{"id":10034,"date":"2014-06-05T00:31:08","date_gmt":"2014-06-04T22:31:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/?p=10034"},"modified":"2014-06-03T17:59:36","modified_gmt":"2014-06-03T15:59:36","slug":"der-schmetterlingseffekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bernd-leitenberger.de\/blog\/2014\/06\/05\/der-schmetterlingseffekt\/","title":{"rendered":"Der Schmetterlingseffekt"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\">Unter dem Schmetterlingseffekt versteht man, dass kleine &Auml;nderungen in einem nichtlinearen, dynamischen System sich soweit aufschaukeln k&ouml;nnen, dass sie die gesamte Dynamik des Systems ver&auml;ndern k&ouml;nnen.<\/p>\n<p class=\"western\">Das \u201eGesetz\u201c stammt von dem Meteologen Edward N. Lorenz, der postulierte, dass der Fl&uuml;gelschlag eines Schmetterlings in Brasilien die Entstehung eines Sturms einige Monate sp&auml;ter im Atlantik ausl&ouml;sen k&ouml;nnte, indem er eine lokale Luftstr&ouml;mung ver&auml;ndert, die dann wieder eine gr&ouml;&szlig;ere Luftstr&ouml;mung verst&auml;rkt oder abschw&auml;cht etc., bis die Ver&auml;nderung sich zu einem Orkan ausw&auml;chst.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Grundlagen daf&uuml;r schuf Lorenz schon 1963, als er an der Vorhersage des Wetters arbeitete. Diese ist heute &uuml;ber zwei Wochen m&ouml;glich, doch mit den damals verf&uuml;gbaren Rechnern war man damals noch bei den Anf&auml;ngen dieser Technologie. Lorenz war einer der Ersten, der die Modelle f&uuml;r die Wettervorhersage auf einem Computer erprobte. Er arbeitete nicht direkt mit Wetterdaten, sondern dem Modell der Ver&auml;nderung der Atmosph&auml;re versuchte also zuerst einmal, das korrekte Modell f&uuml;r die Vorhersage zu finden.<!--more--><\/p>\n<p class=\"western\">Computer waren damals nicht nur langsam. Sie waren auch teuer. Lorenz konnte seine Programme nicht am St&uuml;ck laufen lassen. &Uuml;blich war ein Batchbetrieb. Ein Benutzer bekam die gesamte Rechenleistung, aber nur f&uuml;r eine bestimmte Zeitspanne. Danach wurde ein anderes Programm geladen. Lorenz musste, nachdem er ein Zeitkontingent aufgebraucht hatte, die Zwischenergebnisse auf Magnetband sichern. Wenn er wieder ein Zeitkontingent hatte, konnte er die Zwischenergebnisse einladen und weiter rechnen. Einmal konnte er den Computer &uuml;ber mehrere Feiertage nutzen, bei dem es keine anderen Jobs gab. Er wollte dies nutzen, um Variationen der Startwerte zu erproben. Zuerst lies er aber das Modell nochmals zur Kontrolle mit den alten Werten laufen. Er entdeckte, dass die Ergebnisse, von denen die er vorher erhalten hatte, abwichen. Nach genauer Untersuchung zeigte sich, dass die Ursache darin lag, dass er die Daten mit drei Dezimalstellen auf Magnetband gespeichert hatte, der Computer intern aber mit sechs Dezimalstellen rechnete.<\/p>\n<p class=\"western\">Lorenz postulierte, dass dies nun nicht nur ein Computerproblem ist, sondern ein auch in Wirklichkeit auftretender Effekt: Die fehlenden drei Dezimalstellen entsprechen in Wirklichkeit eben einem sehr kleinen Einfluss auf die Luftstr&ouml;mung, wie eben dem Fl&uuml;gelschlag des Schmetterlings. Zum Gl&uuml;ck f&uuml;r uns gleichen sich zahlreiche dieser kleinen Ereignisse aber gegenseitig aus, sonst ww&auml;re eine Wettervorhersage unm&ouml;glich. Trotzdem ist das Wetter ein chaotisches System. Je weiter die Vorhersage in die Zukunft geht, desto gr&ouml;&szlig;er ist die Unsicherheit, sprich der Fehler der Vorhersage. Das gilt auch f&uuml;r die Geografie \u2013 denn lokales Wetter k&ouml;nnen viel kleinere St&ouml;rfaktoren beeinflussen. So ist es bis heute schwer vorherzusagen, wo genau ein Gewitter entsteht und wo nicht, denn Gewitterzellen sind, nur einige Kilometer gro&szlig;.<\/p>\n<p class=\"western\">Zahlreiche Systeme haben dieses \u201echaotische\u201c Verhalten. Ein sehr einfaches sind die Bewegungen von Himmelsk&ouml;rpern. Die Gravitationskraft ist nur eine kleine Kraft, aber sie hat zwei bemerkenswerte Eigenschaften. Die eine ist, dass die Gravitationskraft nur anziehend wirkt: K&ouml;rper ziehen sich immer gegenseitig an, verringern also den Abstand zueinander. Die zweite Eigenschaft ist, dass die Gravitationskraft im Quadrat zum Abstand zunimmt. Verringert sich also der Abstand, so bewirkt die verringerte Distanz eine viel st&auml;rkere Kraft, die dann wieder den Abstand verkleinert. In unserem Sonnensystem &auml;u&szlig;ert sich dies darin, dass zwischen Mars und Jupiter der Asteroideng&uuml;rtel liegt \u2013 Jupiter als massereichster Planet verhinderte hier die Bildung eines weiteren Planeten. Selbst Mars hat eine sehr elliptische Bahn die sich noch dazu im Laufe von nur 50.000 Jahren deutlich durch die Gravitation Jupiters ver&auml;ndert. Simulationen zeigen, dass wenn es in unserem Sonnensystem einen zweiten Himmelsk&ouml;rper mit der Masse Jupiters gegeben h&auml;tte, dies gravierende Auswirkungen gehabt h&auml;tte. Mindestens einer der &auml;u&szlig;eren Planeten w&auml;re aus dem Sonnensystem geschleudert worden und bei den sonnennahen Planeten (Merkur bis Mars) ist die Gefahr gro&szlig;, das sie durch die St&ouml;rkr&auml;fte auf die Sonne st&uuml;rzen.<\/p>\n<p class=\"western\">Simulationen zeigten schon, dass wahrscheinlich Uranus und Neptun im fr&uuml;hen Sonnensystem andere Bahnen innehatten und ihre Pl&auml;tze getauscht haben, d.h., Uranus war einmal der sonnenfernere der beiden Planeten. Auch dies wird auf die kombinierten St&ouml;rkr&auml;fte von Jupiter und Saturn im fr&uuml;hen Sonnensystem zur&uuml;ckgef&uuml;hrt.<\/p>\n<p class=\"western\">Schon im 19-ten Jahrhundert beweisen Mathematiker, dass ein System aus zwei massiven und einem leichten Himmelsk&ouml;rper meist nicht langzeitstabil ist. Stabile Umlaufbahnen gibt es nur, wenn einer der beiden schweren Himmelsk&ouml;rper von dem kleineren in geringer Entfernung umkreist wird, nicht jedoch beide. Auch hier wird der leichte Himmelsk&ouml;rper entweder auf einen der beiden gro&szlig;en K&ouml;rper st&uuml;rzen oder aus dem System geschleudert werden.<\/p>\n<p class=\"western\">1958 bewies dieses Postulat die Raumsonde Luna 3. Sie hatte nach dem Start am 4.10.1959 eine Anfangsbahn von 500 x 500.000 km und machte bei der Passage des Mondes nach einigen Tagen Aufnahmen, die sie zur Erde &uuml;bertrug. Die Passage f&uuml;hrte zu einer neuen Bahn von 46.500 x 470.000 km. Weitere St&ouml;rungen f&uuml;hrten dazu, dass die Sonde schon am 28.4.1960, also nach knapp sieben Monaten in der Erdatmosph&auml;re vergl&uuml;hte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/56ef1e366bad475f8985378101e27241\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Schmetterlingseffekt versteht man, dass kleine &Auml;nderungen in einem nichtlinearen, dynamischen System sich soweit aufschaukeln k&ouml;nnen, dass sie die gesamte Dynamik des Systems ver&auml;ndern k&ouml;nnen. Das \u201eGesetz\u201c stammt von dem Meteologen Edward N. 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