John Glenn, Weihnachtsbräuche und die Weihnachts-Deadline

Irgendwie fallen mir in letzter Zeit keine großen Sachthemen mehr ein. Daher fülle ich mal den Blog mit etwas aus der Rubrik „Vermischtes“. Fangen wir mit dem Tod von John Glenn an. Dazu gibt es von mir nichts. Das hat zwei Gründe. Das eine ist, das ich nicht empfänglich für Personenkult bin. Das ist auch unabhängig von der bemannten Raumfahrt, so wird man bei mir auch keine Seiten über Wernher von Braun, Ziolkowsi, Oberth oder Godddard finden, obwohl die mehr für die Raumfahrt geleistet haben als jeder Astronaut. Vielleicht ist das auch so ein Grund, warum es bei der Konfrontation mit SpaceX-Befürwortern so rasselt. Für mich ist Elon Musk ein Spinner, der die Bodenhaftung verloren hat. Als ich als ich heute mal sahen wollte, wie viele Startaufträge die Falcon Heavy noch hat, sah haben sie ja ihre Webseite umgestaltet. Nun verkaufen sie keine Raketen mehr, sondern die Vision von „multiplanetary life“.

Astronauten, die was geleistet haben

Es ist aber so, das ich für einige Astronauten Hochachtung empfinde. Das sind aber die, die wirklich diesen Beruf als Berufung empfunden haben und nicht als Abenteuer, Möglichkeit berühmt zu werden oder Karrieresprungbrett. Unter den Mercury Astronauten z.B. Deke Slayton. Er flog wegen einer erst nach Beginn des Trainings erkannten „Herzschwäche“ nie mit Mercury, blieb trotzdem bei der NASA um dann schließlich 1975, als man die Anforderungen gelockert hatte, mit der wissenschaftliche bedeutungslosen Apollo-Sojus Mission ins all zu gelangen. Trotzdem blieb er 20 Jahre bei der NASA. Ähnliches könnte man von John Young behaupten. Der sich nach zwei Gemini und Apollo-Missionen hätte zurückziehen können. Stattdessen wartete er 10 Jahre auf einen weiteren Einsatz an Bord des Shuttles und leitete dann noch viele Jahre lang das Astronautenbüro der NASA. Manch anderer hätte seinen Rum als Astronaut versilbert.

Gerade zu denen gehört aber John Glenn. Seine Leistung: er hat in einer Mercury Kapsel dreimal die Erde umrundet. Nicht mehr. Bei Mercury gab es noch minimale Eigenverantwortung der Astronauten und Eingriffsmöglichkeiten und wurde vor allem von der Missionskontrolle aus gesteuert. Als Scott Carpenter eigene Ambitionen entwickelte, das Raumschiff selbst zu steuern (unter anderem um die „Leuchtkäfer“ die um das Raumschiff schwirrten, zu beobachten) kam er in große Bredouille, weil der Treibstoff knapp wurde. Die Mercury-Kapseln konnten auch mit Schimpansen als Passagiere ihre Mission erfüllen. Soviel zum Ruhm von John Glenn.

Danach hat er seinen Rum als erster Amerikaner im All versilbert und ist Senator geworden. Schlau gemacht, und warum auch nicht seinen Ruhm nutzen? Aber Hochachtung habe ich eben mehr für aufopfernde Menschen als für Aufsteiger. Später hat er seinen Einfluss als Politiker noch mal genutzt, um mit dem Space Shuttle als Rentner zu fliegen, offiziell um die Auswirkung der Schwerelosigkeit auf alte Organismen zu studieren. In Wirklichkeit war es wohl eher sein Egotrip, der bei der NASA die Mitte der Neunziger das Problem hatte, das sich jemand mehr für die Shuttle Flüge interessierte, nachdem es 10 Jahre lang unfallfrei klappte, wieder eine Sensation hatte.

Weihnachten und Weihnachtsbräuche

Kommen wir zu Weihnachten. Ich höre in den letzten Monaten mehr Radio und praktisch jeden Tag dreht es sich um Weihnachten. Da werden Nikoläuse getestet, ebenso Adventskalender (was sich im Radio meiner Ansicht nach recht unbefriedigend gestaltet) und es kommen Umfragen zu Weihnachtsthemen entweder aufgezeichnete von der Straße oder zum Mitmachen per Mail oder Telefonanruf. Da geht es darum was Leute von Weihnachtsmärkten halten, vom Auftauchen von Lebkuchen schon im September im Supermarkt oder – mein Aufhänger – Weihnachtsbräuche.

Der Tenor war, das Weihnachtsbräuche was schönes seien und man sie nicht wegfallen lassen darf. Für mich war das etwas befremdlich, weil es bei uns wenige Bräuche rund um Weihnachten gab. Gutsle backen und den Weihnachtsbaum aufstellen – das wars. Schon ans letzte erinnere ich mich nicht gern zurück. Mein Vater hat immer erst am 24.sten eine Tanne gebracht, die meist nicht sehr schön war. Das war auch das Erste was wir abgeschafft haben. Ich habe 1989 zu Weihnachten eine Blautanne in einem Kübel gekauft. Die kam nächstes Jahr in den Garten und fortan wurde eben nur mit einer Lichterkette geschmückt. Die Blautanne war schön, nur wurde sie dann bald zu groß zum Schmücken. 16 Jahre später endete sie als Weihnachtsbaum in der Kirche. Meine Mutter hat noch lange Gutsle vor allem für die Enkel gemacht. Mir war das immer zu viel Arbeit. Mein Beitrag beschränkte sich auf selbstgemachte Choc-Crossies. Die waren schnell gemacht und auch immer als Erstes weg. Doch dieses Jahr hat es mich erwischt. Eigentlich wollte ich diesmal auch keine Choc Crossies machen. Aber ich hatte Lust auf Vanille Kipferl. Doch die ich gekauft hatte, schmeckten nach gar nichts. Eigentlich nur mehlig. So habe ich mir ein Rezept aus dem Internet angesehen. Das sah recht einfach aus und es selbst probiert. Ich bin begeistert. Die Form ist zwar misslungen (ich habe zu große Kipferl gemacht die dann auseinander liefen und damit sie fest wurden länger backen mussten, sodass sie etwas braun geworden sind) aber der Geschmack ist super. Ich habe vor noch mal welche zu machen, auch, weil ich mal feststellen will, wie es mit Weihnachten-Deadline ist.

Die Weihnachts-Deadline

Die Weihnachts-Deadline ist für mich der Umstand, dass genau nach Weihnachten alle Lebkuchen, Gutsle und Schokoladen-Sachen aus den Geschäften verschwinden oder danach abverkauft wird. Mein Bruder deckt sich dann immer mit den reduzierten Schokoladensachen für Wochen ein. Und wirklich hat man ja dann irgendwie die Nase voll nach Wochen mit Gutsle und Lebkuchen. Die Frage: ist das ein Sättigungseffekt oder hat er tatsächlich was mit der Jahreszeit zu tun. Es ist ja so, dass Essensgelüste jahreszeitlich unterschiedlich sind. Im Sommer floriert der Eisabsatz und im Winter eben eher Schokolade. Im Winter isst man lieber was Deftiges wie Eintöpfe und im Sommer eher was Leichtes oder mehr Salat/Gemüse. Weihnachten fällt ja nicht durch Zufall mit der Wintersonnenwende zusammen. (Wann Jesus geboren ist, weiß man ja nicht, nicht mal das Geburtsjahr ist genau bekannt, also hat man die Geburt auf einen Termin gelegt, der nahe an der Wintersonnenwende am 21.12. liegt, weil das bei vielen Völkern im Norden ein Festtag war und man die so besser zum Christentum bewegen konnte).

Es könnte sein, das man bis zu dem Zeitpunkt eine Geschmackspräferenz für Süß entwickelt als Übergang vom Sommer zum Winter. Danach (so zumindest meine Theorie) hat man sich an die kälteren Temperaturen und Dunkelheit gewöhnt und braucht nicht mehr so viel Süßes. Denn Süßes wirkt über das Belohnungszentrum und verbessert so die Laune, die, wenn es 2/3 vom Tag dunkel ist, auch absinkt. So Gewöhnungszyklen gibt es. So kommen mir meistens die richtigen Wintermonate Januar und Februar nicht so kalt und trüb vor wie November und Dezember, obwohl es objektiv kälter ist. Aber das Ganze ist vielschichtig. So sind meiner Beobachtung nach auch 21 Grad nicht immer 21 Grad. Wenn es im Sommer 21 Grad warm ist, kann ich meistens mit Shorts und T-Shirt rum laufen. Jetzt im Winter habe ich in geheizten Räumen auch 21 Grad, aber zwei Paar Socken an, dazu eine dicke Hose und einen dicken Pulli. Im Sommer spricht man von einer tropischen Nacht bei mehr als 20 Grad Celsius. Im Winter heize ich das Schlafzimmer auf 16°C und brauche dann eine dicke Decke. Kurzum: Physiologisches Empfinden und absolute Werte können sehr differieren.

Kurzum: Ich will nach Weihnachten noch mal Vanillekipferl machen. Nicht sofort, sondern so mit einem Monat Abstand, damit der Sättigungseffekt sich abbaut. So Ende Januar/Anfang Februar wäre ein guter Zeitpunkt. Ich bin gespannt, ob die dann noch genauso gut schmecken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.