Panzer im zweiten Weltkrieg

Die Artikel von Niels Harksen über skurrile Panzer bracht mich auf die Idee mal etwas über Panzerkonzepte im zweiten Weltkrieg zu schreiben. Wei sie sich entwickelten, konnte sicher keiner erahnen, aber die Ausrüstung der Länder im Hinblick auf das was erwartet wurde, waren sehr unterschiedlich. (Da Niels den Artikel seit einigen Tagen auf dem Entwurfstatus hat, funktioniert der Link wahrscheinlich erst in einigen Tagen, aber dann lohnt es sich den Artikel zu lesen).

Frankreich und England hatten noch die Vorstellung das die Panzer im zweiten Weltkrieg so eingesetzt werden würden wie im ersten Weltkrieg. Dort dienten sie dazu den Stellungskrieg aufzubrechen. Jahrelang stand man im Westen sich in Gräben gegenüber, beschoss sich mit Artillerie und stürmte gegen gegnerische Stellungen. Die Generäle bewiesen erstaunlich wenig Lernfähigkeit denn die ganzen Jahre hindurch gab es das einfache Schema: Artillerie Dauerfeuer –  Sturmangriff – Stellung erobern. Obwohl sich bald zeigte dass der Gegner sich durch tiefliegende Bunker gegen Artilleriefeuer schützen konnte und ein Angriff von Soldaten ohne Deckung und ohne Schutz gegen Gegner die in Gräben geschützt waren und über Maschinengewehre verfügten enorme Verluste mit sich brachten.

Die ersten Panzer waren dagegen immerhin so gut gepanzert, dass ihnen Infantriewaffen nichts anhaben konnten und obwohl langsam doch beweglich genug um nicht von der Artillerie getroffen zu werden. Verwundbar waren sie primär durch direkten Beschuss durch Artillerie, allerdings hatten sie dann schon einen großen Teil der Strecke zurückgelegt und sie hatten ja auch eigene Bordwaffen.

Beide Nationen entwickelten daher Panzer welche die Infanterie beim vorrücken unterstützen sollten. Dazu mussten diese nicht schnell sein. um gegnerische Infanterie und Geschütze zu bekämpfen brauchte man auch keine großkalibrigen Kanonen, aber sie mussten gut gepanzert sein, weil ihre langsame Geschwindigkeit sie sonst verwundbar machte. Auf der französischen Seite waren das der Panzer Char B1, und auf englischer Seite die Mathilda II. Der Char B1 war sehr gut gepanzert und hatte zwei Kanonen – eine bewegliche 47 mm Kanone im Turm und eine nur gering schwenkbare in der Wanne mit 75 mm Durchmesser. Deutsche Panzer mussten ihn ausmanövrieren, denn die Frontpanzerung war für ihre Waffen undurchdringlich. (der Panzer III hatte eine 37 mm Kanone, und der Panzer IV zwar eine 75 mm Kanone, aber eine sehr kurze mit geringer Geschossgeschwindigkeit, da auch er als Infantrieunterstützungspanzer entworfen war)

Durch die Langsamkeit war der Char B1 aber ein Ziel von Luftangriffen. Die Mathilda II war noch langsamer (ein Infanterist konnte sie im Gelände mühelos überholen) noch stärker gepanzert, aber mit nur einer kleinen Kanone mit 40 mm Kaliber ausgestattet. Der Vorgänger Mathilda I hatte sogar nur ein Maschinengewehre als Bewaffnung. Während er gegen die italienischen Panzter sehr erfolgreich war und auch gegen die deutschen Panzer III und IV als sie im März 1941 in Afrika auftauchten, zeigte sich bald, dass beim Einsatz von großkalibriger Artillerie das die Langsamkeit des Panzers ein großer Nachteil war. Die Flugabwehrkanone Flak 18 wurde zweckentfremdet zur Panzerabwehr eingesetzt und schaltete einen Mathilda auf 1,8 km Entfernung aus. Dieser musste aber bis auf 500 m an die Flak herankommen um sie zu beschießen zu können. Bei 9 km/h Geschwindigkeit im Gelände waren das über 8 Minuten, in denen der Gegner feuern konnte ohne selbst gefährdet zu sein – im Krieg eine halbe Ewigkeit.

Der Erfolg dieser Waffe führte dazu dass man zum einen den Tiger mit dieser Kanone ausstattete, zum anderen die Kanone auch in ältere Fahrgestelle einbaute, auch wenn dann der Schutz abgespeckt werden musste oder die Kanone nicht mehr voll bewegt werden konnte. So entstand die Hornisse/Nashorn auf dem Fahrgestell des Panzers IV und der Jagdpanther ebenfalls mit einer 8,8 cm Kanone.

Es gab auch das gegenteilige Konzept, die eines sehr leichten, schnellen Panzers. Interessanterweise resultierte dieses aus derselben Überlegung: Wenn ich die Infanterie und Artillerie als Gegner ansehe, dann reichen zur Bekämpfung der Infanterie schon Maschinengewehre und gegenüber der Artillerie schützt dann eine hohe Beweglichkeit bei geringer Panzerung, In Russland war dies z.B. die BT-Serie, in Amerika warn bei Kriegsbeginn alle Panzer leichte Panzer, wie der Typ M2. Diese wurden dann ziemlich eilig in den M3 Lee umgebaut indem man in die Wanne eine 75 mm Kanone einbaute. Bedingt durch den geringen Schwenkbereich und die niedrige Position war dies allerdings nicht die Kampfwertsteigerung die man sich von ihr erwartete. Leichte Panzer kamen dann vor allem im Pazifik zum Einsatz, weil dort die Geographie anders war: es fehlten die freien Flächen mit dem Schussfeld für großkalibrige Kanonen und durch das „Inselspringen“, das Landen an Inseln bei denen man schweres Gerät nur mit großem Aufwand von einem Landungsboot absetzen kann waren die schweren Panzer dort nicht von Vorteil.

Auch in Deutschland waren die ersten Panzer leichte Panzer wie der Panzer I mit nur zwei Maschinengewehren oder der Panzer II mit einer 20 mm Kanone. Die deutschen Panzer III mit einer langen 37 mm Kanone oder der IV mit einer kurzen 75 mm Kanone waren bei Kriegsbeginn sicher nicht die besten Panzer (dafür würde ich den T-34 halten, auch vom einfachen Aufbau und der Robustheit her), aber sie waren beweglicher als ihre westalliierten Gegenstücke. Damit konnte man viele Nachteile ausgleichen und Gegner ausmanövrieren und an der Seite oder von hinten angreifen.

Heute erscheint die Überlegung der Westalliierten, dass der zweite Weltkrieg ähnlich wie der erste verläuft als falsch, aber ganz falsch war sie nicht. Denn der Großteil der Armeen war eben noch nicht motorisiert. Die Infanterie marschierte den Panzertruppen hinterher und sie musste die Gebiete sichern. Im Frankreichfeldzug hielt Hitler die Panzerdivisionen mehrfach an, weil er befürchtete ein Angriff hinter den Linien würde sie von der Versorgung abschneiden – sie hatten längst die Verbindung zu der nachmarschierenden Infanterie verloren. Im Russlandfeldzug erreichte er auch nicht Moskau früher als Napoleon – noch immer kam die Infanterie im Marschtempo vielleicht 20 km pro Tag vorwärts.

Vor allem in Deutschland entwickelte man dann auch Panzer zur Unterstützung der Infanterie die nicht so beweglich war wie Stumgeschütze als Offensivwaffe und Jagdpanzer als Defensivwaffe. So richtig erfolgreich waren sie wohl nicht, denn man setzte diese Waffengattungen nicht mehr nach dem Krieg fort. Es war oft aber auch nur eine Zwecklösung, um veraltete Panzer bzw.. deren vorhandene Produktionsstätten, weiter nutzen zu können wie die Panzer III und IV, indem man großkalibrige Waffen einbaute, da diese in die Türme nicht mehr passten wurden sie in die Wanne oder einen Wannenaufbau eingebaut wodurch man die freie Schwenkbarkeit verlor. Manche der Lösungen waren oben nicht mal geschützt und hatten nur dünne Panzerplatten als Aufbau wie die Marder Reihe oder der Jagdpanzer I

Als einzige neue Waffengattung die sich aus Panzern entwickelten und die bis heute Bestand hat, sind dies die Selbstfahrlafetten: mit ihnen wurden war die Artillerie beweglich. Bis heute gibt es das, z.B. hat die Bundeswehr gerade erst ihre Panzerhaubitze 2000 in Dienst gestellt, die in Afghanistan wesentlich wirksamer gegen die Taliban als die Panzer war.

Es zeigte sich, dass über den Krieg hinweg eines galt: der beste Panzer war ein guter Kompromiss aus Beweglichkeit, Mobilität, Feuerkraft und Panzerung. Panzer die zwar schnell, aber nur leicht gepanzert und leicht bewaffnet waren, waren im direkten Duell anderen Panzern unterlegen. Sie eigneten sich für Erkundungen oder Landeoperationen wenn schweres Gerät erst bei einem vorhandenen Hafen oder zumindest gehaltenem Frontabschnitt abgesetzt werden konnte. Fast alle schweren Panzer litten unter Problemen durch das Gewicht. Die Maschinen mit hoher Leistung waren anfällig, ihr Einsatzradius war durch den hohen treibstoffverbrauch begrenzt. Deutschland verlor mehr Tiger durch Ausfälle aufgrund technischer Schäden als durch Feineinwirkung. Ähnlich erging es schon Jahre vorher dem russischen KW-1. Trotzdem wurden beide Modelle weiterentwickelt, der Tiger zum Tiger II, der KW-1 zum Josef Stalin (JS-1 und JS-2). Als bester Panzer des zweiten Weltkriegs wird der Panther angesehen. Zumindest für Deutschland spielten auch die Herstellungskosten eine Rolle die einher gingen mit dem Aufwand. Da war ein Tiger mehr als doppelt so teuer wie ein Panther oder vier Panzer IV.

Zu Kriegsende wurde erkannt, das auch Panzer sehr verwundbar sind, selbst die am besten gepanzerten. Flugzeuge können sie von oben beschießen oder bombardieren. Oben ist die Panzerung meist schwach. Weiterhin ist die Abwehr gegen ein sich schnell bewegendes Flugzeug fast nicht möglich. Das war die Bedrohung auf dem freien Feld. Amerikanische Jagdflieger waren im Westen eine ständige Bedrohung. Im Osten schoss Oberst Rudel mit Ju-87 und später FW-190 über 500 Panzer ab. Es gab auch umgebaute Flugzeuge die unten eine Panzerkanone oder Maschinenkanone trugen, wie auf Deutscher Seite die Ju-87G und HS-129, auf englischer Seite die Mosquito.

Mit Panzerfäusten und Hohlladungssprengladungen war selbst ein Infanterist der sich leicht verstecken konnte eine Bedrohung. sein. Im zweiten Weltkrieg musste ein Infanterist bei den Reichweiten einer Panzerfaust von wenigen Dutzend Metern noch gute Nerven hatten und war in Lebensgefahr wenn der Panzer nach dem Treffer noch manövrierbar war. Doch Verbesserungen in den Triebsätzen erhöhten die Reichweite schnell. Das war die Gefahr in den Städten wo es genügend Unterschlupfmöglichkeiten gab.

Unverständlich ist, dass in Ost und West nach dem Krieg trotzdem Panzer in Massen produziert wurden. Es schien als hätte man keine Lehren daraus gezogen. Dabei zeigte sich in den vergangenen Jahrzehnten das ihre Zeit abgelaufen war. In unwirtlichen Gebieten wie in Vietnam war er nutzlos. er war ein Gerät für die Ebene ohne Bäume und auch nicht für den Kampf in Städten. Das ohne Luftüberlegenheit der Panzer nur noch eine Todesfalle war, bewiesen der Golfkrieg 1990 und die Invasion des Irak, noch deutlicher weil ganz ohne eingreifen von Bodentruppen zeigt dies die NATO Intervention in Mazedonien und Libyen. Deutschland hat als Folge die meisten ihrer Leopard 2 außer Dienst gestellt oder verkauft (z.b. an Griechenland: die haben die größte Panzerstreitmacht in Europa).

27 thoughts on “Panzer im zweiten Weltkrieg

  1. Zur Verwundbarkeit gegenüber Infanteristen: Man hat doch später Reaktivpanzerungen und Verbundpanzerungen eingeführt. Ich zitiere hier mal den Wikipediaartikel zu dem russischen T-90: „Ein T-90 erhielt während der Kampfhandlungen (im Dagestankrieg)sieben RPG-Treffer; das Fahrzeug blieb trotzdem einsatzfähig.“ Wie sich Panzer gegnüber moderneren Versionen von Panzerabwehrwaffen verhält weiß ich nicht, aber zumindest frontal sollte die Panzerung stets halten.

  2. Inzwischen gibt es Doppelhohlladungen – die erste löst die Reaktivpanzuerung aus, die zweite durchschlägt dann das Material ohne diese.

    Die RPG ist auch nicht gerade das neueste Modell, heutie gibt es Panzerfäuste die aus einer distanz von 600 m eingesetzt werden können wie die Panzerfaust 3

  3. Moderne tragbare Panzerabwehrlenkwaffen wie die Javeline greifen deswegen Panzer von oben an, die Rakete fliegt eine steile Kurve schlägt in einem sehr steilen Winkel ein 70-90 Grad absolute Zerstörung garantiert (falls die Rakete nicht bekämpft wird).

    Panzerabwehr-Raketen werden jedoch immer unwirksamer seit der einführung von soft und hardkill Systemen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Abstandsaktive_Schutzmaßnahmen#Hardkill-Systeme

    Diese Systeme fangen Raketen beim Anflug auch mit sehr geringer Vorwahnzeit ab.

    Entweder durch die Explosion einer kleinen Ladung in der Nähe der Rakete oder durch eine Art Schrotladung die Kegelförmig einen Bereich vor dem Panzer abdeckt.
    Natürlich braucht man Radar und Infrarotsensoren um die Rakete zu lokalisieren und zu bekämpfen.

    Diese Probleme scheinen jedoch mittlerweile größtenteils gelöst zu sein,da immer mehr Nationen ihre Kampfpanzer mit solchen Systemen ausrüsten.

    Deswegen lässt sich ein Panzer am besten von einem anderen Panzer bekämpfen vorzugsweise mit Wuchtgeschossen v-> 1900 m/s

  4. Der Artikel „skurrile Panzer“ ist noch gar nicht veröffentlicht. Ich werde ihn vielleicht nächste Woche online stellen, allerdings zusammen mit anderen Gastbeiträgen die ich erst noch schreiben (fertigstellen) muss.
    Viele Grüße
    Niels

  5. Ich bin in den nächsten Tagen aber nicht da um auf Kommentare zu reagieren. Ich werde die Beträge schon noch online stellen und dir dann bescheid sagen. Da sie thematisch zusammengehören, möchte ich sie auch zusammen veröffentlichen.

  6. Zu den Hohlladungen fällt mir jetzt gerade auch noch das Schutzsystem der neusten US-Flugzeugträger ein, das wie ein Kondensator funktioniert. Zitat aus Wikipedia: „Es basiert auf zwei Platten, welche unterschiedlich geladen sind und einige Zentimeter voneinander entfernt sind. Über Kondensatoren wird eine genügend große elektrische Energie gespeichert. Stellt nun der Metallstachel (meist Kupfer) aus dem Hohlladungs-Gefechtskopf eine elektrische Verbindung her, so bewirkt der zwischen den beiden Platten fließende Strom ein sofortiges Verdampfen des Strahls, was somit die Wirkung derartiger Waffen minimiert.
    Da frag ich mich gerade, wie gross der Strom sein muss, um den Metallstachel verdampfen zu lassen? – Nein, ich hab’s (noch) nicht nachgerechnet, aber so aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass so eine Schutzvorrichtung bei Panzern wahrscheinlich nicht umsetzbar ist, weil der die nötige elektrische Energie nicht zur Verfügung hat, weshalb das vorläufig nur auf Schiffen umsetzbar ist. – Oder sieht das jemand anders?

  7. Wobei man sich fragen muß, was bei einem Flugzeugträger ein Schutz gegen Hohlladungen soll. Auf offener See lassen die Begleitschiffe und Flugzeuge einen möglichen Angreifer gar nicht erst auf Schußweite ran. Da wäre es also nutzlos. Und in einem Hafen dürfte ein LKW voll Sprengstoff mehr Schaden anrichten, als eine Hohlladung. So schwer sind Flugzeugträger ja nicht gepanzert.

  8. @Elendsoft: Nun ja, man kann einen Flugzeugträger ja auch mit Raketen angreifen, die mit Hohlladungssprengköpfen ausgestattet sind. Zwar verfügen die auch über Raketenabwehrsysteme, aber je nach dem, wie schnell eine Rakete anfliegt, sind die nicht unbedingt wirksam. Und schliesslich könnte es ja auch einem U-Boot mal gelingen, nah genug heran zu kommen. Dürfte zwar recht unwahrscheinlich sein, aber eben nicht unmöglich. *)
    Und in einem schweren Gefecht auf See, wenn tatsächlich mal eine ganze Flotte versuchen sollte, einen Träger bzw. eine Trägergruppe anzugreifen, kann es durchaus mal vorkommen, dass der Träger den einen oder anderen Treffer abbekommt. Dann stellt sich die Frage, wieviel Schaden dadurch angerichtet wird? – Eine Hohlladung, die auf dem Flugdeck nahe der Katapultstrecke oder der Fangseile einschlägt, kann den Träger auch beeinträchtigen.
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    *) Ich erinnere mich da noch an einen Bericht (oder war’s ’ne Doku?) von einem Manöver, das aber schon in den 90ern stattfand. Da hatte es ein deutsches U-Boot geschafft, unbemerkt bis auf Tordedoreichweite, oder sogar noch näher an einen Träger heran zu kommen und die US-Millitärs hinterher mit einer Frontaufnahme vom Bug des Trägers zu schocken, die durchs Periskop aufgenommen wurde. Es hies dazu, wenn das U-Boot aus der Position einen oder mehrere Torpedos abgeschossen hätte, hätte der Träger evtl. sogar versenkt werden können. – Das muss man sich mal vorstellen: Die Amis, die sich ja allgemein für unbesiegbar halten (obwohl sie im Irak ja nicht gerade erfolgreich waren), verlieren einen Flugzeugträger durch abschiessen und versenken. Damit wäre die Machtbasis Ihrer Aussenpolitik mehr als nur angekratzt, und es würde einiges an Staub aufgewirbelt… – Die Frage ist, ob so eine Aktion heutzutage auch noch gelingen würde?

  9. Noch einmal: Flugzeugträger sind höchstens schwach gepanzert, um da durchzukommen braucht man keine Hohlladung. Im zweiten Weltkrieg wurden mehrere Flugzeugträger durch normale Torpedos oder Bomben versenkt. Selbst wirklich schwer gepanzerte Schlachtschiffe wurden durch Torpedos oder Bomben ohne Hohlladung versenkt. Das einzige wo man wirklich eine Hohlladung brauchen würde, ist wenn man keine schweren Waffen hat und den Flugzeugträger mit einer Panzerfaust beschießen will. Dann hat man aber auch kein getauchtes U-Boot mit dem man sich anschleichen kann, und mit einem Fischerboot sollte die Eskorte nun wirklich fertig werden.

  10. Na ja bei 600 m Reichweite bei der aktuellen Panzerfaust 3 geht das schon vom Hafen aus, aber wie Du schon schriebst von dem Loch geht der flugzeugträger nicht unter, das ist zu klein. Mit der Panzerfaust wird man wahrscheinlich auch nur den Überwasserteil treffen.

    Die US-Militärs haben eben vor allem Angst und wollen 100% Sicherheit, egal was das kostet.

  11. Mag ja sein, dass die Panzerung der Träger eher schwach ist. Dann frage ich mich aber, im Verleich zu was? Denn dass es keine gibt, wage ich zu bezweifeln. Und ich denke auch, dass man aus den Verlusten des WW II. Konsequenzen gezogen hat, so dass die derzeitigen Träger stärker gepanzert sind, als es jene im zweiten Weltkrieg waren.
    Aber letztlich ging es mir auch nicht darum, ob eine Hohlladung nötig ist, um die Hülle zu durchschlagen, sondern darum, dass man bei den neusten Trägern der Ford-Klasse einen neuartigen Schutz gegen Hohlladungen verwendet, der dessen Wirkung drastisch minimieren soll. Dieser Schutz beruht auf zwei unterschiedlich geladene Platten, wobei die Spannung dazwischen so hoch ist, das der Kurzschluss, den ein Hohlladungsgeschoss zwischen ihnen erzeugt, einen so hohen Strom zu Folge hat, dass der Stachel verdampft. Und da stellt sich mir auch die Frage, wieviel Energie bzw. elektrische Leistung nötig ist, um so einen Schutz herstellen zu können? Ich weis es nicht genau, aber ich vermute, die Leistungen liegen irgendwo im Megawatt-Bereich, und das lässt sich mMn nur auf Schiffen realisieren, aber nicht bei Panzern.

  12. Selbst größere Handelsschiffe werden aus fingerdicken Stahlplatten zusammengeschweißt (jedenfalls der Rumpf), was man schon als leichte Panzerung betrachten kann.

    Sinn einer Hohlladung ist eine hohe Energiekonzentration auf kleinster Fläche zu erreichen. Bei einem Panzer mit recht begrenztem Innenraum reicht das aus, um ihn außer Gefecht zu setzen. Bei einem Schiff wird dadurch aber nur ein einziger Raum verwüstet, der Gesamtschaden ist eher vernachlässigbar. Typisch für Seegefechte ist der Einsatz von möglichst großen Sprengladungen, die großflächigere Schäden anrichten. Also genau das Gegenteil einer Hohlladung. Was läßt ein Schiff schneller absaufen: Ein bleistiftdünnes Löchlein von einer Hohlladung oder ein mehrere Meter weit aufgerissener Rumpf? Eine Hohlladung ist auf die Bekämpfung stark gepanzerter kleiner Ziele spezialisiert, gegen große schwach gepanzerte Ziele ist sie wenig wirksam. Normale Sprenggranaten richten da viel mehr Schaden an, dafür kann eine Panzerbesatzung darüber nur lachen. Im Prinzip ist es da wie beim Basteln: Ohne für den speziellen Zweck geeignetes Werkzeug läuft nichts.

  13. Selbst wenn, dann wäre wahrscheinlich ein Schutz aus zwei Platten in einem großen Abstand besser. Sobald der Druck durch die erste Platte weg fällt, weitet sich der Plasmastrahl auf und kann die zweite Platte nicht mehr durchschlagen. So was setzt man auch bei Raumsonden oder Raumstationen gegen Geschosse mit hoher Geschwindigkeit ein. Den Platz dafür hat man ja auf einem Flugzeugträger

  14. Okay, den Sinn einer Hohlladung hätten wir damit wohl ausreichend geklärt. Vielleicht hätte ich den folgenden Teil aus dem Wikipediaartikel sofort mit zitieren sollen:

    Die Schiffe der Gerald-R.-Ford-Klasse werden außerdem ein neues passives Schutzsystem erhalten. Es wird als „dynamic armor“ (dt. dynamische Panzerung) bezeichnet und soll kritische Teile (z. B. Magazine und Treibstofflager) vor Hohlladungs-Gefechtsköpfen schützen.

    (Hervorhebung durch mich.)
    D.h. es wird wohl nicht der gesamte Rumpf damit versehen sein, sondern nur die Teile, hinter denen sich also Munitionsmagazine oder Treibstofftanks befinden. Und sicherlich auch dort, wo die Kernreaktoren sitzen, wobei die auch so schon noch besonders geschützt sind.
    Und Du hast natürlich recht, ein grosses Loch im Rumpf lässt ein Schiff schneller absaufen als ein kleines. Die Idee bei dieser Panzerung dürfte also sein, dass ein Treffer durch eine Hohlladung keinen Treibstoff entzündet oder irgendwelche gelagerten Waffen auslöst. (Wie Sinnvoll das ist, ist ’ne andere Frage.)
    Und wenn man Tandemhohlladungen erfinden kann, um eine Reaktivpanzerung zu überlisten, dann kann man gerade bei Raketen hiner einer Hohlladung auch noch eine grössere Menge Sprengstoff unterbringen, dessen Aufgabe darin besteht, das Loch, dass die Hohlladung erzeugt hat, massiv zu vergrössern.
    Dann wäre da noch der Vorschlag von Bernd mit den zwei Platten in einem bestimmten Abstand. Der ist bei dieser dynamischen Panzerung ja sowieso umgesetzt. Zusätzlich kommt halt noch dazu, dass die Platten elektrisch unterschiedlich geladen sind, so dass sie einen Kondensator bilden. Und dieser Kondensator soll eben soviel elektrische Ladung aufnehmen, dass der Dorn der Hohlladung verdampft, wenn er eine leitende Verbindung zwischen den Platten herstellt.

  15. Besonders empfindliche Teile kann man ins Immere des Schiffes verlegen, dann wirken die darumliegenden Räume wie eine Verbundpanzerung. Das Prinzip wurde übrigens schon bei Segelschiffen angewendet. Um die Pulverkammer herum waren Brotkammern angeordnet. Geschosse konnten so im Brot stecken bleiben, ohne größeren Schaden anzurichten.

    Einige Flugzeugträger waren im zweiten Weltkrieg übrigens deutlich besser gepanzert als in heutigen Zeiten. Das kam daher, daß sie ursprünglich als Schlachtschiffe begonnen wurden. Als man dann erkannte, daß die Zeit der Schlachtschiffe vorbei war, wurden sie zu Flugzeugträgern umgebaut. Schlachtschiffe waren aber als reine Kampfschiffe gebaut. Also mit starker Panzerung und schwerer Artillerie. Flugzeugträger sollen dagegen gar nicht erst auf Nahkampf-Entfernung an den Gegner herankommen, ihre Bewaffnung sind die Flugzeuge. Das zeigt sich auch daran, daß die großen US-Flugzeugträger nur Waffen zur Bekämpfung von Luftzielen haben. Wozu auch, in Irak oder Afghanistan gibt es keine Kriegsflotte.

  16. @Elendsoft: Das man empfindliche Teile weiter nach innen verlegen kann, sehe ich genauso, aber: laut dem verlinkten Artikel ist doch so, dass diese dynamische Panzerung bei den neuen Trägern verwendet wird, und gegen Hohlladungen schützen soll. Und da war meine eigentliche Frage,

    wie gross der Strom sein muss, um den Metallstachel verdampfen zu lassen?

    Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage bin ich aber noch nicht besonders weit gekommen. Und unsere Diskussion der letzten 2 Tage war da ja auch nicht Zielführend sondern lenkte eher von der Frage ab.

  17. Das US-Militär läßt sich immer wieder Projekte aufschwatzen, die zwar technisch hoch entwickelt sind, aber letzten Endes eher nutzlos. Was soll es, sich gegen eine nur theoretisch vorhandene Bedrohung zu schützen, und dabei die wirklichen Bedrohungen zu ignorieren? Bei einem Panzer wäre so ein Schutzsystem ja recht nützlich, aber nicht realisierbar. Beim Flugzeugträger ist das zwar machbar, aber völlig unnötig. Genau so wie ein (sauteures) Raketenabwehrsystem nicht gegen Teppichmesser schützt. Da geht es wohl wie bei dem SLS nicht um den Nutzen, sondern darum Firmen Aufträge zuzuschanzen.

  18. Ja gut, mit dieser Einschätzung bezüglich einiger Projekte dürftest Du richtig liegen. (Und eine gewisse Paranoia muss man denen wohl auch unterstellen.) Nur wollte bzw. will ich das in diesem Fall jetzt mal genau wissen, wie hoch der Energiebedarf (und der Aufwand, um sie bereit zu stellen) ist. Und wie ich in meinem Kommentar vom 18.6. ja auch schon geschrieben hab, vermute ich auch, dass das System am Panzer, (wo es sinnvoll wäre), wahrscheinlich nicht umsetzbar ist. Beim Schiff, wo es nicht unbedingt erforderlich ist, ist es dagegen relativ Problemlos umsetzbar. (Kommt natürlich auch auf die Grösse des Schiffs an, aber bei allem ab etwa 20 meter Länge wohl eher kein Problem.)

  19. Nur mal nebenbei:
    Welche Schäden von Kriegsgegner sind Schiffen der US Navy denn in den letzten 40 Jahren zugefügt worden?
    Richtig. Angriffe in Häfen durch irreguläre Truppen.
    Schutz vor Hohlladungen vielleicht doch garnicht so dumm.
    Und Doppelrümpfe sind auch schon ein alter Hut. Hier muss also nur eine Isolation zwischen den beiden Hüllen her und nen paar fette Kondensatoren.

    Bernd

  20. Gegen einen Flugzeugträger ist eine Panzerfaust warscheinlich die Waffe, die noch am wenigsten Schaden anrichtet. Ein LKW voller Sprengstoff dürfte da wesentlich wirksamer sein. Und gegen ein Flugzeug auf dem Flugdeck reichen schon Handfeuerwaffen. Da wird der Schaden wesentlich größer als bei einem verwüsteten Raum.

  21. Gegen Flugzeugträger kann assymetrische Kriegsführung durchaus was ausrichten.
    In einem Manöver 2002 ist es einem pensionierten Generalleutnant der USA gelungen als Manöverkommandant der feindlichen Streitkräfte 16 Schiffe der USA, darunter auch einen Flugzeugträger (simuliert) zu versenken. Dies schaffte er zum einen, indem er z.B. auf alte, abhörsichere Technologien, wie Kradmelder zurückgriff, zum anderen mit Sprengstoff beladenen Fischerbooten.
    Leider hatte das Verteidigungsministerium der USA etwas dagegen…
    Hier der dazugehörige Wikipedia-Artikel:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Millennium_Challenge_2002

  22. Das bestätigt doch meine Meinung: So ein Fischerboot kann genug Sprengstoff tragen, um großflächigen Schaden anzurichten. Da braucht man keine Hohlladung.
    Was hat übrigens ein Fischerboot neben einem Flugzeugträger zu suchen? Selber Schuld wenn man es nahe genug ranläßt.

    Übrigens gibt es Leute die behaupten, wenn Politiker an Bord kommen ist das eine Hohlladung.

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