Die Einzigen, die wissen, dass sie schlau sind und die sich aller Sachen sicher sind.

Auf den heutigen kurzen Blog kam ich durch Donald Trump. Einige Monate, nachdem er das Amt angetreten hatte, sagte mal jemand „Gegen Trump wiegt George W. Bush wie ein Intellektueller und Ronald Reagan wie ein Friedensaktivist“. Doch gestern hat er sich selbst Übertroffen. Zuerst sagt er, „Ich habe viel über Covid gelernt“ … „Ich habe es gelernt, indem ich wirklich in die Schule gegangen bin. Das hier ist die wahre Schule. Das ist nicht die Lasst-uns-die-Bücher-lesen-Schule. Und das begreife ich und das verstehe ich.“. Weil er das begriffen hat, ist er dann erst in einem SUV ums Krankenhaus gefahren und hat sich dann selbst entlassen, damit er im Weißen Haus noch weitere anstecken kann. Denn sein Credo ist ja „Habt keine Angst vor Covid. Lasst nicht zu, dass es euer Leben beherrscht“. Klar und deswegen kann man, selbst wenn es einem gut geht, nicht die Quarantäne abwarten, bis man selbst nicht mehr infektiös ist. Okay, das muss er eben erst noch selbst durch Erfahrung lernen, denn mit Lesen hat er es ja nicht so.

Genau und deswegen ist er nach eigener Aussage auch so smart das er an einer Universität lehren könnte und das ohne etwas zu studieren. Er kapiert einfach alles sofort. Deswegen muss er auch keine Bücher lesen. Ich finde ehrlich schade, dass die Ärzte nicht bei ihm selbst seinen Vorschlag für die Coronatherapie umgesetzt haben, nämlich Desinfektionsmittel zu injizieren. Okay, ich halte das für gefährlich, aber ich bin ja nicht so smart wie Trump. Die meisten Dinge eigne ich mir immer noch durch Lesen an und nicht durch direkte Erfahrung. (Ist jetzt bei zweien meiner Steckenpferde Chemie und Raumfahrt auch nicht so leicht, nur beim Programmieren geht dieser Weg). Wahrscheinlich wäre mit Desinfektionsmittel in Trumps Blut die Coronalage heute auch viel besser – wenn er selbst den Vorschlag zu dem Zeitpunkt als er ihn machte, (am 24.4.2020) umgesetzt hätte.

Ironie beiseite, Trump ist ein hervorragendes Exemplar einer Gattung von Mensch, das sind die selbst ernannten Experten und Universalgenies. Meiner Erfahrung nach kombinieren fehlendes Wissen / Intelligenz sich sehr oft mit einer Selbstüberschätzung. Von Sokrates soll ja das Zitat stammen „Ich weiß, das ich nichts weiß“, was Bescheidenheit ausdrückt aber auch eine Art Philosophie ist. Jemand der weise ist, hinterfragt sich selbst, ist offen für Neues und versucht sich zu verbessern und Neues hinzuzulernen. Das Gegenteil sind Leute, die sich selbst für wahnsinnig schlau halten. Damit haben alle anderen unrecht und man kann sich natürlich nicht irren. Hinzulernen muss man auch nichts, denn man weiß ja alles besser als alle anderen. Ich bekomme laufend Mails von solchen Leuten.

Ich habe als ich diesen Blog schrieb überlegt, was die Ursache ist. Ist es fehlende Bildung oder fehlende Intelligenz? Ich glaube beides. Intelligenz hat viele Aspekte. Eine ist Neugier, Offenheit, sich etwas anzueignen und zu verstehen. Aber ohne Bildung nützt Intelligenz auch nichts. Bildung ist das Fundament, auf dem man mit der Intelligenz neues bauen kann, die Werkzeuge die man braucht. Nehmen wir den Moon Hoax. Die Falsifizierung der zahlreichen Behauptungen führt fast immer zu physikalischen Grundlagen, und wenn man die nicht kennt, dann kann man schlecht zwischen Moon-Hoax und Realität unterscheiden. Trump ist aber noch in einem anderen Aspekt ein Paradeexemplar dieser Menschengattung, denn sie sind sehr laut, in dem Sinne, das sie einen unstillbaren Drang haben sich überall zu allem zu äußern.

Wer ist Deutsch

Wie schon gesagt, der heutige Blog ist kurz, daher hat er sogar zwei Themen in einem Blog. Auf mein zweites Thema kam ich durch die Radiosendung SWR1 Leute, in der am 5.10.2020 Florence Brokowski-Shekete zu Besuch war. Radio hat den Vorteil, das man sich auf die Stimme konzentriert und Frau Brokowski-Shekete spricht perfektes Deutsch, viel besser als ich mit meinem recht starken schwäbischen Dialekt. Frau Brokowski-Shekete wurde in Nigeria geboren und ist adoptiert worden. Entsprechend hat sie dunkle Hautfarbe (oder wie man das gerade politisch korrekt heute nennt) und in der Sendung wurde dann auch eine Mail verlesen, in der eine Frau meinte, sie dürfe sich nicht deutsch nennen. Das wäre sie nur, wenn sie vier deutsche Großeltern hätte. Hmmm klingt bei mir so irgendwie nach Arierausweis. Ich habe dann mal nachgedacht und es gibt ja Einwohner, die aus einem anderen Land zu uns kamen und die meist nur Landsleute aus einem ähnlichen oder gleichen Kulturkreis heiraten, besonders ausgeprägt z.B. bei Türken. Diese sind dann natürlich auch keine Deutsche mit deutschen Großeltern, sondern auch Kinder, Enkel, Nachkommen von Einwanderer. Nach der Logik würden die so niemals Deutsche sein. Selbst wenn mal ein Deutscher geheiratet wird, reicht das nicht, denn es müssen ja vier sein.

Ich habe dann nachgedacht und mich gefragt, was für mich ein Kriterium ist, wer Deutscher ist. Klar kann man das relativ einfach beantworten, indem man sich auf ein offizielles Kriterium zurückzieht wie z.B. die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber eine Staatsbürgerschaft kann man auch mehrfach haben. Man kann aber schlecht gleichzeitig Deutscher und Amerikaner sein, obwohl man beide Staatsbürgerschaften haben kann.

Die Sprache ist sicher ein wichtiger Aspekt. Ich spreche englisch, würde mich, wenn ich aber in England oder den USA leben, würde sicher nicht als Engländer oder US-Amerikaner bezeichnen. Wer sich bei uns einbürgern will, muss einen Test durchlaufen. Da gibt es etliche Fragen zum Verständnis der Grundrechte, unseres Systems, Politik, Geschichte aber auch Brauchtum. Okay, aber Kenntnis etwas bedeutet ja nicht das es zum Leben gehört, die Werte und Dinge auch verinnerlicht. Gut alles wird man da auch nicht machen, denn so ist auch Fasching Teil des Fragenkatalogs und mir ist Fasching eigentlich schnurz-piep-egal. Aber es trifft den Kern. Jedes Volk hat eine gewisse Wertegemeinschaft, Eigenheiten, Bräuche, die charakteristisch sind. Bräuche aber auch die Küche, beliebte Sportarten, das alles verbindet. Werte und Eigenschaften sind Eigenheiten. Deutsche gelten als pünktlich, zuverlässig, penibel. Mancher bemerkt deutsche Eigenheiten erst im Ausland, wenn es dort ander ist. Aber an einem kann man es sicher nicht festmachen: der Hautfarbe. Frau Brokowski-Shekete hat eine Befürchtung angesprochen, dass Menschen mit solchen Ansichten befürchten es gehe ihnen etwas verloren. Das kursiert ja auch in Sprüchen, wie das die Deutschen aussterben oder Deutschland islamisiert werden soll. Sie meinte, es gehe nichts verloren, man bekomme nur etwas dazu. Und das ist richtig. Ein Volk ist ja nicht statisch. Seit die Römer bei uns einfielen, gab es immer wieder Vermischungen mit anderen Völkern und auch was man als Deutsch versteht, hat sich immer gewandelt. Deutsch war mal Kleinstaaterei, Rückzug ins Privatleben (Biedermeier), der Anspruch Vorbild für die ganze Welt zu sein im Kaiserreich und Rassismus, Tötung „unwerten Lebens“. Hätte man in der jeweiligen Zeit gefragt was „typisch deutsch“ wäre man hätte sicher jeweils andere Antworten bekommen.

Zu den deutschen Eigenschaften gehören nicht Rassismus, Intoleranz, Wutbürgertum und Renitententum. So gesehen ist meiner Ansicht nach sowohl die Frau, die die Mail schreibt wie auch zahlreiche andere Personen, die sich gerne lautstark und abfällig äußern, keine Deutsche. Und so schließt sich der Kreis wieder, denn wie schrieb ich schon: Die Leute, die sich für smarter als andere halten und immer im Recht sind, die sind auch immer sehr laut.

7 thoughts on “Die Einzigen, die wissen, dass sie schlau sind und die sich aller Sachen sicher sind.

  1. Ihr Deutschen habt echt ein Problem mit Dialekten. In andere Ländern ist man stolz auf seinen Dialekt, und es wird nicht als minderwertig angesehen Dialekt zu reden. Da kann man gleich hören woher die Leute sind.
    Hier in Norwegen gibt es so was wie eine Standardsprache nicht. Also es gibt zwei Varianten, die im Staatsfernsehen gesprochen werden, die alle verstehen sollten. Aber das spricht sonst keiner. Es gibt zwei Schriftvarianten, aber das hat nichts mit dem zu tun was man eigentlich spricht. Als Schweizer war ich Dialekten schon vorher gewöhnt, so dass es für mich kein Problem war, damit schlag zu kommen.

      1. So weit ich weiß ist die Sprache noch das woran man am ehesten festmachen kann wer „deutsch“ ist.
        Hab das Thema mal aus spaß Gegoogelt wie man Deutsch überhaupt definiert nach dem ich mich mit der Frage auseinander gesetzt habe wie aus den Römern eigentlich Italiener geworden sind.
        Weil ich als Südwestdeutscher fühle mich z.B. im Zweifelsfall unter Österreichern heimischer als unter Norddeutschen. Die Kulturellen Unterschiede in Deutschland sind doch so groß das man nicht einmal von einem Einheitlichen Volk sprechen kann. Hier in Württemberg hacken wir ja immernoch auf den Badener rum so gibt es ja nicht einmal Baden-Württemberger. Beim Besuchen von Verwandten in Brandenburg hatte ich schon teilweise leichte Verständigungsprobleme obwohl ich bei weitem kein richtigs Schwäbisch schwätz.
        Oder auch kulinarisch ist der Unterschied zwischen dem Süden und dem Norden Deutschlands doch rießig. Da mag ich das Elsesische oder das Österreichische Essen Dan doch lieber. Und die Menschen versteh ich auch besser auch wen sie nach Staatsbürgerdefinition keine Deutschen sind.

  2. Laut nuesten Umfragedaten würde übrigens Trump haushoch gegen Biden verlieren.

    Ja, ich weiss jetzt kommt sicher das „Aber 2016..“ Argument. Aber selbst Skeptiker und Leute, die zur damiligen Zeit vor einem Trump-Sieg gewarnt haben sind nun deutlich zuversichtlicher, vor allem da Trump besonders in seiner Hauptbasis, den „Seniors“ aktuell massiv verloren hat.

    Außerdem stellt sich auch noch die Frage ob er bis zur Wahl überhaupt noch am Leben ist. Er hat sich ja im Prinzip selbser aus dem Spital entlassen, was viele Experten ls extremst fahrlässig ansehen. (Aber Narzisten sidn halt so, wie du scho nsagstest.)

    Aber laut Ärzten ist eine Covid Infektion zunächst wie eien Achterbahnfahrt. Gute und Schlechte Momente wechseln. Gewissheit wie die Krankheit wirklich verlaufen wird, hat man meist erst nach 9 Tagen. Bei Trump wäre das also nächsten Sonntag.

    Bei einem seiner größten Anhänger, Herman Cain war es ähnlich. Und er starb wenige Wochen nach dem er inifiziert wurde…..

  3. Dies Phänomen, dass Menschen sich für kompetenter halten, als sie sind, wird auch als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet. Sollte man bei allen

    https://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.64.2655&rep=rep1&type=pdf

    Und was Frau Brokowski-Shekete angeht, so ist diese Reaktion nur ein weiteres Zeichen für die rückständigen Vorstellungen von Teilen unserer Gesellschaft, die immer noch der Vorstellung einer nationalen Identität anhängen. Eine Vorstellung, die erst im 19. Jahrhundert ausgedacht wurde.

    Selbst wenn die Verschwörungstheorien aus der rechten Ecke stimmen sollte, nach denen irgendwelche Eliten die europäische Bevölkerung durch Menschen aus Afrika und dem nahen Osten ersetzen wollen, frag ich mich dabei nur :“So what?“ Es geht niemanden besser oder schlechter nur weil eine bestimmte Bevölkerungsgruppe einen höheren oder geringeren Anteil an der Gesamtbevölkerung hat.

  4. Sokrates: „Ich weiß, das ich nichts weiß“

    Wer nichts weiß, kann gar nicht wissen, dass er nichts weiß, da er ja nichts weiss.

    Da Sokrates unbestritten ein großer Denker war, könnte es wohl eher eine ironische Antwort auf einen Besserwisser gewesen sein.

    Insofern passt das Zitat dann doch wieder….

  5. Ein wirklich interessanter und gut geschriebener Blog.

    Zum ersten Thema fällt mir noch ein, dass es mir so vorkommt als hätten Großmäuler ein immer leichteres Spiel. Die Leute glauben Ihnen nicht nur bereitwillig ohne mal kurz selbst drüber nachzudenken, sondern sie sind direkt so fanatisch, dass sie andere von dieser, einzig wahren Behauptung überzeugen müssen.
    Zu sagen, dass man sich mit etwas nicht auskennt und erst informieren muss, scheint heutzutage ein Eingeständnis von Schwäche und Dummheit zu sein. Stattdessen wird wild alles mögliche behauptet und wenn man nur laut genug ist, wird man vielleicht Präsident oder der Chef einer hippen Raumfahrtfirma.

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