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Bigelow Aerospace

Einleitung

Bigelow Aerospace sticht aus den "neuen" Raumfahrtfirmen, die vorwiegend nicht von Regierungsaufträgen leben wollen, heraus. Sie wollen anders als viele andere Firmen nicht primär eine Transportleistung erbringen, sondern mit einer eigenen kleinen Raumstation, die vermietet wird, Geld verdienen.

Das Konzept

TranshabSehr wenig weiß man über das genaue Konzept von Bigelow. Die Grundzüge sind allerdings bekannt. Sie beruhen letztendlich auf fast 40 Jahren NASA Forschung. Für die ISS war auch ein Wohnquartier geplant. 1997 begann bei der NASA dafür die Entwicklung des Transhab. (= Transition Habitat, da es auch für den Transport von Besatzungen zum Mars geeignet wäre) Dieses war der Prototyp eines "aufblasbaren Moduls". Im Jahre 2000 gab es einen Kongressbeschluss, der in der Resolution 1654 endete, der es der NASA verbot das Transhab weiter zu entwickeln, sie dürfte aber die Ergebnisse an die Privatwirtschaft lizenzieren. So kam Bigelow Aerospace an die von der NASA entwickelte Technologie eines aus Gewebe bestehenden Moduls.

Die NASA forschte selbst weiter, nicht am Transhab, aber an der Technologie und einem verkleinerten Prototypen von 224 cm Durchmesser. Bis 2005 gab es z.B. 100 Tests des Mikrometeoritenschutzschilds mit bis zu 2 cm großen Projektilen. Die Zuverlässigkeit betrug 0,985. Tests in Vakuumkammern oder hydrostatischen Kammern über Druckdichtigkeit und Belastungsgrenzen folgten. Das Konzept ist also ausgereift wie auch die experimentellen Stationen Genesis I+II zeigen, von denen eine nun schon seit 6 Jahren die Erde umkreist ohne Druck verloren zu haben.

Die Station

Da es sehr wenig Informationen über die Station selbst gibt, beschriebe ich im Folgenden das Transhab Modul der NASA, dessen Konzept und technologische Entwicklung Bigelow aufgegriffen hat. Nur wo es harte Daten von Bigelow gibt, werde ich diese separat ausweisen.

Das Transhab Modul hat einen Durchmesser (entfaltet) von 25 Fuß (7,28 m) internem Durchmesser und 40 Fuß (12,19 m) Länge. Das Volumen beträgt 342 m³. Die Bigelow Station BA 330 hat nahezu denselben Volumengehalt (330 m³) und ist etwas länger (13,70 m), wobei dies aber auf einer Erweiterung beruht, die Solarzellen und Antriebssystem aufnimmt, das Transhabmodul war ohne eigene Stromversorgung und Antrieb. Der Innendruchmesser beträgt 6,70 m. BA 330 und Transhab haben eine feste, nicht aufblasbare, Innensäule gemeinsam. Sie hat beim Transhab einen Druchmesser von 2,30 m. Dies ist nötig um eine Verformung des Labors zu einer Kugel zu vermeiden, an ihr können auch Zwischenstockwerke angebracht werden. Beim Transhab waren drei Stockwerke vorgesehen. Dies ist ein Unterschied zur BA-330. Diese hat keine Zwischenstockwerke. Beim Transhab hatten die beiden oberen Stockwerke eine Höhe von 8 Fuß (2,44 m) und das Mittlere eine Höhe von 7 Fuß (2,14 m). Die Länge von Luftschleuse zu Luftschleuse beträgt nur 23 Fuß (7,02 m). Das liegt daran, dass sich das ausblasbare Modul von dem starren Teil aus aufbläht, in der Mitte also am kürzesten ist. Das Transhab hat einen 7 Fuß (2,14 m) langen Tunnel mit einer Luftschleuse an einer Seite und einen kurzen, ohne Druckausgleich mit dem Aufblassystem am anderen Ende.

BA-330 ModellBeim Transhab gab es im ersten Stockwerk, eine Bordküche in drei ISS-Racks, eine Messe mit einem Tisch sowie einen Bereich, um Standard CRB-Säcke zu verstauen. An ihm befindet sich ein nach oben offener "Obergaden" wie bei einer mittelalterlichen Kirche. Er soll das Gefühl des freien Raums verstärken. Im zweiten Stockwerk gibt es einen "Mechanikerraum" der die Hälfte des Flurs einnimmt  und die Mannschaftsquartiere für sechs Personen. Das Transhab soll sogar genügend Platz für 12 Astronauten bieten. Jedes Crewquartier hat 2,30 m³ Raum bei einer Höhe von 213 cm. Das sind 27% mehr Platz als in den sonst benutzten Racks in den Laboren zur Verfügung stehen. Dort befindet sich ein Bereich um persönliche Dinge zu verstauen, eine Schlafliege mit Bändern zum Fixieren, Licht, Anschlüsse für das Netzwerk, Strom und ein Computer. Die Zwischenwände mit schallschluckenden Eigenschaften können ausgetauscht werden um das Quartier zu personalisieren. Die Rückseite enthält einen Wassertank 6-7 cm Stärke als Schutz vor solarer Strahlung.

Stockwerk 3 enthält zwei Racks für die persönliche Hygiene und einen Bereich für die Ganzkörperhygiene. Dann gibt es noch einen Bereich für den Sport mit einem Ergometer und einem Laufband. Diese sind - anders als die Geräte woanders - permanent aufgebaut, was Crew-Zeit spart. Im Tunnel gibt es zwei Türen, eines zum Node 3 und eines zum Innenraum. Zwei Fenster von 51 cm Durchmesser gibt es auf dem ersten und dritten Deck. Auch die BA-330 soll Fenster mit UV-Schutz einsetzen.

Der zentrale Innenraum mit 6 Seitenflächen ist aus 36 Seitenteilen von 76,2 x 213 und 127 x 213 cm Größe aufgebaut. Die Hälfte davon wird im Orbit an andere Stellen verschoben, z.B. um Trennwände zu erzeugen.

Sundancer MockupsDas Interessanteste ist natürlich die Hülle. Sie besteht aus drei funktionellen Teilen: dem äußeren Mikrometeoriten- und Weltraummüll- Schutzschild, dem mittleren Teil der für strukturelle Integrität sorgt und einem inneren Teil der die Hülle gasdicht verschließt.

Die drei "Blasen", welche die Station luftdicht verschließen bestehen aus Gorefasern (Polyurethan/Sarah), die nach dem Weben verschmolzen wurden. Jede Blase ist dann noch von Kevelarfasern umhüllt, zur Verstärkung und damit sie nicht direkt aneinander reiben. An der Innenseite gibt es einen zusätzlichen Schutz vor Beschädigung und Abrieb.

Der Mittelteil verleiht der Hülle Steifigkeit und verhindert ein Platzen bis zu einem Druck von 4 Bar. Sie besteht aus Kevlarfasern, die mit einander kreuzförmig verwoben sind. Sie soll für 10 Jahre die strukturelle Integrität aufrecht erhalten. Die Beständigkeit für 4 Bar ergibt einen Sicherheitsfaktor von 4.

Die Außenschicht besteht ganz außen aus einer Mehrschichtenisolation, Dies ist dieselbe wie bei den anderen Modulen. Außen ist eine Schicht aus Beta-Cloth zum Schutz vor atomaren Sauerstoff. Sie ist innen aluminiert um Licht zu reflektieren. Es folgen zwischen zwei auf beiden Seiten aluminierten und verstärktem Kaptongewebe, 20 Schichten aus beidseitig verspiegelter Mylarfolie. Der Effekt ist der gleiche wie bei einer Rettungsfolie - die hohe Rückstrahlfähigkeit spiegelt die IR-Strahlung nach innen und schützt so vor Auskühlung.

 Danach kommt der Mikrometeoritenschutzschild. Bei den anderen Modulen besteht dieser aus einem Metallschild, der die Mikrometeoriten zum Platzen bringt und einem Leerraum, der sie verteilt und der äußeren verstärkten Hülle. Bei dem Transhab besteht er aus vier Schichten jeweils aus Nextel, verstärkt mit Kevlar und einer dicken Schaumschicht. Sie soll dem Einschlag eines 1,7 cm großen Aluminiumstücks mit 7 km/s standhalten.

Beim Transhab sollte die gesamte Hülle 12.000 Pfund (5.400 kg) wiegen.  Es sind insgesamt 60 Schichten mit einer Gesamtdicke von 40 cm. Gemessen am Volumen ist das fast dreimal leichtgewichtiger als bei den Metallstrukturen der MPLM, Cygnud und ISS-Modulen die etwa 22,5 m³ Volumen pro Tonne bieten (Transhab: 63,3 t). Beide Angaben sind ohne Adapter.

Entwicklungen von Bigelow.

Genesis IRobert Bigelow gründete 1999 die Firma Bigelow Aerospace. Bis 2010 hatte er 180 Millionen Dollar in die Firma investiert und sagte er wäre bereit bis 2015 insgesamt 500 Millionen Dollar für die Entwicklung einer nutzbaren Raumstation investieren. Dazu gäbe es noch andere Investoren.

Am 12.7.2006 wurde Genesis I gestartet. Dies ist ein auf ein Drittel reduziertes Modell der BA-330. In der Dnepr-Rakete hatte Genesis I einen Durchmesser von 1,6 m, entfaltet im Orbit einen von 4,40 m Länge und 2,54 m Durchmesser mit einem Innenvolumen von 11,5 m³. Wie bei der zukünftigem Station gab es auch Solarpanels und eine Avionik. 13 Kameras machte Aufnahmen vom Innenraum und von außen. Im Februar 2012 soll die Station noch druckdicht sein, allerdings wäre die Elektronik nach 6 Monaten durch einen Sonnensturm fast ausgefallen. Sie arbeitete dann jedoch noch zwei weitere Jahre.

Am 30.1.2007 folgte Genesis II. In der Struktur ist es identisch zu Genesis I, arbeitet aber mit einem höheren Innendruck 0,7 zu 0,5 Atmosphären). Die Verbesserungen liegen vor allem in den anderen Subsystemen. So gab es erstmals Reaktionsschwungräder zur Lageregelung, mehr Kameras und diverse Verbesserungen an der Avionik.

Weitere Modelle, die zur großen Station überleiten sollten, wurden dann gestrichen. Sie wurden am Boden getestet, doch nicht gestartet. Die erste Station, die BA-180 sollte ursprünglich 180 m³ Rauminhalt bieten. Sie wurde durch die größere Ba-330 mit 330 Kubikmetern Volumen ersetzt. Eine weitere noch größere Station von 2100 m³ Innenvolumen ist geplant.

2010 reduzierte Bigelow seine Belegschaft von 120 auf 20 Mitarbeitern, da es über Jahre hinweg nicht möglich sei, Passagiere, welche ihre Station nutzen könnten, in den Orbit zu befördern. 2011 erfolgte wieder auf Aufbau der Belegschaft. Mittlerweile sollen 360 Millionen in eigene Erweiterungen der NASA-Technologie und 180 Millionen in die Entwicklung und Start der Versuchsraumschiffe und der BA-330 investiert worden sein. Das ist relativ viel bei einer Belegschaft von nur 50 Mitarbeitern (Mitte 2012). Für den Bau sollen es dann 1.200 Mitarbeiter sein. Eine 16.800 m² große Halle zum Zusammenbau ist schon vorhanden.

Verglichen mit dem Transhab Modul gibt es folgende Unterschiede:

Die BA-330 hat eine eigene Stromversorgung (sie sieht auf dem Abbildungen aber gemessen an den Möglichkeiten, die die Station bieten könnte, unterdimensioniert aus), ein eigenes Umweltkontrollsystem und einen Antrieb, um die Bahn anzuheben. Beide Antriebssysteme (vorne und hinten) können wiederbefüllt werden. Es stehen Waschmöglichkeiten zur Verfügung.  Experimente oder "Equipment" befinden sich im inneren Zylinder und sind so einfach von jeder Seite aus zugänglich. Der äußere Bereich, ohne Trennböden ist so nur als Wohnquartier nutzbar. Da dieser Tunnel wahrscheinlich wie beim Transhab nur 2,30 m Durchmesser hat, steht so für Experimente sogar weniger Raum als in den ISS-Laboren zur Verfügung. Das hohe Startgewicht von 20-23 t (das Transhab sollte als Shuttle-Nutzlast transportiert werden, was seine Masse auf unter 17 t begrenzte und der Innenausbau sollte erst später erfolgen) spricht dafür, dass es schon teilweise vorbestückt gestartet wird.

Die BA-.330 soll nach derzeitigen Plänen mit einer Falcon 9 gestartet werden, ist aber auch kompatibel zu einer Atlas V. Da als Gewicht 20 bis 23 t angegeben werden und die Falcon 9 diese nicht und die Atlas V in der größten Version nur knapp 20 t transportieren kann, kann auch sein, dass sich dies auf den alten Plan mit der „Sundancer“ (180 m³ Volumen) bezieht. Eventuell erst die Station gestartet, Stromversorgung und der Antrieb folgen dann. Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz einer Falcon Heavy, die leistungsstark genug für eine voll ausgebaute BA-330 wäre.

Das Ziel?

VergleichBigelow will die Station vermieten, entwickelt aber selbst kein Weltraumtaxi. Auf frühen Abbildungen sieht man eine Sojus andocken. Mittlerweile ist er von der Idee abgerückt, da er nicht meint, dass die russischen Partner und ihre Leistung in seinen „Business Case“ passen. Offen ist, ob man an beiden Seiten andocken kann oder nur an einer Seite. Nach den Abbildungen scheint nur ein Anschluss für bemannte Transporter und der zweite zum Verbinden mehrerer Stationen gedacht sein. Zwei Anschlüsse würden die Kopplung sowohl von Sojus wie auch der Dragon erlauben. Diese setzt einen CBM-Mechanismus ein. Für das CST-100 benötigt man wiederum einen APASA kompatiblen Anschluss. Eventuell wird den auch eine bemannte Dragon einsetzen, denn der CBM-Anschluss ist für unbemannte Frachter gedacht und für Raumschiffe, die nicht selbst aktiv andicken (sie werden vom Canadaarm eingefangen und dann manuell von der Besatzung der ISS angekoppelt) und damit für die BA-330 nicht gut geeignet.

Da Bigelow sich des Mankos keinen Zubringer zu haben, bewusst war, schrieb die Firma 2004 „Americas Space Price“ aus, 50 Millionen Dollar konnte eine Firma erhalten, die bis zum 10.2.2010 ein bemanntes Gefährt startete. Der Zeitpunkt verstrich ohne, dass auch nur jemand in die Nähe dieses Ziels kam. Frühestens 2015 soll der erste bemannte Testflug von SpaceX erfolgen, von Boeing gibt es noch gar keinen Termin und andere Konkurrenten sind entweder in der Entwicklung weiter zurück oder es ist kaum etwas über ihre Aktivitäten bekannt.

Im Mai 2012 kündigten Bigelow und SpaceX eine Zusammenarbeit an, schon im September 2009 gab es eine Vereinbarung mit Boeing. Ob nun die BA-330 Kopplungsmöglichkeiten für beide Raumschiffe bietet oder beide Raumschiffe einen gemeinsamen Dockingadapter verwenden werden (eher anzunehmen, da sie primär für die ISS entwickelt werden und dort wird man nicht für jedes Raumschiff einen eigenen Docking Adapter haben wollen) ist offen.

Kunden von Bigelow sollen Einzelpersonen, Gruppen oder Nationen sein. Ziel ist nicht der Weltraumtourismus, sondern das Vermieten der Stationen, beginnend von 30-60 Tage dauernden Aufenthalten eines Astronauten bis zum Mieten einer ganzen Station. Sie weisen drauf hin, das Nationen praktisch einen bezahlbaren Zugang zur bemannten Raumfahrt haben, der sonst nicht möglich wäre. Das wäre vielleicht für Nationen, die nicht an der ISS beteiligt sind und kleine Budgets haben interessant. Weltraumtourismus durch zahlungskräftige Kunden wird nicht generell ausgeschlossen, aber man denkt zumindest bei der BA-330 nicht an ein Weltraumhotel. In eigenen Worten: “to create structures for other people to use as hotels, laboratories, factories, corporate yachts, adjunct colleges, medical clinics, astronautical training facilities, or imaginative environments for public entertainment etc., etc., etc…”

ZusammenkopplungDie Kosten für einen vierwöchigen Aufenthalt eines Astronauten sollen 2006 15 Millionen Dollar betragen. Eine Verlängerung um eine Woche soll weitere 3 Millionen kosten. Eine Station kann für 88 Millionen Dollar pro Jahr gemietet werden, eine „halbe“ Station für 54 Millionen Dollar. Im Februar 2010 gab die Firma einen neuen Preis an: 23 Millionen Dollar für einen 30-Tage Aufenthalt. Dieses „All-inklusive“ Paket umfasst Training, Transport und Verbrauchsgüter.

Eine geplante, größere, Station mit 2.100 m³ Volumen wäre dann wohl eher als Weltraumhotel geeignet. Geht man von den Kalkulationen aus, die für die BA-180 veröffentlicht wurden (3-4 Astronauten auf 180 m³ Volumen) so wäre dieses Volumen für 35 bis 46 Personen ausreichend. Der Raum pro Person entspricht dem, welche die Saljut ohne Ausbaumodule boten, also rund 50 m³ pro Person. Sowohl auf Mir wie auch Skylab oder der ISS gibt es mehr Raum pro Person, doch Zeithorizonte von 30 bis 60 Tagen, die genannt werden, gehen auch nicht von den langen Aufenthalten wie bei der ISS aus, sodass dies durchaus realistisch ist. Weltraumtouristen würden sich wahrscheinlich über mehr Raum und mehr Bequemlichkeit freuen, doch damit man genügend Kunden für diese Station gewinnt, dafür müssten die Transportkosten ins All doch deutlich absinken.

2007 sollte der Aufbau noch so geschehen: Zuerst startet eine 180 m³ Station "Sundancer" in einen 40 Grad geneigten Orbit in 250 Meilen (402 km) Höhe. Danach koppelt die erste Besatzung an. Es folgt ein Antriebs- und Energieversorgungsmodul. Dieses wird von der Besatzung angekoppelt. Diese Station kann dann von 3-4 Personen betrieben werden. Danach folgt eine zweite Sundancer Station. Sie koppelt an das Antriebsmodul an. Diese kann nun von einer zweiten Besatzung angeflogen werden. Sie sollte dann 2-3 Jahre später um die BA-330 ergänzt werden. Damit wäre der Komplex dann 690 m³ groß. Auf Abbildungen ist zu sehen, wie verschiedene dieser Module zusammengekoppelt werden. So könnte bei Bedarf eine sehr große Station  entstehen. Schon drei BA-330 Module hätten genauso viel Innenvolumen wie die ISS. Warum die Firma allerdings den Weg über zwei verschieden große Module geht ist offen. Eventuell wurde dieses Konzept inzwischen auch komplett auf die BA-330 umgestellt, denn die Sundancer war als erste Entwicklung zwischen 2010 und 2012 vorgesehen. Da sich nun ohne Transporter alles verzögert könnte Bigelow gleich zur BA-330 übergehen.

Weitere Pläne mit Stationen die zum L1-Librationspunkt oder in eine Mondumlaufbahn gebracht werden gibt es, sie sind jedoch noch zu wenig konkret um Details angeben zu können.

Mehrere Jahre nach den obigen Zeilen hat sich nicht viel geändert. Bigelow hat 2013 ein Abkommen mit der NASA abgeschlossen: Ohne Bezahlung wird die Firma ein sehr kleines Modul bauen, das mit einer Dragon im Trunk zur Station gebracht wird, dann entfaltet und angekoppelt. Das "inflatable ISS Module" wird dann als Stauraum benutzt, es wird nicht dauerhaft an der ISS verbleiben, aber wie lange wuirde nicht bekannt. Obwohl dies für Bigelow nur Kosten bedeutet ist es ein großer Schritt vorwärts, denn wenn es sich bewährt, dann hat man eine im Weltraum an einer Raumstation getestete Version. Es handlet sich nicht mehr um eine nur unbemannt getestete Version.

Bigelow hat auch Absichtserklärungen veröffentlich mit den CST-100 von Boeing und Dragon von SpaceX Astronauten zu ihren Raumstationen zu befördern, wenn sie einsatzbereit sind.

Nachdem es lange Jahre still um Bigelow wurde, der Start ihrer Station stand seit Jahren bei SpaceX im Launch Manifest, wurde aber immer weiter in die Zukunft verschoben. Schließlich gab die Firma zu, dass es derzeit nicht genügend Kunden geben würde, man wäre aber optimistisch, das sich dies in einigen Jahren ändern könnte. Die Firma schloß einen Vertrag mit der NASA. Bigelow wird für 17,6 Millionen Dollar das  Bigelow Expandable Activity Module (BEAM) bauen. Es sollte nach den Plänen im September 2015 mit einem Dragon Versorgungsflug gestartet werden und dann zwei Jahre an der Station verbleiben. Dort wird es als Lagerraum genutzt. Danach soll es abgekoppelt werden und verglühen. Der Fehlstart einer Dragon im Juli hat diesen Startzeitpunkt aber unwahrscheinlich gemacht. Sierra Nevada bekommt einen Auftrag für die Fertigung eines CBM-Adapters, des Standard Adapters für die Raumstation in Höhe von 2,6 Millionen Dollar.

Der Deal nützt beiden Parteien: Bigelow kann dieses Modul im Weltraum qualifizieren und damit viel für die Akzeptanz der Technologie tun. Zudem will die Firma das Modul später als Luftschleuse für die größere Raumstation nutzen. Beide kommerzielle Raumschiffe haben CBM-Adapter sodass diese dann auch an der Bigelow Raumstation andocken können und für die NASA ist das Modul unschlagbar günstig, auch wenn es nur als Stauraum dient. Im verpackten Zustand hat das BEAM 2,36 m Durchmesser und 1,74 m Länge, aufgeblasen 3,20 m Durchmesser und 3,65 m Länge bei 16 m³ Volumen. Das 1360 kg (andere Quellen:1413 kg) schwere BEAM wird von deiner Dragon Im Trunk transportiert und dann mit dem Greifarm der Station am Tranquility Knoten angebracht. Gemessen an dem Startgewicht ist der Raum nicht sehr groß, das liegt jedoch auch an der fixen Masse des CBM und der allgemeinen  Gesetzmäßigkeit das ein in allen Dimensionen doppelt so großes Modul achtmal mehr Platz bietet aber nur viermal so viel Fläche hat, das Flächengewicht also abnimmt.

Am 8.4.2016 wurde das BEAM Modul gestartet. Es soll nun zwei Jahre lang erprobt werden. Wenig später gab am 11.4.2016 Bigelow den Abschluss des Startvertrags mit ULA bekannt. Das verwunderte zumindest den Autor, stand die Firma doch seit 2007 auf dem Startmanifest von SpaceX (damals für das dritte Quartal 2010 angekündigt). Aber die Nutzlastverkleidung der Falcon 9 ist zu klein. Sie bietet 13,10 m Gesamtlänge, die Atlas V wird eine 10 Fuß (3,048 m) längere Nutzlastverkleidung erhalten. Sie hat nun eine Gesamtlänge von 87 Fuß (26,51 m) mit einer nutzbarer Länge von 50 Fuß (15,15 m). Die BA-330 soll 20 t wiegen und 20 Jahre lang betrieben werden können. Die Stammbesatzung kann bis zu 6 Personen umfassen.

Wie bei dem BEAM-Modul strebt Bigelow eine Kooperation mit der NASA an. Es soll an die ISS ankoppeln. Das ist eine gute Idee, denn wie im nächsten Kapitel erläutert sind die Kosten für den Betrieb hoch. Bei Ankopplung an der ISS ist es möglich das Experimente von den NASA/ESA/JAXA Astronauten durchführen zu lassen, eventuell kann man in den Versorgungsflügen zur ISS, die nur mit 4 Astronauten besetzt sind einen eigenen "Bigelow-Astronauten" mitführen, den Dragon und Starliner (ehemals CST.100) können sieben Astronauten transportieren. so kann man die Kosten begrenzen.

Am 8.4.2016 wurde BEAM mit einem SpaceX-CRS Versorgungsflug gestartet und am 16.4.2016 am Tranquality-Knoten mit dem Greifarm der ISS angebracht. Erst am 26.5.2016 fand der erste Versuch statt es aufzublasen. Er wurde abgebrochen als der Innendruck höher war als erwartet. Am 28.5.2016 wurde der zweite Versuch gestartet und das Modul vollständig aufgeblasen. Es wurde um 170 cm länger, weniger als ein Zoll (2,5 cm) weniger als geplant. Verglichen mit den Mockups am Boden wirkt es aber weniger "Prall" und runzelig. Am 6.6.2016 öffneten die Astronauten die Tür zum Modul und entnahmen Luftproben. Ein Nachbau des BEAM soll als Luftschleuse für Bigelows eigene Raumstation dienen.

Ein tragfähiges Konzept?

An dieser Stelle einmal eine Betrachtung, ob die Firma tatsächlich die Kunden gewinnen kann, die ihr vorschweben. Es gibt drei Arten von Kunden, die ihr vorschweben:

Der Hauptkritikpunkt ist, das sich Bigelow auf einen Aspekt der Raumstation fokussiert, der bei der Nutzung als Forschungskomplex relativ unbedeutend ist. Die Firma hebt hervor, in ihrem Modul gäbe es mehr Platz und es wäre leichter als eine herkömmliche Metallkonstruktion, doch dies ist nur ein Aspekt. Ich will am Beispiel von Columbus, dem europäischen Labor andeuten, was die eigentlichen Herausforderungen sind.

Columbus basiert in der Struktur auf den MPLM, den Multi-Purpose-Logistic Modulen, von denen eines auch dauerhaft an der Station angebracht wurde. Genauer gesagt, es verwendet deren Hülle, ergänzt um einen Mikrometeoritenschutzschild, der auch später bei dem dauerhaft angebrachten Modul zusätzlich angebracht wurde. Man kann daher annahmen, dass die Kosten und das Gewicht ähnlich sind, doch gibt es deutliche Unterschiede:

 

MPLM

Columbus

Länge

6,60 m

6,81 m

davon zylindrischer Teil

4,80 m

 

Gewicht: (leer)

4.500 kg

10.275 kg

Voll Beladen

13.500 kg

21.000 kg

Herstellungskosten

400 Millionen Dollar (3 Module)

880 Millionen Euro

Sehr deutlich ist, dass das Labor deutlich teuer ist, auch teurer als die beiden Verbindungsknoten, die ebenfalls von der ESA stammen (Kosten rund 300 Millionen Euro) und es ist auch schwerer. Der Grund ist relativ einfach. Die MPLM sind wirklich nur Aluminiumzylinder mit Befestigungen für Standardracks. Sie haben keine Verbindung zur ISS, keine Anschlüsse für Computer, Strom, Gase, Wasser. All dies besitzt Columbus. Dort sind auch Stromverteilungsinstallationen, Umweltkontrollapparaturen für Experimente (Heizen, Kühlen, Vakuum herstellen) etc. vorhanden. Das macht einen Großteil des Mehrgewichtes aus (der Rest entfällt auf den 2 t schweren Mikrometeoritenschutzschild) und das macht es auch so teuer, denn dieses Geflecht von Daten-, Strom- und Versorgungsleitungen muss verlegt und abgeschirmt sein, Temperaturen müssen gewährleistet sein, Umweltkontrollstationen müssen installiert sein etc. So stehen auch nur 10 der 16 Racks für Experimente zur Verfügung. Der Rest wird von der Infrastruktur belegt.

Zu beachten ist aber vor allem die letzte Zeile: Voll ausgerüstet wiegt das Columbuslabor mit 16 Racks 21 t. Jedes Rack macht das Labor um durchschnittlich 900 kg schwerer. 6 sind im Leergewicht schon enthalten, das sind die nicht für die Forschung zur Verfügung stehenden Racks mit festen Installationen.

Was gewinnt man nun, wenn man die Struktur wechselt? Man spart einen Großteil der 4,5 t Struktur ein, und den 2 t schweren Mikrometeoritenschutzschild. Das Transhab hätte 5,4 t bei ebenfalls 6,7 m Länge im Kern (und nur dort befinden sich ja bei der BA-330 die Experimente) gewogen. Für die gleiche Anzahl von Rackplätzen wäre die BA-330 bei gleichen Daten dann 1,1 t leichter. Es gäbe das vierfache Volumen rund herum, doch dies ist für die Forschungsmöglichkeiten nicht relevant, da wie schon gesagt alle Racks im Innenraum sind.

Dafür gestaltet sich die Inbetriebnahme erheblich komplexer, weil Leitungen sicher nicht so einfach biegsam gestaltet werden können. Es ist kein Zufall, dass das Transhab nur als Quartier für die Mannschaft, nicht für Experimente ausgelegt war. Für die Arbeit ist zu viel Bewegungsfreiheit hinderlich. Die relativ engen Mittelgänge in den Laboren erlauben es auch, der Besatzung sich besser zu fixieren. Der große Raum im Transhab war für "Vergnügen" gedacht, um die Schwerelosigkeit in den Freistunden zu erleben. Das dürfte auch der Grund sein, warum Bigelow plant in der Mitte die Racks anzubringen. Nur so kann eine Station schon vor dem Start mit Umweltkontrollsystemen, Versorgungsleitungen etc. ausgestattet werden, alle diese Teile die schwer zu verlegen oder essenziell für eine Besatzung sind, müssen schon beim Start vorhanden sein. Spätere Missionen können dann den Zwischenraum strukturieren, kleinere Geräte etc. mitführen.

Das zweite ist, dass das Modul selbst alleine nutzlos ist. Es wird ja noch die Inneneinrichtung benötigt. Vor allem schwere Teile wird man erst nach dem Start zur Station bringen müssen. Bei der Forschung die Racks, bei Wohnteilen sperrige Dinge, die man nicht zusammenfalten kann oder nicht beim Start aus Gewichtsgründen transportieren kann. Industrieunternehmen werden ihre Fragestellung mit eigener Hardware untersuchen wollen, auch diese muss erst transportiert werden.

Diese wird man mit einem Transporter wie der Cygnus oder Dragon transportieren müssen, eher mit der Cygnus, weil die Dragon durch ihre Kapselform für sperrige Güter eine ungünstige Form hat. Doch dann handelt man sich einen weiteren Nachteil ein: Dieses kostet ungleich mehr, als gleich ein voll ausgestattetes kleines Modul zu starten. Eine Dragon als günstigstes Gefährt kostet 133 Millionen Dollar und transportiert im Druckbehälter maximal 3 t. Ein Falcon Start ohne Dragon dagegen 59 Millionen Dollar mit etwa 12 t Nutzlast für die ISS-Bahn. Also für den doppelten Preis kann ich nur ein Viertel der Nutzlast starten. Ökonomisch sinnvoller sind daher voll ausgerüstete kleine Labore anstatt ein ausblasbares Modul, dass man dann erst nachrüsten muss.

 

Dragon

Cygnus

Kosten Transporter (nach COTS Kontrakt)

133 Millionen Dollar

237,5 Millionen Dollar

Nutzlast: (nur Druckmodul)

3.000 kg

2.700 kg

pro Tonne Nutzlast:

44,3 Millionen Dollar

88 Millionen Dollar

Startpreis nur Trägerrakete

59 Millionen Dollar

100 Millionen Dollar

Nutzlast Trägerrakete (ISS Bahn)

15

6 t

Pro Tonne Nutzlast

4 Millionen Dollar

16,6 Millionen Dollar

Wie die Daten zeigen, ist es viel sinnvoller eine Station gut ausgestattet zu starten, anstatt sie nachher auszurüsten. Das geht bei dem BA-330 Konzept aber eigentlich gut nur bei dem Kern, der nicht entfaltet werden muss. Denkbar ist es immerhin, andere Ausrüstung beim Start an diesem anzubringen, und dann später an den Wänden zu montieren. Zwischenböden sind ja nicht vorgehen. So gesehen wäre eine kleinere Station (Sundancer) sinnvoller als eine größere (BA-330), da diese nur mehr Volumen bietet, aber keinen echten Zusatznutzen und sie dafür schwerer ist.

Wenn die Module für die zukünftigen bemannten Transporter ausgelegt sind, dann ist der Kopplungsadapter aber einer für bemannte Missionen mit einer vergleichsweise kleinen Luke (maximal 80 cm Durchmesser). Die für von der Besatzung gesteuerte Ankopplung vorgesehenen CBM Anschlüsse, wie sie HTV, Dragon und Cygnus haben, erlauben dagegen bis zu 2 m große Teile zu transportieren. Nur mit Letzteren wäre ein Innenausbau überhaupt möglich.

Für wissenschaftliche Forschung steht vom ganzen Volumen der BA-330 nur der Mittelteil mit versteifter Struktur zur Verfügung. Er war beim Transhab in etwa so lang wie ein kleineres Labormodul, z.B. Columbus. Das bedeutet, dass gemessen an der möglichen Besatzungsstärke nur ein Drittel des Volumens der ISS für Experimente zur Verfügung stehen, wobei ich hier nur die für Experimente vorgesehene Racks zähle (die Labors, wie auch andere Knoten der ISS, enthalten noch andere Racks die Umweltkontrollsysteme, Computer, Stromverteiler etc. aufnehmen und die es auch bei der BA-330 geben muss).

Der dritte Punkt ist, das gemessen an den laufenden Kosten die Startkosten des Moduls minimal sind. Die ISS wird 2012 mit insgesamt 24 t Fracht versorgt werden. Dies ist schon deutlich weniger als ursprünglich geplant, weil es gelang Wasser und Luft in höherem Maße wiederzugewinnen. Die ISS hat sechs Personen, diese Anzahl könnte auch die Dragon als günstigster Zubringer zur Bigelow-Station bringen. Nur benötigt diese dann auch in etwa so viel Fracht, vor allem im Druckmodul (bei der NASA macht Fracht die außen an der Station befestigt werden, vor allem Ersatzteile, nur ein Viertel der Gesamtmenge aus, und die Partner, die auch die Station versorgen, transportieren fast keine dieser Fracht. Es kann bei der BA-330, wenn der Austausch von Hardware in der Station wegfällt und man ihre Bahn auf geringen Treibstoffverbrauch minimiert (siehe unten) etwas weniger sein, doch die Größenordnung stimmt.

Nimmt man eine nutzbare Frachtkapazität von 4 t pro Dragon (3 t intern, 1 t extern) an, so braucht man sechs Versorgungsflüge pro Jahr. Bei zwei Mannschaftswechseln pro Jahr kommen zwei weitere Flüge hinzu. Damit würde die Raumstation jährliche Kosten von 1064 Millionen Dollar bedeuten, die von den Nutzern erbracht werden müssten. Dazu kämen noch die Gerätschaften der Nutzer, die auch befördert werden müssten. Verglichen dazu sind die einmaligen Startkosten und die Herstellungskosten gering, schließlich soll eine Station 12 Jahre lang betrieben werden. Nimmt man die Ankündigungen von Gesamtinvestments und geplanten Investments von Bigelow, so rechnen sie mit 860 Millionen bis zum ersten Start. Das erste Jahr Betrieb würde aber viel teurer werden. Das ist kein Einzelfall, auch bei der ISS machen die Module nur ein Viertel der Gesamtkosten bis 2015 aus. Wie die Firma dies mit 23 Millionen Dollar für 30 Tage finanzieren will, ist mir ein Rätsel. Eine Dragon kann maximal 7 Astronauten befördern. Nur wenn alle bezahlte Kunden sind (ohne einen „Profi“ an Bord ein durchaus hohes Risiko) ist ein Dragonstart pro Person billiger als diese 23 Millionen Dollar (19 Millionen). Dann werden dann noch Verbrauchsgüter benötigt, die auch transportiert werden müssen. Die Dragon wird dies zwar vom Gewicht her noch können, doch der Platz wird dafür in der kleinen Kapsel (10 m³ Innenvolumen, in etwa soviel wie Apollo für drei Personen bot) fehlen.

Eine Rückblende: 2001 waren NASA und ESA noch zuversichtlich, einen guten Teil ihrer Unterhaltskosten durch "Vermietung" der ISS zurückzuerhalten. Es gab von der NASA einen Katalog der Kosten für die Nutzung der Station. Ein Standardrack hätte inklusive 86 Crewstunden Arbeitszeit 20,8 Millionen Dollar pro Jahr gekostet. Der Transport wäre noch extra hinzugekommen. Bei einem Standardrack wären das weitere 10 Millionen Dollar gewesen. Das Interesse der Industrie war für diesen Preis gleich Null. Es gibt immer wieder kommerzielle Experimente an Bord der ISS, doch ist es nur ein Teil der Gesamtkapazität, der von der Industrie genutzt wird, und dafür gibt es heute Sonderkonditionen.

Auf der ISS gibt es 33 Racks, die mit Experimenten bestückt werden können. In der Bigelow werden es weniger sein, ich vermute so viele nutzbare wie Columbus, da der Mittelteil in etwa gleich groß ist. Das wären 10 Racks. Da die gesamte Station für 88 Millionen Dollar zu mieten ist, wären dies nur 8,8 Millionen Dollar pro Rack. Doch das ist nur die eine Seite. Wie bei der ISS muss das Rack in den Orbit gebracht werden. Eine Dragon kann zwei Racks neben anderer Fracht befördern. Das macht bei bis zu 1 t Gewicht pro Rack schon Startkosten von 33 Millionen Dollar, womit schon die Summe schön höher ist wie bei der ISS (30,8 zu 40,8 Millionen Dollar). Nehmen wir mal den günstigsten Fall aller Fälle, die Mannschaft würde nur einmal pro Jahr gewechselt werden und die Kosten würden sich auf 10 Racks aufteilen, so macht dies bei 6 Personen und 24 t Fracht weitere 66,5 Millionen Dollar aus. Der Betrieb eines Racks über ein Jahr würde einen Interessenten also nahezu 110 Millionen Dollar kosten, rund dreimal teurer als das NASA-Angebot, das kein Interesse fand. Zu dem Preis den Bigelow angibt kann man es nur durchführen, wenn der Nutzer fest installierte Experimente nutzt und z.B. nur Materialproben gewinnt und wenn kein eigener Transporter für die Versorgung gestartet werden muss.

Für die Industrie wird es nur attraktiv, wenn sie die Arbeit der Besatzung nicht zahlen muss, also z.B. Astronauten aus Drittländern sie erledigen und sie die Forschung mit vorhandenen Apparaturen durchführen kann oder nur wenig Fracht hochtransportieren muss. 2016 ist die ISS immer noch von einer vollen Nutzung entfernt. Weder die staatliche Forschung noch Industrieaufträge nutzen die 33 Racks für die Forschung an Bord der ISS. Das Interesse an Forschungseinrichtungen im Inneren der Station ist seitens Dritter gering. Eine Nachfrage gibt es nur für die Außenanlagen wo Erderkundungsexperimente installiert werden können.

Sehr schwierig zu beurteilen ist die Nachfrage nach Drittländern.

Für uns ist ein Flug eines weiteren Deutschen ins All sicher nur eine kleine Bemerkung in den Nachrichten, für ein Entwicklungsland kann es dagegen eine Schlagzeile sein. Das bedeutet, dass sicher für das eine oder andere Land es ein Ziel sein kann, einen Astronauten ins All zu bringen, das zeigte Yi So-yeon, die als Forschungskosmonautin von Südkorea den Flug in einer Sojus bezahlt bekam - für die Konditionen eines Weltraumtouristen, denn Südkorea ist nicht an der ISS beteiligt.

Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite sind von vielen Ländern schon mit Shuttles und Sojus viele Astronauten, die nicht aus den USA und Russland stammen, ins All befördert worden. Vom saudi-arabischen Ölprinz bis zum israelischen Armeeangehörigen. So viele Staaten, die es sich leisten können (siehe oben bei den Kosten) gibt es nicht. Die finanzkräftigsten Staaten sind an der ISS beteiligt oder streben ein eigenes, bemannten Raumfahrtprogramm wie China und Indien an. Es bleiben Zweifel, ob damit auch nur eine Station ausgelastet werden kann. Bei weniger Astronauten pro Start steigen die Kosten pro Astronaut an, bei Reduktion der Aufenthaltsdauer kann man immerhin an den Versorgungskosten sparen. Hier mal eine kleine Tabelle welche Kosten beim Einsatz einer Dragon nur für Flüge und Versorgung anfallen.

Kosten pro Person

 Dragon mit 3 Mann 

Dragon mit 7 Mann

30 Tage Aufenthalt

45 Millionen Dollar Startkosten + 11 Millionen Dollar Fracht = 56 Millionen

19 Millionen Dollar Startkosten + 11 Millionen Dollar Fracht = 30 Millionen

60 Tage Aufenthalt

45 Millionen Dollar Startkosten + 22 Millionen Dollar Fracht = 67 Millionen

19 Millionen Dollar Startkosten + 22 Millionen Dollar Fracht = 41 Millionen

90 Tage Aufenthalt

45 Millionen Dollar Startkosten + 33 Millionen Dollar Fracht = 78 Millionen

19 Millionen Dollar Startkosten + 33 Millionen Dollar Fracht = 52 Millionen

180 Tage Aufenthalt

45 Millionen Dollar Startkosten + 66 Millionen Dollar Fracht = 111 Millionen

19 Millionen Dollar Startkosten + 66 Millionen Dollar Fracht = 85 Millionen

360 Tage Aufenthalt

45 Millionen Dollar Startkosten + 133 Millionen Dollar Fracht = 178 Millionen

19 Millionen Dollar Startkosten + 133 Millionen Dollar Fracht = 152 Millionen

Es bleiben noch die "Weltraumtouristen". Die ISS besuchten bis zum Vollausbau, als Russland dies einstellen musste, durchschnittlich ein bis maximal zwei Weltraumtouristen pro Jahr, die zwischen 10 und 25 Millionen Dollar dafür zahlten. Gäbe es eine deutlich höhere Nachfrage, so hätte Russland sicher mehr gestartet, denn die Kapazitäten hatten sie ja. Stattdessen nahmen sie dann ESA-Astronauten für Kurzzeitflüge mit. Das kann daher nur eine Ergänzung sein. Eine Dragon kann sechs bis sieben Personen transportieren, eine CST-100 von Boeing ebenfalls. Die Mitnahme wäre kein Problem, wenn die Stammbesatzung z.B. 6 Personen beträgt, kann der siebte Sitz von dem Touristen genutzt werden, der dann nach wenigen Tagen mit der alten Besatzung zurückkehrt. Theoretisch denkbar wäre es auch mehr Touristen zu befördern, doch würde dies sukzessive die Stammbesatzung absenken. Als Weg nur gangbar, wenn die Nachfrage gegeben ist oder die Besatzung eh nur 30-60 Tage an Bord bleibt. Dann gäbe es auch die Astronauten für die Industrieexperimente, denn die Touristen würden sicherlich keine eigenen Experimente mitführen.

Was auch die Station nicht ändern kann, ist dass bemannte Raumfahrt teuer bleibt. Dies ist alleine dadurch gegeben, dass man ein Raumfahrzeug der 10 t Gewichtsklasse konstruieren muss, um rund 7 Personen ins All zu befördern und sie dann auch noch Versorgungsgüter benötigen. Wie ist dies zu minimieren?

Nun die obige Rechnung basiert auf der ISS, es gibt aber einige Unterschiede und Möglichkeiten zur Optimierung:

Bei den Verbrauchsgütern erscheint es kaum noch möglich weiter einzusparen. Wasser wird auf der ISS schon zu 93% recycelt. 6 kg Verbrauchsgüter pro Tag (2190 kg pro Person/Jahr) sind das Minimum. Möglich ist es noch, den Treibstoffverbrauch zu senken. Die BA-330 wird wie die ISS in einer erdnahen Bahn ihre Kreise ziehen. Bedingt durch die große Oberfläche wird sie sogar stärker als die ISS abgebremst. Eine höhere Bahn, wie die von Genesis I+II, 100 km höher, würde den Treibstoffverbrauch drastisch absinken lassen. Es würde reichen, mit den angekoppelten Besatzungstransportern sie kurz anzuheben. Das würde rund 1-2 t Treibstoff pro Jahr einsparen. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der Nutzlast der heutigen Transporter sind Ersatzteile und neue Experimente. Kann man diese reduzieren, so kann mehr gespart werden, doch auch bei "Null Ersatz" bleibt ein Bedarf von rund 2,2 t Fracht pro Person/Jahr.

Mein persönliches Fazit

Die letzten 30 Jahre zeigten, dass bemannte Raumfahrt primär eines ist: ein Prestigeunternehmen. Die Zahl der Beispiele, bei denen zu vertretbaren Kosten Forschungsergebnisse gewonnen wurden, die von der Industrie in Produkte umgesetzt werden konnten, sind an den Händen abzuzählen. Daher verwundert es nicht, wenn das industrielle Interesse an der ISS gering ist, obwohl mittlerweile die Anlagen weitaus günstiger vermietet werden, auch um eine Existenzberechtigung der ISS zu begründen. Die Firma Nanoracks zahlte z.B. nur 1,5 Millionen Dollar für 10 Racks von 40 x 10 cm Größe, das ist gemessen an den Abmessungen, nur ein Drittel des Preises, der noch 2001 verlangt wurde.

Bigelow kann also da Kunden gewinnen, wo das Prestige wichtig ist. Entweder bei Einzelpersonen (Weltraumtouristen) oder kleineren Ländern, bei denen noch ein eigener Astronaut eine Bedeutung hat. Nur ist deren Zahl auch begrenzt. Für Entwicklungsländer ist auch dieser Trip noch zu teuer. Für kleinere industrialisierte Staaten mit einer gut gebildeten Bevölkerung wie z.B. Holland, Belgien, Schweiz ist es zwar finanzierbar, aber das Prestige nur als Passagier von anderen befördert zu werden und auf einer fremden Station zu arbeiten, ist nicht gegeben. Bleiben noch die Schwellenländer, die es sich leisten können bei denen aber noch ein Großteil der Bevölkerung nicht dieses Selbstbewusstsein hat. Ob sich hier so viele finden, dass dieses Konzept tragfähig ist, wird sich zeigen. Ich bin eher skeptisch.

Artikel verfasst: 20.10.2011

Artikel zuletzt ergänzt 24.6.2016

Links:

Bigelow Aerospace
https://en.wikipedia.org/wiki/Bigelow_Expandable_Activity_Module

Büchertipps

Von mir gibt es mehrere Bücher zum Thema Trägerraketen. Zum einen zwei Werke über alle Trägerraketen der Welt und zum Zweiten Bücher über die europäische Trägerraketenentwicklung.

Mein bisher umfassendstes Werk ist ein zweibändiges Lexikon über Trägerraketen mit 700 bzw. 600 Seiten Umfang. In ein Buch passten schlichtweg nicht alle Träger in ihren Subversionen so gibt es einen Band nur für US-Träger, einen zweiten für "internationale" Trägerraketen, sprich alle anderen Nationen. Beide Bände haben denselben Aufbau:

Nach einem einleitenden Kapitel über die Arbeitsweise von Raketen kommt ein einführendes Kapitel über die Raumfahrtbestrebungen des Landes und der Weltraumbahnhöfe, bei den USA ist dies natürlich nun eines. Danach kommen die Träger geordnet nach Familien mit gleicher Technologie in der historischen Entwicklung. Zuerst wird die Technologie und Entwicklungsgeschichte beim ersten Exemplar einer Familie beschrieben, dann folgt bei den einzelnen Mitgliedern nur noch die Veränderungen dieses Modells und dessen Einsatz.

Ich habe soweit möglich technische Daten zum schnelleren Nachschlagen in Tabellen ausgelagert, Querschnittsdiagramme, Grafiken über den Einsatz und bei den US-Trägerraketen auch komplette Startlisten komplettieren dann jedes Kapitel. Dazu gibt es von jedem Träger ein Startfoto.

In jedem Buch stecken so über 100 Subtypen, was den Umfang bei dieser ausführlichen Besprechung auf 600 Seiten (internationale Trägerraketen) bzw. 700 Seiten (US-Trägerraketen getrieben hat). Ich denke sie sind mit 34,99 und 39,99 Euro für den gebotenen Inhalt trotzdem sehr günstig.

Speziell mit der Geschichte der Trägerraketenentwicklung in Europa beschäftigt sich das zweibändige Werk Europäische Trägerraketen 1+2. Band 1 (Europäische Trägerraketen 1: Von der Diamant zur Ariane 4) behandelt die nationalen Trägerprogramme (Black Arrow und Diamant sowie die deutsche OTRAG), das OTRAG-Projekt, die glücklose Europa-Rakete und die Ariane 1-4. Band 2: die aktuellen Projekte Ariane 5 und Vega. Sowie die Weiterentwicklungen Ariane 6 und Vega C. Beide Bücher sind voll mit technischen Daten, Details zur Entwicklungsgeschichte und zu den Trägern. Diese Bücher sind gedacht für Personen, die wirklich alles über die Träger wissen wollen. Der nur an allgemeinen Infos interessierte, wird mit dem Buch internationale Trägerraketen besser fahren das sich auf die wichtigen Daten beschränkt.

Es gibt von den europäischen Trägerraketen, da die Programme weitestgehend unabhängig voneinander sind, auch die Möglichkeit, sich nur über einen Träger zu informieren so gibt es die gleiche Information auch in vier Einzelbänden:

Auf einen eigenen Band für Ariane 5 und 6 habe ich verzichtet, weil dieser nur wenig billiger als Band 2 der europäischen Trägerraketen wäre, da Ariane 5+6 rund 2/3 des Buches ausmachen. Aber vielleicht erscheint ein eigener Band über die Ariane 6 wenn diese mal einsatzbereit ist und es mehr Informationen über sie gibt,

Meine Bücher sind alle in Schwarz-Weiß. Das hat vor allem Kostengründe. Bei BOD kostet jede Farbseite 10 ct Aufpreis. Es gibt jedoch ein Buch, das für Einsteiger gedacht ist und jeden Trägertyp nur auf zwei Seiten, davon eine Seite mit einem meist farbigen Foto abhandelt: es ist das Buch "Fotosafari durch den Raketenwald". Es ist weniger für den typischen Leser meiner Webseite gerichtet, die ja auch in die Tiefe geht, als vielmehr für Einsteiger und als Geschenk um andere mit der Raumfahrt zu infizieren. Etwa 70 TZrägerraketen die sich äußerlich voneinander unterscheiden werden in diesem Buch kurz vorgestellt - auf je einer Doppelseite.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.




© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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