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Bilder ferner Welten

Einleitung

Seit 1975 setzten 9 Sonden erfolgreich auf einem fremden Planeten auf und übermittelten Bilder von der Oberfläche. Dies waren bisher nur Venus und Mars. 2005 könnte der Saturnmond Titan dazu kommen, wenn Huygens lange genug überlebt um eine Aufnahme der Oberfläche zu senden. Ein Merkur Lander, der in der europäischen Bepi-Colombo Mission enthalten sein sollte wurde leider gestrichen.

Dieser Artikel stellt die Panoramen der Landeplätze von Venus und Mars vor die wir heute haben und gibt eine kurze Erklärung zu den sichtbaren Details. Die hochauflösenden Panoramen auf dieser Seite brauchen einige Zeit zum Laden. Haben Sie jedoch Geduld. Es lohnt sich. Sie werden Blicke in fremde Welten werfen können!

Venus

Die ersten Bilder von einem fremden Planeten gab es nicht von dem Mars, sondern von der Venus. Hier übermittelten nur sowjetische Sonden Bilder zur Erde.

Venera 9

Venera 9 Landeplatz

Am 22.10.1975 übermittelte die russische Raumsonde Venera 9 das erste Bild von einem fremden Planeten zur Erde. Die Bedingungen auf der Venus sind extrem: Der Atmosphärendruck an der Oberfläche beträgt rund 90 Bar, soviel wie auf der Erde ein Taucher in 900 m Tiefe ausgesetzt ist. Dabei herrscht eine Temperatur von rund 480°C. Es ist auf der Venus so heiß, das sogar einige Metalle wie Blei schmelzen würden und Gesteine anfangen zu glühen.

Die Landesonden die daher auf der Venus landeten ähneln mehr massiven Tiefseetauchkapseln als filigranen spinnenförmigen Landern. Venera 9 machte unter diesen schwierigen Bedingungen die erste Aufnahme. In Schwarz-weiß, aus einem massiven Bullauge heraus mit einer Fischaugenkamera. So zeigt diese nicht viele Details, da man nur kurze Zeit hatte bis die hohen Temperaturen die Sonde zum Verschweigen brachten. Die Sonde lebte nur 53 Minuten lang.

Die Fotos wurden von einer einfachen Scanoptik übertragen welche einen Scanner zuerst spaltenweise von oben nach unten und dann von rechts nach links bewegte und nach 30 Minuten wieder zurück, so dass man bei beiden Veneras fast 2 komplette Panoramen erhielt (dies erlaubte es auch Lücken in den Bildern die durch Telemetrie der anderen Experimente entstand, zu füllen).

Ein Panorama bestand aus 117 x 512 Pixeln von jeweils 6 Bits für die Helligkeit und deckte ein Gebiet von 180 x 40 Grad mit einer Fischaugenlinse ab. Aus unbekannten Gründen fiel jeweils eine der beiden Panoramakameras bei Venera 9+10 aus. Don P. Mitchell hat sich auf seiner Web Site der Erforschung der Venus mit den Venera Sonden gewidmet, und diese Bilder restauriert. Dabei muss man berücksichtigen, dass er keinen Zugang zu den Originaldaten hatte sondern Bilder einscannen musste, die von schlechter Qualität in den damaligen Publikationen im Westen veröffentlicht wurden.

Seine Website ist einen Besuch wert: Don P. Mitchell: Sowjet Exploration of Venus

Venera 10

Venera 10 Landeplatz

Wenig später landete die Schwestersonde Venera 10 auf dem Planeten am 25.10.1975. Sie überlebte nun schon 65 Minuten auf der Venus. Die Bilder beider Sonden wurden mittels Bildfunk übermittelt und sind relativ grob aufgelöst (115 × 512 Pixel) mit nur 6 Bits für Helligkeitsinformationen. Dies liegt natürlich auch an der Atmosphäre, deren hohe Dichte sehr viele Funkwellen schluckt.

Auf beiden Landeplätzen ist es durch eine kilometerdicke Wolkenschicht relativ dunkel, in etwa so wie auf einem bedeckten Wintertag auf der Erde. Das Bild von Venera 9 zeigt eine an Geröll reiche Umgebung, während es auf dem Venera 10 Landeplatz glatt ist. Der Venera 10 Boden ähnelt in seiner Struktur basaltischer Lava, wie sie z.B. die Vulkane auf Hawaii ausspeien. Beide Landeplätze zeigen sehr wenig Staub oder Sand.

Dies deckt sich auch mit den mit 3.5 km/h geringen Windgeschwindigkeiten die gemessen wurden: Erosion kann auf der Venus nur durch Winde erfolgen, da es kein Wasser gibt. Die dicke Atmosphäre am Boden bewegt sich jedoch kaum. Es gibt auch keine Temperaturunterschiede auf dem Planeten. Selbst die Nachtseite, die 122 Tage lang keine direkte Sonneneinstrahlung bekommt ist genauso heiß wie die Tagseite.

Venera 13

Venera 13 Landeplatz

Venera 13 Landeplatz

Nachdem die Sonden Venera 11+12 keine Bilder sandten, weil die entsprechenden Kamera Experimente fehlschlugen, lagen die Hoffnungen der UdSSR auf den Landern Venera 13+14. Anders als bei Venera 9+10 wurden diesmal auch Farbbilder durch mehrere Filter übermittelt. Sie zeigen, dass die Venusatmosphäre grünlich-gelb anstatt blau wir bei uns ist. Diese Farben wurden dann auch von der NASA zur Einfärbung der Magellan Bilder benutzt. Ob die Farben echt sind, ist schwer zu sagen, da man weder die spektrale Empfindlichkeit der Kameras noch den Einfluss des dicken Bullauges kennt.

Venera 13 landete am 1.3.1982 auf der Venus. Der Venera 13 Landeplatz ähnelt stark dem von Venera 10. Man sieht weder viele Steine noch Staub. Stattdessen tritt Untergrundgestein, offensichtlich basaltischer Natur an die Oberfläche. Die Bilder wurden nacheinander durch verschiedene Filter gemacht und sind 1000 Pixels breit und 252 Pixels hoch (Die Breite umfasst alle Kameras in mehreren Farben). Jeder Bildpunkt wurde in 9 Helligkeitsbits quantisiert. Gegenüber Venera 9 sind die Fotos nicht nur wesentlich höher aufgelöst (etwa 4 mal mehr Bildpunkte) sondern die Helligkeitsunterschiede wurden wesentlich feiner wiedergegeben. Die Kameras arbeiteten ein Programm ab, dass ein vollständige Farbpanorama und ein Panorama nur in Schwarz-Weiss umfasste. Anders als bei Venera 9+10 waren diesmal beide Kameras aktiv. Auch hier hat sich Don Mitchell die Mühe gemacht die Bilder mit modernen Bildverarbeitungstechniken zu bearbeiten und zu verbessern.

Venera 14

Venera 14 Landeplatz

Venera 14 Landeplatz

Die Schwestersonde von Venera 13 landete am 5.3.1982 auf der Venus. Der Landeplatz ist dem von Venera 13 sehr ähnlich. Man sieht noch mehr Grundgestein auf basaltische Lavastrukturen. Auffällig ist, das bei allen 4 Landeplätzen von Venussonden der Horizont sehr eben ist. Dies kann jedoch auch am Zufall liegen oder an dem kleinen Kameraausschnitt des Fischaugenobjektivs. Venera 13 hat 107 min in der Hölle der Venus überlebt, Venera 14 nur 57 min. Pech hatte die Sonde aber bei der Entnahme der Bodenprobe für eine Analyse. Der Arm dafür landete auf der Abdeckung der Kamera. (Vergleiche dazu das Bild mit dem von Venera 13).

Venera 13+14 waren die letzten Raumsonden die von der Venus Bilder sandten. Die zwei Jahre später gestarteten Sonden Vega 1+2 landeten auf der Nachtseite der Venus und übermittelten daher keine Bilder.

Bilder vom Mars

Bislang landeten 6 Sonden erfolgreich auf dem Mars und übermittelten Aufnahmen der Oberfläche zur Erde. Mars 3 landete zwar, doch die Bildübertragung verstummte nach einigen Sekunden.

Viking 1

Viking 1 Landeplatz

100° Detail von Viking 1 Landeplatz

Ein Jahr nach den Venera Sonden erfolgte die erste Landung auf dem roten Planeten. Am 21.7.1976, genau 7 Jahre nach der ersten Mondlandung landete Viking 1 auf dem Mars. Die beiden oberen Bilder zeigen ein 300° und 100 ° Panorama (das untere Panorama ist links vom großen Panorama aus zu sehen).

Die Viking Sonden verwandten Faksimile Kamera mit zwei Auflösungen von 0.04° und 0.12 Grad. 12 Fotodioden waren mit verschiedenen Filtern belegt und erlaubten auch Farbaufnahmen indem man das Signal von Diode mit rotem, grünen und blauen Filter gemeinsam auslass. Dies ist übrigens das einzige Mal dass dies bei einer Raumsonde so gemacht wurde. Im Normalfall wird eine Farbaufnahme durch 3 nacheinander belichtete Monochromaufnahmen gewonnen. Das Viking Verfahren hatte den Vorteil, dass es sehr einfach war.

Es konnten maximal Bilder mit 342° Breite und 40 Grad Höhe über dem Horizont und 60° unter dem Horizont gemacht werden. Im niedrig auflösenden Modus wurden vor allem Panoramen angefertigt, im hochauflösenden Modus Detailaufnahmen von Steinen, Tätigkeiten des Greifers und der Umgebung angefertigt. Allen Bildern gemeinsam war die Höhe von 512 Pixeln, die Länge einer Scanzeile (60 bzw. 20 Grad).

Aufgrund der langsamen Datenübertragungsrate von maximal 16000 Bit/sec dauerte die Anfertigung eines 342.5 x 60 Grad Panoramas mehr als 90 Minuten. Auf die Frage eines uninformierten Reporters ob man auch Marsianer entdecken könnte antwortete ein Teammitglied "Nur wenn sie sich gaaanz langsam bewegen".

Der Felsbrocken am linken Rand des unteren Panoramas bekam den Namen "Big Joe". Er ist 1.5 m breit und 1 m hoch und etwa 7 m von dem Lander entfernt.

Auf dem Mars ist es hügeliger als auf der Venus und es gibt mehr Steine und Geröll. Einige Steine sehen sehr jung aus, manche alt und abgeschliffen. Es gibt sowohl massive Steine wie auch welche mit einer porigen Oberfläche. Wie man auch sehen kann gibt es auf dem Mars Sanddünen. Fotos des Landerdecks zeigten, dass der Lander im Laufe der Zeit stark zu staubte. Als Folge setzte man die Lebensdauer von zukünftigen Missionen recht gering ein, da diese anders als Viking Solarzellen benutzen sollten um Strom zu erzeugen und diese durch den Staub rapide an Leistung verlieren würden. Das untere Bild zeigt ein Viking Lander 1 Panorama nach 2 Jahren auf dem Mars. Deutlich ist zu sehen wie Arme und Teile rechts des Landers mit Staub überzogen sind.

Am Viking 1 Landeplatz betrug die Bodentemperatur zwischen -85°C um 5 Uhr und -29°C um 15:30. Der Atmosphärendruck der in einer Tiefebene gelandeten Sonde lag zuerst bei 7.7 Millibar Fiel aber durch den einbrechenden Winter und das Ausfrieren der Atmosphäre langsam ab. Der Wind ist sehr schwach und erreicht keine 12 km/h. Der Viking 1 Lander arbeitete bis zum 11.4.1980.

Viking 2

Viking 2 Landeplatz

Die Schwestersonde von Viking 1 landete am 3.9.1976 auf dem Mars. Die obige Aufnahme ist eine Neubearbeitung des Panoramas aufgrund der Farbinformationen von den MER Landern. Die originalen Viking Lander Fotos ist sehr viel kräftiger rötlich-gelblich gefärbt wie das untere Bild. Spätere Fotos der NASA berücksichtigen die Lichtverhältnisse noch besser und zeigen eine dunkelbraune Oberfläche mit lachsrosa Himmel

Viking 2 Landeplatz Rohdaten

Viking Landeplatz im WinterAuch beim Viking 2 Lander herrschten ähnliche Verhältnisse, obgleich dieser deutlich weiter nördlich landete. Auch hier betrug die tiefste Temperatur -82° und die höchste -30°. Der Lander bekam auch später den Winter zu spüren, als sich Trockeneis abschied. (Bild links). Der Viking Lander 2 arbeitete bis zum November 1982, als man durch einen Fehler die Kommunikationsantenne von der Erde wegdrehte, so dass man den Kontakt verlor.

Die Landestelle von Viking 2 ist noch steiniger als die von Viking 1. Es fehlen allerdings sehr große Brocken und auch der Horizont ist eben, während man bei Viking 1 dort Felsbrocken erkennen kann, wahrscheinlich der Rand eines Kraters.

Zwischen vielen Steinen (so auch im Bild links) sieht man Rinnen, die vielleicht von Wasser herrühren, das dort geflossen ist.

Die Experimente an Bord der Viking Sonden suchten auch nach Leben, indem sie Bodenproben Nährlösungen, künstlichen Atmosphären und Wasser aussetzten und nach Stoffwechselprodukten oder Änderungen der Atmosphärenzusammensetzung suchten.

Die Sonden fanden heraus, das es in der Oberfläche chemisch sehr aggressive Substanzen gibt (Wahrscheinlich Peroxide, verursacht durch die solare UV Strahlung). Aber Leben konnte keines nachgewiesen werden.

Weitere Analysen untersuchten den Boden und man stellte dabei fest, dass der größte Teil der Oberfläche (zumindest des Sandes und Staubs) aus eisenreichem Ton besteht. Die rote Farbe von Eisenoxidpartikeln (die jeder von Rost kennt) und die braune Farbe des Tones ergeben dann auch den roten Farbton auf diesen Bildern.

Mars Pathfinder

Pathfinder Panorma

Am 4.7.1997. Pünktlich zum Unabhängigkeitstag der USA landete die dritte amerikanische Marssonde Pathfinder auf dem Mars. Mit an Bord war diesmal ein kleiner nur etwa Schuhkarton großer Rover. Der Landeplatz von Pathfinder unterscheidet sich stark von dem von Viking. Er ist deutlich hügeliger. Es sind im Hintergrund zwei Berge zu erkennen. Wie bei Viking 1 liegen neben kleinen Brocken auch Metergroße Felsen herum, wie der "Yogi" getaufte Brocken in der Bildmitte bei dem Rover.

Auch hier ist die Farbgebung später korrigiert worden:

Panorma Pathfinder in Echtfarben

Der Himmel ist hier kaum noch rötlich, dafür die Oberfläche mehr rötlich als gelb-orange. Mit Sicherheit ist bei Pathfinder weniger Staub in der Atmosphäre als bei Viking. Sie wirkt klarer und farbloser.

Mars Exploration Rover "Spirit"

Spirit Panorama

Der Rover Spirit, der am 6.1.2004 im Gusev Krater landete zeigte eine ganz andere Szene als die ersten 3 Marslander. Der Boden ist kaum von Steinen bedeckt (zu 3 % anstatt zu 20 % wie bei den ersten 3 Landern). Es gibt einige kleine Krater und einen größeren am Horizont zu sehen. Es ist düsterer als auf den Pathfinder Bildern und nun wirkt der Boden auch mehr bräunlich als rötlich. Der viele Staub auf den Bildern ist auffällig. Anders als bei Pathfinder sind fast alle Steine mit Staub bedeckt.

Mars Exploration Rover "Opportunity"

Opportunity Panorama3 Wochen nach Spirit landete Opportunity am 25.1.2004 auf dem Mars. Bei dem Landeplatz von Opportunity sieht es nochmals anders aus als bei Spirit. Es ist düsterer und der Himmel klarer, ohne viel Staub. Vor allem aber scheinen Steine fast völlig zu fehlen. Opportunity scheint in einem riesigen Sandkasten gelandet zu sein! Man sieht in der Bildmitte erstmals auf dem Mars Grundgestein an die Oberfläche treten. Dieses scheint von einer feinen Sandschicht bedeckt zu sein, denn rechts im Panorama erkennt man wie die Airbags der Sonde bei der Landung Spuren hinterlassen haben.

Beide Rover haben seitdem sehr viele Aufnahmen übermittelt und arbeiteten viel länger als geplant. Spirit fiel im Januar 2010 aus und konnte seitdem nicht erneut kontaktiert werden. Opportunity ist Anfang 2012 immer noch aktiv. Beide sollten nur für etwa 3 Monate aktiv sein. Spirits Aufnahmen sind abwechslungsreicher, denn er konnte einen der Hügel der Kette, die rechts im Panorama zu sehen ist erklimmen und von dort die Landschaft von oben fotografieren. Opportunity ist dagegen in einer Ebene gelandet und kann nur Einschlagskrater näher untersuchen. Bei der ersten Untersuchung eines 100 m breiten Kraters dauerte es Wochen bis man die Sonde wieder heraus manövriert hatte. Später steckte die Sonde in einer Sanddüne fest. Inzwischen hat Opportunity aber eine viel größere Strecke zurückgelegt als Spirit, weil sie in der steinlosen Sandebene recht rasch vorwärts kommt und auch mehr Sonne erhält, bzw. öfters von Staubteufeln die Solarpaneele gereinigt wurden.

Phoenix Mars Scout

Panorama vom Phoenix Landeplatz

Vier Jahre nach den Rovern (die zu diesem Zeitpunkt immer noch aktiv sind - Spirit hat eine Hügelkette erklommen und Opportunity durchfuhr die Ebene bis zu einem etwa 1 km großen Krater, den sie nun genauer untersucht) landete die nächste Mars Sonde Phoenix. Phoenix ist keine neue Sonde, sondern wurde ursprünglich für das Startfenster im Jahre 2001 entwickelt. Der Verlust zweier Marssonden im Jahre 1999 führte aber dann dazu, dass man die Landesonde einlagerte und nur den Orbiter startete, die eingesparten Mittel kamen der Orbitermission zugute, wobei man Fehler durch falsches Management und zu kleine Teams vermied. Im Jahre 2007 wurde die Raumsonde mit überarbeiteten Experimenten nach 6 Jähriger Verzögerung gestartet.

Phoenix Mars Scout landet am 26.5.2008 nahe des Nordpols bei 68 Grad Nord, 234 West. Betrieben kann die Sonde nur werden, solange auf der Nordhalbkugel Sommer ist. Wie bei der Erde gibt es auf dem Mars Jahreszeiten und im Winter ist die Nordpolregion dauerhaft im Schatten und die Sonde muss ihre Tätigkeit einstellen, weil sie die Energie von Solarzellen bezieht. Die Primärmission ist daher nur auf 90 Tage angesetzt. Phoenix ist wie Viking und Pathfinder ein stationärer Lander. Er verfügt dafür über mehr und leistungsfähigere Experimente als seine Vorgänger.

Phoenix profitierte von der bislang besten Vorerkundung des Landeplatzes. Der seit 2006 im Orbit befindliche Orbiter MRO kann mit seiner Kamera noch Details von 35 cm Größe ausmachen. Mehrfach wurde das Landegebiet aufgrund besserer Aufnahmen verschoben, zum letzten Mail einige Wochen vor der Landung um 13 km nach Osten. Phoenix landete denn auch in einer Ebene am Ende eines Tales, die weitgehend frei von größeren Hindernissen wie Steinen ist. Sie ist zwar langweilig, aber sicher.

MRO konnte auch den Phoenix auch während des Fallschirmabstiegs und nach der Landung fotografieren. Am 27.10.2008 zog ein Staubsturm über das Landegebiet hinweg und die Energie der Solarpaneele nahm ab. Es gab Unterbrechungen der Kommunikation und am 2.11.2008 verstummte Phoenix für immer. Ein Jahr später versuchte die NASA eine erneute Kontaktaufnahme - der winter war zu Ende und es gab nun wieder so viel Licht zum Landezeitpunkt, doch Phoenix blieb stumm und die NASA stellte alle Kontaktbemühungen ein. Insgesamt 25.000 Bilder übermittelte die Sonde.

Curiosity

Der nächste Marslandeapparat ist Curiosity, so heißt der Rover des Mars Science Laboratory (MSL). Bei der Landung dieser Sonde wurden neue Techniken angewandt. Sie sollen vor allem die Landegenauigkeit erhöhen, waren aber auch nötig um den großen Rover, der die Abmessungen eines Autos hat abzusetzen. Dazu verfügt das MSL über die Fähigkeit durch Gewichtsverlagerung bei dem Flug durch die Atmosphäre den Auftrieb aktiv zu steuern und sie nutzt dazu auch Bilder der Abstiegskamera um dies zu überwachen.

Kurz über dem Boden angekommen wird der Rover an Seilen herabgelassen. Er sitzt unterhalb der Abstiegsstufe, anstatt auf ihr wie frühere Lander. Diese machte sich danach fort bis ihr Treibstoff verbraucht war und schlug 615 m von Curiosity entfernt auf. Curiosity landete erfolgreich am 6.8.2012 im Gale Kater nahe des Äquators.

Als Belohnung ist die Landellipse, also die Zone in der der Rover mit 99% Wahrscheinlichkeit niedergeht nur noch 20 x 5 km groß, etwa halb so groß wie bei Phoenix und Curiosity landete nur 2,24 km vom Sollpunkt entfernt. Das ist ein neuer Rekord. Dies erlaubte es Curiosity in einem sehr sicheren Gebiet niedergehen zu lassen. Das erste Panorama, drei Tage nach der Landung aufgenommen, zeigt denn auch eine flache Sandwüste, das auffälligste sind die Aufhellungen wo die Abstiegsstufe mit ihren Triebwerken den Sand wegblies.

Doch dank der Präzissionslandung kann dieser Rover nun zu dem 10 km entfernten, 5,5 km hohen Aeolus mons aufbrechen und zumindest dessen Ausläufer untersuchen (wahrscheinlich wird er nicht auf den Berg hinaufklettern können, das verbieten die Sicherheitsregeln).

Curiosity ist nicht nur fünfmal schwerer als die letzte Generation, er hat auch viel ausgeklügelte Instrumente, alleine drei verschiedene Kamerasysteme. Ein Labor zur chemischen Analyse von Bodenproben und der Marsatmosphäre, Instrumente zur Fernanalyse von Gestein mittels Laseremissionspektroskopie und Röntgenfluoreszenzanalyse und zur Suche nach Wasser direkt unter dem Rover. Erstmals soll auch die Strahlenbelastung auf dem Mars gemessen werden. Dies wird für bemannte Landungen sehr wichtig sein.

Strom liefert ein RTG, diese dauerhafte Stromversorgung, ohne Abhängigkeit von dem Sonnenlicht erlaubt nicht nur mehr Instrumente zu betreiben. Curiosity soll auch weiter fahren als seine Vorgänger - 20 km sind im ersten Marsjahr geplant und die Stromversorgung ist so dimensioniert, dass er mindestens 14 Jahre lang betrieben werden kann.

TitanoberflächeTitan

Die wohl entfernteste Welt, die jemals von einem irdischen Roboter besucht wurde ist Titan. Am 14.1.2004 landete die europäische Raumsonde Huygens auf dem Saturnmond Titan - Im Mittel 1427 Millionen km von der Sonne entfernt ist es dort -180 Grad Celsius kalt, eine Temperatur bei der Sauerstoff flüssig wird. Die Sonne hat auf dem Titan nur noch die Helligkeit des Vollmondes auf der Erde. Das machte das Anfertigen von Aufnahmen nicht einfacher.

Huygens ist eine Atmosphärenkapsel, die mit 3 Kameras beim Abstieg Bilder vom Boden und dem Horizont machte. Die Bildqualität musste wegen der geringen Datenrate von 8 KBit/sec zurückstehen. Die Sonde fertigte beim Abstieg Bildmosaike von Titan an, die ein System von Kanälen, Küstenstriche und dunkle Ablagerungen in den Kanälen und Seen. Diese scheinen aber ausgetrocknet sein. Es scheint regelmäßig auf Titan Methan zu regnen, welcher dann organische Aerosole aus der Atmosphäre wäscht und in den Kanälen und Vertiefungen ablagert. Später verdampft das Methan wieder. Die seitwärts gerichtete Kamera konnte auch nach der Landung noch einen kleinen Streifen der Oberfläche abbilden. Das hier abgebildete Foto wurde nach Daten des Spektrometers eingefärbt, es ist kein echtes Farbfoto. Stimmig ist nur die Himmelsfarbe die durch den dichten Methansmog orange ist und an die Venus erinnert.

Das Foto des Bodens links wurde aus der Blickperspektive eines Dackels aufgenommen und zeigt einen Bereich von 25.6 x 45.2 Grad. Die Steine bestehen aus Eis, welches allerdings bei den bei Titan herrschenden Temperaturen die Härte von Granit hat. Die vorne liegenden Steine sind einige cm breit und 8-15 cm lang.

Panorma aus 10 km HöheDer Boden ist mit einer dunklen organischen Schicht bedeckt. Insgesamt erinnert viel auf dem Bild an die Venus, obgleich diese 15 mal näher der Sonne ist und glatte 660 Grad Celsius heißer ist. Es zeigt allerdings nur einen Ausschnitt der Oberfläche, da die Sonde als Atmosphärensonde keine echte Panorama Kamera hat und so nur einen kleinen Ausschnitt der Oberfläche zeigen kann.

Huygens konnte nach 148 Minuten Abstieg noch über 72 Minuten über den Saturnorbiter Cassini Daten zur Erde senden. Danach verschwand Cassini aus Kommunikationsreichweite, während die Sonde bis zum Erschöpfen der Batterien weiter arbeitete. Das letzte Funksignal der Sonde wurde auf der Erde 5 Stunden 48 Minuten nach Atmosphäreneintritt registriert, über 2 Stunden nachdem Cassini die letzten Daten empfing. Leider ist es durch die Omniantenne zwar detektierbar, aber keine Daten mehr lesbar.

Inzwischen gibt es weitere Aufnahmen. Die Auswertung verzögerte sich stark weil ein Sensor der die genaue Orientierung der Kamera angeben sollte wegen einer rückwärtigen Drehung der Kapsel keine brauchbaren Daten lieferte und auch die Fotos mit Töpfchen vor der Kameralinse zu kämpfen haben.

Artikel verfasst: 1.3.2004

Artikel zuletzt modifiziert: 10.8.2012

Links

Don P. Mitchell: Sowjet Exploration of Venus


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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