welche die NASA an die Sicherheit bei Raumfahrzeugen stellt.

Eher sieht es für mich aus, als wöllte man jemanden diskreditieren, der in einem Sicherheitspanel sitzt, das sich negativ über SpaceX geäußert hat und am besten die Firma gleich mit in der er arbeitet. Vielleicht will man so die anderen Panelmitglieder gleich einschüchtern? Die Frage ist, denn wie SpaceX an die Informationen gekommen ist. Schließlich sollen sie ja nur zwischen dem Beklagten und der NASA ausgetauscht worden sein.

Weiterhin ist natürlich sehr seltsam, warum jemand der im ASAP sitzt, also als Experte gelten muss, bei einem Flug der im NASA Auftrag erfolgte und bei dem sicherlich die NASA sämtliche Telemetrie erhält, weil dies wichtig ist die Rakete und Dragon einzuschätzen, irgendwelche "Rumors" anführt. Er müsste wissen, dass die NASA wenn es einen Vorfall gibt, daher gut informiert sein müsste. Gerüchte zu Verbreiten ist natürlich auch nicht das was man von einem Experten erwartet und würde wenn es nicht stimmt seinem Ansehen schaden.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich SpaceX, bei denen schon auf der Website widersprüchliche Angaben gibt, Launchmanifests die direkt aus der Pro7 Märchenstunde stammen und einen Vorsitzenden der schon mal aufgefordert hat den Kongress mit Mails einzudecken, damit seine Firma mehr Aufträge bekommt.

Ideal wäre es die Sache nachzuprüfen. die Methode der Wahl: Die beiden Videos vom ersten und zweiten Start auf Differenzen vergleichen. Leider klappt das nicht, weil im ersten Video an den entscheidenden Stellen ein "Buffering Video" zu sehen ist. (Okay, wie war das nochmal mit der technischen Kompetenz der Firma?). Aber mir fiel was im zweiten Video auf. Schauen sie sich mal das Video hier an. Es handelt sich um das offizielle SpaceX Video des Starts. Und zwar nach der Stufentrennung. Da verschwindet die erste Stufe zuerst, und dann taucht an der Stelle, wo sie sein sollte (links so in der Mitte) bei 3:28 bis 3:30 plötzlich ein weißer Fleck auf. Mehr noch: rechts wo der Blick vom Boden ist, verschwindet zuerst die Falcon 9 vom Bild, nachdem die zweite Stufe zündet - das einzelne Merlin hat weniger Schub und expandiert stärker, das reicht nicht mehr aus um es zu detektieren. Eine Zeitlang liefern offenbar noch die Triebwerke der ersten Stufe einen Kondensstreifen durch austretende Treibstoffe. Dann verlöscht das Bild und genau zu diesem Zeitpunkt (3:28 bis 3:30) taucht für zwei Sekunden ein neuer Punkt auf, der wieder verlöscht. Das ganze ist nicht sehr deutlich zu sehen, wie ihr auch an diesen unbearbeiteten Screenshots seht.

Okay, da gab es was was Gas freigesetzt hat - vielleicht eine Explosion? Frage: warum ist bisher noch keine Falcon 9 Erstszufe geborgen worden? Weil sie vorher schon zerlegt wurde? Die Abtrennung sollte (wenn man die Rakete mit der Falcon 1 vergleicht) wegen der im Verhältnis schwereren Oberstufe bei niedriger Geschwindigkeit stattgefunden haben. Also geringere Belastung beim Wiedereintritt, aber die Falcon 1 Erststufe kam zumindest einmal heil unten an (ist dann aber untergegangen). Ein Zufall? Vor allem wenn es dieses Zitat von Elon Musk gibt: "We will never give up! Never! Reusability is one of the most important goals. If we become the biggest launch company in the world, making money hand over fist, but we’re still not reusable, I will consider us to have failed." - also wenn es das wichtigste Ziel ist, warum klappte es nicht mal die Stufe ganz zur erde zurückzubringen? Warum spricht man von gelungenen Flügen, wenn das "wichtigste Ziel" nicht erreicht wurde?

Wert sich etwas auskennt, dem fällt auch der letzte Testflug der N-1 ein: Auch dort wurden nach 90 s sechs der 24 Triebwerke abgeschaltet und das erzeugte eine so starke Schockwelle, dass sie zur Zerstörung der Stufe 17 s später führte. Das Szenario ist also nicht von der Hand zu weisen.

Die Frage ist natürlich auch, wenn der Flug so erfolgreich war und man ja mit dem COTS Programm mehr las zwei Jahre hinterherhinkt, warum die NASA immer noch nicht über eine Zusammenlegung der nächsten beiden Flüge entschieden hat? Vielleicht weil der letzte nicht so erfolgreich war? SpaceX ist daran zu beweisen, dass ihre Vorwürfe begründet sind. Bisher behaupten sie nur. Und im behaupten sind sie gut. Sie mögen es auch nicht das andere Informationen haben. So dürfte die NASA ihre Fotos von der Startvorbereitung und dem Start erst nach 6 Monaten veröffentlichen. Anders als bei anderen Trägern gibt es bei der NASA keine Informationen über SpaceX (wer mal den Technical Reports Server mit diesem Suchwort füttert bekommt keinerlei Ergebnisse). Eingeräumt wird immer nur das, was jeder offensichtlich auf den Video sehen kann, wie eine Fast-Kollision mit dem Startturm oder ein Rotieren der zweiten Stufe beim Jungfernflug. Gerne werden auch im Nachhinein die Kriterien geändert wenn man die Abweichung von der Orbithöhe eben nicht vom Erdboden aus sondern vom Erdmittelpunkt aus misst. (Tipp: nehmt die Sonne als Bezugssystem und selbst wenn die Rakete auf der Startrampe explodiert habt ihr den Orbit mit hoher Präzision erreicht....)

Also irgendwie ist das wie bei den Propagandavideos bei den Chinesen oder der Berichterstattung früher in Russland über Raumfahrt. Nur kann SpaceX eben nicht missliebige Personen mal schnell für 2 Monate verhaften wie Ai Wei-Wei. Dann werden sie eben durch Rechtanwälte zum Schweigen gebracht.

Er ist ja nicht der einzige. Im Mai hatte schon SpaceX falsche Vorwürfe gegen einen anderen Kritiker gebracht, dessen im Blog angebrachte Tatsachen übrigens ich bestätigen kann, weil sie sich mit meinen Recherchen decken.

Dienstag 28.6.2011: SpaceX und die bemannte Raumfahrt

Heute will ich weitere Passagen meines Mailwechsels mit Leon Kums veröffentlichen. Wir kamen irgendwann einmal zu dem Thema bemannte Raumfahrt. Kums schreibt über die Entstehung der Dragon

"Die Dragon ist sicher Elon Lieblingskind. Er hat ja mal angekündigt dass er zum Mars will und die Trägerraketen sind zwar eine Möglichkeit Geld zu verdienen und auch die Transportkosten zu reduzieren, doch dazu braucht man ein bemanntes Raumfahrzeug. Die Dragon entstand ursprünglich als unbemanntes Labor, inzwischen heißen diese Mission dafür ja "Dragonlab". Die Idee war es, eine Konkurrenz zur russischen Foton zu etablieren und auch zur Forschung an Bord der ISS. Geplant war ein Start auf der Falcon V. Doch als wir erste Analysen machten, war klar, dass diese Rakete nicht die Kapsel in den Orbit bringen könnte und wir planten die Falcon 9. Wahrscheinlich wäre die Dragon längst eingestellt worden, wenn nicht wenige Monate nach Projektbeginn die NASA die COTS Ausschreibung herausgab. Da traf es sich gut das wir ein Design in Petto hatten und so konnten wir auch die Ausschreibung gewinnen.

Das wir den COTS Auftrag gewonnen haben, erwies sich aber auch als Fluch. Verglichen mit dem Gewicht ist die Nutzlast der Dragon doch recht gering. Sie war ja niemals ausgelegt voluminöse Racks mit Fracht zu transportieren, sondern vielmehr wesentlich schwerere Experimente. Wir haben dann noch einen  Erweiterungszylinder entworfen um dort ORU's oder eine Palette zu transportieren. Doch die NASA hat abgewunken. Der Bedarf dafür wäre gering und er wäre auch mit dem Manipulatorarm nur schwer zu erreichen. daher mussten wir uns auf 12 Flüge einlassen, um die 20 t zu transportieren."

Über die bisherigen Flüge und den ISS-Transport:

"Die "Dragon Qualifaction Unit" war nichts anderes als der obere Teil der Dragon, aber eben nur die Struktur, die wir fest auf die zweite Stufe vernieteten. Zu dem Zeitpunkt war nicht mehr fertig und nachdem wir bei der Falcon 1 die Nutzlast zweimal reduzieren mussten, wollten wir zudem kein Risiko eingehen, keinen Orbit zu erhalten. Schon diese Kapsel überforderte aber das Steuersystem der zweiten Stufe, das wir dann beim zweiten Start mit mehr Treibstoff ausstatteten.

Der zweite Flug erfolgte dann mit einer Dragon Kapsel die zumindest in der Struktur fertiggestellt war. Die Zündung der Bremstriebwerke erfolgte durch einen Timer, weswegen wir auch die hohe Landeabweichung angaben, aber schlussendlich ist bis heute die Avionik noch nicht fertiggestellt. Es gab Diskussionen ob wir nicht einige Tiere mitfliegen lassen sollten. Angesichts dessen das die ersten Falcon 1 Flüge aber scheiterten und der Jungfernflug ebenfalls nicht den normalen Orbit erreichte war das allen zu riskant. selbst Elon war damit zu überzeugen, das wenn bei diesem Flug Tiere umkommen sollten, er alle Ambitionen fallen lassen kann, die Dragon als bemannter Transporter anzupreisen.

Immerhin konnten wir eine leere Dragon schon in den Orbit bringen. Flug zwei zeigte, das die Falcon 9 dafür ausreichend stark war. Das Problem ist nur, dass die Dragon 1.200  kg mehr wiegt als geplant (5,2 zu 4 t), während wir die Performance der Falcon 9 auf 6,8 t absenken mussten. Eine Zeitlang planten wir den Start auf der Falcon 9 Heavy. Das lies genügend Nutzlast übrig (die 6 t die auf der Website angegeben sind). Doch dann entschlossen wir uns die Falcon 9 zu verlängern und die Startmasse von 335 auf 480 t zu erhöhen. An den NASA Kontrakten ändert das leider nichts. Da müssen wir 12 durchführen. Bei den CRS Verhandlungen wollen wir mehr Fracht transportieren und weniger Flüge durchführen."

Über den bemannten Einsatz

"Das Thema man rated ist recht komplex. Ich war ja am X-33 Projekt beteiligt und kenne daher die Anforderungen. Ich und einige andere haben das Thema mehrmals mit Elon durchgekaut, wir sind aber nicht durchgedrungen. Natürlich gibt es von der NASA Dokumente wie "man rated" in technischer Hinsicht definiert ist. Doch wer einmal mit der NASA zusammenarbeitet, weis auch das es andere "weiche" Kriterien gibt. Ich kannte das ja schon vom X-33 Projekt. sobald es um Sicherheit von Astronauten geht, handelt man sich einen enormen Overhead ein. NASA Verantwortliche sind dann fast ständig in der Firma. Es müssen laufend Reports erstellt werden. Alle Prüfungen müssen protokolliert werden, über Fortschritte referiert, Probleme genauestens untersucht etc. Beim X-33 Projekt hat vielleicht ein Drittel der Leute an der Entwicklung gearbeitet, der Rest hat protokolliert, referiert und Audits gemacht.

SpaceX funktioniert anders. Getestet wird ein bis zweimal, wenn's dann keine Probleme gibt, dann war es das. Warum öfters testen, sagt Elon immer? Wenn ich eine Software mehrmals teste kommt auch immer das gleiche raus. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann gibt es einen einfachen Bugfix, wie beim zweiten Testflug als die Düse einen Riss hatte. Da haben wir sie einfach gekürzt. So was wäre bei einem bemannten Projekt unmöglich. Ein System muss als ganzes abgenommen und genehmigt sein und dann kann man nicht einfach mal die Düse kürzen ohne zu prüfen, wie sich dies auswirken kann.

Inzwischen hat es glaub ich auch Elon kapiert, als er nun erstmals Unterlagen für ein bemanntes System eingereicht hat, Rückmeldung von der NASA bekam und alles ändern musste. Vor einem Jahr sagte er ja noch man könnte die Dragon für 500 Millionen Dollar komplett umbauen, nun sind eine Milliarde nur für ein Fluchtturm fällig. Trotzdem führt für SpaceX kein Weg an einem bemannten Gefährt vorbei. Nur in diesem Sektor kann so viel verlangt werden, dass die Firma genügend Profit macht, um die Verluste im Trägergeschäft abzufedern.

Ich weiß nicht ob bei Elon schon der Umdenkprozess eingesetzt hat. Auf der einen Seite gibt es bei der bemannten Raumfahrt richtig viel Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite befürchtet er, dass sich nun die NASA richtig in Entwicklung einmischt und dann auch darüber Details nach außen dringen. Bisher lief alles sehr einfach. Die NASA gab Ziele vor. SpaceX lieferte und bekam das Geld. Niemand hat sich in die Entwicklung eingemischt. Keiner bei der NASA hat SpaceX Ankündigungen die völlig irrrealistisch waren kommentiert oder ähnliches. Die NASA hat sich sogar die Veröffentlichung von Fotos des COTS Fluges verbieten lassen. Das würde sich dramatisch ändern wenn wir wirklich in einem bemannten Programm involviert sind. Die NASA würde nicht nur die bemannte Version der Dragon genauestens untersuchen, sondern auch die Falcon, das gesamte Management kurzum alles. Ich bin mir ziemlich sicher das dies Elon nicht will. Ich denke er wird sich weiter um Aufträge bewerben solange die NASA für die Entwicklung von Subsystemen zahlt wie beim Rettungsturm, aber bestimmt nicht um den Transport selbst. Was derzeit verteilt wird ist ja wie bei COTS - wie werden für eine Entwicklung bezahlt, aber wir bauen nicht den Nachfolger der Orion."

Die Zukunft von SpaceX

"SpaceX wird noch dieses Jahr an die Börse gehen, auch weil von irgendwo her das Kapital kommen muss um die Aufträge zu erfüllen für die es Vorauszahlungen gab. Sollte SpaceX tatsächlich Aufträge aus dem EELV Programm erhalten, so wäre wohl die Zukunft gesichert, denn aufgrund der strategischen Bedeutung werden ja schon heute Verluste von ULA vom Dod Getragen. Gelingt dies nicht, so sehe ich schwarz. Die Firma wächst auch so schnell, dass immer mehr Leute Bescheid wissen wie es intern zugeht und wenn das nach außen dringt, dann wird es nichts mit dem erhofften Kapitalfluss durch den Börsengang. Elon ist sich seinem Geschäftsmodell eigentlich treu geblieben. Eine firma aufbauen, sie für Investoren attraktiv zu machen und dann Gewinn mit einem Verkauf zu machen. Nur kommt der bei Raumfahrtfirmen oder Automobilherstellern eben aus einem Börsengang in dem der Aktienwert nicht nach vorliegenden Gewinnen sondern der Hoffnung auf Wachstum oder zukünftige Gewinne herkommt. Daher muss die Firma ein rasantes Wachstum vorlegen und suggerieren damit ginge es weiter. Nur geht dieser Wachstumskurs eben nicht ewig weiter und vor allem gibt es bisher für die Produkte ja noch keinen Markt. Daher habe ich SpaceX verlassen, bevor zu viel über die Interna und den Kurs nach außen dringen, auch wenn SpaceX derzeit mit Anwälten versucht das zu verhindern, wird es doch nicht auf Dauer unmöglich sein."

Leider brach Leon Kums nach der Veröffentlichung des ersten Teils des Mailverkehrs ab. Wahrscheinlich hat er auch inzwischen Post von den SpaceX Anwälten bekommen.


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