Der Haribo-Check

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Am Montag kommen im Ersten immer sogenannte Tests von Unternehmen unter der Bezeichnung „Der Marken-Check“. Das ganze ist ganz amüsant zu sehen. Das meiste was dort an „Checks“ gemacht wird halte ich für subjektiv. So am Montag die Prüfung des „Suchtfaktors“ von Haribo Gummibären, die man bei einer Besprechung auslegte und zählte, wie oft zugegriffen wurde. Würde jetzt bei mir ein ganz anderes Resultat geben, weil ich nicht auf Gummibären stehe. Ich esse lieber Bonbons. Die haben genausoviel Zucker, aber man hat mehr davon.

Da eigentliche journalistische an diesen „Checks“ sind eigentlich nur die Recherchen für die Produkte. Nicht irgendwelche subjektiven Tests oder Umfragen. Bei Haribo ging es um die Herkunft der Gelatine und des Carnaubawachses.

Mit Gelatine wird die Zucker-Wasserschung gebunden und es entstehen erst die Gummibärchen. Die Gelatine konnte man anhand von Produktionsvideos bis zum Hersteller verfolgen und von dem gab es die Auskunft woher er die Rohware, Schwarten und Knochen bezieht. Dann kommt der für den Zuschauer schockierende Teil. Aufnahmen einer Tierschutzgruppe, die nachts in Schweinemastbetriebe einbricht und die Zustände filmt. Obwohl man diese „konspirativ“ nachts vor so einem Einbruch auf einem Feldweg kontaktiert, ist das Kamerateam bei den Aufnahmen natürlich nicht dabei. Denn das wäre ja Einbruch. Ob der Betrieb den die Gruppe aufgesucht hat, nun zu West-Fleisch, dem Zulieferer des Gelatineherstellers liefert, oder nicht, hat man der Gruppe einfach geglaubt, ein offizieller Besuch bei Tage gab es nicht. Selbst wenn der Besitzer dann „aufräumt“ und tote und kranke Tiere aussondert, hätte man so verifizieren können, ob es derselbe Betrieb ist, aus dem die Aufnahmen der Tierschützer stammen und beim Besitzer auch nachprüfen können, an wen er liefert. Da hat die Redaktion auf halber Streke versagt.

Die Gummibären werden mit Carnaubawachs überzogen. Es verhindert, dass die Gummibären aneinander haften. Es wird daher nur in kleinen Mengen benötigt und ist in der Zutatenliste die letzte Zutat, also die mit der kleinsten Menge. Carnaubawachs stammt von der gleichnamigen Palme und wie immer, wenn ein Rohstoff aus der dritten Welt stammt, ist der Vorwurf im Raum, das dann Menschen ausgebeutet werden. Also reist das Team nach Brasilien, wo die Palme angebaut wird und besucht Farmen und entdeckt natürlich Missstände. Die sollen nach einem Interview mit dem zuständigen brasilianischen Minister in der ganzen Branche vorliegen. Auch hier machen die Bilder Stimmung. Leider fehlt aber auch hier der Nachweis, dass die Rohstoffe die Haribo bezieht, aus solchen Farmen bestehen. Haribo konnte beide Vorwürfe allerdings auch nicht entkräften.

Das ist kein Einzelfall. Bei einem Beitrag in derselben Reihe war die Faktenlage eindeutiger. Da konnte man nachweisen, das Addidas Sportbekleidung in einer Fabrik nähen ließ, die nicht mal den niedrigen Mindestlohn in Bangladesch zahlt. Da rächt es sich, wenn die drei Streifen so prominent sind, das man sie sofort auf der Ware erkennt.

Der für mich springende Punkt: Sowohl das Nähen der Trikots bei Addidas wie auch die Kosten für Gelatine und Carnaubawachs bei Haribo (Gelatine macht nur 6 % des Gewichts aus, Carnaubawachs noch weniger) sind nicht die großen Kosten bei der Produktion. Beide Firmen verkaufen ihre Markenprodukte für ein mehrfaches der Konkurrenz. Bei Gummiwaren ist es rund der doppelte Preis. Bei Trikots von Addidas kann es auch mehr als der dreifache Preis sein. Dabei hat sich heute schon herumgesprochen, das No-Name nicht unbedingt schlechter sein muss. Vor allem im Nahrungsmittelsektor stammt oft sogar das No-Name Produkt vom selben Hersteller.

Wie soll sich dann die Marke vom No-Name Produkt abheben? Nur durch Werbung oder Prominente, die man für Werbung bezahlt? Durch das dauernde Wiederholen von Slogans? Meiner Ansicht nach ist das gefährlich, auch wenn Untersuchungen zeigen, dass alleine das Image ausreicht, das man ein Produkt besser bewertet.

Ich persönlich würde erwarten, das ein Produkt, wenn es schon Marke ist, was ja für eine bestimmte Qualität steht, auch fair ist. Das ist auch eine Qualität, aber eine inmaterielle, die sich im Umgang zeigt. Das bedeutet, dass wenn man Rohstoffe aus der dritten Welt bezieht, oder dort produziert wird, die Leute fair bezahlt werden und ethische Grundstandards eingehalten werden. Ich würde auch erwarten das man fair mit der Natur umgeht. Nachhaltig wirtschaftet und z. B. bei Gelatine diese von Bio-Schweinen stammt. Die EU-Ökoverordnung hat zumindest einen gewissen, etwas höheren Standard als die normale Massentierhaltung. Für mich ist unverständlich, dass man sich bei Haribo dafür nicht interessiert. Wie schon gesagt, es sind die Substanzen mit dem kleinsten Anteil im Produkt, damit auch kleinem Anteil an den Produktionskosten und Gelatine ist sogar ein Abfallprodukt der Fleischproduktion, die sich ja nach dem Bedarf an Fleisch und nicht Gelatine orientiert.

Mit der Gelatine ist es ja so eine Sache. Die Hauptkunden sind ja Kinder und Kinder mögen Tiere, auch Tiere, die man isst. Ich fürchte, wenn Kinder wüsten das nicht nur Schwein in ihren Gummibären ist, sondern wie die Gelatine gewonnen wird (ist wirklich nicht appetitlich) ihnen würde der Appetit vergehen. Haribo hat einige vegane Produkte im Sortiment, aber der Großteil und vor allem die Verkaufsschlager wie Gummibären, gibt es nur mit Gelatine. Ich vermute sie bekommen das gewünschte Mundgefühl noch nicht so hin, wobei ich mich auch wunderte, dass man dort als Ersatz die billige modifizierte Stärke und nicht Agar-Agar verwendet. Agar-Agar hat ähnliche technologische Eigenschaften wie Gelatine und wird auch sonst als Gelatineersatz verwendet. Aber wahrscheinlich ist es zu teuer, denn sonst würde die Firma ja auch die obigen Kritikpunkte aufgreifen.

So viel dazu. Ich bin ja gerade in Nesselwang. Diesmal 14 Tage, weil eine Wand gemacht werden muss und ich bin da gerne vor Ort um das zu beaufsichtigen. Als positiver Nebeneffekt der freien Zeit, konnte ich das Manuskript zu dem Buch über Raumsonden, inzwischen offizieller Titel: „Roboter erkunden das Sonnensystem“, Untertitel: „Die goldenen und dunklen Jahre: 1958-1992“ fertiggestellt. Es fehlen noch einige Grafiken aber der Umfang ist nun absehbar. Es werden zwischen 380 und 400 Seiten werden und dann wahrscheinlich 25 Euro kosten. Ich hoffe, dass die Endfassung im November fertig wird und dann im Dezember zu dem ersten Korrekturleser geht, einen zweiten suche ich übrigens noch. Danach habe ich auch vor, gleich den zweiten Teil zu schrieben und mit viel Glück sind beide im Druck bevor sich am 17.8.2018 der 60-te Jahrestag des ersten Raumsondenstarts jährt. Das hängt vor allem von den Durchlaufzeiten bei den Korrekturlesern ab. Bis zum Mai, dann beginnt die Freibadsaison und damit fällt auch viel Zeit bei mir weg, sollte ich das Manuskript von Teil 2 in jedem Falle fertig werden.

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