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Web Log Teil 249: 8.10.2011 - 12.10.2011

8.10.2011: der überflüssigste Preis / Steve Jobs

Als ich mit meinem ersten Studium anfing, gab es gleich in der ersten Woche ein Ereignis. In einem MPI Institut, einen Steinwurf entfernt von der Uni, bekam ein Doktor den Physik-Nobelpreis und zwar, das ist heute schon eine Ausnahme, alleine und als noch recht junger Forscher. Natürlich wurde uns in der Experimentalphysikvorlesung versucht zu vermitteln, worum es ging, doch da dies einen Bereich berührte, der in der Schule nicht vermittelt wurde, habe ich davon nichts verstanden. Immerhin, fiebere ich seitdem in der ersten Oktoberwoche, wer diesmal den Nobelpreis bekommt und für was. Früher war das auch deswegen interessant, weil noch mehr Deutsche darunter waren, auch weil die Forschung mehr gefördert wurde.

Nur ein Nobelpreis interessiert mich nicht und ich halte ihn für überflüssig. Es ist der Wirtschaftsnobelpreis. Ich kenne sicher nicht alle Forscher die einen Physik- oder Chemienobelpreis bekommen haben und auch nicht alle Leistungen wofür er vergeben wurde, doch ich denke ich kann sicher ein Dutzend Nobelpreisträger benennen und auch genauso viele Leistungen. Ich denke, wenn man jemand die Liste aller Nobelpreisträger vorliegt und ihre Leistungen, dann finden auch nicht so mit der Materie vertraute etliche Personen oder zumindest Dinge die heute unseren Alltag prägen oder die Menschheit voran gebracht haben, wie z.B. Erfindung der integrierten Schaltung, Relativitätstheorie, Aufklärung der Struktur der DNA, Entdeckung der Röntgenstrahlen oder Viren und Bakterien.

Ich kenne aber keinen Träger eines Wirtschaftsnobelpreises und auch keine Leistung welche wirklich etwas brachte. 100 Jahre lang wird der Wirtschaftsnobelpreis verliehen. Hat es etwas gebracht? Ist Wirtschaft daher besser planbar, berechenbar oder regelbar? Ehrlich gesagt, habe ich das Gefühl, es wird immer schlimmer. Kurse gehen hoch und runter, egal ob es Aufträge und Gewinne gibt oder nicht oder die Firma etwas mit den Banken zu tun, hat die in der Krise sind. Regulatorien greifen nicht. Man sollte annehmen, dass 100 Jahren Wirtschaftsforschung uns hier weiter gebracht haben.

Mein Vorschlag: abschaffen und durch einen neuen ersetzen, z.B. den alternativen Nobelpreis. Was fehlt isst ja gerade ein Preis für Personen die etwas für die Umwelt und Natur getan haben. Der Friedensnobelpreis ist ja stark auf die Menschen zentriert.

Dann ist Steve Jobs gestorben und die ARD hat eine Sondersendung wegen ihm gebracht. Glaubt man der, so ist ein Genie gestorben. Am pikantesten: der Reporter fragte Steve Wozniak, ob man Jobs mit Edison oder Einstein vergleichen könnte ... Also das entbehrt nicht einer gewissen Situationskomik und vielleicht zeigt es, wie vorinformiert die Reporter sind. Wer sich auskennt, der weis, das Wozniak den Apple I alleine entwickelte und den Apple II weitgehend alleine. Jobs stieß erst dazu, als es darum ging den Apple I zu vermarkten und beim Apple II stammt die Gehäuseform von ihm.

Steve Jobs ist nicht der geniale Erfinder und auch kein Entdecker. Das war auch dann die Antwort von Wozniak. Er ist der Manager, der weis, was wichtig für ein Produkt ist, was die Leute wollen. Und er setzt diese Visionen mit Beharrlichkeit gegen alle Widerstände durch. Beim Apple III war er für das Gehäusedesign verantwortlich und danach hatte die Fertigung Probleme die Platinen so eng zu bestücken, was zu hohen Ausfallraten führte. Vielleicht trifft der Ausdruck Visionär es recht gut. Zumal Jobs dafür bekannt war, die Leute solange anzutreiben bis die Vision auch umgesetzt war. Ob er nun für jedes Detail am Produkt verantwortlich war? Ich denke nicht. Ich glaube die Vorgaben sind wohl eher in der Form "Ich will einen Computer den man mit dem Bildschirm bedienen kann, ohne Tastatur, leicht und dünn" und dann hat er wohl einfach alles abgewiesen, was zu wenig schick, zu umständlich oder zu klobig war bis das iPad raus kam.

Warum auch nicht, das ist die Aufgabe eines CEO und weniger sich über die interne Technik auszulassen. (Was ihn z.B. von einem anderen CEO unterscheidet, der hier im Blog öfters erwähnt wird). Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Apple stand immer in der Kritik, dass ihre Produkte zu wenig "grün" wären, also viele umweltschädliche Stoffe enthalten. Erst in den letzten Jahren gab es da eine Besserung. Dann verkauft Apple ihre Produkte teuer - deutlich teurer als die Konkurrenz, lässt aber in China preiswert fertigen, wo in den Fabriken extrem schlechte Arbeitsbedingungen herrschten und die Selbstmordrate unter den Arbeitern hoch war.

Soweit ich das nach meinen Recherchen beurteilen kann, interessierten Jobs die Produkte mehr als die Menschen und das ist eigentlich traurig für einen Visionär.

So zum Schluss noch eine Frage für die schlauen Leser unter den Blogabbonennten. Könnt ihr aus den Angaben im ersten Absatz ableiten wann ich wo mein erstes Studium aufgenommen habe? Es sollte möglich sein, auch wenn man die Angabe auf meiner Website findet (aber wir sind ja hier nicht bei den Dünnbrettbohrern / Der PISA Generation)....

10.10.2011: Schnürsenkel, Wissenschaft im Fernsehen, Computer und der neue Kindle

Heute mal wieder ein Kurzweilliger Blog über Dinge die mir so auffielen. Das erste sind Schnürsenkel. Seit ein paar Jahren wechsele ich bei jedem neuen Paar Schuhe die Schnürsenkel aus. Ich weis nicht was da die Industrie getreten hat, aber alle Schnürsenkel die dran sind, sind zu lang. Man muss die Schlaufen irgendwo reinstopfen, damit man nicht auf die tritt und sie aufgehen oder den Knoten zuziehen. Also habe ich begonnen Schnürsenkel zu kaufen und selbst auszuwechseln. Die Beschriftungen auf den Packungen geben mir sogar recht. Gestern waren es neben dem Fernsehgucken drei Paar. Jeweils 6 Ösen pro Schuh. Da benötige ich nach den Angaben auf der Schnürsenkelverpackung 90 cm lange Senkel. Drinn waren welche von 120 cm Länge. Damit war ich am Samstag Abend neben dem Schauen von Wetten Dass beschäftigt.

Dann dachte ich schon, Abenteuer Forschung und Abenteuer Wissen wären eingestellt worden, zugunsten von Terra Express. Nun bei letzteren ist das auch der Fall. Abenteuer Forschung läuft noch, wie ich gerade bei der Recherche entdeckte, aber erst ganz spät um 23:00. Stattdessen gibt es nun Terra Express auf prominentem Sendeplatz. An dieser Stelle hat schon Francesco Lupo ein Essay über Andreas Kieling und die Art sich in den Vordergrund zu stellen. Dirk Steffen ist da von derselben Sorte. Letze Woche ging es um Naturgewalten. Teil 1 über Wasser. Da war er zur Moderation an neun Plätzen der Erde: Von Grönland im Norden bis zur Sahara im Süden. Von Spanien im Westen bis zu Indien im Osten. Das alles für jeweils einige Sekunden bis eine Minute, um Text zu sagen, denn auch ein Sprecher zum Bildmaterial sagen konnte.

Was ist aus den Sendungen geworden, in denen die Moderatoren moderieren, aber sich nicht in den Vordergrund stellen? Es geht um die Vermittlung von Sachverhalten und nicht um das eigene Gesicht.

Dann gibt es nun den neuen Kindle. Mit 99 Euro unterschreitet er nun die "magische" Grenze, an der ich solche Geräte wirklich als Alternative betrachte. Doch ich wartete auf die neueste ct' in der Hoffnung dort etwas mehr über das Gerät zu erfahren und das war auch gut so. Denn der neue kindle hat keinen Touchscreen und keine Tastatur. Er wird nur über einige Buttons bedient. Das geht vielleicht gut beim Navigieren, doch wie soll man damit dann Suchbegriffe eingeben. Also nichts für mich. Noch mehr geärgert hat mich die Angabe, dass das Gerät in den USA 79 Dollar kostet und bei uns 99 Euro. Berücksichtigt man den Wechselkurs, so ist es in der EU um 50% teurer. Bin ich eigentlich blöd? Bücher von mir sind umgekehrt in den USA billiger und auch das Autorenhonorar ist geringer, aber die Hardware will man uns um 50% teuer verkaufen.

Das letzte was ich dann noch getan habe war eine neue Tastatur. Ich habe seit 1999 eine Cherry G83. Sie hat mehrere Computer überlebt und die mitgelieferten Tastaturen wanderten meist in den Müll oder zu meinem Bruder bei dem sich die Beschriftung schon nach kurzer Zeit ablöste. An und für sich ist die Cherry G83 auch noch gut, nur viele Tasten sind nun sehr glatt weil der Plastik abgerubbelt wurde und ich wünsche mir eine Tastatur mit einem noch stärkeren Druckpunkt und so bin ich bei der Cherry G80 gelandet. Mit etwas über 50 Euro ist sie noch bezahlbar. Die noch etwas besseren IBM Modell M Tastaturen sind mir mit über 100 Euro dann schon zu hochpreisig. Mal sehen wie sie sich schlägt. Die alte werde ich dann wohl immer in die DHBW mitnehmen, wo man sich zwar teure Rechner leistet, die aber mit Billigtastaturen ausrüsten die auch schon teilweise defekt sind (abgebrochene Standfüße etc.)

Zuletzt schlage ich mich seit etwa 1-2 Monaten mit Computerproblemen herum. Der Rechner friert beim Betrieb ein, leider nicht reproduzierbar und nicht vorhersehbar. Ab und an gibt es noch eine kryptische Meldung, aber meistens geht gar nichts mehr. Ich hatte das schon bei meinem letzten beiden Rechnern und es wurde dort immer schlimmer und führte schließlich zum Neukauf. Nur waren die dann 3 bzw. 4 Jahre in Betrieb und es gab dann auch so den Wunsch nach einem neuen Rechner, weil die Hardware sich weiterentwickelt hatte. Den derzeitigen habe ich noch keine zwei Jahre im Betrieb. Eigentlich habe ich auch noch ein Jahr Garantie. Doch wie beweise ich einen Defekt? Schließlich tritt er nicht jeden Tag auf. Ich habe mal Memtest86 laufen lassen, doch ohne Ergebnis. Auch ein Vertauschen der beiden RAM-Riegel brachte nichts. Das einzige was ich derzeit noch erwäge, ist es mir zwei neue RAM zu kaufen. Doch ich bin unschlüssig. Auf der einen Seite brachte die RAM-Diagnose (siehe oben) kein Ergebnis. Zum anderen isst es das einzige was in Frage kommt. Austauschen von Prozessor und Mainboard läuft praktisch aufs gleiche hinaus wie ein Neukauf. Was meint ihr? Woran könnte es liegen?

11.10.2011: Neue Medien, alte Medien

Ich habe während ich in Nesselwang war, einen Bericht über das Internet und Firmen die damit Geld verdienen gesehen, die Methoden wie Google Suchanfragen kombiniert, Amazon, das Surf- und Kaufverhalten bewertet und ähnliche Produkte vorschlägt und die Kritik daran. Eine Kritik war, dass man mit der Autovervollständigen Funktion von Google nicht mehr überraschend auf etwas neues stößt, sondern praktisch in Bahnen gelenkt wird, die von Millionen vorgezeichnet sind.

Da fiel mir auf, dass seit Jahren ich eines nicht mehr habe, was es in der Anfangszeit des Internets häufiger hatte - das Stolpern über etwas, was man gar nicht gesucht hat, aber durch Zufall fand. Das hat natürlich auch Gründe. Ich suche heute viel gezielter. Ich kombiniere Suchbegriffe, ich grenze Dateitypen ein - wenn es um Raumfahrt geht, finde ich das meiste in pdfs und ppt und nicht etwa in Webseiten. Aber auf der anderen Seite, wenn man einen wahllosen Suchbegriff eintippt, dann dominieren auf der ersten Seite andere Metasuschmaschinen, Verzeichnisse für Personen oder ähnliches und prominente Webseiten wie die Wikipedia. Durch Zufall hier auf eine private Website zu stoßen ist fast unmöglich.

Dann habe ich, als ich in Nesselwang war, viel mehr Fernsheen geguckt als sonst und bin bei ZDF Neu und ZDF Info über einige Wiederholungen von Wissenschaftssendungen gestoßen. Zuletzt lese ich derzeit noch Ernährungsbücher fürs nächste eigene Buch. Das bringt mich zu dem heutigen Thema: Medien. Viele in der PISA-Generation sind ja der Meinung, man müsste gar nichts mehr lernen, und könnte alles im Internet nachschlagen. Nicht nur Antworten auf fragen, sondern komplette Lösungswege. Doch darauf komme ich später zurück.

Ich meine, jedes Medium hat seine Berechtigung. Fangen wir mit dem Fernsehen an. Die Möglichkeiten sind hier immens. Bilder prägen sich viel mehr ein, als Schrift. Nicht umsonst sind Naturfilme so beliebt, weil man bei guten Filmen Natur erleben kann. Bilder können aufrütteln. Seien es vereinsamte Orang-Utans in einer Auffangstation deren Lebensraum für Palmöl für Biosprit abgeholzt wurde, seien es hungrige Menschen in Äthiopien. Animationen und Trickfilme können komplexe Dinge verständlich machen oder die Vergangenheit lebendig.

Aber es hat auch gravierende Nachteile. Das eine ist, dass zumindest ich (aber ich denke auch andere) kaum noch auf den Text hören, wenn sie richtig gebannt von Bildern sind. Das zweite ist, das mir das Fernsehen das Tempo vorgibt, aber auch die Reihenfolge und es mir nicht ermöglicht, eine Pause zu machen. Das ist sicher ein Grund, warum ich in letzter Zeit viel offline schaue, also Fernsehmittschnitte vom OTR. Der letzte Punkt wurde mir klar, als ich für mein Computerbuch nach den originalen Transscripts der Dreiteilligen Dokumentation "Triumph of the Nerds" gelesen habe, wegen Zitaten. Wenn man es sich durchliest, dann merkt man erst was dort an Information drin steht und wie viel schneller man es gelesen, als gehört hat, obwohl diese Serie heraussticht durch viele Interviews und viele Moderationsbeiträge, also eine hohe Informationsdichte aufweist. Das bedeutet, dass man aus dem Fernsehen recht wenig Information pro Zeit aufnimmt.

Kommen wir zum Internet. Beim Internet gibt es zwei Einschränkungen. Das eine nenne ich mal den "Surf-Effekt" oder das "Gewinnen von nutzlosem Wissen". Also ich beschreibe mal wie ich das sehe. Ich fange seit es das Internet mit Flatrate gibt und damit "Information on your fingertipps" an schnell nachzuschauen, wenn ich was belangloses aufgeschnappt habe. Also da gibt es einen Promi in einer Sendung, den ich nicht kenne. Mal schnell nachgeschaut um wen es sich handelt und was er bisher gemacht hat. Oder im Radio kommt ein Lied - hmm von wem stammt das? Früher wäre das nicht möglich gewesen und ich hätte es gelassen. Ist mein Leben ärmer gewesen? Nein, denn das alles ist nicht unbedingt wichtig und vieles vergisst man auch bald (oder sofort) wieder. Zumal es ja nicht bei einem Link bleibt, sondern man meist auf weitere Seiten weitergeht und dabei viel Zeit verbraucht. den zweiten Hauptnachteil des Internets habe ich schon mehrfach thematisiert. Es ist die Tatsache, dass es als Medium nicht gedacht ist lange Texte am Bildschirm zu lesen. Das ist umständlich und nicht gut für die Augen. Natürlich kann man trotzdem komplexe Themen in einzelne Punkte aufteilen, wie die Wikipedia aber auch meine Website zeigen. Aber genauso wenig wie ein Lexikon ein Lehrbuch ersetzen kann und eine Frauenzeitschrift einen Schmöker genauso wenig kann das Internet als Medium alleine ausreichen.

Kommen wir zum letzten Medium. Dem Buch. Das Buch hat wie die anderen Medien Vorteile und Nachteile. Anders als beim Fernsehen und Internet kann man es überall konsumieren. Es ist beständig, benötigt aber auch viel Platz. Ich denke der Verbund von e-book und Büchern ist die ideale Kombination. Denn es ermöglicht den Hauptnachteil des Buches zu kompensieren - zu suchen wo etwas steht, dauert sehr lange, wenn man nicht schon vorher ungefähr weiß wo. Zudem ist es äußerst platzsparend. Ansonsten ist eben der Hauptvorteil, dass man in einem Buch komplexe Dinge aufbereiten kann - es gibt nicht umsonst bis heute Lehrbücher. Während ich denke das Internet Lexika also Dinge, wo ich noch einzelne Informationen nachschlage, abgelöst hat. Was ich aber auch feststelle, ist dass ich immer weniger Zeit für Bücher habe, denn sie sind zeitintensiv. Ein Buch durchzulesen und nicht nur zu überfliegen, die Information zu verarbeiten benötigt Zeit. Zumal man bei vielen Büchern beim ersten Durchlauf nicht alles aufnimmt. Diese Erfahrung kann sicher jeder bestätigen, der mal ein Lehrbuch gelesen hat, aber auch wer Romane mehrmals liest stellt fest, dass er beim zweiten Mal einige Details mitbekommt, die beim ersten Mal der Aufmerksamkeit entgeht.

Ich glaube daher dass alle drei Medien bestehen werden. Was bestimmten Medien zum Nachteil werden kann ist die menschliche Ungeduld. Für Bücher braucht man viel Geduld, aber auch für Fernsehen. Wie schnell hat man umgeschaltet oder ist woanders gelandet. Internet hat diesen Nachteil nicht. Es ist sofort, aber es ist auch für den menschlichen "Jäger und Sammlertrieb" was ziemlich nachteiliges, weil man sich leicht darin verliert.

Ich selbst bin mit Büchern aufgewachsen und wohl auch dem Medium verwachsen. Ich bin stolzer auf meine Bücher als auf die Website und ich schaue öfters zum Nachschlagen in Bücher als auf die Website. Aber ich bin da wohl eine aussterbende Gattung .... Ich glaube aber auch, dass man alle Medien braucht. Bücher halte ich nach wie vor für unentbehrlich, wenn ich daran denke Grundlagen zu vermitteln oder einfach was längeres wie einen Roman. Das Internet ist das ideale Medium um bei einer konkreten Frage nachzuschlagen oder bei einem konkreten Problem eine Lösung zu suchen. Was auf der Strecke bleibt ist das Fernsehen, das irgendwie dazwischen liegt und das vom Internet leicht übernommen werden kann - Videos kann man schon lange auf Youtube ansehen, Animationen können sogar interaktiv sein und Welten virtuell. Was (zumindest wenn es um die Vermittlung von Wissen geht) der Vorteil des Fernsehen ist, ist die Möglichkeit jenseits von Clips Zusammenhänge darzustellen und den Benutzer zu leiten. Der zweite Hauptvorteil ist natürlich das man sich nur berieseln lassen kann, also anders als beim Lesen oder Surfen, selbst nichts aktiv tun muss. Unverständlich, dass die Fernsehsender in ihren Mediatheken durch Staatsverträge verdonnert sind die Inhalte nur eine Woche lang online zu stellen. Auch unverständlich, dass es bis heute kein Online Archiv gibt in dem man alte Sendungen einsehen kann. Das wäre enorm nützlich. Ich würde gerne die Tagesschau nach bestimmten Ereignissen nochmal sehen, auch für Recherchezwecke, wie z.B. wie lange es dauerte nach dem Challengerunglück, bis man eine Ahnung von der Unglücksursache hat. Durch Zufall sah ich in meinem Urlaub eine Reportage über den Mississippi aus den Siebzigern. Ja damals war noch von "Negern" die Rede - heute dürfen ja nicht mal mehr Schokoküsse so heißen. Aus historischer Sicht wären viele alte Reporttagen interessant. Warum das nicht kommt? Ich denke die Sender wollen, aber sie dürfen nicht. Sie mussten ihr Onlineangebot nach Klagen der Presse ja schon reduzieren. Wie immer schaden Privatinteressen der Allgemeinheit.

13.10.2011: Zeit für Meckerer

Ich bin unzufrieden. So allgemein mit der Raumfahrt und der Politik. (Sicher auch mit anderem, nur verstehe ich von dem nicht so viel). Ich habe mich gefragt, ob dies daran liegt, dass es heute mehr Möglichkeit gibt sich zu informieren, während man früher eigentlich nur größere Ereignisse in der Tageszeitung verfolgen konnte, und von dem Hickhack im Hintergrund bekam man nicht so viel mit.

Aber nein, ich denke es ist so: wir haben Grund zu meckern. Wir haben in vielen Bereichen derzeit ein heilloses Durcheinander mit Parallelentwicklungen, eingestellten Projekten und ähnlichem. Also fange ich mal an:

Europa:

Wir verschieben seit Jahren die Weiterentwicklung der Ariane 5. Warum weiss ich nicht. Dafür bezahlen wir dafür, dass eine in Russland produzierte Rakete von Kourou aus starten kann, also unterstützen wir einen direkten Konkurrenten von Ariane 5. Die muss dafür subventioniert werden. Dafür gibt es jetzt schon die Pläne für eine Ariane 6, die wahrscheinlich wenn wir sie jetzt entwickeln dann wieder zu klein ist wenn sie 10 Jahren zur Verfügung steht.

Dann wird Exomars zu treuer. Ich habe von dem Projekt eh nicht viel gehalten. Doch was macht man dann? Anstatt es einzustellen, will man es mit der NASA zusammen machen. An und für sich eine gute Idee. Doch Exomars sollte ein Lander sein. Was wird nun der europäische Anteil: Ein Kommunikationsorbiter und einige Instrumente. Hab ich irgendwas nicht kapiert? Was hat das mit einem Lander zu tun? Ach ja neueste Nachricht: Die NASA will den Exomars Orbiter auch nicht starten....

Russland:

Also Russland entwickelt die Angara und als Konkurrenz dazu die RUS-M und auch noch einen neuen Weltraumbahnhof. Warum eigentlich? Die Sojus ist bewährt und zuverlässig. Die Proton kann sich vor Aufträgen kaum retten (und ILS will auch keine Angara vermarkten, sondern die Proton) und mit Kasachstan versteht man sich nach einigen problematischen Jahren auch gut. So kommt das ganze nicht in Schwung. Die Angara sollte schon längst ihren Erstflug absolvieren und nun hat man auch die Rus eingestellt. Ehrlich gesagt ich verstehe das nicht. Man hat Träger die funktionieren, die ausreichen und die nun auch global angeboten werden (für die Sojus wird ja gerade eine Startrampe in Kourou errichtet). Also wird man zumindest Proton und Sojus weiter produzieren um diesen lukrativen Markt zu bedienen. Wo gibt es dann die Nutzlasten für die Angara und Rus? Es wäre ja nicht das erste Projekt das Russland einstellt (Kliper, Baikal, verschiedene Sojus Upgrades....). Auf der anderen Seite kommt Russland seinen Plänen für den ISS Ausbau nicht nach, ist also bei anderen Projekten schon an der Leistungsgrenze. Sinnvolle Planung sieht anders aus.

USA:

einAlso hier gibt es zig Anknüpfungspunkte. Fangen wir mal mit den Nachwehen von Constellation an. Es wurde ja eingestellt. Was man nicht eingestellt hat, ist Orion (nun umbenannt als Multi-Purpose Crew Vehicle, obwohl es eigentlich keine Mehrzweckfähigkeit hat) - ohne das es eine konkrete Verwendung dafür gäbe. Anstatt der Ares V soll nun eine Trägerrakete SLS entwickelt werden. Sie ist etwas kleiner als die Ares V und wird nur 70 bis 130 t befördern können. Nur - selbst wenn sie mal entwickelt wird, dann gibt es keinen Einsatzzweck für sie, denn was soll man damit machen? Ein paar Mondumrundungen mit dem MPCV? Mehr kann man nicht durchführen. Dazu gibt es ein Technologieforschungsprogramm für zukünftige Trägertechnologien und für robotische Missionen als Vorbereitung für bemannte Projekte - aber auch hier beides ohne konkrete Ziele, Zeitpläne oder Vorgaben.

Was immer noch leidet unter diesen Programmen ist die unbemannte Forschung, die nicht davon profitiert hat, das Constellation eingestellt wurde und sei es nur, dass man das alte Niveau vor den Budgetkürzungen von 2006 wiederherstellt. Auch hier schiebt man das Geld in teure Prestigeprokjekte deren Nutzen zweifelhaft ist wie das MSL und JWST. Die Folge die NASA startet nur noch so wenige wissenschaftliche Nutzlasten pro Jahr, dass sie an den Fingern einer Hand abzählbar sind.

Die ISS

Ein multinationales Thema ist die ISS und hier ist am meisten im Argen. Als sie mal konzipiert wurde, beweis man Weitsicht: Alle Versorgungssysteme wurden so ausgelegt, dass es mindestens zwei Transporter für jedes Gut gab, inklusive Mannschaft und weil die Besatzung die mit dem Space Shuttle kam auch gerettet werden sollte, gab es ein eigenes Crew Rescue Vehicle. Von dieser Planung ist nicht viel übrig geblieben, nachdem die Shuttles ausgemustert wurden. In vielen Punkten gibt es nun nicht mehr die Absicherung durch zwei Transporter, z.B. bei der Mannschaft. Daneben gibt es eine Versorgungslücke, die nicht rechtzeitig geschlossen wurde (die Transportverträge (CRS) wurden erst zweieinhalb Jahre nach Beschluss der Ausmusterung der Shuttles abgeschlossen, die Beförderung von Mannschaft ist bis heute noch nicht vergeben). Die Folgen sind nun sichtbar wenn eine Sojus ausfällt und weitere Starts verschoben werden.

Es wird nun richtig turbulent:

Also man beschließt die Verlängerung des ISS Betriebs. Aber: offen ist ob dies möglich ist - gibt es Ersatz für Teile / Module die dann doch ausfallen? Vor allem: wie soll es nach 2016 weitergehen? Bisher ist kein bemannter Mannschaftstransporter genehmigt. Es gibt nur Gelder für Vorentwicklungen. Wenn heute ein neuer Mannschaftstransporter gestartet wird, so ist bei bemannten Projekten von Mindestentwicklungszeiten von 5-6 Jahren auszugehen, was bedeutet dass vor Ende 2016/7 nichts zur Verfügung steht (eher später). Das lohnt sich also kaum und wenn, wozu dann das MPCV?

Für die internationalen Partner wird es noch heftiger. Ihre Transportanforderungen ergaben sich aus der Primärversorgung mit dem Shuttle. Das bedeutete: die ISS war näher der Erde und benötigte mehr Treibstoff. Das Shuttle konnte gut verpackte Fracht in Druckbehältern transportieren und weniger gut Flüssigkeiten und Gase, also sollten diese de Partner bringen. Vor allem das ATV ist darauf ausgelegt. Jetzt wird über neue Verträge verhandelt und die ESA soll mehr Fracht im Druckbehälter transportieren, was auf ein ATV-2 rausläuft, also nochmals Kosten für eine Neuentwicklung für 5 weitere Jahre.

Dabei hat sich die ISS nicht als das erweisen was man sich von ihr versprochen hat. Interesse der Industrie? gleich Null. Die NASA nutzt nicht mal ihre Racks selbst, sondern nur zum Teil und vergibt den Rest an Universitäten, auch weil ihr Forschungsbeduget für die ISS kaum wächst. Die ESA ist die einzige Nation die ihr Labor voll ausnutzt , aber europäische Astronauten können nun kaum noch zur ISS gelangen, auch weil die Mannschaft von 7 auf 6 verkleinert wurde und zusätzliche Kurzzeitaufenthalte an Bord von Shuttles ganz wegfallen. Dafür darf sie >350 Millionen Euro pro Jahr bezahlen plus natürlich noch die ATV .... Und Japan hat bis heute noch nicht mal ihr Labor fertiggestellt und die gleichen Probleme einen Astronauten an Bord zu bekommen, nur mit dem Unterschied, dass sie ihr HTV nicht modifizieren müssen.

Die einzige die sich freuen können sind die Russen: ihre eigenen Module wurden gestrichen und den Transport lassen sie sich gut bezahlen.

Also ein echtes durchdachtes Konzept sieht anders aus. Und wofür das alles? Nimmt jemand die ISS überhaupt noch wahr? Ist sie von größerer wissenschaftlichem Nutzen? Selbst dass nun die Besatzung für einige Monate auf 3 reduziert wird ging ja an den Nachrichten vorbei. Warum auch nicht. Nur für Angeberei ist das 100 Milliarden Europrojekt auch zu teuer.

Fazit

Es ist Zeit für Meckerer. Vor allem weil Leitlinien fehlen. Langfristige Pläne, die auch tragen und die nicht bei einem Fehlstart gleich die Besatzung für Monate halbieren, Aber auch für Vernunft. Wenn die ISS nicht mehr das ist, was man sich von ihr erwartet, dann stellt den Betrieb ein oder verlängert ihn wenigstens nicht, wenn dadurch nur neue Investitionen in neue Transporter für Fracht und Personen resultieren. Das gleiche gilt für Träger: fördert die die sich lohnen und stellt die ein, die sich nicht lohnen (die ESA hat das bei der Vega ja schon erkannt und betreibt das Projekt nur noch langsam voran, weshalb sich der Erststart ja auch beträchtlich verzögert hat). Dass viele ihr Heil bei Firmen wie SpaceX suchen, die erst ihre ersten Weltraumschritte machen, viel versprechen und noch mehr verheimlichen, zeigt wie schlimm die Situation inzwischen ist. Dabei vertrauen nicht mal ihre Kunden SpaceX: Bigelow Aerospace hat mehr als die Hälfte ihrer Belegschaft entlassen, weil es keine Möglichkeit gibt Mannschaften mit US-Raumschiffen in den Orbit zu bringen. Dabei steht das BA-330 als Nutzlast bei SpaceX in der Startliste. Eigentlich sollte es dann doch kein Problem sein, die Dragon dafür zu nehmen, schließlich soll sie ja bemannt einsetzbar sein - aber Bigelow glaubt wohl nicht daran. Das lässt tief blicken...


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