Datenschutz à la de Google

Google hat nun ein Formblatt, mit dem man Suchergebnisse aus der Suche löschen kann und feiert das auch gleich als großen Erfolg – mehr als 12.000 EU-bürger haben das am ersten Tag heruntergeladen und ausgefüllt.

Was Google als Erfolg feiert ist in Wirklichkeit ein Armutszeugnis

Als erstes einmal hat der Konzern dies nur getan nachdem er vom europäischen Gerichtshof dazu gezwungen wurde. Dies betrifft dann auch nur die EU-Bürger. Wenn Google anhand der IP-Adresse erkennt das die Suchanfrage nicht aus einem EU-Mitgliedsstaat kommt, dann sieht man das vorher aus den Ergebnissen „gelöschte“ Ergebnis. Es wird also nicht wirklich gelöscht. Meiner Ansicht nach sollte es weltweit gelten.

Das zweite ist die Vorgehensweise. Zum einen die Formalien die vielleicht für einen Einspruch bei einem Printmedium angebracht sind – man kann nur einen Link sperren, nicht aber einen Suchbegriff. Wie jeder weis werden im Internet Inhalte kopiert, zitiert, etc. Da macht es wenig Sinn nur einen Link zu sperren. Viel sinnvoller wäre es Wortkombinationen zu sperren wie „Name und Betrug“. Das zweite ist das Ungleichgewicht zwischen Beschwerderecht und „Öffentlichkeitsrecht“. Während der Beschwerdeführer ein Bild eines Ausweisdokumentes hochladen muss (also sehr hohe Hürden aufgebaut werden, selbst zum Bestellen im Internet muss ich keinen Ausweis hochladen, und hier geht es nur um ein Suchergebnis) benötigt das automatische Crawlen von Webseiten keine Legitimation. Wo bitte ist die Anfrage von Google meine Webseiten zu indexieren? Wann haben die mir einen Ausweis einer Mitarbeiterin geschickt um sich zu legitimieren?

Vor allem glaube ich nicht, dass die Forderung nach einem Ausweis datenschutzrechtlich überhaupt zulässig ist.

Es geht in meinen Augen um ein fundamentales Recht, nämlich wie viel ich von mir preisgebe. Anders im „Real life“ habe ich im Internet keine Kontrolle mehr über Dinge die ich von mir gebe, nachdem sie erst mal im Internet sind. Ich kann zwar versuchen die Informationen löschen zu lassen, doch ich kann nicht beeinflussen, dass sie kopiert werden, gecacht werden oder im Internetarchiv landen. Es geht auch nicht nur wie die Nachrichten schrieben um das „digitale Vergessen“, es geht auch um das Persönlichkeitsrecht vor Verleumdung geschützt zu sein. Mobben findet heute im Internet statt. Dann stammen die Informationen nicht vom Urheber. Es gibt Fake-Accounts mit echten oder manipulierten Bildern, wie auch Äußerungen in abfälliger Weise von Dritten. Meiner Erfahrung nach sollte es möglich sein sich dagegen zu schützen. Die Suchmaschine ist dabei das Einfaltstor, nur über sie werden die meisten Inhalte überhaupt gefunden.

Man kann so nicht eine Informationen aus dem Internet verbannen (auch das wurde an den Nachrichten kritisiert, doch dafür ist ja auch Google nicht verantwortlich) dcoh man findet sie nicht mehr.

Googles Maßnahme ist typisch für die heutigen Internetkonzerne. der Datenschutz ist nur halbherzig. Will man persönlichen Datenschutz haben, so hat man Probleme. Entweder es wird sehr viel aufwendiger wie wenn ich z.B. TOR benutzen. Man muss bestimmte Services komplette meiden wie Youtube, Facbeook, Google+. Viele Alternativen sind nicht so komfortabel. Google erlaubt über Plug-Ins Previews von Webseiten, die Vervollständigung erspart Tipparbeit und schützt vor Tippfehlern. Diesen Komfort hat man mit DuckDuckGo nicht. Ohne Cookies funktionieren viele webseiten wie z.B. Youtube gar nicht mehr. Manchmal hat man keine Wahl mehr. Bei Youtube soll man nun einen Kanal erstellen, um Videos zu verwalten obwohl diese schon vorher erstellt wurden. Ohne diesen Kanal geht gar nichts, nicht mal das Löschen wenn man das nicht will.

Die einzige Alternative die man heute hat, ist die Information zu kontrollieren. Bei mir sieht das so aus, dass ich etwas nur dort schreibe, wo ich es wieder löschen kann. Man wird mich also nicht auf einem sozialen Netzwerk oder Forum finden, ich twittere nicht und derzeit überlege ich ob ich vieles was ich noch so an Altbeständen habe, wie das Youtube Profil wieder lösche. Am besten man fängt damit gar nicht erst an.

Besserung ist nicht zu erwarten. Alle großen Player im Internet sind in den USA beheimatet, wo man so was wie Datenschutz nicht kennt. US-Zeitungen veröffentlichen in ihren Online Ausgaben Bilder von verurteilten Straftätern, teilweise auch schon von Angeklagten. Wenn ich einem Bekannten aus den USA glauben kann sind sogar die Ergebnisse der Steuererklärung öffentlich abrufbar. Wehn wundert es wenn dort das massenweise Ausspähen der Daten, Telefongespräche oder Mails anderer durch die Geheimdienste nicht kritisiert wird. Man muss nur das Wort „Terrorismus“ in den raum stellen.

Bei uns ist auch keine Besserung zu erwarten, denn wie wir gerade bei der NSA Affäre sehen will man ja gar nicht aufklären. Snowden als Zeuge hören? Der könnte ja was zur Aufklärung beitragen, nein das machen wir nicht. Na ja was kann man von einer Bundeskanzlerin schon erwarten die mit der STASI aufgewachsen ist. Die ist ja an so was schon gewohnt…

One thought on “Datenschutz à la de Google

  1. Ich glaube bevor man auf Unternehmen tritt die 1000 Kilometer entfernt sind, sollte der Staat selbst das Beispiel sein. Egal wie und wo man bekommt genügend Informationen über jeden Bürger. Gerichte, Schufa, Einwohnermeldeämter und von den ganzen privaten Datensammlern will ich nicht einmal reden. Name, Vorname, Adresse, Geburtsdatum und man bekommt finanzielle, gesundheitliche und viele persönliche Informationen eines jeden Bürgers. Bei den privaten Sammlern wie Creditreform, oder Bürgel sogar noch leserlich aufbereitet. Das gab es sogar schon vor Google.

    Verstehe diese Panik um Google nicht, denn wir DIE USER geben Google die Macht. Wenn Google Fehler macht können die bei Yahoo die Zukunft sehen. Ein jeder schreit über Google, wo bleibt die Reaktion zur NSA Affaire, BND, Verfassungsschutz, TITP und TISA? Das sind Probleme, Selbst ein Furunkel am Anus ist ein größeres Problem als Google. Aber das ist das typisch Deutschland. Es sagen schon die Wörter „Internet und Raum“ in einen Satz. Probleme bekämpft der Deutsche generell am besten wenn die Ursache tausende Kilometer entfernt ist. Monsanto ist die gleiche, obwohl Deutschland den Traum von der Weltmarktführung in der Agro Gen hat.

    http://www.youtube.com/watch?v=5yHRWaYr5BI

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