Die 10 Milliarden Dollar Blase

Heute bin ich auf eine Meldung gestoßen nach der die US Regierung erwägt zwei kommerzielle Satelliten zu erwerben, die hochauflösende Bilder machen. Für eine Summe von 1.7 Milliarden Dollar. Der Schritt ist nicht unumstritten, da viele schon den Kauf von Bildern privater Betreiber als eine Quersubvention dieser betrachten. Ich dachte bisher eher, dass dieser Schritt eine Ergänzung der eigenen Systeme darstellt. Zum einen decken sie eine große Fläche ab, zum anderen liefern sie Aufnahmen mit hoher, aber nicht höchster Auflösung. Das entlastet die eigene Flotte von Spionagesatelliten, die ja nun viel mehr Länder abdecken müssen als bisher um nach Terroristen zu suchen oder was die Achse des Bösen so alles macht….

Boeing, die zuvor noch nie einen Spionagesatelliten für das DoD gebaut hatten waren dem Projekt des kommenden Satelliten wohl nicht gewachsen. Zuerst entdeckte man, dass ein optisches System nicht so gebaut werden konnte, wie man dachte und es die Anforderungen nicht erfüllte. Es wurde auf ein Radar System gewechselt. Dann fielen offenbar wesentliche Teile des Satelliten beim Bau aus unter anderem, weil man Zinn in Teilen der Elektronik verwandt hatte – Es versursacht im Vakuum Kurzschlüsse.

Das System sollte aus relativ "preiswerten" Satelliten bestehen, die keine Titan 4 zum Start benötigen. Dafür sollte eine Flotte von Satelliten zum Einsatz kommen, die zusammen mehr Fläche abdecken können. Mit 1 Milliarde Dollar pro Jahr waren die Entwicklungskosten für 5 Jahre veranschlagt. Weitere 5 Milliarden für den Bau der Flotte. Doch das Budget steig kontinuierlich auf 18 Milliarden bis nun das Projekt eingestellt wurde. – auch nachdem es 4 Jahre hinter dem Zeitplan lag. 10 Milliarden Dollar hat man so in den Sand gesetzt, wohl die teuerste Pleite die es bislang gab.

Die Frage ist natürlich was dieses System so viel besser machen sollte, als das alte. Wenn es nur um die Ersetzung eines bisherigen Systems durch ein preiswertes, neues geht und dieses zu teuer wird, dann breche ich doch viel früher ab. Dann betreibe ich das alte eben weiter. Wenn es um neue Fähigkeiten geht dann ist die Frage welche? Noch eine höhere Auflösung? Ich dachte es gäbe einen Wechsel von dem Ziel maximale Auflösung zu mehr fundierten Informationen. Radarsatelliten liefern Daten bei Tag und Nacht und können auch unter Bauwipfel sehen. Der vor einigen Monaten abgeschossene Spionagesatellit war einer Radar – er lag in der Delta II Klasse.

Ich glaube auch es geht nicht um mehr Details. Bei einem optischen System wiegt das Teleskop so viel, dass eine viel kleinere Trägerrakete kaum in Frage kommt. Radar scheint eine Lösung zu sein. Die relativ kleinen SAR-Lupe Satelliten der Bundeswehr erreichen 1 m Auflösung und vom neuesten Ofeq Späher Israels werden noch bessere Daten genannt. Der Knackpunkt ist doch heute ein anderer: Die enorme Datenmenge die ein Satellit produziert. Ein ziviler Späher wie Worldview 1 lichtet pro Tag 450.000 km ab, muss um diese Datenmenge übertragen zu können mit 800 MBit/s senden. Dabei beträgt dessen Auflösung "nur" 50 cm. Bei den KH-12 spricht man von 15 cm, das würde also die 12 fache Datenmenge oder nur ein Zwölftel der Fläche bedeuten.

Radar ist da noch kritischer, da es pro Bildpunkt mehr Informationen gibt über Signalstärke, Laufzeit, Polarisation. Ich glaube aber das die geänderte globale Lage eine Neuorientierung der US Satellitenflotte notwendig machte. Bis 1990 war es doch relativ einfach: Es gab die Sowjetunion, ihre Satellitenstaaten und China und Kuna. Die waren "böse", wie es bei dem einfachen Gemüt einiger US Politkern so heißt. Mit der Überwachung von etwa 30 Millionen km kam man da aus.

Nun gibt es Spannungen mit der UdSSR, China traut man auch nicht so recht und unzählige "Schurkenstaaten" auf der Welt. Dazu kommen noch die vielen Friedensmissionen und UN Missionen. In der Summe muss viel mehr Fläche abgedeckt werden. Dafür ist es wohl sinnvoller Satelliten zu haben die größere Gebiete in mittlerer Auflösung regelmäßig abdecken können und dann noch 1-2 Satelliten, die Detailaufnahmen machen. Mal sehen wie sich das System entwickeln wird.

3 thoughts on “Die 10 Milliarden Dollar Blase

  1. Nun ja. Daran ist auch der Auftraggeber mit Schuld . Zumindest bei einigen Fällen. Wenn das DoD den Auftrag an Boeing gibt weil die billiger sind anstatt an Lockheed, die einige Jahrzehnte Erfahrung haben, dann muss man sich nicht wundern….

    Beim MPL hat man so viele Tests gemacht, wie verlangt wurden. Wenn man meint eine Marsssonde für weniger Geld als einen popeligen Erdbobachtungssatelliten bauen zu können, dann muss man mit so was rechnen….

    Bei SpaceX (nächster Falcon Start morgen oder übermorgen) wäre das gleiche in typisches Kostenreduktionsprogramm :-))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.