Weniger Sender, mehr Programm

Nach der Reform der Fernsehgebühren haben die Sender nun mehr Geld in der Kasse und es wurde beratschlagt, was man mit dem Überschuss machen soll. Es gab zwei Möglichkeiten: Weniger Werbung oder den Beitrag senken. Der Fernsehrat entschied sich für letztes. Ich wäre für das Erstere gewesen.

Ich weiß, ich bin bei den Bloglesern eine Minderheit, aber ich schaue fast nur öffentlich rechtliches Fernsehen (ÖRF). Ganz einfach weil das was ich gerne ansehe, Dokumentationen, im breitesten Sinne bildungsfernsehen vor allem dort kommt, und wenn es Serien gibt dann sind die auch meist dort, wobei wenn ich nachdenke sich das auf die „Heiter bis tödlich“ Folgen und die Freitagabende um 19:25 beschränkt.

Nicht das auf den Privaten nichts schlechtes kommt, vor allem gute Spielfilme, aber die schaue ich offline, d.h. ich lade sie als OTR.key herunter und dekodiere sie. Das geht im Benutzerstatus der auch was kostet (0,7 Euro/Monat) auch in einer Form die Werbung rausschneidet. Denn die Werbung ist der Grund, warum ich von den Privaten weg bin. Ich habe nicht die Geduld für deren langen Werbeblöcke. Das wurde immer mehr – Nun läuft es so, dass zuerst Trailer für Sendungen auf dem Sender laufen, dann ein 7 Minuten Werbeblock, dann ein Spot „in 30 Sekunden geht’s weiter“ und dann nochmals Trailer. Der Sender mag’s anders sehen: aber für mich sind die Trailer auch Werbung. Sie sind noch überflüssiger, denn sie bringen dem Sender keine Einnahmen und ich bin fähig im TV Browser oder der Programmzeitschrift nachzusehen. Vor allem informieren die Trailer nicht über eine Eigenheit. die immer schlimmer wird: Wenn eine Serie nicht die Quote erreicht wird sie verheizt, also entweder kommen am normalen Sendetermin alle Folgen nacheinander weg, damit der Platz frei wird, oder sie wird auf einen Sendeplatz verschoben der unattraktiv ist.

Werbung in gemäßigter Form ist durchaus angenehm. Gemäßigte Form heißt für mich: nicht bei Spielfilmen oder Informationssendungen mitten drin, sondern davor oder danach. Und nicht so lang, maximal 5 Minuten. Dafür könnten die ÖRF ruhig auch nach 20 Uhr noch Werbung senden. So habe ich mir über Weihnachten die zweite Staffel von „Downton Abbey“ angeschaut. Da kamen zwei bzw. drei Folgen am Stück, dass sind dann fast zwei oder zweidreiviertel Stunden ohne Pinkelpause. Etwas Werbung dazwischen wäre angenehm gewesen. So könnten auch mehr Einnahmen rein kommen.

Was ich möchte ist ein besseres Programm und hier machen die ORF viel falsch. Anstatt den Privaten nachzueifern sollten sie auf Qualität anstatt Quantität setzen. Dazu gehört, dass man nicht ganze Zeitblöcke nur mit einem Format vollpflastert (die Kochshows im ZDF), nicht Sendungen verheizt (warum muss eine so gute Serie wie Downton Abbey am Block in wenigen Tagen gesendet werden? Genauso hat man „Türkisch für Anfänger auch jeweils täglich gesendet – kein Wunder wenn dann die Quoten nicht stimmen).

Vor allem aber sparen bei den Ausgaben und hier sehe ich großes Potenzial. Wir haben derzeit bei dem ÖRF ein hochredundantes Programm. Das geht los mit den Dritten. Die Dritten sind Regionalfernsehen, aber nicht nur. Der größte Teil ist eben nicht selbst produziert und wird gefüllt mit Spielfilmen oder anderen Dokus. Warum beschränkt man es nicht auf drei Sender die dann jeweils nur die Regionalprogramme enthalten, in den Sendeplätzen abgestimmt. So wäre eine Sender „Süden“ denkbar, mit dem Programm von BR, SWR und Hessen, einer „West“ mit WDR,SR und Radio Bremen, einer Nordost mit NDR, MDR und RBB. Die eigentlichen Anstalten würden bleiben, nur spart man Sendefrequenzen und Kosten ein, denn wenn auch das Fernsehen für den Zuschauer umsonst ist, die Anstalten kostet das Einspeisen in Kabel oder die Ausstrahlung über Satellit / Antenne etwas.

Noch mehr sparen kann man bei den Spartensendern. Wir haben derzeit Phönix als Dokumentations-/Nachrichtenkanal, als Konkurrenz dazu Tagesschau24. ZDF Kultur und Eins Festival widmen sich beide der Kultur vor allem Konzerte und Musik. ZDF Neo und Eins Plus senden zum einen altes Material von ZDF und ARD, richten sich aber auch an jüngere Zuschauer. ZDF Info ist dann noch ein weitere Dokukanal ohne Nachrichten. 3SAT und Arte gibt es dann als Kanäle mit der Beteiligung anderer Länder. Wenn man diese ausspart, dann gibt es pro Format jeweils mindestens zwei Kanäle die redundantes Programm haben:

  • Fernsehserien/ neue Formate: ZDF Neo/ Eins Plus
  • Dokumentation: Phoenix, ZDF Info, Tagesschau 24
  • Kultur: ZDF kultur EinsFestival.

Es gibt nicht so viel Material um alle Sender zu füllen. ZDF Neo wiederholt z.b. alte im ZDF ausgestrahlte Fernsehserien, auch US-Material. 2011 haben sie begonnen Raumschiff Enterprise in einer restaurierten Form auszustrahlen. Jeden Tag. Sie sind damit also mindestens 7-mal durch. Analog zeigt ZDF Info Dokumentationen zigmal. Warum also werden die Sender nicht zusammengelegt, warum können da ZDF und ARD nicht zusammenarbeiten? Es würde ein Kultursender, ein Sender für Wiederholungen/neue Formate und ein Dokusender reichen. Ich wage sogar zu prognostizieren, dass durch die Zusammenlegung des Programmes und weniger Wiederholungen die Sender sogar attraktiver werden. Dabei kann man weitere Kosten einsparen.

Und die eingesparten Kosten und die zusätzlichen Einnahmen durch Werbung könnte man dann  investieren – in besseres Programm. Vielleicht auch abseits des Quotenwahns. Gerade weil es die Rundfunkgebühr gibt sollte man nicht so sehr auf diese schielen. Nicht das sie ohne Belang ist, man kann sicher nicht rechtfertigen ein Format zu produzieren das keiner ansieht aber viel kostet, aber sie kann nicht auch der Maßstab alleine sein.

3 thoughts on “Weniger Sender, mehr Programm

  1. Über das Fernsehprogramm könnte man sicher vortrefflich streiten, was dem einzelnen gefällt, was man als „Qualität“ betrachtet ist doch sehr individuell. Nach meiner Ansicht benötigt man gar keinen öffentlich rechtlichen Rundfunk. Es hat sich hier eine Behörde verselbständigt, die monatlich ca. eine dreiviertel Milliarde Euro vereinnahmt. Solche ineffizienten Strukturen, die über Jahrzehnte gewachsen sind und nie wirtschaftlich gearbeitet haben aufzulösen ist sicher alles andere als einfach, es sind Beamte und Bedienstete mit entsprechender Lobby und Rückhalt in den Parteien und dem Bundestag und den Landtagen.
    Würde man den Privaten einen entsprechenden Rahmen stecken, in dem festgelegt ist, was an Information, Bildungsfernsehn usw. zu senden ist, würden die das auch umsetzen, wenn für alle die gleichen Spielregeln gelten. So könnte man auch auf Umfang und Ausstrahlungsrhythmus der Werbung Einfluss nehmen.

  2. Ich glaube das nicht, weil es ja schon jetzt Erfahrungen gibt. Das würde dann so laufen, das Bildungsfernsehen von 3 bis 4 Uhr nachts läuft. Tatsache ist: Privatfernsehen hat eine Tendenz das Niveau immer niedriger zu setzen, um Kosten zu sparen und weil es mehr Doofe als intelligente in der Republik gibt. Wenn dem Privaten Information am Herzen liegen würden, dann würden sie es auch machen.

  3. Ich schaue … fast gar kein Fernsehen mehr – ich empfinde es als völlig lächerlich im Zeitalter vom Streaming zu bestimmten Zeiten bestimmtes zu schauen.
    Dann könnte man sich auch den Quatsch mit den Spartenprogrammen sparen.
    Die Technologie ist längst so weit, und in anderen Ländern verdrängt netflix & Co. schon lange immer mehr das klassische Fernsehen.

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